Quantitative und qualitative Forschung nach Uwe Flick mit Bezug auf Kurt Kohl


Referat (Ausarbeitung), 2003

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt: Referat zum Thema quantitative und qualitative Forschung nach Uwe Flick mit Bezug auf Kurt Kohl

1 Einleitung und Vorbemerkung zum Referat

2 Forschung
2.1 Quantitative Forschung
2.1.1 Definition quantitativer Forschung
2.1.2 Kennzeichen quantitativer Forschung
2.1.3 Grenzen quantitativer Forschung
2.2 Qualitative Forschung
2.2.1 Definition qualitativer Forschung
2.2.2 Kennzeichen qualitativer Forschung
2.2.2.1 Gegenstandsangemessenheit von Methoden und Theorien
2.2.2.2 Perspektiven der Beteiligten und ihre Vielschichtigkeit
2.2.2.3 Reflexivität des Forscher und der Forschung
2.2.2.4 Sonstige Kennzeichen

3 Gebiete und Aktualität qualitativer Forschung

4. Idealtypische Vorgehensweise bei quantitativer und qualitativer Forschung

5 Erhebungsverfahren für verbale Daten
5.1 Leitfaden-Interviews
5.2 Erzählungen als Zugang
5.3 Gruppenverfahren

6 Erhebungsverfahren für visuelle Daten
6.1 Beobachtung ohne Teilnahme
6.2 Teilnehmende Beobachtung
6.3 Ethnographie
6.4 Foto- und Filmanalyse

7 Zusammenfassende Beschreibung des qualitativen Forschungsprozesses anhand von Flick`s Definition der qualitativen Forschung

8. Aktuelle Entwicklungen und Problembereiche der qualitativen Forschung
8.1 Aktuelle Entwicklungen
8.2 Problembereiche der qualitativen Forschung

9 Schluss und persönliche Beurteilung der Thematik

10 Literaturverzeichnis

1 Einleitung und Vorbemerkung zum Referat

Nachdem im Seminar Kurt Kohl´s Person, seine Experimente, Erkenntnisse und deren Konsequenzen für die Instruktionen des Lehrens und Lernens von Bewegungen vorgestellt wurden, haben wir uns mit quantitativer und qualitativer Forschung beschäftigt und uns dabei an Uwe Flick`s Buch „Qualitative Sozialforschung“ orientiert. Wir haben mit unserem Vortrag u. a. versucht deutlich zu machen, was Flick unter quantitativer und qualitativer Forschung versteht und gleichzeitig untersucht, inwiefern Kurt Kohl`s bereits 1956 veröffentlichtes Werk „Zum Problem der Sensumotorik“ die von Uwe Flick beschriebenen Kennzeichen quantitativer und qualitativer Forschungsprozesse berücksichtigt.

Uwe Flick ist Sozialwissenschaftler, 1956 geboren und studierter Psychologe und Soziologe und hat als angesehener Professor und Dozent an verschiedenen Universitäten gelehrt und diverse Veröffentlichungen gemacht. Sein Buch steht nicht direkt im Zusammenhang mit der Sportwissenschaft und Kurt Kohl. Da quantitative und qualitative Forschung in nahezu fast allen Wissenschaftsbereichen angewendet wird, aber in keiner uns zugänglichen Literatur so interdisziplinär behandelt wird, war es für uns eine ebenso schwierige wie interessante Aufgabe Uwe Flick´s sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zu Forschungsprozessen aus den 90er Jahren in Zusammenhang zu bringen mit der praxisorientierten sportwissenschaftlichen Forschung von Kurt Kohl aus den 50er Jahren. Obwohl Uwe Flick´s Buch „Qualitative Sozialforschung“ erst viel später veröffentlicht wurde als Kohl´s Buch „Zum Problem der Sensumotorik“, haben wir erstaunlicherweise festgestellt, dass Kohl in seiner Forschung viele der von Flick beschriebenen Kennzeichen quantitativer und qualitativer Forschung in seiner Arbeit berücksichtigt hat. Genau dies soll der Schwerpunkt unseres Referates sein, währenddessen wir auch immer wieder versucht haben die Seminarteilnehmer durch Fragen und das Aufwerfen von Diskussionspunkten mit einzubeziehen, um somit Kurt Kohl´s Forschung besser einschätzen und beurteilen zu können.

2 Forschung

Da wir uns mit qualitativer und quantitativer Forschung beschäftigt haben und zu diesen Begriffen Definitionen geben wollten, versuchten wir zunächst zu klären was Forschung ist. Nachdem wir die Frage gestellt haben: „Was meint ihr, was Forschung auszeichnet und welchen Zweck sie verfolgt?“ sind wir relativ schnell darauf gekommen, dass Forschung der Erkenntnisgewinnung dient, eine wissenschaftliche und geistige Tätigkeit ist.

Folgende Definition aus dem dtv-Lexikon (Brockmann, Seite 47, Mannheim, 1992, Band 6) erschien uns als aussagekräftig und leicht verständlich:

„Forschung ist die Gesamtheit der methodisch-systematischen, schöpferischen-geistigen Bemühungen im Rahmen der Wissenschaft zur Gewinnung neuer, allgemein nachprüfbarer Erkenntnisse.“

2.1 Quantitative Forschung

2.1.1 Definition quantitativer Forschung

Analytisch (zerlegend)-nomologische (auf die Auffindung und Überprüfung von Gesetzmäßigkeiten zielend), standardisierte Forschung mit deduktivem (theorie- und hypothesenprüfenden) Vorgehen und klar meßbaren Ergebnis.

2.1.2 Kennzeichen quantitativer Forschung

Da diese mit Fremdwörtern gespickte Definition relativ schwer verständlich ist, haben wir diese durch die folgenden Kennzeichen quantitativer Forschung anschaulicher gemacht. Dabei haben wir zunächst allgemein das Kennzeichen beschrieben, bevor wir den Bezug zu Kurt Kohl herstellten bzw. das Kennzeichen an einem anderen Beispiel erläuterten.

1. Quantitative Forschung zeichnet sich durch eindeutige Messbarkeit bzw. Quantifizierbarkeit der Phänomene (Erscheinungen) aus. Bei Kurt Kohl sind die Wurfergebnisse seines Basketballexperimentes ganz klar in einer Tabelle quantifiziert, so dass unzweifelhaft festgestellt werden kann, welche Versuchsperson wie oft getroffen hat. Im Gegensatz dazu wäre bei einer Fragestellung z. B. „Wie viele springen den Salto auf dem Trampolin gut?“ zunächst zu klären, was ein guter Salto ist und somit würde das Kriterium der eindeutigen Messbarkeit verletzt werden.
2. Bei der quantitativen Forschung wird eine klare Isolierung von Ursache und Wirkung angestrebt. Auf unsere Frage, ob diese Isolierung in der Realität des Sports möglich ist, herrscht relativ schnell Einigkeit darüber, dass in der komplexen Realität zumeist mehrere Einflüsse (Motivation, Übung, Konzentration etc.) die Bewegung eines Sportlers beeinflussen. Kurt Kohl versucht zwar Umgebungseinflüsse auszuschalten, dies kann aber aufgrund der Komplexität von Realität und Phänomen nicht vollständig gewährleistet werden. Z. B. könnte die schlechte Tagesform einer Versuchsperson durch eine leichte Krankheit oder private Probleme (Ursache) das Wurfergebnis (Wirkung) negativ beeinflussen.
3. Quantitative Forschung hat einen Anspruch auf Objektivität, die durch z. B. die Ausschaltung von Umgebungseinflüssen oder Einflüssen vom Versuchsleiter gewährleistet werden kann. Kohl strebt zwar an, für alle Versuchspersonen gleichartige Versuchsbedingungen zu schaffen, jedoch kann dies in einem Experiment oft nicht vollständig erreicht werden, da z. B. die Zuschauerreaktion und somit die Beeinflussung des Werfers bei dem einen stärker als bei dem anderen sein kann.
4. Quantitative Forschung verlangt Experimentanordnungen, die es erlauben aus den Ausgangstheorien aufgestellte Hypothesen zu überprüfen, d. h. entweder zu verifizieren (Bestätigung einer Hypothese oder Theorie) oder zu falsifizieren (Widerlegung einer Hypothese oder Theorie). Dieses Kennzeichen hält Kohl bemerkenswert gut ein. Seiner quantitativen Forschung gelingt es die Ausgangstheorie über die wechselseitige Abhängigkeit von Wahrnehmung und Bewegung und die u. a. daraus entwickelte Hypothese Blindwürfe treffen bei Geübten ähnlich gut wie Normalwürfe zu bestätigen. Die klaren Versuchsreihen der quantitativen Forschung begünstigen diese Bestätigung.
5. Quantitative Forschung erfordert die Vornahme repräsentativer, willkürlicher Stichproben. Auf unsere Frage, ob es sich bei Kohl auch um repräsentative, willkürliche Stichproben handelt, stellte sich heraus, dass Kohl die Auswahl der Versuchspersonen nicht nach Zufallsprinzip vorgenommen hat, da sonst die gleichzeitig von ihm vorgenommene qualitative Forschung in ihrem Ergebnis nicht so umfangreich gewesen wäre. Die Seminarteilnehmer waren sich einig darüber, dass bei einer zufälligen Auswahl der Versuchspersonen das Forschungsergebnis der quantitativen und qualitativen Forschung nicht so aussagekräftig und eindeutig gewesen wäre.
6. Quantitative Forschung zeichnet sich zumeist durch einen geschlossenen Forschungsprozess aus, d. h. die quantitative Forschung endet damit, dass die Ausgangstheorie bestätigt bzw. widerlegt worden ist, während es bei der theorieentwickelnden qualitativen Forschung u. U. einer Überprüfung der neu aufgestellten Theorie durch z. B. eine quantitative Forschung bedarf. Wie später noch deutlicher werden wird, überprüft Kohl seine aus der ersten qualitativen Befragung sich ergebene Ausgangshypothese über die wechselseitige Abhängigkeit von Wahrnehmung und Bewegung mittels der quantitativen Forschungsreihe durch das Basketballexperiment und schließt den Forschungsprozess somit weites gehend ab. Um sein Forschungsergebnis nochmals zu überprüfen und abzusichern führt er im Anschluß eine qualitative Forschung durch, mittels derer er durch die Interviewform des gemeinsamen Erzählens zur Verifizierung seiner Hypothese kommt.
7. Quantitative Forschung erfordert ein sehr starres Vorgehen bezüglich der Versuchsanordnung und -durchführung. Im Laufe der Jahre kam es zu einer stetigen Verfeinerung der Standards für quantitative Forschungsplanung, -durchführung, -bewertung und -auswertung. Jedoch wurden diese Standards unzureichend dahingehend reflektiert, ob sie den Forschungsgegenständen und Fragestellungen angemessen sind. Kurt Kohl versucht zwar in seinem Basketballexperiment diese Standards einzuhalten und für alle Versuchspersonen die gleichen Versuchsbedingungen zu schaffen und ihnen die gleichen Anweisungen zur Versuchsdurchführung zu geben, ihm ist aber dabei bewußt, dass dies nicht vollständig gewährleistet werden kann.
8. Quantitative Forschung zeichnet sich durch statische Fragestellungen und Antworten aus. Bei Kurt Kohl sind sowohl die Fragen als auch die Antworten seiner quantitativen Forschung sehr statisch. Auf die Frage „Wie viel Normalwürfe treffen die Versuchspersonen?“ gibt es nur die eine Antwort z. B. 7 von 10 Würfen treffen.

(Quelle zu 2.1.1 - 2.1.2: Gerstenberger, F.: Skript zu Einführung in die Methoden der Berufsbildungsforschung (BWP IV) an der Universität Oldenburg, 1999; Kohl, K.: Zum Problem der Sensumotorik, Frankfurt am Main 1956, Verlag von Dr. Waldemar Kramer;

dtv-Lexikon von Brockmann, Mannheim, 1992, Band 1-20)

2.1.3 Grenzen quantitativer Forschung

9. Als Problembereich der quantitativen Forschung stellte sich heraus, dass zunehmend standardisierte Umfragen und experimentelle Versuchsanordnungen zwar zu zahlreichen Ergebnissen führten, aber zu wenig reflektiert und auf ihre Angepasstheit gegenüber den heute relevanten, alltäglichen Forschungsgegenständen und Fragestellungen, die sehr komplex sind, überprüft wurden.
10. Es gelang der quantitativen Forschung oft nicht alltagsrelevante Problemstellungen zu erforschen, weil sie sich zu sehr an Standards und Objektivität der Experimente halten musste.
11. Trotz standardisierter Vorgehensweisen und methodischen Kontrollen konnte die Objektivität quantitativer Forschung nicht immer gewährleistet werden, weil ihre Ergebnisse von den Interessen, sowie sozialen, kulturellen und situativen Hintergründen der Beteiligten abhingen.

Insgesamt wird die überwiegend an Objektivität und Standards orientierte quantitative Forschung heutzutage tendenziell eher negativ bewertet, da ihre Ergebnisse oft schwer anwendbar und anschlussfähig sind. „Nachdem Max Weber (1919) die Entzauberung der Welt zur Aufgabe der Wissenschaft erklärt hat, stellten „Bonß und Hartmann (1985) die zunehmende Entzauberung der Wissenschaft, ihrer Methoden und Erkenntnisse fest“. (Flick, U.: Qualitative Sozialforschung, Seite 14, Hamburg 2002, Rowohlt, 6. Auflage)

Es kam zu einem Wandel in der Forschung, bei der nicht mehr wie früher, der Forschungsgegenstand entsprechend der angewendete Methode ausgewählt wurde, sondern der Forschungsgegenstand die Methode bestimmt und nicht umgekehrt.

(Quelle zu 2.1.3: Flick, U.: Qualitative Sozialforschung Seiten 13 - 16, Hamburg 2002, Rowohlt, 6. Auflage; Kohl, K.: Zum Problem der Sensumotorik, Frankfurt am Main 1956, Verlag von Dr. Waldemar Kramer )

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Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Quantitative und qualitative Forschung nach Uwe Flick mit Bezug auf Kurt Kohl
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Veranstaltung
Instruktionen des Lernens und Lehrens von Bewegungen
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
23
Katalognummer
V55902
ISBN (eBook)
9783638507370
ISBN (Buch)
9783656785583
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quantitative, Forschung, Flick, Bezug, Kurt, Kohl, Instruktionen, Lernens, Lehrens, Bewegungen
Arbeit zitieren
Markus Büter (Autor), 2003, Quantitative und qualitative Forschung nach Uwe Flick mit Bezug auf Kurt Kohl , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55902

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