Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit dem Versuch Essers soziologisches Erklärungsmodell mit „Leben“ zu füllen, in dem es (exemplarisch) auf Kuhns Theorie des Paradigmenwechsel angewendet wird. Wichtig scheint dies, da Esser für sein Modell in Anspruch nimmt, daß es zur Erklärung sämtlicher soziologischen Phänomene geeignet sei. Dieser Logik folgend muß es also auch zur Erklärung des soziologischen Phänomens des Paradigmenwechsels geeignet sein.
Gemäß dieser Aufgabenstellung werden im dritten Kapitel(Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser)zunächst Essers „Badewanne“ und anschließend in Kapitel 4 (Thomas Kuhn: Entwicklung durch Revolution) Kuhns Theorie des Paradigmenwechsels einführend vorgestellt. Da es nicht das Ziel dieser Hausarbeit ist Essers Modell oder Kuhns Theorie in allen Details zu diskutieren, wurde in diesen Kapiteln bewusst auf Forschungskontroversen (besonders bei Kuhn), weitergehende Theorien und untergeordnete Details verzichtet. Im fünften Kapitel(Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell)wird anschließend Kuhn in Essers Badewanne „gesteckt“, wobei in diesem Kapitel der Systematik der beiden vorhergegangenen Kapitel Rechnung getragen wird.
Abschließend wird im Kapitel Fazit der Versuch abschließend bewertet und Essers Erklärungsmodell auf seine Tauglichkeit für Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen hin untersucht.
Da zu dem eigentlichen Thema keine Literatur verfügbar war, wurde das entsprechende Kapitel ohne Vorlage bearbeitet; für die anderen beiden Kapitel wurde eine beschränkte Auswahl an Übersichtsdarstellungen und die beiden Originalwerke herangezogen.
Inhaltsverzeichnis
2 Einleitung
3 Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser
3.1 Der 1. Schritt: Die Logik der Situation
3.2 Der 2. Schritt: Die Logik der Selektion
3.3 Der 3. Schritt: Die Logik der Aggregation
4 Thomas Kuhn: Entwicklung durch Revolution
4.1 Paradigmen und die Normalwissenschaft
4.2 Die Krise, die außerordentliche Wissenschaft und der Paradigmenwechsel
5 Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell
5.1 Die Explanada S2 und S3
5.2 Von der Ausgangssituation S1 zum Vorhandensein des neuen Paradigmas S2
5.2.1 Die Logik der Situation von S1
5.2.2 Die Logik der Selektion von A1 zu H1
5.2.3 Die Logik der Aggregation von H1 zur Revolution S2
5.3 Von der Revolution und vom neuen Paradigma S2 zum Paradigmenwechsel S3
5.3.1 Die Logik der Situation S2
5.3.2 Die Logik der Selektion von A2 zu H2
5.3.3 Die Logik der Aggregation von H2 zum Paradigmenwechsel S3
6 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, Hartmut Essers soziologisches Erklärungsmodell (die „Badewanne“) auf seine universelle Anwendbarkeit zu prüfen, indem es exemplarisch zur Erklärung des wissenschaftstheoretischen Paradigmenwechsels nach Thomas S. Kuhn eingesetzt wird.
- Methodische Anwendung der Makro-Mikro-Makro-Erklärung auf wissenschaftstheoretische Prozesse.
- Darstellung und Analyse von Essers „Grundmodell der soziologischen Erklärung“.
- Einführende Erläuterung der Theorie des wissenschaftlichen Wandels durch Thomas S. Kuhn.
- Strukturierung des Paradigmenwechsels als sozialer Prozess in zwei Subprozesse.
- Bewertung der universellen Einsetzbarkeit des soziologischen Erklärungsmodells.
Auszug aus dem Buch
3 Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser
Bei dem im folgenden Kapitel vorgestellten „Grundmodell der soziologischen Erklärung“ handelt um das „elementare Grundmodell jeder soziologischen Erklärung“, also um die grundsätzliche Arbeitsmethode des Soziologen zur Lösung eines wissenschaftlichen Rätsels. Dieses von Hartmut Esser ausformulierte Programm, welches auf Max Webers Modell des verstehenden Erklärens zurück geht, geht von der allgemeinen Erkenntnis aus, daß kollektive Phänomene (um deren Erklärung sich die Soziologie bemüht) lediglich auf die aggregierten individuelle Handlungen von einzelnen Akteuren zurück zu führen sind; daß also zur Erklärung eines Sachverhaltes auf der Makroebene eine Betrachtung der Mikroebene erforderlich ist.
