Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gottfried Keller: Sein Leben
2.1 Die Werke

3. „Romeo und Julia auf dem Dorfe“ – Shakespeare mit anderen Worten?

4. „Romeo und Julia auf dem Dorfe“
4.1 Was geschah? – Zum Inhalt der Novelle

5. Interpretation der Novelle
5.1 Charakteristik der Hauptpersonen
5.1.2 Die Frauen der Bauern
5.1.3 Manz
5.1.4 Sali
5.1.5 Marti
5.1.6 Vrenchen
5.2 Zur Funktion der Symbole
5.2.1 Der wilde Acker
5.2.2 Die Steine
5.2.3 Der schwarze Geiger
5.2.4 Bilder des Hauses
5.2.5 Die Todessymbolik

6. Schlusswort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Für Romeo und Julie war ich am meisten bange und hätte es beinahe wegelassen“. Mit diesen Worten kommentierte Keller am 16. April 1856 in einem Brief an seinen Freund Hermann Hettner sein Werk „Romeo und Julia auf dem Dorfe“. Und auch Jahre später empfindet Keller seine Novelle als eine „verhängnisvolle Dorfgeschichte“, die ihm „wie ein gestutzter Pudel durch das Leben nachläuft“ (Breitenbruch, B. 1981, S.84). Das persönliche Urteil des Literaten über eines seiner Werke, welches einige Jahre später verfilmt wurde und noch heute in Schulen als Unterrichtslektüre herangezogen wird.

Der folgende Beitrag wird sich mit verschiedenen Aspekten zur Person Kellers und seiner Novelle beschäftigen, die 1956 im ersten Band der „Leute von Seldwyla“ erschien. In Bezug auf den Menschen Keller sollen die Fragen „Wer war Gottfried Keller?“ und „Mit welchen Werken errang er einen Platz im literarischen Kanon?“ beantwortet werden.

Eine kritisch-analysierende Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Werkes soll als Einführung in den Hauptteil des Beitrages dienen. Kritisch hinterfragt werden wird das Motiv sowie der Titel der Novelle mit Blick auf William Shakespeares Drama „Romeo und Julia“. Lassen sich hier Züge „epigonalen“ (vgl. Meyer-Sickendiek, B. 2001, S.16) Schreibens aufzeigen oder dient die Wiederaufnahme verschiedener Aspekte der Bewusstmachung dieser?

Nach einem kurzen Abriss des inhaltlichen Verlaufs der Erzählung wird sich der analysierende Teil der Arbeit anschließen. In diesem werden zunächst die Hauptpersonen charakterisiert werden. Anschließend werden die Symbole der Erzählung eine erläuternde Darstellung finden. Angemerkt werden muss hier, dass sich der analysierende Teil ausschließlich auf die beiden oben genannten Aspekte konzentrieren wird. Die Fülle an Literatur, welche sich bereits mit der Interpretation der vorliegenden Novelle beschäftigte zeigt, dass es weitaus mehr zu interpretierende Bereiche gäbe, doch müssen diese auf Grund des vorgegebenen Rahmens unbeachtet bleiben.

2. Gottfried Keller: Sein Leben

Abbildung 1: Gottfried Keller

Am 19. Juli 1819 wurde Gottfried Keller als Sohn von Elisabeth geb. Schleuchzer und dem Drechslermeister Hans-Rudolf Keller in Zürich geboren (Abbildung 1: Muschg, A.1977, S.334).

Sein Vater war ein nicht nur politisch interessierter Mann, sondern entdeckte darüber hinaus „eine Leidenschaft für Dramen und Theater“ (Ruppel, R. R. 1998, S.6). Eine Leidenschaft die er seinem Sohn vermittelte. Elisabeth Schleuchzer war die Tochter eines Arztes und wurde als nüchterne und zurückhaltend lebende Frau beschrieben. Von den sechs Kindern die sie gebar überlebten jedoch nur Gottfried Keller und seine zwei Jahre jüngere Schwester Regula.

Am 12. August 1824 starb Kellers Vater, was den damals fünfjährigen Gottfried Keller nachhaltig prägen sollte. Seine Mutter heiratete zwei Jahre später erneut, doch war diese Ehe nicht glücklich und wurde schlussendlich im Jahre 1834 geschieden (vgl. www.wikipedia.de). 1825 besuchte Keller auf Wunsch seines verstorbenen Vaters die Armenschule „Zum Brunnenturm“. „1831 wurde Keller Schüler am Landknabeninstitut auf der Stüssihofstatt“ (Ruppel, R. R. 1998, S.6). Zwei Jahre später wechselt er zur neu gegründeten Industrieschule in Zürich. Doch am 5. Juli 1834 entlässt man ihn auf Grund eines Schülerstreiches, bei dem man ihn als Anstifter sah. Dieser Schulverweis verhinderte seine weitere Ausbildung und degradierte ihn zunächst zum Außenseiter der bürgerlichen Gesellschaft (Ruppel, R. R. 1998, S.6). Keller entdeckte nun seinen Hang zur Malerei und fühlte sich zum Landschaftsmaler berufen. Er nahm Malunterricht und schloss bei dem Litographen und Vedutenmaler Peter Steiger eine Lehre ab (vgl. www.wikipedia.de). Auch in den Jahren 1837/38 widmete sich Keller der Malerei, jedoch nun in der Obhut von Rudolf Meyer. Doch Rudolf Meyer erkrankte an geistiger Verwirrung und reiste vorzeitig ab, was das Ende des Malunterrichts bedeutete. Keller jedoch malte weiter und nahm die Liebe die er seiner Cousine Henriette Keller gegenüber empfand als Inspiration für seine Malerei und Dichtkunst. Seine „Muse“ verstarb allerdings bereits 1838. 1840 im Alter von 21 Jahren reiste er, „weder mit Geld noch Können hinreichend versehen“ (Boeschenstein, H., 1977, S. 5) nach München um an der dortigen Kunstakademie zu studieren. Im Laufe des Studiums stellten sich seine Leistungen als dem Studium nicht gewachsen heraus. Niedergeschlagen kehrte 1842 in seine Heimatstadt Zürich zurück.

Nun, bei seiner Mutter und seiner Schwester Regula lebend, begann er sich intensiver mit dem Gebiet der Literatur zu beschäftigen. Er las „Goethe, Schiller, Hauff, Tieck, Jean Paul Richter, Heine und Grün“ (Ruppel, R. R. 1998, S.7).

Gottfried Keller begann sich ganz der Dichtkunst hinzugeben. Über die Freundschaft mit August Follens lernte er deutsche Emigranten kennen und machte die Bekanntschaft mit Wilhelm Schulz sowie Ferdinand Feiligrath und seiner Schwester Marie Melos, in die sich Keller verliebte. Die Gedichte die er zu dieser Zeit schrieb waren nicht nur politischer Natur. Der Gedichtzyklus „Gedanken eines lebendig Begrabenen“ thematisierte seine Liebe und seine in ihr entdeckte Frustration (Ruppel, R. R. 1998, S.7).

In der Liebe sollte Keller wenig Glück erfahren. So verliebte er sich im Jahr 1847 in Luise Rieter und zwei Jahre später in Johanne Kapp, doch beide Damen erwiderten seine Gefühle nicht.

Es kam zu ersten Veröffentlichungen seiner Gedichte. Darüber hinaus „nahm (er) Anteil an den gesellschaftlichen Prozessen seiner Zeit (Vormärz)“ (vgl. www.wikipedia.de). Bereits zu dieser Zeit entstanden die ersten Entwürfe seines Romans „Der grüne Heinrich“, der in seiner zweiten Fassung zu einem der wichtigsten deutschen Bildungsromane wurde. 1846 erschienen Gottfried Kellers gesammelte Gedichte. Keller sollte bis 1848 bei seiner Mutter leben. Durch politisch einflussreiche Freunde bekam Keller von der Züricher Regierung ein Stipendium. Es ermöglichte ihm an der Universität in Heidelberg Geschichte und Drama zu studieren. Für die spätere Entwicklung seines Schreibens war sein Aufenthalt in Heidelberg von größter Bedeutung, denn dort nahm er an Vorträgen von Ludwig Feuerbach teil, dessen Philosophie Keller prägte (Ruppel, R. R. 1998, S.8). Feuerbach „nahm ihm den Kindheitsglauben, aber er öffnete ihm die Augen für die Schönheit der irdischen Welt und gab ihm, mit dem Verzicht auf die Unsterblichkeit, eine tiefe Erdenfreude“ (Martini, F. 1991, S.420). Keller drückt diese durch Feuerbach gewonnene Bereicherung wie folgt aus: „Die Welt ist mir unendlich tiefer und schöner geworden, das Leben ist wertvoller und intensiver, der Tod ernster, bedenklicher und fordert mich nun erst mit aller Macht auf, meine Aufgabe zu erfüllen und mein Bewusstsein zu reinigen und zu befriedigen, da ich keine Aussicht habe, das Versäumte in irgendeinem Winkel der Welt nachzuholen“ (Gottfried Keller in: Martini, F. 1991, S.420). Auch den Professor für Geschichte und Ästhetik, Hermann Hettner lernt er in dieser Phase kennen. Unter dem Einfluss von Gotthelf fand Keller schlussendlich zu seiner epischen Begabung.

1850 erhielt Keller erneut ein Stipendium und begann in Berlin Theaterwissenschaften zu studieren und Dramen zu verfassen. Darüber hinaus verpflichtete er sich eine Künstlernovelle zu schreiben, die er jedoch erst 1855 mit dem Titel „Der grüne Heinrich“ beendete. Die Zeit in Berlin sollte lehrreich und schwer zugleich werden. Obwohl er zwei weitere Stipendien von der Stadt Zürich erhielt, Vorschüsse für seinen Roman und die finanzielle Unterstützung seiner Mutter, litt er ständig unter Geldnot (vgl. Ruppel, R. R. 1998, S.8). Keller lernte hier Betty Tendering kennen. Sie war die Nichte des Berliner Verlegers Franz Duncker (Boeschenstein, H., 1977, S. 7). Er verliebte sich in sie (Abbildung 2: Muschg, A.1977, S.64).

Abbildung 2: Betty Tendering

Mit seinen vorherigen Liebschaften war diese jedoch nicht zu vergleichen, da sie an Intensität, von seiner Seite aus, die vorherigen übertraf. In einem Brief an Hettner schreibt Keller über seine private Situation: „(...) das größte Übel und die wunderlichste Komposition, die einem Menschen passieren kann, ist, hochfahrend, bettelarm und verliebt zu gleicher Zeit zu sein und zwar in eine elegante Personnage“ (Breitenbruch, B. 1981, S.79). Die unendliche Intensität seiner Gefühle zu „Betty“ zeigt sich in den Aufzeichnungen des Buchstabens „B“ sowie des immer wieder notierten Namens „Betty“ auf seinen Schreibunterlagen (Abbildung 2: Muschg, A., S.130/131). Doch auch diese Zuneigung fand keine Erwiderung.

1855 kehrte Gottfried Keller durch seinen Roman „Der grüne Heinrich“ zu Ruhm gelangt, in seine Heimat nach Zürich zurück. Die kommenden sechs Jahre verbrachte er erneut gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Schwester. Ein regelmäßiges Einkommen entbehrte er immer noch, was zu anhaltenden Schuldgefühlen seiner Mutter und seiner Schwester gegenüber führte.

Die ersten erfolgreichen Novellen erschienen im ersten Band der „Leute von Seldwyla“ im Jahr 1856. „1860 erschien <Das Fähnlein der sieben Aufrechten< in Auerbachs <Volkskalender<“ (vgl. Ruppel, R. R. 1998, S.9).

