Unsere heutige Vorstellung von einem Drachen ist ein riesiges, echsenartiges Tier mit großen Flügeln, einem riesigen feuerspeienden Maul und dampfenden Nasenlöchern. Doch wie gelangte dieser Drache in unsere heutigen Köpfe?
Weder Schriftsteller noch Künstler schaffen Gestalten aus dem Nichts, somit hat auch der Drache seine Bedeutung gehabt.
Warum wurde er zum Leben erweckt, gibt es diesen Zeitpunkt und wie sahen Drachen in den Vorstellungen der damaligen Menschen aus?
Da die Drachengestalt in vielen, über alle Erdteile verstreuten, Mythen ihr Unwesen treibt, zeigt sich, dass die Bedeutung und Absicht der Drachenmotive für die Menschen eine wichtige Funktion gehabt hatte. Die Arbeit kann sich nicht mit allen Facetten der Drachengestalt befassen denn in allen Kulturen und Jahrhunderten gibt es Zeugnisse des Drachen. Deshalb wird im Folgenden nur dem europäischen Drachen Beachtung geschenkt. Drachen sind allen Menschen bekannt. Und sie gelten, im Gegensatz zu den Drachen der Chinesen, als böse Kreaturen. Es soll beantwortet werden warum dies geschah.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Mythos
3. der Drache
4. Drachen als Symbol
4.1 Drachenkämpfe
4.1.1 Der Kampf Sigurt gegen Fafnir
5. Drachen in der Volkssage
5.1 sein Wandel
5.2 der Naturmythos
6. Schlussbemerkung
7. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die kulturelle und symbolische Bedeutung des europäischen Drachen, um zu ergründen, warum dieses Fabelwesen in westlichen Vorstellungen primär als bösartige Kreatur wahrgenommen wird. Dabei wird analysiert, wie sich das Drachenmotiv von antiken Mythen über mittelalterliche Heldenepen bis hin zu volkssagenhaften Interpretationen als Erklärungsmodell für das Unbekannte und Destruktive entwickelt hat.
- Die Wandlung des Drachenbegriffs im historischen Kontext
- Die Funktion des Drachen als Symbol für das Böse und Chaos
- Analyse des Drachenkampfes als archetypisches Motiv zwischen Gut und Böse
- Der Drache als Projektionsfläche für Naturphänomene und Aberglauben
- Fallstudie: Die mythologische Rolle von Sigurt und Fafnir
Auszug aus dem Buch
4.1.1 der Kampf: Sigurt gegen Fafnir
Der Kampf zwischen Sigurt und dem Drachen Fafnir wird von Bert Nagel in die Gruppe von Drachenkämpfen eingereiht, in denen sich der Mythos vom Göttersohn, der als Gesandter und Heilbringer auf die Erde kommt, um das Ungeheuer, das Chaos zu überwinden. Indem der Drache, der als dämonisches Untier der Tiefe gesehen wird, getötet wird, wird Frieden und das Gute sozusagen hergestellt. Doch wie verhält es sich damit, wenn der Drachenkampf, und besonders der Drache Fafnir, genauer betrachtet wird?
Die Legende berichtet, dass der Riese Hreidmar, Fafnirs Vater, Gold als Buße von drei Göttern nahm, da sie seinen Sohn Otter getötet hatten. Der Schatz war jedoch von dem Zwergen Andvari verflucht worden, so dass er seinem Besitzer kein Glück bringen würde. Seine anderen beiden Söhne, Regin und Fafnir, waren so gierig nach dem Gold, dass sie sogar ihren Vater erschlugen, um es zu Ihrem zu machen. Fafnir jedoch wollte der alleinige Besitzer des Schatzes sein und vertrieb seinen Bruder Nachdem der Vatermörder Fafnir der alleinige Besitzer des verfluchten Schatzes war verwandelte er sich von einem Menschen in einen Drachen und hütete von nun an zurückgezogen den Hort. „Fafnir aber stieg auf die Gnitaheide, verwandelte sich in einen Lindwurm, grub sich eine Höhle und legte sich auf das Gold.“
Fafnir war also nicht immer ein Drache. Und stellte nach seiner Verwandelung auch keinen Drachen dar, der die Welt bedroht. Der Drache lebt zurückgezogen, von Angst um dem Verlust des Schatzes gepeinigt verlässt er seinen Hort nicht und hält sich von den Sterblichen fern. Es ist so, zwar wahrscheinlich ungewollt von ihm, dass der Drache eine positive Aufgabe erfüllt, denn der Drache bewacht einen verfluchten Schatz, der eine zerstörerische Macht, die die Gesellschaft bedroht, repräsentiert. So behütet er die Menschen vor dem Fluch des Schatzes. Es gab also keinen Grund, Fafnir zu töten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage nach der Entstehung und der negativen Konnotation des europäischen Drachenbildes.
