Kabale und Liebe: Allgemeine Interpretationsansätze und eine Analyse der sprachlichen Form


Hausarbeit, 2000

20 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. 1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Erkenntnisziel
1.2 Vorgehensweise

II. 2. Werk
2.1 Entstehungsgeschichte des Dramas
2.2 Interpretationsansätze
2.3.1 Ferdinands Liebe
2.3.2 Luises Liebe
2.4 Sprache
2.4.1 Sprache der kleinbürgerlichen Welt
2.4.2 Sprache der höfischen Welt
2.4.3 Sprache der Liebenden

Anhang

Literaturverzeichnis

1. Einleitung:

1.1) Fragestellung und Erkenntnisziel

These:

Da die Sprache zu einer „naturwahren Darstellungsweise“ beiträgt, kann man aufgrund der verschiedenen Redeweisen der Protagonisten unter anderem auch Rückschlüsse auf die jeweilige Entwicklung der Charaktere ziehen.

So verfolgt meine Arbeit die Intention, aufgrund der Sprachanalyse der handelnden Personen, Einblicke in deren Charaktere zu offenbaren.

Da in diesem Zusammenhang auch der Inhalt, speziell die Liebesbeziehung zwischen Ferdinand und Luise, wichtig ist, um die entsprechenden Reaktionsweisen und Handlungsmuster mit deren Auswirkungen auf die Sprache zu verstehen, sind der Sprachanalyse Interpretationsansätze vorangestellt.

1.2) Vorgehensweise

Diese These möchte ich mit meiner Arbeit festigen, indem ich auf einzelne Personen des Dramas >Kabale und Liebe< eingehen und anhand von exemplarischen Textauszügen die Zusammenhänge zwischen Charakter, Standeszugehörigkeit und Funktion bzw. Bedeutung im Drama klären werde.

Die Arbeit fokussiert dabei die Personen Luise Millerin, Ferdinand von Walter und Lady Milford, denen ich hier eine besondere Stelle eingeräumt habe. Ferner werden Miller und dessen Pendant der Präsident, sowie noch weitere Nebenfiguren näher erläutert.

2. Werk:

2.1) Entstehungsgeschichte des Dramas

Das bürgerliche Trauerspiel >Kabale und Liebe< - dessen Originaltitel >Louise Millerin< war – wurde nach einem Bericht von Karoline von Wolzogen, der Schwägerin Friedrich Schillers, in einer sehr unruhigen Zeit nach einem Haftaufenthalt Schillers im Jahre 1783 verfasst. Die Finesse dieses Trauerspiels ist, dass es die damalige politische Situation und die sozia­le Konstellation Deutschlands mit neuer, ungewohnter Schärfe kritisiert.[1] Schiller hat die gesellschaftliche Wirklichkeit der Zeit zur primären Bedingung der Tragik seiner Heldin Luise erkoren und ist „damit über die zu seiner Zeit vielgespielten bürgerlichen Rührstücke“[2] hinausgelangt.

Die Anregung dazu kam durch sein eigenes Gefühl der Auflehnung gegenüber dem gesellschaftlichen System und gegen den Herzog Karl Eugen und der Unmoral vieler Regenten der Zeit. Schiller, der die Kluft zwischen dem Adel und dem Bürgertum am eigenen Leibe durch seine Liebe zu einer Adeligen miterlebt hat, drückt so in >Kabale und Liebe< in gewisser Weise seine eigenen Gedanken und Gefühle aus. Ob das eigens Erlebte auch Einfluss auf die Charaktere in dem Drama selbst nimmt, lässt sich nicht sagen, aber denkbar könnte es zumindest sein. Ferdinand als ein Synonym für Schiller selbst und Luise eines für seine Geliebte anzusehen, würde allerdings zu weit gehen.

2.2) Interpretationsansätze

Die Ansätze, das Trauerspiel zu deuten, sind vielfältig: Bis heute ist kein Drama Schillers so umstritten und stellt die Auslegung vor so verwickelte Probleme wie >Louise Millerin< bzw. >Kabale und Liebe<. Auf der einen Seite steht die Auffassung vom sozialen Drama, vom politischen Tendenzstück, auf der ande­ren finden sich die mehr oder weniger religiösen Deutun­gen (von Wiese, Storz) oder die jüngsten Versuche einer existenziellen und moralischen Kritik (Martini; Beck) die vor allem die Gestalt Ferdinands in ihrer Zweideutigkeit analysieren.

Wie es sich für ein bürgerliches Trauerspiel aus der Zeit des Sturm und Drang zu erwarten ist, wird natürlich auch der Ständekonflikt thematisiert. „Der Gegensatz bürgerlich – höfisch muss [...] ergänzt werden durch die Konflikte bürgerlicher Ziel- und Wertedefinitionen untereinander – und gerade aus diesen Gegensätzen entstehen die eigentlich zentralen Spannungen in >Kabale und Liebe<.“[3]

Schon der Titel deutet die beiden gegensätzlichen Pole des bürgerlichen Trau­erspiels an.

„Auf der Seite der Kabale treiben >Schurken< kalt und berechnend ihre Intrigen voran. Auf der Seite der Liebe werden kompromisslos Verwicklungen einer hemmungslosen Hingabe gezeigt, die glaubt, die Fallen und Intrigen der Realität umgehen zu können und letzten Endes als Sieger davon zu kommen[4].“ Es „[...] findet sich auch im dritten Stück [>Kabale und Liebe<; Anm. d. Verf.] Schillers wieder die schon vertraute Ge­genüberstellung von Intrige und Ideal und ihre geheime Korrespondenz: Ferdinand von Walter gibt mit der Abstraktheit seiner Liebe, die weder die reale Welt noch die Geliebte in ihrem Sosein wirklich wahrzunehmen vermag, die Vorraussetzung für das schreckliche Zerstörungswerk der Intrige; aber schon die Erscheinungsform der Intrige selbst und ihre Träger sind verwan­delt.“[5]

2.3.1) Ferdinands Liebe

Gründe, die die Liebe von Ferdinand und Luise zum Scheitern bringen, sind die großen Charakterunterschiede, welche die beiden Figuren zeigen, obwohl sie sich lieben. Es könnte alles ganz einfach sein: Luise liebt Ferdinand und ihre Liebe wird erwidert. Ferdinand ist eher ein draufgängerischer >Stürmer und Dränger<. Er lässt sich von seinem Vater nicht einschüchtern und bietet ihm die Stirn, indem er sich dem Willen des Vaters, die Beziehung zu Luise zu beenden, widersetzt[6]. Dennoch scheitert die Liebe zwischen dem adeligen Sohn des Präsidenten und der bürgerlichen Tochter des Musikers Miller sowohl an den Standesschranken, als auch an den absoluten Ansprüchen der Protagonisten[7]. Der entsprechende Weg der Liebe Ferdinand zu Luise sieht so aus, dass sie in Akt III, Szene 4[8] erstmals umschlägt in Eifersucht, was von der Grundstruktur her noch nichts Negatives ist. Doch diese Eifersucht führt in Akt IV, Szene 4 zu Hass und Rachsucht, hervorgerufen durch die Kabale des Präsidenten und des Sekretärs Wurm. So sagt er am Schluss des Dramas: „Wenn ich verloren bin, bist Du es auch!“ (S. 73; Z.5) So bekommt die ehemals so innige Liebe zwischen den beiden einen sehr egozentrischen Unterton, der nicht nur die unbedingte Seelenverwandtschaft fordert, sondern auch Luise als Objekt, als verfügbaren Besitz. Ferdinand: „Das Mädchen ist mein!“ (S. 73; Z. 6f) Wenn es allerdings wie in diesem Fall nicht zu der Erfüllung von Ferdinands Wünschen und Träumen kommt, so wie er es gerne hätte, schlägt die Liebe in das entsprechende Komplement um: „Ich einst ihr Gott, jetzt ihr Teufel!“ (S. 73; Z.15) Erst der Gift-Tod, in den Ferdinand Luise in seiner Verblendung treibt, zerschlägt das Intrigennetz, allerdings zu spät[9]. Ferdinand wird zum Mörder und Selbstmörder aus Ekel vor einer Welt, die seinen Vorstellungen von Reinheit nicht gewachsen ist. „Der Traum von einer Tat kann sich in den psychischen Verstrickungen nicht als politische realisieren, sondern nur gegen sich selbst wenden. Es bleiben die erstickten Träume, gepaart mit Todesver­liebtheit und die an ihren verzweifelt - komischen Widersprüchen zugrunde gehenden Personen.“[10]

[...]


[1] Gerhard Kaiser. Aufklärung, Empfindsamkeit, Sturm und Drang. Fünfte, unveränderte Auflage. Francke Verlag Tübingen und Basel 1996. S. 287.

[2] Kindlers Literaturlexikon S. 5098.

[3] Konrad Maier. Zerstörungsformen einer verabsolutierten Moral im Frühwerk Friedrich Schillers. Erschienen in: Saarbrücker Beiträge zur Literaturwissenschaft Band 30. Ausgabe 1992. Werner J. Röhrig Verlag. St. Ingbert. S. 329.

[4] bayerisches Staatsschauspiel, Christina Preuß Aus: http://wwwspies.informatik.tu-muenchen.de/personen/Preusssonstiges/THEATER/RESIDENZ9697/kabaleundliebe.html

In diesem Fall ist es Ferdinand, der fest entschlossen ist, den Nachstellungen des eigenen Vaters zu trotzen.

[5] Gerhard Kaiser, S. 287/288.

[6] Vgl. Textstelle: „Mein Vater wird alle Geschütze gegen uns richten. Er wird mich zwingen, den un­menschlichen Sohn zu machen. [...] Der Sohn wird den Vater in die Hände des Henkers liefern.“ S. 58; Z .12ff.

[7] Wobei Ferdinand durch seine absolut gesetzte Liebe den Blick für die Realität verliert und die Konflikte in Luise nicht bemerkt. Er wirkt wie besessen und zerstört dadurch mehr, als dass er der Beziehung förderlich ist.

[8] Die im Folgenden aufgeführten Szenen- und Seitenangaben im Textverlauf beziehen sich sämtlich auf die Ausgabe: Friedrich Schiller. Kabale und Liebe, Ein bürgerliches Trauerspiel. Um Anmerkungen ergänzte Ausgabe 1993. Philipp Reclam jun. GmbH & Co., Stuttgart. Universal – Bibliothek Nr. 33.

[9] Allein die Liebe als seelisches Erlebnis vermag die festen Grenzen der ständi­schen Ordnungen, die Ordnung der ganzen Welt, die "ewige Ordnung" und nicht nur die "Fugen der Bürgerwelt" auseinanderzusprengen. Aus: http://osu.orst.edu/ (Oregon State University) Nun sind die Liebenden wie schon so häufig in der Literatur im Tode vereint.

[10] bayerisches Staatsschauspiel, Christina Preuß.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Kabale und Liebe: Allgemeine Interpretationsansätze und eine Analyse der sprachlichen Form
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Veranstaltung
Literatur der Aufklärung und des Sturm und Drang
Note
2,3
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V55964
ISBN (eBook)
9783638507813
Dateigröße
546 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kabale, Liebe, Allgemeine, Interpretationsansätze, Analyse, Form, Literatur, Aufklärung, Sturm, Drang
Arbeit zitieren
Phillip Gläsel (Autor), 2000, Kabale und Liebe: Allgemeine Interpretationsansätze und eine Analyse der sprachlichen Form, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55964

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