Hobbes Staatsphilosophie


Seminararbeit, 2001

19 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhalt

EINLEITUNG

Thomas Hobbes

HOBBES MENSCHENBILD

DER NATURZUSTAND

Naturrecht (jus naturale)

Naturgesetz (lex naturale)

Der Staat

Leviathan, der Hobbessche Friedensstaat

Begründung eines Welt-Leviathans

Schlussbemerkungen

Bibliographie

EINLEITUNG

Der Themenbereich und seine Bedeutung

In meiner Hausarbeit setze ich mich mit Hobbes und mit seiner Staatsphilosophie auseinander. In diesem Zusammenhang werde ich zum einen Hobbes implizite und explizite Theorie der internationalen Politik, zum anderen Hobbes und den Realismus (bzw. die Hobbesianische Tradition) betrachten.

Bei den Betrachtungen werde ich auf die für Hobbes typischen und wichtigen Begrifflichkeiten, wie auf den Naturzustand und auch Naturrecht und Naturgesetz verweisen. Für die Betrachtung hobbesscher Staatsphilosophie ist natürlich auch die Betrachtung seines Menschenbildes von besonderer Bedeutung. Im Verlauf meiner Hausarbeit werde ich auch darauf eingehen. Abschließend werde ich mich darum bemühen, die Frage, ob sich mit Hobbes die Forderung nach einem Welt-Leviathan begründen lässt, zu beantworten.

Hobbes Staatsphilosophie ermöglicht eine Betrachtung der internationalen Beziehungen. An dieser Stelle schließt sich die Frage nach der Begründung eines Welt-Leviathans an.

Thomas Hobbes

Wurde am 05.04.1588 in Westport (England) geboren, und starb am 4.12.1679 in Hardwick Hall bei Chesterfield. Die Kriegswirren seiner Zeit (Dreißigjähriger Krieg, 1618-1648 und der Englische Bürgerkrieg 1642-1648) prägten sein Menschenbild enorm. Hobbes wurde stark von Thukydides Schriften über den Peloponnesischen Krieg, die er ins Englische übersetzte, beeinflusst. In seinem Hauptwerk „Leviathan“ geht er vor allem auf sicherheitspolitische Aspekte ein, die auch für die Internationalen Beziehungen eine große Rolle spielen.

In Hobbes Philosophie nimmt die physische Sicherheit einen hohen Rang ein. Seine Philosophie arbeitet mit dem ökonomischen oder rational-choice-Ansatz, wie wir ihn heute in den Sozialwissenschaften nennen würden. Er versucht aufgrund der Annahme, dass Menschen immer nur ihr eigenes Interesse verfolgen, herzuleiten, wie sich die Menschen tatsächlich in Staat und Gesellschaft verhalten, aber auch wie ihre sozialen und politischen Institutionen beschaffen sein sollten.

Die vertragstheoretische Begründung seines Staates (oder der Vorstellung von einem solchen, und nicht notwendigerweise einer Autokratie), liefert er indem er anführt, dass der Mensch vor einem Leben bewahrt werden soll, welches er als einsam und kümmerlich, roh und kurz bezeichnet.

HOBBES MENSCHENBILD

Die Gleichheit der menschlichen Fähigkeiten

Für Hobbes liegen die Wurzeln der unter den Menschen herrschenden Zwietracht eindeutig in der relativen Gleichverteilung ihrer Fähigkeiten. Er vertritt die Ansicht, dass es trotz der bestehenden Unterschiede, sowohl im körperlichen, als auch im geistigen Bereich, möglich ist diese zu nivellieren.

„Denn was die Körperstärke betriff, so ist der Schwächste stark genug, den Stärksten zu töten – entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen, die sich in derselben Gefahr wie er selbst befinden.“[1]

Geistige Fähigkeiten des Menschen bewertet er, was ihren Ausgleich untereinander anbetrifft, noch höher. Durch Gebrauch von Sprache, aber auch die Kenntnis der Wissenschaft, also erlernte Fähigkeiten, lassen sich Unterschiede besonders gut nivellieren, da ihre Aneignung prinzipiell allen offen steht.

Nüchtern betrachtet besteht jedoch nur relative Gleichheit der Grundkonzeption geistiger und körperlicher Anlagen, was schließlich zu einem Wettstreben nach größtenteils ähnlichen oder gleichen Zielen und unweigerlich, da durch das Naturrecht legitimiert, zum Krieg aller gegen alle führt.

Dies lässt sich auch als ein anarchistisches, chaotisches, vorbürgerliches Dasein des Menschen bezeichnen, in dem keine übergeordnete Staatsmacht Garant für Sicherheit und Ordnung ist.

