Ausgangspunkt dieser Arbeit sind die Forschungen einiger Wissenschaftler, die in den letzten Jahrzehnten das tatsächliche Entscheidungsverhalten von Individuen untersucht haben. In ihren Untersuchungen stellten sie fest, dass dieses Verhalten von den herrschenden Ansichten des Menschen als homo oeconomicus abweicht und nicht als vollständig rational, sondern als beschränkt rational bezeichnet werden muss. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die Ansichten und das Konzept der „bounded rationality“ (begrenzte Rationalität) zu geben. Zu Beginn erfolgen eine Abgrenzung der vollständigen zur beschränkten Rationalität, sowie die Darstellung einiger psychologischer und sozialer Faktoren, die das Entscheidungsverhalten von Menschen beeinflussen. Inhalt des zweiten Kapitels ist die Unterteilung des Konzeptes in seine beiden Hauptstränge, das befriedigende Problemlösen (satisficing) und die Anwendung von einfachen und schnellen Heuristiken1 bei der Entscheidungswahl. Anschließend wird eine genauere Betrachtung des Einflusses von Emotionen vorgenommen, da diese einen besonders wichtigen Faktor im tatsächlichen Entscheidungsverhalten darstellen. Im letzten Abschnitt werden einige Möglichkeiten aufgeführt, welche zeigen, dass auch unter der Annahme der begrenzten Rationalität durchaus sinnvolle Entscheidungen am Finanzmarkt getroffen werden können.
1 Der Begriff stammt aus dem griechischen heuriskein = finden, entdecken und wird nach dem Fremdwörterbuch Duden, definiert als Lehre, Wissenschaft von den Verfahren, Probleme zu Lösen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundannahmen der Bounded Rationality
2.1 vollständige Rationalität
2.2 begrenzte Rationalität
2.3 Faktoren die das Entscheidungsverhalten der Menschen beeinflussen
3. Darstellung der Hauptkonzepte beschränkter Rationalität
3.1 Entscheidungsregeln
3.2 Satisficing und Anspruchsniveau
3.2.1 Anspruchsanpassungstheorie
3.2.4 Anspruchsausgleichsprinzip
3.3 Schnelle und einfache Heuristiken
2.3.1 Rekognitions – Heuristik
2.3.2 Take the Best Heuristik
4. Welchen Einfluss haben Emotionen auf Entscheidungen
4.1 Backround Emotions
4.2 Task- related Emotions
4.3 Anticipated Emotions
5. Entscheidungen am Finanzmarkt unter Annahme der begrenzten Rationalität
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, das Konzept der "Bounded Rationality" (begrenzte Rationalität) zu erläutern und vom klassischen Modell des homo oeconomicus abzugrenzen, um zu untersuchen, wie Individuen in der Realität unter Unsicherheit und Zeitdruck Entscheidungen treffen.
- Gegenüberstellung von vollständiger und begrenzter Rationalität
- Analyse psychologischer Faktoren und des Einflusses von Emotionen auf Entscheidungen
- Untersuchung der Mechanismen von "Satisficing" und Anspruchsniveaus
- Anwendung von schnellen, einfachen Heuristiken zur Problemlösung
- Evaluierung von Entscheidungsmodellen am Finanzmarkt
Auszug aus dem Buch
3.3 Schnelle und einfache Heuristiken
Wie bereits erwähnt, handelt es sich bei diesen Heuristiken um einen wichtigen Bereich der begrenzten Rationalität. Schnelle und einfache Heuristiken benötigen nur ein Minimum an Zeit und Wissen, um in der Realität gute Entscheidungen zu treffen. Durch einfache berechenbare Stopp– und Entscheidungsregeln wird die Suche nach Alternativen und Informationen eingeschränkt. Eine Möglichkeit, um eine Entscheidung zwischen zwei Alternativen zu treffen, ist das one – reason decision making d.h., eine Entscheidung wird nur auf Basis eines Grundes getroffen.42 In diesem Zusammenhang sei der Begriff der „adaptiven toolbox“ erwähnt. Diese so genannte adaptive Werkzeugkiste beschreibt das Repertoire an Regeln und Heuristiken, die einem Wesen zu einem bestimmten Punkt in seiner Entwicklung zur Verfügung stehen, sowie die Anpassung dieser Heuristiken an die jeweilige Umgebung. Diese Anpassung wird als ökologische Rationalität bezeichnet und ist der Grund dafür, dass Heuristiken schnell, einfach und auch akkurat sein können.43 Ein weiterer Bestandteil dieser Heuristiken ist ihre Robustheit. Nicht jede Information bzw. jedes Detail in der angepassten Umgebung ist bekannt oder wird betrachtet, d.h. sie sind nicht zu spezifisch und betrachten nur wenige Parameter. Daher ist es auch möglich, dass einfache Heuristiken ähnlich gut sein können wie komplexe Strategien, die mit vielen Parametern arbeiten.44 In der Literatur gibt es eine Vielzahl von möglichen Heuristiken. Im Folgenden werden zwei einfache Heuristiken näher vorgestellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, das Konzept der begrenzten Rationalität als Alternative zum homo oeconomicus vorzustellen und dessen Bedeutung für das Entscheidungsverhalten unter realen Bedingungen zu beleuchten.
