Zu phonologischen Variationen im Deutschen - Standardsprache - Umgangssprache - Dialekt


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
13 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Zur phonetischen Akzent-Differenz
1.2 Auffällige Typen phonetischer Akzent-Differenz

2.1 Zur phonetischen Dialekt-Differenz
2.2 Auffällige Typen phonetischer Dialekt-Differenz

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit möchte ich einige phonologische Unterschiede zwischen der formellen Hochsprache mit ihrer deutschen Hochlautung (im Folgenden als DH abgekürzt), der deutschen Umgangssprache und der deutschen Dialekte erörtern. Ich tue dies anhand der Kategorien und Untersuchungen von Barbour/Stevenson 1998. Dabei beziehe ich mich vor allem auf einen Abschnitt ihres Buches, in dem sie phonetische und besonders die hier im Weiteren zu besprechenden phonologischen Varianten des Deutschen behandeln. Wenn die Regeln der DH verletzt werden, weicht die Umgangssprache von der Hochsprache ab. Dies geschieht durch den Ersatz bestimmter Laute durch andere, durch die Einebnung von Kontrasten in der DH sowie durch die Errichtung von Kontrasten an solchen Stellen, an denen in der DH Identität der Laute herrscht. Barbour und Stevenson unterscheiden zunächst vier Kategorien phonetischer und phonologischer Variationen, nämlich die phonetischen Akzent-Differenzen, die phonologischen Akzent-Differenzen, die phonologischen Dialekt-Differenzen und die lexikalischen Abweichungen. Während ich auf die erste und vierte dieser Kategorien nur kürzer eingehe, werde ich die Ausführungen der Autoren zu den beiden mittleren Kategorien genauer nachzeichnen und diskutieren.

Die phonetischen Akzent-Differenzen sind ohnehin zu vielfältig, zu regelmäßig und häufig auch zu unerheblich für die Betrachtung spezifischer, auffälliger Variationen und Verständnisprobleme, als dass sie hier weitergehend systematisch erfasst werden sollten. Z. B. wird fast mit dunklerem [a]-Vokal und Bad mit weicherem, lenisartigem [t] im Auslaut gesprochen, als es der DH gemäß wäre, ohne dass dadurch Verständnisschwierigkeiten hervorgerufen werden.

Die lexikalischen Abweichungen aber, die sich auf Differenzen der Wortverwendungen oder Wortbedeutungen in Standardsprache und Dialekten beziehen, können in der gebotenen Kürze nicht annähernd erschöpfend behandelt werden und sollen deshalb an dieser Stelle ebenfalls nicht näher beleuchtet werden. Bei lexikalischen Unterschieden handelt es sich ja auch gar nicht vorrangig um phonetische oder phonologische Gegenstände, sondern es geht um lexikalische und semantische Fragen, wenn die fraglichen Wörter sogar in einem Lexikon des jeweiligen Dialektes zu finden wären oder für einen Außenstehenden doch so große Verständnisschwierigkeiten mit sich bringen, wie eben die Vokabeln eines deutschen Dialekts oder auch einer tatsächlich anderen Landessprache als Fremdsprache. Z. B. könnten die norddeutschen Formen hopen, het und bleef vielleicht noch als Abweichungen der hochsprachlichen Formen hoffen, heiß und bleibe betrachtet werden, während das norddeutsche lütt dagegen wohl kaum mehr als Abweichung vom hochsprachlichen klein, sondern als dialektale Vokabel zu verstehen ist.

