Die Quellen über die Anfänge des Deutschen Ordens in Preußen (1226/1228 - 1283) - Dokumente einer "Staatsgründung"?


Seminararbeit, 2001
13 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Erwerb von Besitzungen durch den Deutschen Orden in Preußen und die Goldbulle von Rimini 1226

3. Die Eroberung des Landes und die Bulle von Rieti 1234

4. Die Goldbulle von Rimini 1226 und die Bulle von Rieti 1234 – Dokumente einer „Staatsgründung“?

5. Abschließende Betrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit den Dokumenten zur Frage nach einer „Staatsgründung“ in Preußen durch den Deutschen Orden im Zeitraum 1226/1228 – 1283. Anhand einiger ausgewählter Quellen soll der Weg des Deutschen Ordens zu einer möglichen Staatsgründung nachgezeichnet werden. Abschließend soll geklärt werden, in wie weit der Begriff „Staatsgründung“ auf die vorhandenen Umstände in Preußen zutrafen.

Der Deutsche Orden[1] entstand aus der Gründung eines Feldhospitals während des dritten Kreuzzugs in Jahre 1190 zur Zeit der Belagerung Akkons in Palästina. Bis zum Fall der Stadt im Jahre 1291 unterhielt der Deutsche Orden seinen Hauptsitz dort. Während dieser Zeit erwarb der Orden Besitz- und Herrschaftsrechte in Palästina, in den Heimatgebieten der Ordensritter ( Deutschland ), im Burzenland, auf dem Balkan und in Preußen.

2. Der Erwerb von Besitzungen durch den Deutschen Orden in Preußen und die Goldbulle von Rimini 1226

Die Verhandlungen über den Erwerb von Besitzungen für den Deutschen Orden in Preußen begannen bereits 1225. Der Orden wurde von Herzog Konrad von Masowien eingeladen, die masowische Grenze gegen die Prußen zu verteidigen. Um eine territoriale Ausgangsposition zur Bekämpfung der Prußen zu errichten, verhandelte der Deutsche Orden mit Herzog Konrad unter Beteiligung Bischof Christians[2] über das Kulmerland. Maßgeblich beteiligt an den Anfängen dieser Art der Herrschaftsbildung des Deutschen Ordens in Preußen war der Ordenshochmeister Hermann von Salza[3]. Der erste Erfolg, den der Orden bei seinen Bemühungen um eine rechtliche Absicherung seines Einsatzes gegen die Prußen erzielte, war die im März 1226 ausgestellte Urkunde Kaiser Friedrichs II, die Goldbulle von Rimini.

In dieser Urkunde wird zunächst Bezug genommen auf die seit 1225 laufenden Verhandlungen zwischen Hermann von Salza und Herzog Konrad. Man kennt die Bitte des Herzogs um die Hilfe des Deutschen Ordens nur aus dieser Urkunde. Der Ordenshochmeister habe dem Kaiser dargelegt, daß Herzog Konrad versprochen habe, den Deutschen Orden mit Land auszustatten, genannt wird hier das Kulmerland und andere Gebiete an der preußischen Grenze[4]. Hermann von Salza habe zudem den Kaiser gebeten, das vom Herzog versprochene und das zu erobernde Land dem Orden zuzugestehen und zu bestätigen. Der Kaiser entschied, daß dem Orden die genannten Länder mit allem Zubehör zukommen solle[5]. Zum Ende der Urkunde präzisiert der Kaiser die politische Stellung des Ordens und gibt dem Hochmeister die Berechtigung Zölle einzuführen, Märkte zu errichten, Münzen zu schlagen, Gerichte und Richter einzusetzen usw.[6] - Der Hochmeister und seine Nachfolger sollen also Gerichtsbarkeit und Herrschaftsgewalt in diesem Territorium ausüben, „wie sie ein Reichsfürst in seinem Lande zu haben pflege“[7]. Das Land befand sich somit unter der Herrschaft des Deutschen Ordens. Jedoch wurde der Hochmeister kein Reichsfürst und Preußen kein Teil des Reiches – die Stellung eines Reichsfürsten wird in der Urkunde nur vergleichend gebraucht. Fraglich bleibt jedoch, warum der Kaiser überhaupt das Land an den Deutschen Orden abtrat. Verfolgte er eine streng geplante Politik zur Machterweiterung gegen den Papst oder wurde der Text der Goldbulle nach den Vorstellungen Hermann von Salzas formuliert ?[8]

In den folgenden Jahren gab es eine Vielzahl von Privilegien und Bestätigungen, die dem Orden zuteil wurden[9]. Es scheint ein Beweis dafür zu sein „ mit welcher Sorgfalt die Ordensritter verschiedenartige Rechte auf Landbesitz sammelten, die sie eindeutig über ihre Verteidigungs – und Missionsaufgaben stellten. Sie zögerten auch nicht, die Urkunden durch Fälschungen zu ergänzen“[10]. Denn folgt man dem Bericht Hermann von Salzas über die

„Eroberung Preußens“, so erfährt man von einer weiteren Quelle, dem sog. Kruschwitzer Vertrag[11]. Die Echtheit des Privilegs wird allerdings wegen des Umfangs der Schenkung und

des Verzichts aller herzoglichen Rechte im Kulmerland zugunsten des Ordens bezweifelt[12]. Diese Urkunde wurde vermutlich nach den Wünschen des Deutschen Ordens geschrieben. Da

die Urkunde nicht im Original überliefert ist, muß sich bei allen Überlegungen mit einer Abschrift aus dem Register Papst Gregors IX. zufrieden gegeben werden. Wenn man davon ausgeht, daß dieses Privileg gefälscht ist, so erscheint auch die Goldbulle von Rimini in einem anderen Licht. Denn „ wie war es möglich, daß der Hochmeister und nach ihm der Kaiser schon im März des Jahres 1226 von der Verleihung des Kulmerlandes sprechen konnten, obwohl die erste diesbezügliche Urkunde von April 1228 stammt?“[13] Aufgrund dieses Widerspruchs könnte man heute davon ausgehen, daß die Goldbulle von Rimini nicht 1226 ausgestellt wurde, sondern ungefähr 10 Jahre später und daher die Wünsche Hermann von Salzas widerspiegelt. Auch schien die Urkunde eher als Zukunftsprogramm gedacht zu sein- möglich ist daher die spätere Rückdatierung. Wenn man von einer Rückdatierung ausgeht, so wird die obige Frage beantwortet, denn somit wird die Goldbulle von Rimini zur Antwort auf die vom Papst ausgestellte Bulle von Rieti (1234)[14].

[...]


[1] Der vollständige Name des Ordens lautete: „Brüder des Hospitals der Heiligen Maria der Deutschen in Jerusalem“ und war von Beginn an eine Vereinigung vor allem von Deutschen. Vgl. H. Boockmann, Ostpreußen und Westpreußen, Deutsche Geschichte im Osten Europas, Berlin, 1992, S. 91.

[2] Zum Einfluß des Bischofs vgl. H. Boockmann, Der Deutsche Orden, 12 Kapitel aus seiner Geschichte, München, 1981, S. 86-94.

[3] Hermann von Salza (1209-1239) genoß über Jahrzehnte das Vertrauen des Kaisers Friedrich II und machte für ihn Politik. Es scheint außer Frage zu stehen, daß der Hochmeister seine Autorität, die er am kaiserlichen Hofe und in der päpstliche Kurie innehatte, zugunsten seines Ordens nutzte. Vgl. H. Boockmann, Der Deutsche Orden, a.a.O., S.68.

[4] Vgl.H.Boockmann, Ostpreußen und Westpreußen, a.a.O.,S.94

[5] „...auctoritatem eidem magistro concessimus terram Pruscie cum viribus domus et totis conatibus invadendi, concendentes et confirmantes eidem magristro , successoribue eius et domui sue in perpetuum tam predictam terram, quam a prescripto duce recipet, ut promisit, et quamcumque aliam dabit, necon totam terram,quam in partibus Pruscie conquiret domino faciente...“ L. Weinrich, Quellen zur deutschen Verfassungs, Wirtschafts- und Sozialgeschichte bis 1250, Darmstatt, 1977, S. 408.

[6] Vgl. M Biskup, G. Labuda, Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen: Wirtschaft, Gesellschaft, Staat, Ideologie, Osnabrück, 2000, S. 152.

[7] H. Boockmann, Der Deutsche Orden, a.a.O., S. 81.

[8] Vgl. H.Boockmann, Ostprueßen und Westpreußen, a.a.O., S. 95-98.

[9] Zu nennen ist z.B. die Verleihungsurkunde Herzog Konrads, der dem Orden „das Land Kulm und das Dorf Orlow in Kujawien“ übergibt (1228). Vgl. M Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 139.

[10] H. Lowmianski, Anfänge und politische Rolle der Ritterorden an der Ostsee im 13. Und 14. Jahrhundert, in: U.Arnold, M. Biskup, Der Deutschordensstaat Preußen in der polnischen Geschichtsschreibung der Gegenwart, Marburg, 1982, S. 62.

[11] In diesem Vertrag von 1230 sollen die früheren Verleihungen Herzog Konrads mit neuen Konzesessionen für den Orden ergänzt werden. Die Urkunde übergibt dem Orden den vollen Besitz dessen, was die Ordensritter von den Sarazenen erkämpfen.

[12] Zur Echtheitsfrage : M. Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 147/148.

[13] M. Biskup, G. Labuda, a.a.O., S. 139.

[14] Ebd. S. 151.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Quellen über die Anfänge des Deutschen Ordens in Preußen (1226/1228 - 1283) - Dokumente einer "Staatsgründung"?
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Proseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
13
Katalognummer
V56052
ISBN (eBook)
9783638508483
ISBN (Buch)
9783638792219
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Einführung in die Geschichtswissenschaft - Die Anfänge des Deutschen Ordens in Preußen
Schlagworte
Quellen, Anfänge, Deutschen, Ordens, Preußen, Dokumente, Staatsgründung, Proseminar
Arbeit zitieren
M.A. Melanie Carina Schmoll (Autor), 2001, Die Quellen über die Anfänge des Deutschen Ordens in Preußen (1226/1228 - 1283) - Dokumente einer "Staatsgründung"?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56052

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