2. Grundannahmen der Bounded Rationality: Dieses Kapitel arbeitet den fundamentalen Kontrast zwischen dem idealisierten Modell der vollständigen Rationalität und den kognitiven Beschränkungen des Menschen heraus.
3. Darstellung der Hauptkonzepte beschränkter Rationalität: Hier werden die zentralen Ansätze des Satisficing-Prinzips sowie der Einsatz schneller und einfacher Heuristiken als adaptive Strategien detailliert analysiert.
4. Welchen Einfluss haben Emotionen auf Entscheidungen: Das Kapitel untersucht, wie unterschiedliche Formen von Emotionen (z.B. backround, task-related) als Faktoren den Entscheidungsprozess maßgeblich beeinflussen und steuern können.
5. Entscheidungen am Finanzmarkt unter Annahme der begrenzten Rationalität: Der letzte Hauptteil transferiert die theoretischen Konzepte auf den Finanzmarkt und zeigt auf, wie Heuristiken auch für Laien zu erfolgreichen Investitionsentscheidungen führen können.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Entscheidungsverhalten durch kognitive Grenzen und situative Faktoren geprägt ist und Heuristiken eine effiziente und oft robuste Alternative zur komplexen Optimierung darstellen.
Schlüsselwörter
Bounded Rationality, begrenzte Rationalität, homo oeconomicus, Entscheidungsverhalten, Satisficing, Anspruchsniveau, Heuristiken, ökologische Rationalität, Emotionen, Finanzmarkt, one-reason decision making, adaptive toolbox, Rekognitions-Heuristik, Take the Best, Entscheidungsregeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Abkehr vom Modell des vollständig rationalen Akteurs (homo oeconomicus) hin zum Konzept der begrenzten Rationalität, welches das tatsächliche menschliche Entscheidungsverhalten in komplexen und unsicheren Umgebungen abbildet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Grundannahmen der begrenzten Rationalität, das Prinzip des Satisficing, die Anwendung von Heuristiken sowie den Einfluss von Emotionen auf menschliche Entscheidungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über das Konzept der Bounded Rationality zu geben und aufzuzeigen, wie Individuen durch kognitive Beschränkungen und den Einsatz einfacher Regeln auch ohne vollständige Information zu zufriedenstellenden Ergebnissen gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die verschiedene verhaltensökonomische Ansätze, Modelle der Entscheidungspsychologie und wissenschaftliche Publikationen zusammenführt und auf finanzwirtschaftliche Fragestellungen anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der theoretischen Grundlagen, die Analyse von Entscheidungsregeln und Anspruchsniveaus, die Untersuchung einfacher Heuristiken sowie die Auswirkung von Emotionen auf die Entscheidungsfindung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Bounded Rationality, Satisficing, Heuristiken, ökologische Rationalität, emotionale Einflussfaktoren und verhaltensökonomische Entscheidungsmodelle charakterisiert.
Was unterscheidet das Modell des "Satisficing" von der Nutzenmaximierung?
Während die Nutzenmaximierung eine unbegrenzte Informationssuche zur Erzielung des optimalen Ergebnisses voraussetzt, beschreibt Satisficing den Prozess, bei dem ein Akteur die Suche nach Alternativen abbricht, sobald ein selbst gesetztes Anspruchsniveau erreicht ist.
Wie erklärt die Arbeit den Erfolg einfacher Heuristiken am Aktienmarkt?
Die Arbeit argumentiert, dass Heuristiken wie die Rekognitions-Heuristik durch ihre ökologische Rationalität und Robustheit oft effizienter sind, da sie auf Basis weniger, aber valider Informationen agieren und so eine Überkomplexität vermeiden.
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- Martin Matthias (Author), 2005, Bounded Rationality - begrenzte Rationalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/55981