Mein erstes Interesse an dem Thema Strassenkinder wurde durch einen Essay in der Beilage „Le monde diplomatique“ der TAZ vom 30.10.2004 geweckt. Es wurde von einem Brand in einer städtischen Unterkunft für Strassenkinder berichtet, bei dem noch nicht einmal die Polizei kam. Bilanz: ca. 100 tote Kinder. Nach kurzer Recherche musste ich feststellen, dass speziell Honduras in Zusammenhang mit Misshandlung von Strassenkindern in den letzten Jahren immer wieder in der Presse zu finden war. Ich stellte jedoch auch fest, dass eine Recherche, die einer Hausarbeit genügen würde mehr Zeit beanspruchen würde. Mein Interesse war jedoch geweckt, so dass eine Arbeit über Strassenkinder in Deutschland sinnvoll erschien. „Gibt es so etwas wie in Südamerika überhaupt in Deutschland?“. „Die Kinder vom Bahnhof Zoo“ verursachte Mitte der 1980er Jahre eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit und der Politik für dieses Thema. Was hat sich in den vergangenen 25 Jahren getan? Gibt es immer noch viele Strassenkinder? Wie ist ihre Biographie? Wieviele sind es etwa? Was sind eigentlich Strassenkinder? Waren Fragen, die mich zunehmend beschäftigten.
Nach der ersten kurzen Recherche fand ich mich in einem Durcheinander von teils widersprüchlichen Informationen wieder. Jedoch fand ich auch Literatur, Projektbeschreibungen und theoretische Erklärungsmodelle, die ich verwenden wollte.
Ich werde also in meinem ersten Schritt versuchen im gegebenen Rahmen auf eine Mögliche Biographie, auf den Begriff, auf die Quantität des Problems und auf mögliche gesetzliche Ansprüche der Strassenkinder einzugehen.
Der zweite Schritt wird sein verschiedene Ursachenfaktoren zu analysieren um später die Frage nach dem „Warum“ und der Entstehung des Problems lösen zu können. Im dritten Abschnitt werde ich zwei Methoden der sozialen Arbeit mit Jugendlichen, die mir besonders geeignet erscheinen, näher betrachten. Schließlich ist die zentrale Frage dieser Arbeit „Können wir diesen Menschen helfen?“.
Inhaltsverzeichnis
1.) Einleitung
2.) Beschreibung des Problems
2.1) fiktives Fallbeispiel
2.2.) Definitionen – der Begriff Straßenkind
2.3) Umfang und Ausmaß des Problems
2.4) Ansprüche der Straßenkinder aus dem SGB VIII
3.) Ursachenfaktoren des Problems
3.1) Familiäre Ursachenfaktoren
3.2) Schulische Ursachenfaktoren
3.3) weitere Ursachenfaktoren
4.) Soziale Arbeit mit Straßenkindern
4.1) Nachteile der öffentlichen Jugendarbeit
4.2.) Lebensweltorientierte Jugendarbeit
4.3) Mobile Jugendarbeit
5.) Fazit und Schlußbemerkung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Studienarbeit untersucht die Lebenssituation von Straßenkindern in Deutschland, um deren biografische Hintergründe, Entstehungsursachen der Problematik sowie Möglichkeiten der sozialen Unterstützung kritisch zu analysieren und die zentrale Frage zu beantworten, wie diesen jungen Menschen effektiv geholfen werden kann.
- Definition und statistische Erfassung von Straßenkindern in Deutschland
- Analyse familiärer und schulischer Ursachenfaktoren für die Flucht auf die Straße
- Kritische Betrachtung rechtlicher Ansprüche gemäß SGB VIII
- Bewertung von Methoden der sozialen Arbeit (lebensweltorientierte und mobile Jugendarbeit)
- Diskussion über Hilfsmöglichkeiten und Grenzen der Unterstützung
Auszug aus dem Buch
2.1) Fiktives Fallbeispiel
Zur Klärung der Frage, wie das Problem der Straßenkinder eigentlich entsteht soll hier ein fiktives Fallbeispiel angeführt werden. Es soll verdeutlichen, welchen Hintergrund das auffällige Verhalten von Straßenkindern haben kann und wie sie überhaupt erst in die Situation gekommen sind, sich von ihrer Familie zu trennen und im Laufe der Zeit „die Straße“ als Ort der Sozialisation kennengelernt zu haben.
Ein jugendlicher Junge kam letzte Woche in den offenen Jugendtreff „Crossroads“ unweit des Bahnhofs. Seine Kleider machten einen zerschlissenen Eindruck, er stellte sich vor und fragte höflich, ob er hier ein wenig bleiben dürfe. Die Temperaturen waren das erste mal unter den Gefrierpunkt gesunken. Er habe von Freunden gehört, dass man hier für ein paar Stunden einen warmen Platz haben könnte. Wir kamen ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er, Karsten, „schon vor langer Zeit“ von zu Hause abgehauen sei. Ich bot ihm einen Platz in unserem Übernachtungsheim an. In den folgenden Tagen stellte es sich als äußerst schwierig heraus, mit ihm ins Gespräch zu kommen, er wirkte sehr verschlossen. Einer Kollegin gelang es schließlich ihm „seine Geschichte“ zu entlocken. Er war gerade 14 geworden und sein schon vor fast 2 Jahren abgehauen. An seine Mutter habe er gute Erinnerungen „von früher“, doch als er 7 war musste sie „plötzlich weg“ uns sie kam nur noch an den Wochenenden nach Hause. Wie sich später herausstellte litt sie an einer psychischen Erkrankung, die in einem betreuten Wohnheim therapiert werden solle. Dabei war sie doch diejenige gewesen, die ihn oft noch vor dem jähzornigen Vater beschützt habe, wenn dieser Abends oftmals betrunken nach Hause gekommen wäre. Die Erkrankung der Mutter konfrontierte den Vater mit Erziehungsaufgaben, denen dieser nicht gewachsen war und anfänglich erst selten, dann, als er noch aufgrund seines Alkoholismusses seine Arbeit verlor, immer öfter Karsten verprügelte.
Zusammenfassung der Kapitel
1.) Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation zur Themenwahl, die durch mediale Berichte angestoßen wurde, und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Lebensbedingungen und Hilfsmöglichkeiten für Straßenkinder in Deutschland.
2.) Beschreibung des Problems: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Straßenkindes, beleuchtet das Ausmaß des Problems anhand von Schätzungen und untersucht erste gesetzliche Rahmenbedingungen im SGB VIII.
3.) Ursachenfaktoren des Problems: Es werden familiäre und schulische Faktoren als Auslöser für das Verlassen des Elternhauses analysiert sowie weitere Aspekte wie die „Szene“ als Ersatz-Lebenswelt betrachtet.
4.) Soziale Arbeit mit Straßenkindern: Der Autor kritisiert bestehende öffentliche Jugendarbeit und stellt alternative Ansätze wie die lebensweltorientierte und mobile Jugendarbeit als effektivere Methoden vor.
5.) Fazit und Schlußbemerkung: Das Kapitel resümiert, dass eine präzise Erfassung schwierig bleibt, betont jedoch die Notwendigkeit einer verbesserten Vernetzung und spezifischer, aufsuchender Hilfsangebote.
Schlüsselwörter
Straßenkinder, Sozialarbeit, SGB VIII, Lebensweltorientierung, Mobile Jugendarbeit, Jugendhilfe, Obdachlosigkeit, Sozialisation, Familiäre Gewalt, Schulabbruch, Adoleszenz, Prävention, Integration, Hilfssysteme, Straßenkarriere
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Problematik von Straßenkindern in Deutschland, untersucht deren Hintergründe und diskutiert geeignete Ansätze der sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Arbeit fokussiert sich auf Definitionen von Straßenkindern, die Analyse von familiären und schulischen Ursachenfaktoren sowie die Bewertung unterschiedlicher Methoden der Jugendarbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Entstehung des Lebens auf der Straße zu verstehen und die zentrale Frage zu beantworten, ob und wie die soziale Arbeit diesen Menschen effektiv helfen kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine Literaturanalyse, um bestehende Definitionen, Schätzungen zum Umfang und theoretische Erklärungsmodelle zur Problematik zusammenzutragen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Problembeschreibung, die Analyse der Ursachenfaktoren (Familie, Schule, Szene) sowie die Untersuchung spezifischer sozialpädagogischer Arbeitsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Straßenkinder, Sozialarbeit, SGB VIII, Lebensweltorientierung, Mobile Jugendarbeit, soziale Benachteiligung und Prävention.
Wie unterscheidet der Autor zwischen verschiedenen Gruppen von Jugendlichen?
Er stützt sich unter anderem auf die UNICEF-Einteilung zwischen „Kindern auf der Straße“ (mit familiärem Bezugspunkt) und „Kindern von der Straße“ (völlig auf sich allein gestellt).
Warum ist eine exakte Quantifizierung der Straßenkinder schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der fehlenden offiziellen Registrierung, da diese Jugendlichen oft bewusst versuchen, sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen und unentdeckt zu bleiben.
- Quote paper
- Andreas Schneider (Author), 2006, Straßenkinder in Deutschland - Probleme, Ursachen, Arbeitsansätze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56005