Der Paradigma nach Kuhn als Anwendung des soziologischen Erklärungsmodells nach Esser


Seminararbeit, 2002

14 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser
3.1 Der 1. Schritt: Die Logik der Situation
3.2 Der 2. Schritt: Die Logik der Selektion
3.3 Der 3. Schritt: Die Logik der Aggregation

4 Thomas Kuhn: Entwicklung durch Revolution
4.1 Paradigmen und die Normalwissenschaft
4.2 Die Krise, die außerordentliche Wissenschaft und der Paradigmenwechsel

5 Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell
5.1 Die Explananda S2 und S3
5.2 Von der Ausgangssituation S1 zum Vorhandensein des neuen Paradigmas S2
5.2.1 Die Logik der Situation von S1
5.2.2 Die Logik der Selektion von A1 zu H1
5.2.3 Die Logik der Aggregation von H1 zur Revolution S2
5.3 Von der Revolution und vom neuen Paradigma S2 zum Paradigmenwechsel S3
5.3.1 Die Logik der Situation S2
5.3.2 Die Logik der Selektion von A2 zu H2
5.3.3 Die Logik der Aggregation von H2 zum Paradigmenwechsel S3

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

2 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Versuch Essers soziologisches Erklärungsmodell mit „Leben“ zu füllen, in dem es (exemplarisch) auf Kuhns Theorie des Paradigmenwechsel angewendet wird. Wichtig scheint dies, da Esser für sein Modell in Anspruch nimmt, daß es zur Erklärung sämtlicher soziologischen Phänomene geeignet sei.[1] Dieser Logik folgend muß es also auch zur Erklärung des soziologischen Phänomens des Paradigmenwechsels geeignet sein.

Gemäß dieser Aufgabenstellung werden im dritten Kapitel ( Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser) zunächst Essers „Badewanne“ und anschließend in Kapitel 4 (Thomas Kuhn: Entwicklung durch Revolution ) Kuhns Theorie des Paradigmenwechsels einführend vorgestellt. Da es nicht das Ziel dieser Hausarbeit ist Essers Modell oder Kuhns Theorie in allen Details zu diskutieren, wurde in diesen Kapiteln bewusst auf Forschungskontroversen (besonders bei Kuhn), weitergehende Theorien und untergeordnete Details verzichtet.

Im fünften Kapitel ( Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell) wird anschließend Kuhn in Essers Badewanne „gesteckt“, wobei in diesem Kapitel der Systematik der beiden vorhergegangenen Kapitel Rechnung getragen wird.

Abschließend wird im Kapitel Fazit der Versuch abschließend bewertet und Essers Erklärungsmodell auf seine Tauglichkeit für Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen hin untersucht.

Da zu dem eigentlichen Thema keine Literatur verfügbar war, wurde das entsprechende Kapitel ohne Vorlage bearbeitet; für die anderen beiden Kapitel wurde eine beschränkte Auswahl an Übersichtsdarstellungen und die beiden Originalwerke herangezogen.

3 Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser

Bei dem im folgenden Kapitel vorgestellten „Grundmodell der soziologischen Erklärung“[3] handelt es um das „elementare Grundmodell jeder soziologischen Erklärung“[4], also um die grundsätzliche Arbeitsmethode des Soziologen zur Lösung eines wissenschaftlichen Rätsels. Dieses von Hartmut Esser ausformulierte Programm, welches auf Max Webers Modell des verstehenden Erklärens zurück geht,[5] geht von der allgemeinen Erkenntnis aus, daß kollektive Phänomene (um deren Erklärung sich die Soziologie bemüht) lediglich auf die aggregierten individuelle Handlungen von einzelnen Akteuren zurück zu führen sind;[6] daß also zur Erklärung eines Sachverhaltes auf der Makroebene eine Betrachtung der Mikroebene erforderlich ist. Dabei ist es irrelevant von welcher Art das Explanandum[7] ist oder welche Theorie zur Erklärung der jeweiligen Handlung des einzelnen Akteurs herangezogen werden soll, da Esser (charmanterweise) nur ein allgemeines Arbeitsprogramm, ein Grundgerüst, liefert. In diesem können je nach Aufgabenstellung oder persönlicher Vorliebe die verschiedenen (durchaus miteinander konkurrierenden) Theorien der Soziologie angewendet werden.[2]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Das Grundmodell der soziologischen Erklärung[8]

Essers Modell selbst besteht aus drei einzelnen und schließlich miteinander zu kombinierenden Schritten: Die „typisierende Beschreibung“ der Handlungssituation über Brückenhypothesen, der „Erklärung der Selektion von Handlungen“ der Akteure über eine Handlungstheorie und der anschließenden „Aggregation der individuellen Handlungen über Transformationsregeln“.[9] Da auf diese Art und Weise das Problem zuerst (durch die Analyse der Situation von der Makroebene auf die Mikroebene und anschließend (durch die Aggregation) wieder auf die Makroebene zurück transferiert wird, bezeichnet Esser die Schritte auch als Makro-Mikro-Makro-Erklärung.