Die Natur des Menschen ist so beschaffen, dass er davon ausgeht, es gebe nicht viele, die so weise sind, wie er selber, „sie sehen ihren eigenen Verstand unmittelbar vor ihren Augen und den anderer Menschen über eine Entfernung.“[2] Hierbei lässt sich jedoch ebenfalls die Gleichheit der Menschen festmachen, auch diese Ansicht verbindet sie untereinander, darüber hinaus wird dies von Hobbes als ein „Zeichen der gleichmäßigen Verteilung eines Dings, als dass jedermann mit seinem Anteil zufrieden ist“ gewertet. Diese Gleichheit der Fähigkeiten führt dazu, dass die Menschen eine gemeinsame Hoffnung auf die Erreichung ihrer Ziele hegen. Genau aus dieser Tatsache ergeben sich auch für Hobbes die Konflikte, die sich in diesem Zusammenhang entwickeln. Die Menschen streben nach gleichen Gegenständen, die sie nicht unbedingt zusammen genießen können. Auf diese Weise werden sie zu Feinden, wobei sie ihre Selbsterhaltung dazu bringt, sich gegenseitig zu vernichten oder zu unterwerfen. Aus dieser Tatsache erwächst ein gegenseitiges Misstrauen. Die Menschen versuchen, solange sie die Möglichkeit dazu sehen, „andere mit Gewalt oder List nach Kräften (...) zu unterwerfen, und zwar so lange, bis er keine andere Macht mehr sieht, die groß genug wäre, ihn zu gefährden.“[3]

Nachfolgend möchte ich näher auf das hobbessche Verständnis des Naturzustandes eingehen.

DER NATURZUSTAND

Der Krieg aller gegen alle ( bellum omnium contra omnes

Hobbes vertritt in seiner Staatsphilosophie die These vom Naturzustand des Menschen, der einerseits durch die Gleichheit unter Menschen und andererseits durch die Abwesenheit staatlicher Führung gekennzeichnet ist. Es herrscht also ein anarchischer Zustand, in dem keine allgemeine, alle im Zaum haltende Macht vorhanden ist. Diesen Zustand setzt er mit dem eines Krieges, eines Krieges aller gegen alle, gleich.

Dabei handelt es sich, nach seinem Verständnis von Krieg, nicht erst um einen solchen, wenn die Waffen sprechen, sondern bereits, wenn zu einem Zeitpunkt, in dem allein die Bereitschaft zu einem solchen besteht.

„(...) so besteht das Wesen des Krieges nicht in tatsächlichen Kampfhandlungen, sondern in der bekannten Bereitschaft dazu während der ganzen Zeit, in der man sich des Gegenteils nicht sicher sein kann.“[4]

Hobbes führt bei seinen Betrachtungen an, dass der Mensch bereits vor dem Staate, also vor der Bildung eines solchen, gewesen ist. Aus genau diesem Grund stehen ihm deshalb Grundrechte zu, deren Einschränkung durch staatliche Gewalt unmöglich ist.

Auch dies ist für den hobbesschen Naturzustand charakteristisch, das „Recht auf alles“, aber auch „der Kampf aller gegen alle“, kommen hier deutlich zum Ausdruck. Klar wird auch, dass sich der Mensch im Naturzustand, durch die herrschende Anarchie, im ständigen Wetteifer um Gewinn, Sicherheit und Prestige, befindet. Dabei wird der Mensch primär durch die Furcht vor tatsächlichen Übergriffen seiner Mitmenschen angetrieben.

Darüber hinaus ist für den Naturzustand charakteristisch, dass sich die Menschen ständig zwischen Angriff und Verteidigung befinden, wobei die Entwicklung höherer Ziele zum Erliegen kommt.

Das Zusammenleben hat keine Struktur, ,,da findet sich kein Fleiß, weil kein Vorteil davon zu erwarten ist; es gibt keinen Ackerbau, keine Schifffahrt, keine bequemen Wohnungen (...), keine Künste, keine gesellschaftlichen Verbindungen; statt dessen ein tausendfaches Elend gemordet zu werden (...), ein einsames, kümmerliches, rohes und kurz dauerndes Leben."[5]

Es entsteht ein Zustand, welcher die Entfaltung jeglicher zwischenmenschlicher Kooperation, aufgrund des ständig vorherrschenden gegenseitigen Misstrauens, verhindert. Dieser Zustand hemmt die Entstehung von Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft. Auf diese Weise wird das menschliche Leben im Naturzustand einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz[6]

Aus diesem Zustand geht eine Situation hervor, in der sich jeder gezwungen sieht, für sich selbst zu sorgen, da Engagement für andere nicht als lohnenswert, geradezu als unrentabel betrachtet wird. Auch hier verdeutlich sich der Zustand des allgemeinen Kampfes, in dem ein jeder neidvoll auf das Gut des anderen blickt. Dementsprechend gilt die größte Angst der Menschen der totalen Freiheit ihrer Mitmenschen. Sie fürchten sich, weil sie bei jedem einzelnen die destruktive Triebhaftigkeit vermuten, die sie in Freiheit auch bei sich selbst vorfinden. Das Resultat daraus besteht für Hobbes in der prinzipiellen Bereitschaft, sich das bequeme Leben um den Preis eines Teiles der natürlichen Rechte zu erkaufen. Dabei steht natürlich nicht das Harmoniebedürfnis, sondern Eigennutz im Vordergrund.

[...]


[1] Thomas Hobbes, S. 94

[2] Ders. S. 94

[3] Ders. S. 95

[4] Ders. S.96

[5] Ders. Kap. 13

[6] Ders. S. 96

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Hobbes Staatsphilosophie
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Geschichte der Theorie der internationalen Beziehungen
Note
3
Autor
Jahr
2001
Seiten
19
Katalognummer
V5586
ISBN (eBook)
9783638134217
ISBN (Buch)
9783640882069
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hobbes, Staatsphilosophie, Geschichte, Theorie, Beziehungen
Arbeit zitieren
Anna Eckert (Autor), 2001, Hobbes Staatsphilosophie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5586

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Hobbes Staatsphilosophie



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden