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Das Ringen um den Menschen – die evangelische Heilslehre und die Philosophie von Martin Heidegger

Title: Das Ringen um den Menschen –  die evangelische Heilslehre und die Philosophie von Martin Heidegger

Term Paper (Advanced seminar) , 2002 , 37 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dariusz Bruncz (Author)

Theology - Systematic Theology
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Die etablierten konfessionellen Großkirchen bemühen sich um den Missionserfolg, wobei sie sich dessen ganz gut bewußt sind, daß die neuzeitliche Religiosität von dem selektiven konfessionsübergreifenden Synkretismus gekennzeichnet ist. Die radikale und von den überlieferten Glaubenswahrheiten getrennte Individualisierung der Suche nach dem Göttlichen steht am Scheideweg. Auch die philosophischen Systeme und andere Ersatzreligionen wollen den verwirrten Menschen ansprechen. Sie bedienen sich dabei der quasireligiösen Sprache, die manchmal geschickt hinter den eigentlichen Gedanken verborgen steht oder für die partikulären Zwecke umgewertet wird. Der gegenseitige Einfluß ist in diesem Fall nicht zu vermeiden. Das hat gewiss positive und negative Folgen für jeweilige "Parteien", aber eine Sache wird dabei auffällig: der Kampf um den Menschen, um seine Seele und seinen Verstand ist keineswegs ausgetragen. Die neuen Dimensionen dieses Kampfes werden mit neuen Fragen(-stellungen) gemacht, zwischen denen sowohl inhaltliche Differenzen als auch rhetorische Kunstfiguren vorkommen können.
Diese Hausarbeit ist ein kleiner Versuch einen von diesen Kämpfen aufzuhellen, und zwar das Gespräch zwischen der christlichen Heilslehre (Soteriologie) in ihrer reformatorischen Ausprägung (Martin Luther und Paul Tillich) und der Philosophie von Martin Heidegger, dem Zauberer von Meßkirch, wie den berühmtesten Philosophen aus der Provinzstadt in Schwaben sein Biograph Rüdiger Safranski einmal genannt hat. Martin Heidegger ist eine denkerische Größe an sich. Wenn man seine Werke liest und sein Leben dabei bedenkt, kann man sich keine Gleichgültigkeit leisten, es sei denn, daß man ihn überhaupt nicht richtig verstanden hat. Einerseits, nahezu prophetisch und in seiner Suche nach dem Sein andachtsvoll interpretiert, andererseits blasphemisch oder sogar atheistisch denkbar. Der Denker aus Leidenschaft und aus der selbstaufgeworfenen Berufung. Ein verkrachter Priester ohne seine Kirche und ohne Botschaft, der doch seine letzte Ruhe auf dem römisch-katholischen Friedhof in Meßkirch, unter erneuter Obhut der Kirche, finden wollte. Ob es begründet und mit seiner Philosophie übereinstimmend war, bleibt noch umstritten. Es sollten hier die Überlappungen, Ähnlichkeiten aber vor allem die Divergenzen der existenziellen Philosophie und der reformatorischen Theologie erörtert werden, die sich überraschenderweise bei vielen Diskussionsfragen begegnen.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Das Fragen nach dem Sein und die Überwindung der Uneigentlichkeit

2.1 Die Entlarvung des Man

2.2 Der Mut zum Sein – die Philosophie

2.3 Die Grenzen des menschlichen Daseins

2.4 In der Freiheit der Wahrheit

3. Das christlich-reformatorische Verständnis des Heils

3.1 Die evangelische Anthropologie nach Martin Luther

3.2 Das Ereignis der Rechtfertigung und die Torheit des Kreuzes

3.3 Der systematisch-theologische Diskurs: Das Sein und die Frage nach Gott bei Paul Tillich

4. Philosophie und Glaube im Gespräch

4.1 Nur ein Gott kann uns retten

5. Schlußfolgerungen

6. Fremdsprachliche Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselverhältnis zwischen der evangelischen Heilslehre, insbesondere in der Ausprägung durch Martin Luther und Paul Tillich, und der Philosophie von Martin Heidegger. Das primäre Ziel ist es, die existenziellen Überlappungen sowie die fundamentalen Divergenzen in der Frage nach dem Sein und der Stellung des Menschen aufzuzeigen.

  • Analyse der Heideggerschen Ontologie und des Begriffs der Uneigentlichkeit (das Man).
  • Gegenüberstellung der reformatorischen Rechtfertigungslehre mit Heideggers Seinsverständnis.
  • Untersuchung der Rolle Gottes und des Kreuzes bei Luther im Vergleich zu Heideggers Technik- und Kulturkritik.
  • Diskussion der systematisch-theologischen Methodik bei Paul Tillich im Kontext des Existenzialismus.
  • Reflektion über die Bedeutung religiöser Fundamente in der modernen Philosophie.

Auszug aus dem Buch

2. Das Fragen nach dem Sein und die Überwindung der Uneigentlichkeit

„Nichts ist, was ist; alles sieht bloß so aus“ besagt das erste Gebot der Phänomenologie vom jüdischen Philosophen Edmund Husserl, in dessen Tradition auch der Nationalsozialist Martin Heidegger lebte und dachte. Die phänomenologische Revolution ermöglichte einen ganz neuen Zugang zur Seinsfrage, obwohl die Frage nach dem eigentlichen Sein nicht ihr Anliegen war. Die Phänomenologie war die absolute Bedingung für die vertiefte Reflexion über das Wesen des Daseins, sie war der Ansatzpunkt der existenziellen Sorge um die daseinsmäßige Wahrheit.