Um ein regelmäßiges Einkommen bemüht, bewarb sich Keller um eine Stelle als erster Staatsschreiber des Kantons Zürich. Die Stelle die er bekam sicherte ihm ein hohes Einkommen sowie ein Wohnung in der Staatskanzlei.

Im Februar 1864 starb Kellers Mutter mit dem Wissen, dass es ihrem Sohn finanziell endlich gut ginge. Gottfried Keller verlobte sich 1866 mit Luise Scheidegger, die jedoch an Depressionen litt und sich noch im selben Jahr und zwar am 13. Juli das Leben nahm. An seinem 50. Geburtstag ernannte die philosophische Fakultät der Universität Zürich Keller zum Ehrendoktor. 1872 wurden die „Sieben Legenden“ veröffentlicht. Ein Jahr darauf erschien der dritte Band der Seldwyler Novellen und 1874 der letzte Band (vgl. Ruppel, R. R. 1998, S.10).

Um sich ganz dem Schreiben widmen zu könne legte Keller im Jahr 1875 sein Amt nieder und siedelte in eine neue Wohnung in Zürich-Enge um. So vollendete er die „Züricher Novellen“, welche 1878 erschienen. Der Dichter Theodor Storm würdigte seine Arbeit in einem Brief an ihn. Zwischen beiden entwickelte sich eine rege Brieffreundschaft. Unter diesem Einfluss sowie der Beratung durch den Wiener Kritiker Emil Kuh, begann Keller sein Werk „Der grüne Heinrich“ umzuschreiben. Neu waren dabei die „einheitliche Erzählstruktur“ sowie das Überleben des Helden. 1882 zogen Keller und seine Schwester wieder in die Stadt. „1883 veröffentlichte er einen neuen Band ausgewählter Gedichte (...) (vgl. Ruppel, R. R. 1998, S.11). In den folgenden Jahren kamen der Novellenzyklus „Das Sinngedicht“ und der Altersroman „Martin Salander“ heraus. Keller verlebte seine letzen Jahre zurückgezogen. Lediglich seine Freundschaft mit dem Maler Arnold Böcklin überdauerte diese Zeit. Seine Schwester Regula verstarb 1888, nach langer Krankheit. Seine letzten beiden Lebensjahre verbrachte Gottfried Keller mit der Überarbeitung der ersten Ausgabe seiner „Gesammelten Schriften“ in neun Bänden. „1889 feierte ganz Zürich Kellers 70. Geburtstag“ (vgl. Ruppel, R. R. 1998, S.11). Gottfried Keller verstarb vier Tage vor seinem 71. Geburtstag, am 15. Juli 1890 in Zürich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Germanistik)
Veranstaltung
Literatur des 19. Jahrhunderts
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
24
Katalognummer
V56026
ISBN (eBook)
9783638508322
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gottfried, Keller, Romeo, Julia, Dorfe, Literatur, Jahrhunderts, Thema Romeo und Julia auf dem Dorfe
Arbeit zitieren
Christina Schulz (Autor), 2006, Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56026

Kommentare

  • Gast am 28.9.2007

    Romeo und Julia auf dem Dorfe.

    Ich habe zwar nur den Anfang dieser Arbeit gelesen - aber das reicht eigentlich schon!
    Diese Novelle erschien ganz sicher nicht erst 1956
    sondern 100 Jahre eher und wurde demzufolge auch nicht " einige" Jahre später verfilmt...

  • Kontext? Fehlanzeige.

    Bei einer HS-Arbeit mit nur 11 Einträgen im Literaturverzeichnis hätte ich stutzig werden sollen. In dem ganzen Werk kommt nicht einmal das Wort "Realismus" vor. Kontext und Bedeutung, die über das Werk hinaus weist, werden komplett außer Acht gelassen. Syntax und Duktus auf Schülerniveau.

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Titel: Gottfried Keller: "Romeo und Julia auf dem Dorfe"



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