Der von fachlicher Seite immer wieder geforderten Rückkopplung zwischen universitärer Lehre und schulischer Praxis in Form von Unterrichtsbeobachtung und Fallbeispielen soll in dieser Arbeit Rechnung getragen werden. Alleiniges Ziel bleibt jedoch nicht, diese spezielle Form von Gedankenaustausch, welche von universitärer und politischer Seite initiiert zur Ausbildung von einheitlichen Qualitätskriterien und einer verstärkten Professionalisierung führen sollte, als Interview persönlich durchzuführen und ihren Ablauf zu beschreiben. Vielmehr erweist sich als zentral, diesen Rückkopplungsprozess auf seine Qualitäten und auch Grenzen bei der Lehrerausbildung zu untersuchen.
Dass gerade in der schulpraktischen Ausbildung die Bedeutung dieses „Aufbruchs in die Schule“ lediglich unterstrichen wird, jedoch nur vereinzelt einer kritischen Evaluation unterzogen und auf die Relevanz subjektiver Strategien verwiesen wird, ist verständlich. Gerade diese spezielle Form von subjektiver Theoriebildung ist allerdings nur höchst individuell praktikabel und setzt eine entwickelte Fähigkeit zur Reflexion und Differenzierung auf Seiten des Rezipienten voraus. Demnach liegt es im Selbstverständnis dieser Arbeit nicht nur mittels Durchführung eines Interviews implizites Berufswissen aus dem kommunikativen Prozess zu extrahieren und als Handlungsanleitung in das persönliche Verhaltensrepertoire zu integrieren, sondern auch mögliche Abwehrstrategien seitens der interviewten Lehrperson aufzuzeigen und zu benennen. Dass diese spezielle Form der Aneignung von Verhaltens- und Kommunikationsstrategien, eines Verstehens am Beispiel, vornehmlich ein Lernen durch Identifikation oder Distanzierung und negativer Markierung erlaubt, muss nach der kritischen Vorgehensweise des Autors auch Erwähnung finden. Vor allem im schulischen Alltag wird allzu schnell zwischen guten und schlechten Lehrern differenziert. Eine Praxis, die sehr verbreitet ist und ein Lernen vom guten Lehrer auch in der Ausbildung nahe legt.
Inhaltsverzeichnis
1 Prolegomena
2 Beschreibung des Forschungsprojektes „Interview“
2.1 Motivation
2.2 Vorgehensweise
2.3 Ablauf des Projekts und Wiedergabe des Interviews in Form einer qualitativen Interpretation
2.4 Auswertung der Daten
2.5 Evaluation und pädagogische Konsequenzen
3 Reflexion der Lehrveranstaltung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht Verhaltensstrategien von Lehrkräften im Umgang mit sogenannten „Problemschülern“. Ziel ist es, durch ein qualitatives Experteninterview mit einer erfahrenen AHS-Lehrerin implizites Berufswissen zu extrahieren, subjektive Theorien der Lehrkraft zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, wie pädagogische Herausforderungen im Schulalltag bewältigt werden.
- Analyse subjektiver Theorien und Bewältigungsstrategien von Lehrkräften
- Die Rolle der Kommunikation und Reflexion im Lehrer-Schüler-Verhältnis
- Umgang mit Disziplinarkonflikten und herausforderndem Schülerverhalten
- Die Bedeutung von professioneller Unterstützung und Supervision im Lehrberuf
- Kritische Evaluation der Lehrer-Schüler-Interaktion jenseits fachlicher Wissensvermittlung
Auszug aus dem Buch
1. Unser Thema lautet „Problemschüler“. Was sind für Sie persönlich „Problemschüler“? Also, gibt es bestimmte Typen oder Verhaltensweisen, die für Sie an den Begriff „Problemschüler“ gekoppelt sind bzw. Sie als besonders problematisch empfinden?
„Ich glaub, dass es prinzipiell keinen Problemschüler gibt, nur Schüler, die man zu einem Problem erklärt. Und Probleme hat jeder Mensch, auch unproblematische Schüler. Das ist oft eine Frage des Lebensalters und der Familienumstände und von der Seite versuche ich mich dem zu nähern. Lehrerkollegen haben oft das Gefühl, Problemschüler sind jemand, mit dem man einen Konflikt austragen muss. Ich seh’ das aber so, dass die Schüler ein Problem haben und entweder kann ich ihnen helfen oder nicht. Ein gewisses Verständnis, dem Schüler gegenüber etwas zu helfen, aber darüber hinaus sind einem die Hände gebunden“ In Extremfällen besteht die Möglichkeit die Eltern zu einem Gespräch zu bitten, aber im Regelfall verzichtet die Lehrerin darauf. „Weil man sich in das Privatleben der Leute ja auch nicht so einmischen darf.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Prolegomena: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Ausgangslage und die Notwendigkeit der Reflexion in der Lehrerausbildung sowie die Grenzen der gewählten Interview-Methode.
2 Beschreibung des Forschungsprojektes „Interview“: Hier werden die Motivation, das methodische Vorgehen bei der Interviewführung, der Ablauf des Gesprächs sowie die anschließende Datenauswertung und die pädagogischen Konsequenzen detailliert dokumentiert.
3 Reflexion der Lehrveranstaltung: Der Autor reflektiert seine persönlichen Erfahrungen innerhalb der Lehrveranstaltung, die Entwicklung seines eigenen Berufsbildes und die Relevanz der erlernten sozial-kommunikativen Kompetenzen.
Schlüsselwörter
Problemschüler, Lehrerausbildung, qualitative Interviews, Verhaltensstrategien, Lehrerrolle, Unterrichtsbeobachtung, Kommunikation, Selbstreflexion, pädagogische Herausforderungen, Konfliktmanagement, Schulkultur, Sozialpädagogik, Erziehungsstil, Identitätsbildung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Strategien und Erfahrungen von Lehrkräften bei der Bewältigung von herausfordernden Situationen mit sogenannten „Problemschülern“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind der professionelle Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten, die Bedeutung der Lehrer-Schüler-Kommunikation und die kritische Reflexion des eigenen beruflichen Handelns.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch die Analyse eines qualitativen Interviews implizites Berufswissen aufzudecken und zu verstehen, wie Lehrkräfte ihre subjektiven Theorien im Schulalltag anwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Interviewmethode mit einer erfahrenen AHS-Lehrerin gewählt, ergänzt durch eine anschließende inhaltliche Auswertung und Interpretation der Aussagen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der konkreten Interviewwiedergabe zu Themen wie Ausbildung, Umgang mit Konflikten, Elternarbeit und dem Einfluss der Lehrerpersönlichkeit auf das Schülerverhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Problemschüler, Reflexion, Lehrerrolle, Verhaltensstrategien und Kommunikation beschreiben.
Wie geht die interviewte Lehrerin mit Schülern um, die den Unterricht stören?
Sie versucht, das Problem nicht als persönlichen Angriff zu sehen, sondern den Schüler als Individuum in einer schwierigen Lage zu betrachten und durch Einzelgespräche oder metaphorische Literatur Lösungen anzubieten.
Warum kritisiert die Lehrerin den Begriff „Problemschüler“?
Sie betont, dass es keine „Problemschüler“ an sich gibt, sondern nur Schüler, die durch äußere Umstände oder Lebensphasen temporär zu einem Problem „erklärt“ werden.
- Quote paper
- Johannes Mattes (Author), 2006, Wenn Peter würgt und Johanna hungert - Verhaltensstrategien im Umgang mit 'Problemschülern', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55900