2. Mythos: Das Kapitel erläutert den Begriff des Mythos als Mittel der Weltdeutung und erklärt, warum der Glaube an Fabelwesen in diesem Kontext historisch plausibel war.
3. der Drache: Hier wird der Drache als Archetyp und Kitt zwischen Epochen definiert, der trotz seiner Vielfalt stets als gefährliches Wesen wahrgenommen wurde.
4. Drachen als Symbol: Dieser Abschnitt analysiert den Drachen in der Heraldik und im Christentum als Sinnbild für das Destruktive und das Böse.
4.1 Drachenkämpfe: Dieses Kapitel betrachtet den Drachenkampf als Motiv zur Beweisführung von Heldenmut und zur Etablierung einer gottgefälligen Ordnung.
4.1.1 der Kampf: Sigurt gegen Fafnir: Eine detaillierte Analyse der Sigurd-Sage, die hinterfragt, ob der Kampf gegen Fafnir aufgrund seiner Gier und Unschuld als gerechtfertigt gelten kann.
5. Drachen in der Volkssage: Der Fokus liegt hier auf dem Glauben an den Drachen als reale Gestalt bis in die frühe Neuzeit und die Interpretation von Augenzeugenberichten.
5.1 sein Wandel: Dieses Kapitel beschreibt die Entmythologisierung des Drachenbildes durch naturwissenschaftliche Erklärungsansätze.
5.2 der Naturmythos: Hier wird aufgezeigt, wie Naturkatastrophen und Phänomene zur Entstehung von Drachenlegenden beigetragen haben.
6. Schlussbemerkung: Die Schlussbetrachtung fasst die fortwährende Präsenz des Drachen als Metapher in unserer heutigen Sprache zusammen.
7. Bibliographie: Auflistung der wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Drache, europäische Mythologie, Fabelwesen, Drachenkampf, Sigurt, Fafnir, Symbolik, Naturmythos, Volkssage, Archetyp, Held, Weltanschauung, Aberglaube, Entmythologisierung, Bestiarien
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der kulturellen Bedeutung und der symbolischen Wandlung des europäischen Drachen von einem mythischen Wesen hin zu einem Sinnbild des Bösen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Mythologie, die christliche Symbolik, der Drachenkampf als heroisches Motiv und die psychologische sowie naturwissenschaftliche Erklärung des Drachenglaubens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu beantworten, warum der europäische Drache im Gegensatz zu asiatischen Vorstellungen fast ausschließlich als bösartige und zu bekämpfende Kreatur wahrgenommen wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin oder der Autor nutzt eine kulturwissenschaftliche und literaturanalytische Herangehensweise, wobei Primär- und Sekundärliteratur zu Mythen und Sagen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Drachensymbolik, die Untersuchung des Drachenkampfes als Motiv und die Betrachtung des Drachens in der Volkssage inklusive seiner Transformation durch naturwissenschaftliche Erkenntnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Drache, Mythologie, Archetyp, Fafnir, Drachenkampf, Symbolik, Volkssage und Naturmythos.
Warum ist der Kampf von Sigurt gegen Fafnir ein zentrales Beispiel?
Der Kampf gegen Fafnir wird detailliert analysiert, um aufzuzeigen, dass der „Held“ nicht immer nur das Gute vertritt und der Drache in diesem Fall eher als ein durch Fluch gezeichnetes Wesen und Hüter eines Hortes agiert, statt als rein böses Ungeheuer.
Inwiefern hat die Wissenschaft den Drachenmythos verändert?
Mit dem Aufkommen der Naturwissenschaften wurden Drachensichtungen zunehmend rational erklärt, etwa als Sichtungen großer Fische, Saurierfossilien oder als Deutungen von Wetterphänomenen wie Meteoriten und Wasserhosen.
- Quote paper
- Kirsten Rackow (Author), 2001, Der Drachenmythos in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55968