Das Ziel meiner Arbeit sollte vielmehr die Entwicklung jener langfristigen Prozesse und Strukturen sein, die das Ende der römischen Republik bewirkten und denen im Vergleich zum Auslöser, dem Bürgerkrieg, durchaus mehr Gewicht eingeräumt werden muss. Anschließend möchte ich meinen Blick noch auf jene unterschiedlichen Taktiken und Antworten werfen, welche die Menschen entwickelten, um den Problemen ihrer Zeit Herr zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Prolegomena
2 Momente der Krise
2.1 Der Untergang der römischen Republik aus antiker Sicht
2.2 Von der Geldwirtschaft zur Etablierung einer neuen Wirtschaftsordnung
2.3 Krise der Agrar- und Heeresverfassung
2.4 Überforderung des politischen Systems
2.5 Die Bundesgenossenfrage
3 Reformversuche und ihr Scheitern
3.1 Die Reformversuche der Gracchen
3.2 Sulla oder die verunglückte Restauration
3.3 Auf dem Weg zum „bellum civile“ oder Caesar gegen Pompeius
3.4 Caesar und die Diktatur auf Lebenszeit
4 Nachwort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die langfristigen strukturellen Prozesse, die zum Untergang der römischen Republik führten, und distanziert sich dabei von einer bloßen Fokussierung auf den Bürgerkrieg als alleiniges Ereignis. Die zentrale Forschungsfrage zielt darauf ab, wie soziale, ökonomische und machtpolitische Veränderungen das politische System Roms überforderten und welche Lösungsansätze die Akteure ihrer Zeit entwickelten.
- Analyse der römischen Krisenwahrnehmung und ökonomischer Transformationsprozesse
- Krise der Agrar- und Heeresverfassung sowie deren Auswirkungen
- Machtverschiebung und Überforderung des politischen Systems
- Die Rolle der Bundesgenossen als sozialer und politischer Konfliktherd
- Scheitern der Reformversuche von den Gracchen bis zu Caesar
Auszug aus dem Buch
3.2 Sulla oder die verunglückte Restauration
Als im Jahre 88 v. Chr. aufgrund eines tribunizischen Gesetzes gegen den Beschluss des Senats das Oberkommando im Krieg gegen Mithradates IV von Pontos dem Marius übertragen wurden, griff der leer ausgegangene, amtierende Konsul Lucius Cornelius Sulla erstmals zum Mittel des Bürgerkriegs. Dazu verhalf ihm vor allem die Bereitschaft der einfachen Soldaten, welche ihre „Aussicht auf reiche Beute und auf eine Versorgung mit Bauernstellen nicht verlieren wollten“32. Erst die ungelöste Frage der Veteranenversorgung und die veränderte Heeresversorgung waren es, welche den Bürgerkrieg zum Mittel privater Machtausübung reduzierten. Nachdem der Optimat Sulla mit zweifachem Anlauf die populare Herrschaft in Rom bezwungen hatte, ging Sulla zur groß angelegten, systematischen Liquidierung seiner politischen Gegner mittels Proskriptionslisten über.33 Um seine brutale Herrschaft auf eine gesetzliche Grundlage zu stellen, bediente sich Sulla an dem alten Ausnahmeamt der Diktatur, das bis zum 3. Jahrhundert der Konzentration des Oberbefehls in einer militärischen Notlage diente, nun jedoch als Mittel innenpolitische Krisen zu überwinden reaktiviert wurde.34 Die Amtsdauer war an die Erreichung eines gewissen Ziels geknüpft, einer vollendeten Neuordnung des Staates im Sinne der optimatischen Werte und des alleinigen Führungsanspruchs des Senats.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Prolegomena: Einleitung in die Thematik unter kritischer Beleuchtung antiker Quellen und Ablehnung einer vereinfachten Sicht auf den Untergang der Republik als Kampf zwischen Demokratie und Diktatur.
2 Momente der Krise: Untersuchung der ökonomischen und strukturellen Krisenfaktoren, inklusive der Geldwirtschaft, der Krise der Heeresverfassung und der Überforderung des politischen Systems.
3 Reformversuche und ihr Scheitern: Detaillierte Analyse gescheiterter Lösungsansätze für die Krise, von den Gracchen über Sulla bis zu Caesar, welche letztlich die Republik destabilisierten.
4 Nachwort: Zusammenfassung der Kernerkenntnisse, die den Bürgerkrieg als Auslöser, aber nicht als primäre Ursache für das Ende der Republik identifizieren.
Schlüsselwörter
Römische Republik, Krise, Untergang, Res Publica, Optimaten, Popularen, Agrarverfassung, Heeresreform, Bürgerkrieg, Sulla, Caesar, Veteranenversorgung, Senatsaristokratie, Machtstreben, Prinzipat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die langfristigen strukturellen Ursachen, die zum Ende der römischen Republik geführt haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die ökonomische Transformation, die Krise der Heeresorganisation, die Überforderung des politischen Systems und die Machtkämpfe der späten Republik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den Untergang der Republik nicht nur auf das Ereignis des Bürgerkriegs zu reduzieren, sondern die zugrunde liegenden langfristigen Prozesse aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die sich auf moderne Forschungsliteratur sowie die kritische Auswertung antiker Quellen stützt.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Krisenmomente, wie die Agrar- und Heereskrise, und bewertet die scheiternden Reformversuche prominenter römischer Politiker.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Machtstreben, Institutionenkrise, Optimaten, Popularen und die Transformation hin zum Prinzipat.
Wie bewertet der Autor die Rolle Sullas?
Der Autor sieht in Sulla einen Akteur, der durch seine brutale Machtausübung und Instrumentalisierung der Diktatur zwar Ordnung erzwingen wollte, damit jedoch eher den Weg in den Untergang ebnete.
Warum spielt die Veteranenversorgung eine zentrale Rolle?
Sie wird als ein entscheidender Faktor identifiziert, der die Bindung der Soldaten an ihre Feldherrn stärkte und somit die Basis für die Bürgerkriege legte.
- Quote paper
- Johannes Mattes (Author), 2005, Krise und Untergang der Römischen Republik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55895