Unternehmen, die die Chancen der Gentechnologie gewinnbringend nutzen wollen, sollten schon aus Eigeninteresse die damit verbundenen Risiken verantworten. Denn sie haften für die Schäden, die sie - wo und wann auch immer
- verursachen werden. Das kann die erhofften Gewinne sehr schnell zunichte machen und das Überleben des Unternehmens bedrohen. Es liegt also in ihrem eigenen Interesse, die komplexen Risiken der Gentechnologie genauer unter die Lupe zu nehmen. Die Ethik Albert Schweitzers kann sie darin unterstützen. Denn sie sensibilisiert für die Ethikrisiken, die aus den Aktivitäten des Unternehmens resultieren, und trägt dazu bei, daß die unternehmerische Verantwortung besser wahrgenommen wird.
Ziel des vorliegenden Beitrags ist es, die Aktualität der Ethik von Albert Schweitzer auch für Unternehmen darzulegen, insbesondere bei Entscheidungen auf dem Gebiet der Biotechnologie. Die Entscheidungshilfen, die Schweitzer auch heutigen Managern bieten kann, sollen im vorliegenden Beitrag durchsichtig gemacht werden.
Dazu wird im ersten Schritt der Zusammenhang von Technik, Ökonomie und Ethik verdeutlicht, im zweiten Schritt die Komplexität des unternehmerischen Risikos im Kontext der Gentechnologie herausgearbeitet und im dritten Schritt schließlich die ethische Verantwortung im Sinne Albert Schweitzers umrissen.
Inhaltsverzeichnis
1. TECHNIK, ÖKONOMIE UND ETHIK
Technik
Ökonomie
Ethik
2. DAS RISIKO MIT GENTECHNISCHEN PRODUKTEN
Die Dialektik von Chance und Risiko
Das Geschäft mit dem Risiko
Die ökonomischen Chancen der Gentechnik
Investitionsschutz durch Patente
Das Risiko mit dem Geschäft
Der Mythos vom entschlüsselten Erbgut
3. UNTERNEHMERISCHE VERANTWORTUNG NACH ALBERT SCHWEITZER
Schuld und Sühne – Grundbegriffe des gesunden Wirtschaftens
Die Ansprüche der Stakeholder
Verantwortungsloses versus verantwortliches Handeln in der Gentechnik
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unternehmerischen Risiken der Gentechnologie unter Berücksichtigung der ethischen Perspektive von Albert Schweitzer. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Manager in der Biotechnologie verantwortungsvollere Entscheidungen treffen können, indem sie ökonomisches Handeln mit ethischen Grundsätzen wie der „Ehrfurcht vor dem Leben“ verknüpfen, um langfristige Risiken für Unternehmen und Gesellschaft zu minimieren.
- Zusammenhang von Technik, Ökonomie und Ethik in der Biotechnologie.
- Analyse der ökonomischen Chancen und Risiken gentechnischer Produkte.
- Die Rolle von Patenten und der Mythos des "entschlüsselten Erbguts".
- Übertragung der Schweitzerschen Prinzipien "Schuld und Sühne" auf die moderne Unternehmensführung.
- Konkrete Fallbeispiele verantwortungslosen versus verantwortlichen Handelns (z.B. Monsanto).
Auszug aus dem Buch
Die Dialektik von Chance und Risiko
Die Höhe eines Risikos ist nicht objektiv gegeben. Ein Risiko gibt Auskunft über die Höhe eines möglichen Schadens in der Zukunft, eine Chance über die Höhe eines möglichen Nutzens. Ob ein Ereignis oder Sachverhalt für jemanden einen Schaden oder Nutzen darstellt, hängt von seinen Wertvorstellungen ab. So ist das gentechnisch veränderte Getreide für den Hersteller nützlich, wenn es ihm den ökonomischen Wert des Gewinns erfüllt, für den Verbraucher hingegen schädlich, wenn es den ethischen Wert der Gesundheit verletzt.
Der Streit um die Gentechnologie ist also nicht einfach lösbar, indem man sich auf die Seite der Befürworter oder der Gegner schlägt. Beide Parteien können Argumente für Chancen und Risiken geltend machen. Die einen sehen im Verzicht das Risiko, weiterhin den zerstörerischen Kräften der Natur hilflos ausgeliefert zu sein. Die anderen befürchten mit dem Einsatz der Gentechnologie erhebliche Risiken für die Zukunft allen Lebens. Wo die einen Chancen sehen, identifizieren die anderen Risiken und umgekehrt.