3.1 Der 1. Schritt: Die Logik der Situation

Die Reduktion von der Makro- auf die Mikroebene

Im ersten Schritt gilt es das Explanandum auf der Makroebene auf die Handlungen der einzelnen Akteure (genauer gesagt auf jeden einzelnen Akteur) auf der Mikroebene zu reduzieren. Es geht also um die Rekonstruktion der sozialen Situation in der sich die Akteure befinden, um die Beschreibung der unter den jeweiligen Randbedingungen[10] zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen. Diese Beziehung zwischen der sozialen Situation und dem einzelnen Akteur nennt Esser die Logik der Situation, die Beschreibung dieser Verbindung bezeichnet er als Brückenhypothese.

3.2 Der 2. Schritt: Die Logik der Selektion

Die Erklärung der Handlung des Akteurs

Als die Logik der Selektion bezeichnet Esser den Schritt, der von dem einzelnen Akteur zur eigentlichen sozialen Handlung führt. Es ist nun also an der Zeit (unter Verwendung einer geeigneten Theorie) zu Erklären, welche der potentiellen Handlungsoptionen der Akteur wahrnimmt, was ihn dazu veranlaßt, und welche soziale Handlung dieses zur Folge hat.

3.3 Der 3. Schritt: Die Logik der Aggregation

Die Aggregation der einzelnen sozialen Handlungen auf der Mikroebene zum kollektiven Explanandum auf der Makroebene

Im dritten Schritt muß nun von den individuellen Handlungen der Akteure auf der Mikroebene wieder zurück auf die Makroebene geschlossen werden. Es gilt aus den verschiedenen Einzelhandlungen mittels einer Transformationsregel[11] das zu erklärende kollektive Explanandum abzuleiten.

[...]


[1] Vgl. Hartmut Esser: Soziologie. Allgemeine Grundlagen. Frankfurt New York 1993, S. 91 und den entsprechenden Abschnitt im Kapitel 5 „Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell“ auf Seite 9.

[2] Das folgende Kapitel basiert in seinen Grundzügen und im Aufbau auf Esser, Soziologie, S. 91-101.

[3] Esser, Soziologie, S.91.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Esser, Soziologie, S. 98. Siehe auch Essers Anmerkungen in der dazugehörenden Fußnote (Esser, Soziologie, S. 98).

[6] Vgl. Esser, Soziologie, S. 92.

[7] „Das zu Erklärende“; Eine Aussage über ein zu erklärendes Phänomen, daß dieses als eine „Folge bestimmter kausaler Ursachen“ erkennt. (Definition nach Esser. (Vgl. Esser, Soziologie, S. 40)).

[8] Abb. nach Esser, Soziologie, S. 98.

[9] Esser, Soziologie, S. 97.

[10] initial conditions, auch mit „Umweltbedingungen“ übersetzbar; jene Bedingungen und Einflüsse, die die soziale Situation charakterisieren (Vgl. Esser, Soziologie, S. 41.).

[11] Geeignete Methoden, wie beispielsweise mathematische Hochrechnungen oder Gleichgewichtsmodelle, aber auch simple logische Schlüsse (wie „wenn alle Akteure einen Teil ihrer Steuern hinterziehen führt dies zu riesigen Steuerausfällen“).

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Paradigma nach Kuhn als Anwendung des soziologischen Erklärungsmodells nach Esser
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Seminar im Grundstudium
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V55870
ISBN (eBook)
9783638507127
ISBN (Buch)
9783656793496
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Paradigma, Kuhn, Anwendung, Erklärungsmodells, Esser, Seminar, Grundstudium
Arbeit zitieren
Marcus Giebeler (Autor:in), 2002, Der Paradigma nach Kuhn als Anwendung des soziologischen Erklärungsmodells nach Esser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55870

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