Das Hauptinteresse der von Husserl eingesetzten Denkströmung war das Erforschen der Ursprünglichkeit in allen möglichen Formen des menschlichen Handelns und Denkens. Husserl bediente sich dabei der phänomenologischen Reduktion, die darauf abzielte, nicht das Wahrnehmungsobjekt, sondern den Prozeß, den Vorgang der Wahrnehmung zu hinterfragen. Es ging um das Verhältnis zwischen der Intention und Bewußtsein des Menschen im Aneignungsprozeß eines Phänomens. Das menschliche Bewußtsein sollte kritisch betrachtet werden, weil es nach dem hergebrachten Subjekt-Objekt-Schema die Wirklichkeit erfährt, d.h. vom Wesen des Phänomens, von seiner eigentlichen Form ablenkt: „Mit dem Exerzitium der phänomenologischen Reduktion klammert man die sogenannte >natürliche< Wahrnehmung ein und klammert die >äußere< Wirklichkeit aus, man verliert eine ganze Welt, aber nur, um sie, wie Husserl in den ›Cartesianischen Meditationen‹ sagt, ›in universaler Selbstbesinnung wiederzugewinnen‹.“ Mit der Hilfe dieses phänomenologischen Ansatzes kann Heidegger seinen eigenen Weg einschlagen. Er rezipiert die Gedanken von Husserl, um dann später weiter zu gehen und die fundamentalontologische Frage nach dem Sein zu stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung thematisiert die spirituelle Orientierungslosigkeit der Moderne und führt in das Spannungsfeld zwischen christlicher Heilslehre und Heideggers Philosophie ein.

2. Das Fragen nach dem Sein und die Überwindung der Uneigentlichkeit: Dieses Kapitel erläutert Heideggers phänomenologische Grundlagen, das Konzept des "Man" und die Notwendigkeit des Mutes zum Sein.

3. Das christlich-reformatorische Verständnis des Heils: Hier werden Luthers Sündenlehre und das Ereignis der Rechtfertigung sowie Tillichs Methode der Korrelation in der systematischen Theologie analysiert.

4. Philosophie und Glaube im Gespräch: Das Kapitel vergleicht die Ansätze von Luther, Tillich und Heidegger hinsichtlich ihrer Gottesvorstellungen und ihres Verständnisses von Wahrheit.

5. Schlußfolgerungen: Eine abschließende Betrachtung, die den fortwährenden Einfluss von Heidegger auf die Geisteswissenschaften sowie die Bedeutung religiöser Wurzeln für die Philosophie hervorhebt.

6. Fremdsprachliche Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung der zentralen Thesen der Arbeit in polnischer Sprache.

7. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Martin Heidegger, Martin Luther, Paul Tillich, Ontologie, Existenzialismus, Rechtfertigungslehre, Phänomenologie, Das Man, Dasein, Soteriologie, Wahrheit, Sündhaftigkeit, Seinsfrage, Metaphysik, Religion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das intellektuelle und existenzielle Gespräch zwischen der reformatorischen Theologie von Martin Luther und Paul Tillich einerseits und der Philosophie von Martin Heidegger andererseits.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Fragen nach dem menschlichen Dasein, dem Wesen der Wahrheit, dem Phänomen der Sünde, der Bedeutung der Rechtfertigung und dem Ringen um den Sinn des Seins in einer modernen, säkularen Welt.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Überlappungen und Divergenzen zwischen existenzieller Philosophie und christlicher Heilslehre aufzudecken, um ein tieferes Verständnis für die menschliche Existenz zu gewinnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen phänomenologischen und systematisch-theologischen Ansatz, um die Argumentationsstrukturen der behandelten Denker kritisch zu vergleichen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Heideggers Analyse der Uneigentlichkeit, die lutherische Theologie der Rechtfertigung und Tillichs "Methode der Korrelation" sowie deren jeweilige Gottes- und Seinsverständnisse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Existenzialismus, Rechtfertigung, Ontologie, Dasein, Soteriologie und Seinsvergessenheit charakterisiert.

Wie unterscheidet sich Heideggers Gottesverständnis von der lutherischen Lehre?

Heidegger nähert sich Gott oft aus einer ontologischen oder gnostisch geprägten Perspektive an, während Luther Gott strikt in der christlichen Offenbarung, besonders im Gekreuzigten, verankert sieht.

Welche Rolle spielt der Begriff "Das Man" in Heideggers Philosophie laut der Autorin?

"Das Man" bezeichnet bei Heidegger die anonyme Masse und die Alltäglichkeit, die das Individuum von seinem eigentlichen Dasein entfremdet und eine "Uneigentlichkeit" erzeugt, die der Mensch durch Sorge und Entscheidung überwinden muss.

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Details

Title
Das Ringen um den Menschen – die evangelische Heilslehre und die Philosophie von Martin Heidegger
College
European University Viadrina Frankfurt (Oder)  (Fakultät für Kulturwissenschaften)
Course
Selbstgeschick und Selbstbehauptung - Heideggers Schriften vom 1921-1944
Grade
1,3
Author
Dariusz Bruncz (Author)
Publication Year
2002
Pages
37
Catalog Number
V5600
ISBN (eBook)
9783638134293
ISBN (Book)
9783638734417
Language
German
Tags
Heidegger
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dariusz Bruncz (Author), 2002, Das Ringen um den Menschen – die evangelische Heilslehre und die Philosophie von Martin Heidegger, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5600
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