'Die Lehrer oder die LehrerInnen?' - Unterschiede in der Einstellung gegenüber geschlechterspezifischen Berufsgruppen


Hausarbeit, 2006

24 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

Kapitel

1.) Vorwort

2.) Theoretische Vorarbeit 1: Wahrnehmung
2.1) Wahrnehmung
2.2.) Soziale Wahrnehmung / Personenwahrnehmung
2.3) Implizite Persönlichkeitstheorien

3.) Theoretische Vorarbeit 2: Einstellung
3.1) Der Begriff Einstellung
3.2) Das Entstehen von Einstellungen
3.3) Das Messen von Einstellungen

4.) Darstellung der durchgeführten Befragung
4.1) Erläuterung des Fragebogens
4.2.) Darstellung der Ergebnisse
4.3) Interpretation der relevanten Unterschiede

5.) Abschließende Bemerkungen

Anhang
- graphische Darstellung des semantischen Differentials
- Fragebogenexemplar
- Literaturnachweis
- Selbständigkeitserklärung

1.) Vorwort

Das Messen von Einstellungen ist ein beliebtes Thema im Feld der Sozialpsychologie. Viele Umfragen befassen sich mit gesellschaftspolitischen Themen wie Atomkraftwerke oder EU – Erweiterung, mit der Einstellung zu bestimmten Produkten oder auch mit dem Bild eines Berufsstandes in der Bevölkerung.

In meiner Arbeit werde ich in die Einstellung gegenüber bestimmten Berufsgruppen messen und herausstellen, ob es einen Unterschied macht, wenn die Bezeichnung des Berufes hinsichtlich ihrer Geschlechterzugehörigkeit verändert wird.

Nach einem ersten Studium der einschlägigen Literatur formulierte ich zwei Hypothesen, die ich in meiner Arbeit überprüfen möchte

Die Frauenbewegung seit den 60er und 70er Jahren hat dazu beigetragen, dass Männer und Frauen auf beruflicher Ebene gleich wahrgenommen werden.

Sollten die geschlechterspezifischen Berufsgruppen unterschiedlich wahrgenommen werden, so lassen sich aus diesen Unterschieden allgemeine Unterschiede bezüglich der Wahrnehmung von Frauen und Männern in der Gesellschaft extrahieren.

In meinem ersten Kapitel werde ich die Begriffe der Wahrnehmung, der sozialen Wahrnehmung und der Intrapersonalen Wahrnehmungstheorien näher beleuchten. Hier wird es darum gehen, wie unsere Wahrnehmung funktioniert, wie Menschen andere Menschen wahrnehmen und wie Menschen, die wir kennen lernen direkt mit einer Reihe von Eigenschaften verknüpft werden.

Im zweiten Kapitel werde ich den Begriff der Einstellung erläutern. Wie Einstellungen entstehen und überdauern wird erklärt. Die Veränderung von Einstellungen ist ein vieldiskutiertes und interessantes Thema, was ich leider in dieser Arbeit aus aufgrund des vorgegebenen Umfangs nicht behandeln kann. Abgschlossen wird dieser Abschnitt mit dem Messen von Einstellungen.

In meinem dritten Arbeitsschritt werde ich meine durchgeführte Befragung näher beschreiben. In diesem Abschnitt werde ich auch die dann festgestellten Unterschiede in den Einstellungen darstellen. Anschließend werde ich versuchen die Ergebnisse der Umfrage zu erklären.

Hinweis: ich berühre in meiner Arbeit bewusst das Thema der Geschlechterforschung oder des „Gender Mainstreaming“ nicht, da ersteres eher ein Thema der Soziologie ist und letzteres mir für diese Arbeit eher von sekundärem Nutzen erscheint.

2.) Theoretische Vorarbeit 1: Wahrnehmung

2.1) Die Wahrnehmung

Bevor der Begriff der sozialen Wahrnehmung erklärt wird, ist es wichtig sich die menschliche Wahrnehmung aus psychologischer Sicht etwas genauer anzusehen.

Die menschliche Wahrnehmung ist als eine bestimmte menschliche Tätigkeit anzusehen. Ein bestimmter Reiz, bspw. ein Getränk, wird von den Augen erkannt und dieser Reiz wird an das Nervenzentrum weitergegeben. Dieses löst jetzt eine Reaktion aus. Wir müssen hier feststellen, das zwischen dem Objekt (Getränk) und dem Subjekt (Person) ein Zwischenschritt besteht, nämlich der Prozess, in dem der Reiz an das Nervenzentrum übermittelt und dort interpretiert wird. Durch diesen Prozess werden das Objekt und das Subjekt mit einander verbunden. Hierzu stellt Stadler fest, dass die psychische Widerspiegelung des Objektes vom Verhältnis des Subjektes zum Objekt und vom Sinn abhängt, den das Subjekt darin sieht[1]. In unserem Beispiel wird dann das Getränk nach dieser Aussage unterschiedlich wahrgenommen; der durstige Wanderer sieht darin einen anderen Sinn (seinen Durst zu stillen) als der Getränkehändler (es zu verkaufen). So sehen es beide „mit anderen Augen“.

Menschliche Wahrnehmung wird somit nicht erst dann zu einem sozialen Prozess, wenn man menschliche Beziehungen oder Strukturen wahrnimmt, sondern der Einfluss des sozialen Beziehungen geht so weit, dass wir sogar die „objektive Realität“ (also Dinge und Sachen) anders wahrnehmen und bewerten.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen auch Bruner / Goodman in einem 1947 veröffentlichten Aufsatz („Wert und Bedürfnis als Faktoren der Organisation der Wahrnehmung“). Sie stellen zwei Determinanten der Wahrnehmung heraus: die autochthonen Determinanten und die verhaltensmäßigen Determinanten.

Autochthone Determinanten sind hier die biologischen Eigenschaften des Nervensystems und der Sinnes- wie Endorgane. Verhaltensmäßige Determinanten sind Persönlichkeitseigenschaften, Temperamentseigenschaften, soziale Bedürfnisse usw.

Weiter stellen die beiden Autoren in ihrer Arbeit die Wahrnehmungshypothese auf: sie sagen, dass das was wirklich wahrgenommen wird eine Art Kompromiss bildet zwischen dem „was die autochthonen Prozesse darstellen, und dem, was die verhaltensbezogenen Prozesse auswählen“[2]. Unsere Wahrnehmung selektiert also; bestimmte Reize werden weniger stark wahrgenommen als andere, die akzentuiert werden. Akzentuiert werden vor allem solche Reize, die positiv bewertet werden[3].

Diese Hypothese wird heute auch noch so formuliert, jedoch ist inzwischen bewiesen, dass es keineswegs so ist, dass negativ bewertete Reize im Vergleich zu positiv Bewerteten fast gar nicht Wahrgenommen werden. Experimente von Postman und Schneider (1953) zeigten, dass die Reize am schnellsten wahrgenommen werden, die bekannt sind, bzw. die am Häufigsten wiederholt wurden. Die Wahrnehmung eines bekannten Gegenstandes ist eine gut eingespielte Reaktion, während ein unbekannter Gegenstand erst genauer analysiert werden muss[4].

2.2) Soziale Wahrnehmung / Personenwahrnehmung

Unter sozialer Wahrnehmung oder der Personenwahrnehmung versteht man die Wahrnehmung von Personeneigenschaften. Wir denken nicht nur zu wissen, dass unsere langjährigen Bekannten fleißig oder faul, schlau oder dumm sind, sondern der Mensch bildet sich solch einen Eindruck bereits nach wenigen Sekunden. Dieser erste Eindruck wird vor allem durch nonverbale Kommunikation gebildet. Die wahrgenommene Gestik, Mimik, das Aussehen, der Tonfall und die Lautstärke der Stimme bestimmen, wie wir uns der Person gegenüber verhalten, wie wir auf sie reagieren[5].

Asch und Kelley stellten beide fest (1946 und 1950), dass es zentrale und periphere Eigenschaften bei Menschen gibt. Die Variation einer zentralen Eigenschaft führt dazu, dass die gesamte Person anders bewertet wird; es bleibt nicht nur bei der Bewertung, Menschen verhielten sich auch anders gegenüber der Person, die beschrieben wurde. Dies wurde in einem Experiment bewiesen, bei dem eine Lehrperson am Anfang eines Semesters mit den Adjektiven intelligent, skillful, industrious, warm, determined, practical und cautious beschrieben wurde. In der Beschreibung wurde das Wort warm mit cold variiert. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Diskussionen im Kurs bei der mit warm beschriebenen Lehrperson lebhafter waren. Bei beiden Variationen handelte es sich um die selbe Lehrperson[6]. Asch schlussfolgerte dass das Adjektivpaar warm – cold in diesem Zusammenhang (bzw. in dieser „Liste“ oder in diesem „Set“) zentral ist, da es eine andere Bewertung des Kontextes verursacht. Somit kann der Gesamteindruck, den wir von einer Person haben, nicht in mehrere kleine Einzeleindrücke zerlegt und wieder zusammengesetzt werden.

Jetzt muss die Frage geklärt werden, wann ein Adjektiv als zentral in einem Set von Eigenschaften zu bezeichnen ist. Die Antwort finden wir in den „allgemeinen Personenschemata“ oder „impliziten Persönlichkeitstheorien“.

[...]


[1] siehe: Stadler/ Seeger/ Raeithel 1977; S. 210

[2] siehe: Stadler/ Seeger/ Raeithel 1977; S. 212

[3] siehe: Stadler/ Seeger/ Raeithel 1977; S. 212

[4] siehe: Herkner 1991; S. 206

[5] siehe: Herkner 1992; S. 360

[6] siehe: Witte 1989; S. 264

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
'Die Lehrer oder die LehrerInnen?' - Unterschiede in der Einstellung gegenüber geschlechterspezifischen Berufsgruppen
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Veranstaltung
Einführung in die Sozialpsychologie
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V56004
ISBN (eBook)
9783638508124
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehrer, LehrerInnen, Unterschiede, Einstellung, Berufsgruppen, Einführung, Sozialpsychologie
Arbeit zitieren
Andreas Schneider (Autor), 2006, 'Die Lehrer oder die LehrerInnen?' - Unterschiede in der Einstellung gegenüber geschlechterspezifischen Berufsgruppen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56004

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