Ich konzentriere mich also auf die phonologischen Akzent-Differenzen und die phonologischen Dialekt-Differenzen, über deren besonders häufige Vorkommnisse und wesentliche Eigenschaften sich einiges sagen lässt. Diese beiden Typen phonologischer Differenzen sind von ihrem Potential an Verständnisschwierigkeiten und ihrem Bedarf an Systematisierung gleichsam zwischen den phonetischen Akzent-Differenzen und den richtiggehend lexikalischen oder vokabularen Differenzen einzuordnen. Als Standardsprache wird die DH betrachtet, so dass Abweichungen von diesem normierten Sprachsystem bzw. Lautsystem in ihren phonologischen Eigenschaften und zum Teil auch in ihren soziologischen Auswirkungen innerhalb der regional divergierenden Sprecher- und Hörergruppen des Deutschen analysiert werden können. Umgangssprache und Dialekte divergieren von der formellen Hochsprache, wenn sie Regeln der DH verletzten. Ich möchte jedoch von Vorneherein betonen, dass sowohl die DH, als auch die regionalen Eigenarten der Aussprache und der Bewertung phonologischer Varianten immer auf theoretischen Vereinfachungen und Idealisierungen beruhen. Solche theoretischen Entitäten betreffen jedoch stets wirkliche phonologische und damit zusammenhängende Phänomene im hochgradig differenzierten deutschen Sprachraum. Die Klangphänomene werden also systematisch erfasst und gegliedert, kategorisiert und klassifiziert, wobei Theorie und Phänomenologie in sehr komplexen Wechselwirkungen stehen, derer wir uns sowohl bei der Ausarbeitung der Theorie, als auch bei der Feldforschung unter Sprechern und Hörern des Deutschen stets bewusst sein sollten.

Im Übrigen werden die phonologischen Phänomene der Übersichtlichkeit halber vorrangig im synchronen, strukturellen Sprachsystem und kaum in ihrer diachronen, dynamischen Sprachentwicklung untersucht. Auch auf die komplexen Wechselwirkungen zwischen Lautsprache und (Fehlern in der) Schriftsprache des Deutschen kann leider nicht näher eingegangen werden. Zudem ist stets zu bedenken, dass auch die Unterscheidungen zwischen phonologischer Akzent-Differenz und phonologischer Dialekt-Differenz gewiss nicht immer unumstößlich sind, da sie selbst sicherlich auf zahlreichen willkürlichen Festlegungen beruhen, wie Barbour und Stevenson selbst deutlich betonen. Die phonologischen Akzent- und Dialekt-Differenzen begegnen jedoch in ihren wesentlichen Eigenschaften und in bestimmten prägnanten Beispielen tatsächlich sehr häufig im Sprachgebrauch des Deutschen. Ihre Unterscheidung und ihre Untersuchung sind deshalb aufschlussreich für die Variationen des Deutschen im Ganzen und können hier in erhellender Weise vorgenommen werden.

1.1 Zur phonologischen Akzent-Differenz

Mit der Kategorie der phonologischen Akzent-Differenz werden phonologische Abweichungen der Umgangssprache von der DH als Standardsprache erfasst. Es kommt bei dieser weit verbreiteten Klasse der Abweichungen in der Regel jedoch nicht zur Neutralisierung von Kontrasten in der DH und entsprechend auch kaum zu Missverständnissen zwischen Sprechern und Hörern aufgrund von phonologischer Akzent-Differenz. So wird z. B. die Aussprache des Wortes Rappen mit dem lenisierten Plosiv /b/ (in der Umgangssprache) anstelle der Fortis /p/ (gemäß der DH) keine Verständnisprobleme hervorrufen, weil es keine gleichlautenden Wörter gibt, die hierbei verwechselt werden könnten. Die meisten phonologischen Akzent-Abweichungen betreffen kein oder nur ein geringes semantisches Potential der Aussprache und bewirken somit nur selten oder nie Bedeutungsdifferenzen und Verständnisschwierigkeiten beim Rezipienten.

Im Rahmen dieser Hausarbeit kann ich leider nur einige Typen der phonologischen Akzent-Differenz sowie später auch der phonologischen Dialekt-Differenz herausgreifen und genauer vorstellen, während ich andere zumindest kurz nennen möchte. Für eine etwas ausführlichere Beschreibung der angesprochenen Typen phonologischer Differenz sei deshalb auf Barbour/Stevenson 1998 selbst verwiesen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Zu phonologischen Variationen im Deutschen - Standardsprache - Umgangssprache - Dialekt
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Germanistik I)
Note
1,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V56082
ISBN (eBook)
9783638508711
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Variationen, Deutschen, Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt
Arbeit zitieren
Monika Plucinska (Autor), 2006, Zu phonologischen Variationen im Deutschen - Standardsprache - Umgangssprache - Dialekt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56082

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Zu phonologischen Variationen im Deutschen - Standardsprache - Umgangssprache - Dialekt


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden