Lebensweltorientierter Politikunterricht

Einführung in die Didaktik der Politischen Bildung


Seminararbeit, 2000

9 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Das Verhältnis von Lebenswelt und Politik
2.2 Die Verknüpfung von Lebenswelt und „großer“ Politik im Unterricht

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Angesichts der Tatsache, dass sich Schüler heute in zunehmendem Maße verdrossen von der Politik abwenden und sich völlig auf ihr als unpolitisch empfundenes Alltagsleben konzentrieren, erhält die Lebensweltorientierung im Politikunterricht einen ständig wachsenden Stellenwert.[1] Es scheint, als ob ein Interesse der Schüler am Fach Politik nur noch dann hergestellt werden könne, wenn ihre Lebenswelt und ihr Alltagsleben zu einem wesentlichen Gegenstand des Unterrichts gemacht würden, da der Bereich des Politischen dadurch nicht mehr als fremd und abstrakt, sondern als vertraut und konkret wahrgenommen würde.

Meine erkenntnisleitende Fragestellung bei der Untersuchung dieses Problems lautet, ob die Orientierung an der Lebenswelt einen unverzichtbaren Bestandteil eines modernen Politikunterrichts darstellen sollte[2] oder ob eine starke Lebensweltorientierung eher abzulehnen ist, da sie möglicherweise das Fach Politik „unpolitisch“ werden ließe und dadurch die Daseinsberechtigung des Faches in Frage stellen könnte.[3]

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich mit dieser Frage befassen, indem ich zunächst untersuche, in welchem Verhältnis die beiden Ebenen „Lebenswelt“ und „Politik“ zueinander stehen. Danach werde ich mich mit den Möglichkeiten der Verknüpfung dieser beiden Bereiche im Politikunterricht beschäftigen, um im Anschluss daran ein Fazit zu formulieren, in dem ich einen Rückbezug zu meiner Fragestellung herstellen werde.

2. Hauptteil

2.1 Das Verhältnis von Lebenswelt und Politik

Der Begriff „Lebenswelt“ bezeichnet die „Gesamtheit der uns immer schon umgebenden Sinn- und Handlungszusammenhänge“[4] und bezieht sich vor allem auf das Alltagsleben. Dabei wird „Lebenswelt“ oder „Alltagswelt“ häufig als Gegenbegriff zu „Politik“ gebraucht[5], da das Politische sich im subjektiven Empfinden der meisten Menschen immer mehr aus ihrem Lebensalltag hinausverlagert hat und lediglich als abgetrennte Sondersphäre existiert.[6] Es gelingt den Menschen immer weniger, politische Zusammenhänge in ihrem Alltagsleben, welches als privater und politikfreier Raum wahrgenommen wird, zu entdecken.[7]

Besonders bei Heranwachsenden ist zu erkennen, dass sie Politik als eine Ebene empfinden, die von ihrer Lebenswelt weit entfernt ist, und dass sie sich in der Regel nur für die Menschen in ihrer Umgebung und für Aufgaben und Probleme, die unmittelbar mit ihrem Alltag verbunden sind, interessieren.[8] Diese subjektiv empfundene Entpolitisierung des Alltagslebens ist bei objektiver Betrachtung als Trugschluss zu bewerten, da Politik in der Lebenswelt der Menschen im Grunde allgegenwärtig ist. Politische Inhalte sind nicht nur in Systemen und Institutionen, sondern auch in der Lebenswelt zu finden, in welcher das öffentliche und das private Leben in vielen Bereichen, wie etwa in der Schule, beim Konsum oder im Umgang mit Sexualität und Schwangerschaft, miteinander vernetzt sind.[9] Die Vorstellung, dass die Begriffe „Lebenswelt“ und „Politik“ ein Gegensatzpaar darstellen, geht also eindeutig an der Realität vorbei.

[...]


[1] Vgl. Bernhard Claußen: Soziales Handeln und politisches Lernen. Zur Bedeutung von Handlungs- und Lebensweltorientierung in den Konzeptionen Politischer Bildung. In: August Klein/ Jupp Legrand/ Thomas Leif (Hg.): Soziales Handeln und politisches Lernen. Wiesbaden (Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen, Band 3), 1996, S.30

[2] Vgl. Tilman Grammes: Unpolitischer Gesellschaftskundeunterricht? Anregungen zur Verknüpfung von Lebenskundeunterricht und Politik. Schwalbach/ Ts., 1991, S.10

[3] Vgl. Peter Massing: Wege zum Politischen. In: Peter Massing/ Georg Weißeno (Hg.): Politik als Kern der politischen Bildung. Wege zur Überwindung unpolitischen Politikunterrichts. Opladen (Schriften zur politischen Didaktik, Band 24), 1995, S.64f.

[4] Vgl. Dagmar Richter: Politikunterricht im Spannungsfeld von Lebenswelt und Politik. Didaktisch-methodische Reflexionen zum Aufklären von Wahrnehmungsschemata. In: Gotthard Breit/ Peter Massing (Hg.): Lebenswelt und Politik. Schwalbach/Ts., 1996, S.17

[5] Vgl. Hans-Jürgen Pandel: Alltagsorientierung. In: Wolfgang W. Mickel (Hg.): Handbuch zur politischen Bildung. Bonn, 1999, S.228

[6] Vgl. Wilfried Manke: Spurensuche – Über politisches Lernen im Alltagsleben. In: Dieter Neumann/ Jürgen Oelkers (Hg.): Soziales und politisches Lernen. Pädagogische Reflexionen und Exempla zum 60. Geburtstag von Harm Prior. Frankfurt a.M., 1987, S.45-61

[7] Ebd.,S.49

[8] Vgl. Gotthard Breit: Lernziel: Politik im Alltag entdecken – Zur Analyse von Fall-Beispielen im Politikunterricht. In: Gotthard Breit/ Peter Massing (Hg.): Lebenswelt und Politik. Schwalbach/ Ts., 1996, S.76

[9] Vgl. Dagmar Richter: a.a.O., S.19

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Lebensweltorientierter Politikunterricht
Untertitel
Einführung in die Didaktik der Politischen Bildung
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut (Politik- und Sozialwissenschaften))
Veranstaltung
Proseminar "Einführung in die Didaktik der Politischen Bildung"
Note
1.0
Autor
Jahr
2000
Seiten
9
Katalognummer
V56193
ISBN (eBook)
9783638509473
ISBN (Buch)
9783640865307
Dateigröße
469 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lebensweltorientierter, Politikunterricht, Proseminar, Einführung, Didaktik, Politischen, Bildung
Arbeit zitieren
Torsten Halling (Autor), 2000, Lebensweltorientierter Politikunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56193

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