Das Kaffeehaus in Europa als Form der Geselligkeit im 18. und 19. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

28 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Der Weg vom Strassenausschank zum Kaffeehaus

3. Die Bürgerliche Geselligkeit

4. Das Aussehen und die Ausstattung von Kaffeehäusern
4.1. Beleuchtung und Kaffeehausuhr
4.2. Bestuhlung und Verspiegelung

5. Kaffeehausbesucher

6. Die unterschiedlichen Kaffeehaustypen
6.1. Das Künstlercafé
6.2. Das Luxus-Café
6.3. Das Café-Concert
6.4. Das Café-Populaire und weitere Kaffeehaustypen

7. Unterhaltungsformen im Café

8. Von der Kunst zur Politik - Das bürgerliche Verständnis von Geschäftsleben-
8.1. Kunst und Literatur
8.2. Journalismus
8.3. Politische Kaffeehäuser

9. Resümee

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Schon im Mittelalter gab es Kaffee als Getränk und das Café als Ort der Begegnung in der arabischen Welt und bei den Osmanen; von dort begab es sich nach Europa. Venedig war die erste Hafenstadt Europas wo 1647 ein Café gegründet wurde. Die Importware Kaffee und Kaffeehäuser gelangen nach und nach in andere Hafenstädte Europas, von wo sie weiter in die Binnenländer vordrangen. Am Anfang handelte es sich nicht um Kaffeehäuser, sondern vielmehr um eine oder mehrere Stuben oder Tavernen, in denen Kaffee serviert wurde. Es etablierten sich auch der ambulante Kaffeeausschank und die fliegenden Kaffeestände. Nach und nach entstanden aus den bestehenden Gasthäusern, Kaffeehäuser. „In Europa trank das Bürgertum seinen Kaffee erstmal nur in Kaffeehäusern; bis er in die häusliche Sphäre eindrang, verging noch ein halbes, in Deutschland fast ein ganzes Jahrhundert.“[1] Was also seinen Weg in der Öffentlichkeit, als öffentliches Getränk begann, wanderte später in die Privatsphäre und wurde ein häusliches Getränk. Die Räume der Kaffeehäuser wurden erst mit der Zeit an die wachsenden Bedürfnisse angepasst. Zuerst trank man seinen Kaffee im Stehen, dann saß man am Tresen oder an Tischen, die unregelmäßig im Raum angeordnet waren und je nach Bedürfnis verrückt wurden. Mit der Zeit veränderte sich auch das Aussehen des Cafés.

Ich werde versuchen in dieser Arbeit auf alle diese Punkte einzugehen. Hauptsächlich werde ich mich im Allgemeinen auf die Kaffeehäuser in Europa beziehen. Der Schwerpunkt liegt natürlich auf Frankreich; aber auch einige Kaffeehäuser in Spanien, Italien, England und Österreich und deren Entwicklung werden erläutert. Aber ich möchte nicht nur auf die Geschichte und auf das Aussehen der Kaffeehäuser der damaligen Zeit und der Rolle von Politik, Journalismus, Kunst und Spiele eingehen, sondern werde auch auf die Entwicklung vom Strassenausschank hin zum Kaffeehaus eingehen. Auch werde ich versuchen, an die Diskussionen im Seminar anzuknüpfen und weitere Gedankengänge zu erläutern. Auch der Frage, wie es möglich war, das ein neues `Modegetränk` eine neue Art der Geselligkeitsform hervorbringen konnte, werde ich versuchen nachzugehen; denn das Kaffeehaus im 17. und 18. Jahrhundert war nicht nur ein Lokal der bürgerlichen Öffentlichkeit, sondern auch ein Ort an dem das Bürgertum kommerziell sowie kulturell neue Formen entwickelte.

2. Der Weg vom Strassenausschank zum Kaffeehaus

Die ersten Kaffeestuben und Tavernen in denen Kaffee serviert wurde, fand man ab 1645 in Europa. Es handelte sich hierbei vielmehr um ambulante Kaffeeausschänke. Man fand sie auf Märkten und Messen; immer dort wo sich genügend Kunden aufhielten. Die Kaffeeschenker waren anfänglich Ausländer und vorwiegend waren es Osmanen oder Armenier die sich in der Kunst des Kaffeezubereitens auskannten. Die erste Kaffeestube, die 1672 in Paris[2] eröffnet wurde war armenisch; bald folgten persische und griechische Kaffeestuben. Der Unterschied zu den darauf folgenden Kaffeestuben war, das man in den orientalischen Stuben auf dem Boden saß und Wasserpfeife rauchen konnte.