Dabei ist es irrelevant von welcher Art das Explanandum ist oder welche Theorie zur Erklärung der jeweiligen Handlung des einzelnen Akteurs herangezogen werden soll, da Esser (charmanterweise) nur ein allgemeines Arbeitsprogramm, ein Grundgerüst, liefert. In diesem können je nach Aufgabenstellung oder persönlicher Vorliebe die verschiedenen (durchaus miteinander konkurrierenden) Theorien der Soziologie angewendet werden.
Essers Modell selbst besteht aus drei einzelnen und schließlich miteinander zu kombinierenden Schritten: Die „typisierende Beschreibung“ der Handlungssituation über Brückenhypothesen, der „Erklärung der Selektion von Handlungen“ der Akteure über eine Handlungstheorie und der anschließenden „Aggregation der individuellen Handlungen über Transformationsregeln“. Da auf diese Art und Weise das Problem zuerst (durch die Analyse der Situation von der Makroebene auf die Mikroebene und anschließend (durch die Aggregation) wieder auf die Makroebene zurück transferiert wird, bezeichnet Esser die Schritte auch als Makro-Mikro-Makro-Erklärung.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit erläutert das Vorhaben, Kuhns Theorie des Paradigmenwechsels mit Essers Erklärungsmodell zu analysieren, um dessen universellen Anspruch zu prüfen.
Das soziologische Erklärungsmodell nach Esser: Dieses Kapitel führt in die methodische Makro-Mikro-Makro-Logik Essers ein, die kollektive Phänomene auf individuelles Handeln reduziert.
Thomas Kuhn: Entwicklung durch Revolution: Hier werden Kuhns Konzepte von Paradigmen, Normalwissenschaft und wissenschaftlichen Revolutionen grundlegend dargestellt.
Der Paradigmenwechsel im soziologischen Erklärungsmodell: Das Kernstück der Arbeit, in dem der Prozess des Paradigmenwechsels systematisch in die drei Schritte (Logik der Situation, Selektion, Aggregation) nach Esser übersetzt wird.
Fazit: Abschließende Bewertung, die bestätigt, dass Essers Modell erfolgreich auf den Paradigmenwechsel angewendet werden konnte.
Schlüsselwörter
Hartmut Esser, soziologisches Erklärungsmodell, Thomas S. Kuhn, Paradigmenwechsel, Makro-Mikro-Makro-Erklärung, wissenschaftliche Revolution, Normalwissenschaft, Handlungstheorie, Brückenhypothese, Transformation, Aggregation, Wissenschaftsphilosophie, Inkommensurabilität, Explanandum, Akteure.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit von Hartmut Essers soziologischem Erklärungsmodell auf den wissenschaftstheoretischen Prozess des Paradigmenwechsels nach Thomas S. Kuhn.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die soziologische Methodologie nach Esser, die Theorie wissenschaftlicher Revolutionen von Kuhn sowie die Verbindung beider Ansätze.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass Essers universelles Erklärungsmodell auch komplexe wissenschaftshistorische Phänomene wie den Paradigmenwechsel konsistent erklären kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Essersche „Makro-Mikro-Makro-Erklärung“, um den Prozess der Theoriebildung und den Wechsel wissenschaftlicher Paradigmen systematisch zu dekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst beide theoretischen Ansätze separat vorgestellt und anschließend im fünften Kapitel miteinander verknüpft, indem der Paradigmenwechsel in spezifische Situations-, Selektions- und Aggregationsschritte zerlegt wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Essers Modell, Paradigmenwechsel, Makro-Mikro-Makro-Logik, wissenschaftliche Revolution, Inkommensurabilität und wissenschaftliche Transformation.
Wie werden die Akteure in Essers Modell im Kontext von Kuhns Theorie identifiziert?
Die Akteure werden als Wissenschaftler innerhalb einer Forschungsgemeinschaft verstanden, die je nach Situation (Anomalien im Paradigma) verschiedene Handlungsoptionen wählen.
Warum ist das Konzept der „Inkommensurabilität“ für die Analyse wichtig?
Es erklärt die Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen Anhängern alter und neuer Paradigmen und unterstreicht die Radikalität des Wechsels, die Essers Modell im letzten Schritt (der Aggregation zum neuen Status Quo) abbilden muss.
- Quote paper
- Marcus Giebeler (Author), 2002, Der Paradigma nach Kuhn als Anwendung des soziologischen Erklärungsmodells nach Esser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55870