Auch im Spiegel der Ethik Albert Schweitzers wird die Entscheidung nicht leicht fallen. Für ihn ist die Ethik „eine unberechenbare Ellipse, deren Brennpunkte, Selbsterhaltung und Aufopferung, sich ständig gegeneinander verschieben.“ Sollen wir uns mit Hilfe der Gentechnik gegen Umweltverschmutzung, Krankheit und Tod schützen, und damit neue Risiken heraufbeschwören? Albert Schweitzer ist sich dieses Dilemmas bewusst, das im Spannungsfeld zwischen Selbsterhalt und Miterhalt entsteht: „Gar oft kann das Helfen des Menschen in nichts anderem bestehen, als dass er ein Wesen vernichtet oder schädigt, um ein anderes zu erretten oder zu fördern. Nach welchen Grundsätzen für und wider Partei ergreifen? … Ethisches Verhalten … bedeutet auch ein willkürliches und in sich widerspruchsvolles Eingreifen in das Naturgeschehen. Dies [ist] das Unheimliche“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. TECHNIK, ÖKONOMIE UND ETHIK: Dieses Kapitel verdeutlicht den grundlegenden Zusammenhang zwischen technischem Fortschritt, ökonomischem Kalkül und ethischen Anforderungen anhand des Beispiels der Biotechnologie.
2. DAS RISIKO MIT GENTECHNISCHEN PRODUKTEN: Hier wird die Komplexität unternehmerischer Risiken in der Gentechnik analysiert, wobei kritisch beleuchtet wird, wie Unsicherheiten und einseitige Gewinnmaximierung langfristige Schäden nach sich ziehen können.
3. UNTERNEHMERISCHE VERANTWORTUNG NACH ALBERT SCHWEITZER: Das Kapitel überträgt Schweitzers Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben auf das Wirtschaftsleben und fordert eine verantwortungsvolle Ausgleichslogik statt reiner Gewinnmaximierung.
Schlüsselwörter
Gentechnologie, Bioethik, Albert Schweitzer, Unternehmensverantwortung, Risikomanagement, Biotechnologie, Nachhaltigkeit, Stakeholder, Ehrfurcht vor dem Leben, Schuld und Sühne, Gentechnik-Ethik, Ökonomisches Kalkül, Unternehmensrisiken, Monsanto, Gentechnische Produkte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ethischen Herausforderungen und unternehmerischen Risiken, die mit der Anwendung der Gentechnologie verbunden sind, und stellt diese in den Kontext der Philosophie Albert Schweitzers.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Technik, Ökonomie und Ethik, die Risikokomplexität in der Biotechnologie sowie die Verantwortung von Unternehmen gegenüber Stakeholdern und der Umwelt.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Aktualität der Ethik Albert Schweitzers für heutige Manager aufzuzeigen, um Entscheidungshilfen für einen verantwortungsvolleren Umgang mit der Gentechnologie zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Es handelt sich um eine ethisch-philosophische Analyse, die sozioökonomische Faktoren und aktuelle Fallbeispiele (wie die grüne Gentechnik) mit den Prinzipien von Albert Schweitzers Kulturphilosophie in Verbindung bringt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der dialektischen Natur von Chance und Risiko in der Gentechnik sowie die Anwendung der Begriffe Schuld und Sühne zur Etablierung eines nachhaltigen, ethisch verantwortbaren Wirtschaftens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gentechnologie, Ehrfurcht vor dem Leben, unternehmerische Verantwortung, Risikomanagement und ethisches Kalkül charakterisiert.
Wie bewertet der Autor die Patentierung von Lebewesen?
Der Autor steht dieser Praxis kritisch gegenüber und argumentiert, dass die Instrumentalisierung von Lebewesen und die Privatisierung genetischen Gemeingutes unter ethischen Aspekten höchst problematisch ist.
Welche Rolle spielt die Firma Monsanto im Text?
Monsanto dient als zentrales Fallbeispiel für verantwortungsloses Handeln, bei dem kurzfristige Gewinne durch Patente und den Verkauf gentechnisch veränderten Saatguts zu Lasten von Kleinbauern und traditioneller Landwirtschaft erzielt wurden.
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- Dr. Mathias Schüz (Author), 2005, Unternehmerische Risiken der Gentechnologie im Spiegel der Ethik Albert Schweitzers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56073