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"Ich fürchte mich selbst davor" - Faust im Gegenlicht des Walpurgissacks

Title: "Ich fürchte mich selbst davor" - Faust im Gegenlicht des Walpurgissacks

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 27 Pages , Grade: A (= 1,0)

Autor:in: Silja Rübsamen (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Im dritten Teil seines Buches Götterzeichen - Liebeszauber - Satanskult. Neue Einblicke in alte Goethetexte analysiert Albrecht Schöne die Walpurgisnacht in Goethes Faust I,wobei ein beachtlicher Teil der Abhandlung den Paralipomena, den aus dem Faust verbannten Textfragmenten, gewidmet ist. In Schönes Rekostruktionsversuch, der die Paralipomena in den Text- und Sinnzusammenhang des autorisierten Fausttextes stellt, konzentriert sich die Untersuchung auf die Figur Gretchens. Schöne gelangt auf diesem Wege zu der These, die Erscheinung Gretchens kurz vor dem Intermezzo der Walpurgisnacht habe einen engen Bezug zum Paralipomenon 65, der sogenannten Hochgerichtserscheinung, und erlaube deshalb, in Gretchen eine als Hexe Beschuldigte im damaligen Sinne zu sehen. Schöne schlägt vor, mit Hilfe einer eingehenden Untersuchung der Geschichte des Hexenglaubens, wie Goethe sie gekannt haben muß, und des völkischen Wissensguts, wie es jedem Menschen zum Ausgang des achtzehnten Jahrhunderts eigen gewesen sein muß, Gretchens Erscheinung im Kontext der Walpurgisnachtszene zu durchleuchten, oder, wie Peter Delvaux meinte, Gretchens Hintergrund „versuchsweise auch [im Vergleich mit] kollektiv verbreiteten Bildvorstellungen insbesondere aus der christlichen Ikonographie zu sehen.“ Schöne impliziert, allerdings ohne es weiter zu verdeutlichen, daß damit freilich nicht behauptet werden solle, Goethe selbst hätte Gretchen als Hexe präsentieren wollen.Sein Anliegen sei es vielmehr gewesen, Gretchens Schicksal mit dem einer zu Unrecht als Hexe Beschuldigten gleichzusetzen, und anzudeuten, daß Gretchens drastische Bestrafung in nicht unerheblichem Maße auch mit der damals üblichen Kategorisierung ihrer Verfehlungen als geradezu typische Hexentaten - Vergiftung (wenn auch unabsichtlich) und Kindesmord - im Zusammenhang stehe. Anders ausgedrückt: Goethe war sich durchaus bewußt, daß Gretchens Taten dem einfachen Verstand als Taten einer Hexe erscheinen mußten, und verlegt aus diesem Grund ihre Hinrichtung in die Sphäre der Hexenverfolgungen, eben um zu zeigen, daß er Gretchen zwar für schuldig, nicht aber für schuldig im Sinne der Anklage halte. Christoph Müller bestätigt indirekt Schönes Annahme mit der Aussage, „daß Gretchen als Hexe hingerichtet wird, besagt noch nicht, daß sie eine Hexe ist.“ Natürlich steht auch für Albrecht Schöne außer Frage, daß Gretchen keine Hexe ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Zur Einleitung

2. Der Walpurgissack

2.1.Zur Figur Mephistos

2.2.Zur Funktion Mephistos

2.3.Hexentanz und Schönheit

3. Schlußbemerkung

4. Bibliographie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Gründe für den Ausschluss der sogenannten Paralipomena aus der endgültigen Fassung von Goethes Faust I. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern die als „Walpurgissack“ bezeichneten Fragmente eine abweichende Darstellung des Bösen sowie der Rolle Mephistopheles’ im Vergleich zum kanonischen Text enthalten und warum ihre Integration die Symmetrie und die Charakterzeichnung innerhalb des Dramas beeinträchtigt hätte.

  • Die Funktion der Paralipomena im Kontext der Walpurgisnacht
  • Analyse der Figur Mephistopheles und dessen Verhältnis zum göttlich Guten
  • Unterschiede zwischen dem klassischen Weltbild des Faust und der dämonischen Gegenwelt der Paralipomena
  • Die Bedeutung von Schönheit und Ästhetik im Faust-Drama
  • Kritische Würdigung von Interpretationsansätzen von Albrecht Schöne