Bald darauf veränderte sich die Bezeichnung und der Ausschank von Kaffee und die Stuben wurden umbenannt; aus der italienischen „bottega“ wurde die „bottega da caffè“, aus der französischen „Taverne“ wurde die „Taverne à la mode“ und aus der deutschen „Schenke“ wurde die „Coffeeschäncke“. Das französische Wort „café“ setzte sich erst im 19. Jahrhundert international durch. In Frankreich selbst wurde 1694 erstmals das Wort „Café“ für diese Institution benutzt; später unterschieden die Franzosen ihre Kaffeehäuser in „grand café (aristokratisch-bürgerlich) und „petit café“ (kleinbürgerlich-proletarisch). Die italienischen „bottega da caffè“ zeigte im 18. Jahrhundert Grundmuster der Einrichtung und der Lage, die sowohl charakteristisch für mittelalterliche Trinkstuben waren als auch orientalischen Einfluss aufweisend; lang gestreckte Räume im Erdgeschoss und Holzbänke die ringsum standen, vor denen man einfache Holztische stellte.

Die Kaffeezelte und Kaffeepavillons befanden sich meist innerhalb fürstlicher Schlossanlagen. Diese waren dann meist luxuriös ausgestattet; die runde Grundfläche gewährte eine Aussicht nach mehreren Seiten. Die türkischen Kaffeepavillons richteten sich in der Dekorationsform nach der orientalischen Mode. Die in öffentlichen Parks aufgestellten, einfach ausgestatteten Kaffeezelte und Kaffeepavillons erhielten ihre Bedeutung für die Kulturgeschichte dadurch, dass sie auch von Frauen besucht werden konnten. Als Gegenpol zur Kaffeetaverne und zum Kaffeepavillon entstand im Laufe des 18. Jahrhunderts das ideale Kaffeehaus. Hier trank man neben Kaffee auch Tee, Schokolade, Punsch oder Limonade, man konnte Nachrichtenblätter lesen oder Spielen nachgehen. „Vieles was neu und unbekannt war, konnte man hier entdecken.“[3]

Viele neue Kaffeehäuser entstehen, werden weiterentwickelt und vervollkommnet. So entstehen ausgesprochene Luxus-Cafés. Mit der Einführung von Restaurants nach 1800 in Frankreich, konnte man oftmals eine Kombination zwischen beidem finden; nicht sehr lange danach entwickelten sich auch die Café-Konditorei und das Hotelcafé.

3. Die Bürgerliche Geselligkeit

Einer der Vorzüge von Kaffeehäusern war, dass man den ganzen Tag und auch in der Nacht unter Leuten aus allen Klassen sitzen konnte. Normalerweise war es nicht möglich, dass sich eine gesellschaftliche Begegnung zwischen Bürgertum und Adel ergab, aber in einem Kaffeehaus war dies leicht möglich. Relativ zwanglos, ohne die Fessel der Etikette zu spüren, konnte man hier miteinander und gegeneinander reden. Waren Stände und Schichten ihren Freizeitvergnügen bisher streng getrennt voneinander nachgegangen, so bot das Kaffeehaus die Möglichkeit, dass sich Aristrokat, Bürger, Ausländer und Nichtbürger unter Umständen am selben Ort zur selben Zeit versammelten. Aber in den meisten Fällen war es jedoch eher so, dass

a. verschiedene Gruppen unterschiedliche Kaffeehäuser bevorzugten oder
b. verschiedene Gruppen zu unterschiedlichen Tageszeiten ein und dasselbe Café besuchten.

Besonders fortgeschritten waren neben den Niederlanden vor allem Frankreich und Spanien, wo man feststellen konnte, dass das Kaffeehaus als öffentliche Institution den Prozess der Konstituierung des Bürgertums und seine Emanzipation von Adel und Klerus wesentlich unterstützte. Offenkundig wurde hierbei auch die Bedeutung des Kaffeehauses als Öffentlicher Ort für die Entstehung des Pressewesens, für die Verbürgerlichung von Wissenschaft, Literatur und Kunst, für die Entstehung einer eigenen Musikkultur und nicht zuletzt für die Entwicklung des politischen Verstands. Es handelte sich also beim Kaffeehaus nicht nur um ein Medium, sondern es war auch eine Produktionsstätte. Für die Entstehung der bürgerlichen Ideologie war das Kaffeehaus nicht die Voraussetzung, die Bedeutung lag vor allem in der Rolle als öffentlicher, gesellschaftlicher Treffpunkt, den es in dieser Form bisher nicht gegeben hatte.

Das Kaffeehaus ist im Prinzip aller Öffentlichkeit zugänglich, aber bereits bürgerlich-intellektuelle Produktionsstätten in ihm wie Stammtische oder gemietete Hinterzimmer sind es schon nicht mehr gewesen. Hinter fest verschlossenen Kaffeehaustüren tagende Gesellschaften, Vereine oder Clubs signalisierten „Nicht-Öffentlichkeit“. Aber gleichzeitig bedeuteten ihre Etablierungen im Kaffeehaus, dass diese sich selbst zu einer eigenständigen Institution herausgebildet haben.

4. Das Aussehen und die Ausstattung von Kaffeehäusern

Mit der wachsenden Rolle des Bürgertums, der Säkularisierung, entstand ein ideales Kaffeehaus; es stellt ein Gegenpol zur Kaffeetaverne in verrufenen Gassen dar, indem es in einer besseren Lage eingerichtet wurde. „Anstelle der kargen Lokalitäten, spielte Bequemlichkeit im 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Marmor, Kristall und Spiegel, große vielarmige Leuchter mit viel Glitzer verbreiteten mehr Promp als Licht; aber das spielte keine Rolle. Der Kaffee wurde in Porzellanschalen oder in silbernen Tässchen zusammen mit einem Glas Wasser serviert.“[4]

Die entstandenen Kaffeehäuser nahmen das ganze Erdgeschoss, eine ganze Etage oder gar ein ganzes Haus mit mehreren Etagen, Freisitzen, Terrassen und Freibalkonen ein. Der Raum für diese Zwecke wurde gemietet oder neu erbaut. In der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert entstanden die ersten Café-Salons. Hierbei handelte es sich um Kaffeehäuser, die nach dem Pariser Vorbildscafé „Procope“ mit Luxus ausgestattet waren. Bis zur Jahrhundertwende stiegen in den Kaffeehäusern Luxus und äußerer Aufwand, manche bedauerten den Verfall der Intimität und Behaglichkeit der Kaffeehäuser. Das Café Procope galt als Vorreiter für Spiegel, die an den Wänden angebracht waren und für Marmorplatten auf den Tischen. Ebenfalls ein vorbildliches Kaffeehaus war das „Silberne Kaffeehaus“ in Wien, wo das Besteck, die Kannen, Tassen, Kleiderhaken und die Türklinken aus Silber waren. Paris und Wien waren führend und prägend, sowie stilbildend für die Entwicklung der europäischen Kaffeehäuser. Im Straßenbild machten die Kaffeehäuser durch kunstvoll gestaltete Schilder auf sich aufmerksam; besonders beliebte Motive waren Türken- und Mohrenköpfe, Kakaobäume und Messing-Kaffeekannen. In Wien sah man neben dem favorisierten hockenden Türken auch Blechschilder in Form eines Marqueurs mit seinem Serviertablett.[5]

[...]


[1] Schivelbusch, Wolfgang: Das Paradies, der Geschmack und die Vernunft. Eine Geschichte der Genussmittel. Frankfurt am Main: Fischer 1995. S. 73

[2] vgl. Lehner, Martin: Kaffee. Eine Reise ins Reich der braunen Bohne. Stuttgart: AT Aarau 1987, S. 17

[3] Francois, Etienne: Das Kaffeehaus. In: Orte des Alltags. Miniaturen aus der europäischen Kulturgeschichte. Hg. v. H.G. Haupt. München: C. H. Beck 1994, S. 112

[4] Lehner: Kaffee. Eine Reise ins Reich der braunen Bohne, S. 22

[5] vgl. www.aromaticode/kaffeehaeuser.php

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Das Kaffeehaus in Europa als Form der Geselligkeit im 18. und 19. Jahrhundert
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Geselligkeit und Literatur in Spanien und Frankreich im 18. und 19. Jahrhundert
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V56074
ISBN (eBook)
9783638508674
ISBN (Buch)
9783656402282
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kaffeehaus, Europa, Form, Geselligkeit, Jahrhundert, Literatur, Spanien, Frankreich
Arbeit zitieren
Farida Latrach (Autor), 2006, Das Kaffeehaus in Europa als Form der Geselligkeit im 18. und 19. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56074

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