Straßenkinder in Deutschland - Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze


Hausarbeit, 2006

22 Seiten, Note: 2,2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel

1.) Einleitung

2.) Beschreibung des Problems
2.1) fiktives Fallbeispiel
2.2.) Definitionen – der Begriff Straßenkind
2.3) Umfang und Ausmaß des Problems
2.4) Ansprüche der Straßenkinder aus dem SGB VIII

3.) Ursachenfaktoren des Problems
3.1) Familiäre Ursachenfaktoren
3.2) Schulische Ursachenfaktoren
3.3) weitere Ursachenfaktoren

4.) Soziale Arbeit mit Straßenkindern
4.1) Nachteile der öffentlichen Jugendarbeit
4.2.) Lebensweltorientierte Jugendarbeit
4.3) Mobile Jugendarbeit

5.) Fazit und Schlußbemerkung

Anhang
- Literaturnachweis
- Bildernachweis
- Quellen aus dem Internet
- Selbständigkeitserklärung

1.) Einleitung

Mein erstes Interesse an dem Thema Strassenkinder wurde durch einen Essay in der Beilage „Le monde diplomatique“ der TAZ vom 30.10.2004 geweckt. Es wurde von einem Brand in einer städtischen Unterkunft für Strassenkinder berichtet, bei dem noch nicht einmal die Polizei kam. Bilanz: ca. 100 tote Kinder. Nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass speziell Honduras in Zusammenhang mit Misshandlung von Strassenkindern in den letzten Jahren immer wieder in der Presse zu finden war. Ich stellte jedoch auch fest, dass eine Recherche, die einer Hausarbeit genügen würde mehr Zeit beanspruchen würde. Mein Interesse war jedoch geweckt, so dass eine Arbeit über Strassenkinder in Deutschland sinnvoll erschien. „Gibt es so etwas wie in Südamerika überhaupt in Deutschland?“. „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ verursachte Mitte der 1980er Jahre eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Politik für dieses Thema. Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren getan? Gibt es immer noch viele Strassenkinder? Wie ist ihre Biographie? Wieviele sind es etwa? Was sind eigentlich Strassenkinder? Waren Fragen, die mich zunehmend beschäftigten.

Nach der ersten kurzen Recherche fand ich mich in einem Durcheinander von teils widersprüchlichen Informationen wieder. Jedoch fand ich auch Literatur, Projektbeschreibungen und theoretische Erklärungsmodelle, die ich verwenden wollte.

Ich werde also in meinem ersten Schritt versuchen im gegebenen Rahmen auf eine Mögliche Biographie, auf den Begriff, auf die Quantität des Problems und auf mögliche gesetzliche Ansprüche der Strassenkinder einzugehen.

Der zweite Schritt wird sein verschiedene Ursachenfaktoren zu analysieren um später die Frage nach dem „Warum“ und der Entstehung des Problems lösen zu können. Im dritten Abschnitt werde ich zwei Methoden der sozialen Arbeit mit Jugendlichen, die mir besonders geeignet erscheinen, näher betrachten. Schließlich ist die zentrale Frage dieser Arbeit „Können wir diesen Menschen helfen?“.

2.) Beschreibung des Problems

2.1) Fiktives Fallbeispiel

Zur Klärung der Frage, wie das Problem der Straßenkinder eigentlich entsteht soll hier ein fiktives Fallbeispiel angeführt werden. Es soll verdeutlichen, welchen Hintergrund das auffällige Verhalten von Straßenkindern haben kann und wie sie überhaupt erst in die Situation gekommen sind, sich von ihrer Familie zu trennen und im Laufe der Zeit „die Straße“ als Ort der Sozialisation kennengelernt zu haben.

Ein jugendlicher Junge kam letzte Woche in den offenen Jugendtreff „Crossroads“ unweit des Bahnhofs. Seine Kleider machten einen zerschlissenen Eindruck, er stellte sich vor und fragte höflich, ob er hier ein wenig bleiben dürfe. Die Temperaturen waren das erste mal unter den Gefrierpunkt gesunken. Er habe von Freunden gehört, dass man hier für ein paar Stunden einen warmen Platz haben könnte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er, Karsten, „schon vor langer Zeit“ von zu Hause abgehauen sei. Ich bot ihm einen Platz in unserem Übernachtungsheim an. In den folgenden Tagen stellte es sich als äußerst schwierig heraus, mit ihm ins Gespräch zu kommen, er wirkte sehr verschlossen. Einer Kollegin gelang es schließlich ihm „seine Geschichte“ zu entlocken. Er war gerade 14 geworden und sein schon vor fast 2 Jahren abgehauen. An seine Mutter habe er gute Erinnerungen „von früher“, doch als er 7 war musste sie „plötzlich weg“ uns sie kam nur noch an den Wochenenden nach Hause. Wie sich später herausstellte litt sie an einer psychischen Erkrankung, die in einem betreuten Wohnheim therapiert werden solle. Dabei war sie doch diejenige gewesen, die ihn oft noch vor dem jähzornigen Vater beschützt habe, wenn dieser Abends oftmals betrunken nach Hause gekommen wäre. Die Erkrankung der Mutter konfrontierte den Vater mit Erziehungsaufgaben, denen dieser nicht gewachsen war und anfänglich erst selten, dann, als er noch aufgrund seines Alkoholismusses seine Arbeit verlor, immer öfter Karsten verprügelte. Er sei dann auch zwei mal im Krankenhaus gewesen, wo es ihm eigentlich besser gefallen habe. Der Vater hat wohl sein Unvermögen eingesehen und Karsten in ein Heim gegeben, ohne diesen allerdings vorher davon zu unterrichten. Diese Trennung verursachte ein Trauma bei Karsten, von der er sich im Heim nicht erholte. Wenn der Vater ihn früher geschlagen hatte, war er oft geflüchtet, raus, auf die Strasse, zu Plätzen, wo andere Kinder waren, denen es ähnlich erging, die seine Situation verstehen konnten. Plötzlich mit der ungewohnten Situation konfrontiert fand er dann nach ein paar Monaten wieder diesen Ausweg: die Flucht nach draussen. Seitdem sei er nun auf der Strasse.

Exemplarisch für Karstens Schicksal ist hierbei der Punkt, an dem das Kind „die Straße“ als Ort kennenlernt, wo er Verständnis und Anerkennung findet. Sozialisationsphasen, die eigentlich bei dem Großteil der Jugendlichen in festen Strukturen stattfindet (Schule, Vereine, Jugendeinrichtungen), durchlebt Karsten auf der Straße. Das Leben mit den anderen Strassenkindern wird schließlich als normal empfunden und so erscheint es fast logisch, das der Jugendliche diesen Weg später wählt.

2.2) verschiede Definitionen – der Begriff Straßenkind

Der Begriff des Straßenkindes in Deutschland ist spätestens seit „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ aus den achtziger Jahren jedem ein Begriff. Doch was genau versteht man unter dieser Bezeichnung? Das öffentliche Bild des typischen „Straßenkindes“ hängt, zumindestens in Deutschland, eng mit Bildern aus den Medien zusammen; Straßenkinder haben kein zu Hause, sie müßen betteln oder sind kriminell, sie sind verlassen und einsam. Familiäre Kontakte bestehen nicht mehr, in den ehemaligen Familien existieren schwerwiegende Probleme (Gewalt, Armut, Drogenkonsum), die einen Zusammenhalt verhinderten. Allgemein wird den Straßenkindern keine oder eine nur düstere Zukunft vorehergesagt.

Selbstverständlich wird mit diesem Bild nicht in der wissenschaftlichen Literatur gearbeitet; es gehr hier mehr darum eine passende und möglichst genaue Definition zu finden, so dass man Ursachen und mögliche Hilfen exakter erarbeiten kann.

Einfach ist die Bestimmung des Alters der in dieser Arbeit betrachteten Klienten: nach § 7 SGB VIII gelten Kinder als noch nicht 14, Jugendlich ist, wer zwischen 14 und 18 Jahren alt ist und zwischen 18 und und 27 wird man als junger Mensch beschrieben. Für uns kommt in wesentlichen der Zeitraum zwischen 12 und 25 Jahren in betracht. Wie unter Punkt 2.3 später beschrieben bilden Straßenkinder unter 12 Jahren die Ausnahme und Menschen über 25 fallen eher in die Kategorie Obdachlos oder Nicht – Sesshaft.

In den 80er Jahren führte die UNICEF eine Zweiteilung ein: sie unterscheidet zwischen „Kindern auf der Straße“ und „Kindern von der Straße“.

Bei der ersten Gruppe handelt es sich um Kinder, die zwar den größten Teil ihres Alltags auf der Straße verbringen, dort auch erwerbsgerichteten Tätigkeiten nachgehen, aber Abends noch einen festen Schladplatz im Kreise der Familie haben. Die Familie ist der zentrale Punkt für Spiel und Kultur, auch wenn die Bindung eher dünn und zerbrechlich ist.

Als „Kinder von der Straße“ gelten solche, die ohne zu Hause, ohne Unterstützung und völlig auf sich allein gestellt sind. Ihre Verbindungen zu ihrem ursprünglichen Heim sind gänzlich zerbrochen, sie leben ohne Familie. Weltweit fallen ca. 100 Millionen Kinder in diese Definition[1].

Das DJI hat sich des Definitionsproblems 1995 in einer Veröffentlichung gewidmet. Hier wurden 4 Punkte erarbeitet:

- weitgehende Abkehr von gesellschaftlich vorgesehenen Sozialisationsinstanzen wie Familie oder ersatzweise Jugendhilfe – Einrichtungen sowie Schule und Ausbildung;
- Hinwendung zur Straße, die zur wesentlichen oder auch einzigen Sozialisationsinstans wird;
- Hinwendung zum Gelderwerb auf der Straße durch Vorwegnahme abweichenden, teilweise delinquenten Erwachsenenverhaltens wie Betteln, Raub, Prostitution, Drogenhandel
- faktische Obdachlosigkeit[2]

Vor allem der letzte Punkt kann für eine Reihe von Personen fatal werden: wer in einem unbewohnten, baufälligen Haus wohnt, aber die Realschule besucht und von den Klassenkameraden mit Essen versorgt wird, fällt hier raus.

Seidel macht einen eigenen Vorschlag: Er beschreibt Straßenkinder in Deutschland als all die-jenigen, welche „minderjährig sind und sich ohne offizielle Erlaubnis (Vormund) für einen nicht absehbaren Zeitraum abseits ihres gemeldeten Wohnsitzes aufhalten und faktisch obdachlos sind.“[3]

Meiner Ansicht nach ist bei dieser Definition das Problem, dass der Vormund die Definitions-macht besitzt, in dem er jeden seiner Schutzbefohlenen nach eigenem Gutdünken den Status ab- oder anerkennen kann. Davon abgesehen, dass auch gesetzliche Vertreter existieren können, denen der Aufenthaltsort ihres/er Kinder völlig egal ist.

[...]


[1] siehe: Taçon 1985, S. 3 f

[2] siehe: Seidel 1996, S. 35

[3] siehe: Seidel 1996, S. 36

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Straßenkinder in Deutschland - Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze
Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Villingen-Schwenningen, früher: Berufsakademie Villingen-Schwenningen
Veranstaltung
Einführung in die Sozialarbeit
Note
2,2
Autor
Jahr
2006
Seiten
22
Katalognummer
V56005
ISBN (eBook)
9783638508131
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Straßenkinder, Deutschland, Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze, Einführung, Sozialarbeit
Arbeit zitieren
Andreas Schneider (Autor), 2006, Straßenkinder in Deutschland - Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56005

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