Auszug aus dem Buch

2.1. Figur des Mephistopheles

Um dem Konzept nachzugehen, auf dem Goethes Auffassung von der Nordischen Walpurgisnacht basiert, muß man sich Schönes Anlaufstelle zum Vorbild nehmen und sich mit Goethes ominöser Sammlung von Paralipomena zur Walpurgisnacht im ersten Teil des Faust, von Goethe als „Walpurgissack“ bezeichnet, befassen. Goethe selbst beschreibt in einem Brief seinen Walpurgissack als „eine Art von infernalischem Schlauch, Behältnis, Sack, oder wie ihr´s sonst nennen wollt, ursprünglich zur Aufnahme einiger Gedichte bestimmt, die auf Hexenscenen im „Faust“, wo nicht auf den Blocksberg selbst, einen näheren Bezug hatten. [...] Ich wenigstens will niemand raten, ihm allzu nahe zu kommen. Ich fürchte mich selbst davor!“ Ernst Beutlers Artemisausgabe enthält die Paralipomena 36 bis 65, aus denen sich der Walpurgissack zusammensetzt; insgesamt handelt es sich hierbei um 30 Textabschnitte unterschiedlicher Länge. Als der erste Teil des Faust in seiner endgültigen Fassung 1808 erschien, war von dem Walpurgissack allerdings nichts zu sehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Zur Einleitung: Einführung in die Problematik der Paralipomena und Vorstellung der zentralen These von Albrecht Schöne bezüglich der Walpurgisnacht-Fragmente.

2. Der Walpurgissack: Detaillierte Untersuchung der nicht integrierten Fragmente, insbesondere der Rolle Mephistopheles’, der Darstellung des Satanismus und der ästhetischen Behandlung von Schönheit im Vergleich zum Hauptwerk.

2.1. Zur Figur Mephistos: Analyse der Rolle Mephistopheles’ als ambivalentes, dem Guten untergeordnetes Wesen versus der eigenständigen, machtvollen Figur des Satans in den Paralipomena.

2.2. Zur Funktion Mephistos: Erläuterung der Funktion Mephistopheles’ im Faust als "zivilisierter Teufel" und der Notwendigkeit seiner Einbindung in die göttliche Weltordnung.

2.3. Hexentanz und Schönheit: Diskussion der Bedeutung der Schönheit im Faust und wie deren Fehlen in den Paralipomena gegen deren Einbindung spricht.

3. Schlußbemerkung: Fazit, dass die Verbannung der Fragmente entscheidend für die Wahrung der dramatischen Symmetrie und die Charakterdarstellung von Mephistopheles war.

4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Goethe, Faust I, Walpurgisnacht, Paralipomena, Walpurgissack, Mephistopheles, Satansmesse, Dämonologie, Literaturwissenschaft, Ästhetik, Schönheit, Böses, dramatische Symmetrie, Hexenglaube, Exegese

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, warum Goethe bestimmte Textfragmente, die er als „Walpurgissack“ bezeichnete, aus der endgültigen Fassung seines Dramas Faust I entfernte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Konzepte des Bösen, die Rolle von Mephistopheles, der literarische Stellenwert der Paralipomena sowie die ästhetische Dimension von Schönheit im Faust-Drama.

Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Streichung der Fragmente nicht nur auf ethischem Taktgefühl beruhte, sondern vor allem dramaturgisch und inhaltlich notwendig war, um das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse zu wahren.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den vorhandenen Faust-Text mit den Paralipomena vergleicht und auf die Forschungsmeinungen namhafter Germanisten wie Albrecht Schöne Bezug nimmt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Figur und Funktion von Mephistopheles, analysiert die "Satansmesse"-Passagen in den Paralipomena und diskutiert das Spannungsfeld zwischen Hässlichkeit und Schönheit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind Faust, Walpurgisnacht, Paralipomena, Mephistopheles, Satansmesse und die dramatische Symmetrie des Werkes.

Warum spielt die Figur Mephistopheles eine so zentrale Rolle?

Die Figur ist entscheidend, da Goethe sie als "zivilisierten Teufel" innerhalb einer göttlichen Weltordnung darstellt, während der Satan in den Paralipomena als absolut böser Gegenspieler auftritt, was das Werkgefüge destabilisieren würde.

Wie bewertet der Autor den Walpurgissack für die heutige Forschung?

Obwohl die Fragmente nicht in den kanonischen Text aufgenommen wurden, sieht der Autor sie als extrem wertvolle Interpretationshilfe, da sie im Umkehrschluss verdeutlichen, was Goethe im Hauptwerk ausdrücken wollte.

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Details

Title
"Ich fürchte mich selbst davor" - Faust im Gegenlicht des Walpurgissacks
College
University of Massachusetts - Amherst  (Department of Germanic Languages and Literature)
Course
German: Faust I and II
Grade
A (= 1,0)
Author
Silja Rübsamen (Author)
Publication Year
2002
Pages
27
Catalog Number
V55916
ISBN (eBook)
9783638507493
ISBN (Book)
9783656795681
Language
German
Tags
Faust Gegenlicht Walpurgissacks German Faust
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Silja Rübsamen (Author), 2002, "Ich fürchte mich selbst davor" - Faust im Gegenlicht des Walpurgissacks, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55916
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