Mozart: Die Streichquintette KV 515 C-Dur und KV 516 g-Moll


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003
25 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Vorstellung der beiden Streichquintette

3. Warum komponierte Mozart diese Streichquintette?
3.1. Eine neue Kammermusikgattung ohne Joseph Haydn
3.2. Spekulation oder Ideal

4. Das Andante von KV 515; Ein einzig großes Duett, vergleichbar mit einer Opernszene

5. Der Schritt vom Quartett- zum Quintettsatz

6. Das Prinzip des konzertierenden Wettstreits

7. Die äußere Dimension

8. Finalsatz, Ein gemeinsames Substrat

9. Ökonomie im Kleinen

10. Resümee

11. Das Streichquintett in g-Moll KV 516

12. Literaturverzeichnis
12.1. Primärliteratur
12.2. Sekundärliteratur

Einführung / Vorstellung der beiden Streichquintette

1. Einführung

Mozart kehrte nach einem Aufenthalt in Prag zurück, wo er Zeuge der großen Beliebtheit seiner Oper Le nozze di Figaro war, die Uraufführung seiner seither bekannten „Prager“ Sinfonie KV 504 selbst dirigierte, sowie ein weiterer Kompositionsauftrag für eine Oper herhielt. Allem Anschein nach brachten diese Umstände Mozarts Schaffenskraft einen gewaltigen Impuls. Die Vielschichtigkeit seiner Werke, welche er nach seiner Heimkehr Mitte Februar 1787 bis zur Komposition der neuen Oper Don Giovanni Ende August vollendete, ist erstaunlich. In dieser Schaffenszeit Mozarts „gehobener Stimmung“, beginnend mit KV 511, einem a-Moll Rondo für Klavier bis zur Sonate für Klavier und Violine KV 526, schrieb Mozart neben Eine kleine Nachtmusik für Streichorchester KV 525 auch das Streichquintett in C-Dur KV 515 und wenig später das Streichquintett in g-Moll KV 516.[1]

2. Vorstellung der beiden Streichquintette:

Das Quintett C-Dur KV 515 wurde am 19. April und das g-Moll-Quintett KV516 wenig später am 16. Mai 1787, also im „Don Giovanni-Jahr“, laut seinem eigenhändigen Werkverzeichnis niedergeschrieben. Mozart hatte die Werke zunächst in Abschrift mit dem Quintett in c-Moll (KV406/516b), dem Klarinettenquintett, in der Wiener Zeitung vom 2., 5., und 9. April 1788 zur Vorbestellung angekündigt, wobei ihm sein Freund Johann Michael Puchberg zur Hand ging. Am 25. Juni verlängerte er den Subskriptionstermin noch bis zum 1.Januar 1789, da die Ankündigung offenbar nicht den erhofften Erfolg gehabt hatte[2]. Die Ankündigung lautete:

„Musikalische Nachricht. Drei neue Quintette a 2Violini, 2Viola e Violoncello, welche ich, schön und korrekt geschrieben, auf Subskription anbiete.

Der Preis der Subskription ist 4 Ducaten zu 18fl. Wiener Curent. – Die Subskriptions-Billtes sind täglich bei Herrn Puchberg in der Sallingischen

Warum komponierte Mozart diese Streichqintette?

Niederlagshandlung am hohen Markte zu haben, allwo vom 1.Julius an auch das Werk selbst zu haben sein wird. Ausländische Liebhaber ersuche ich ihre Bestellung zu frankieren.

Wien, den 1.April 1788. Kapellmeister Mozart in wirkl. Diensten Sr. Majestät.“[3]

Auffallend an dieser Anzeige ist, dass sich Mozart als Kapellmeister bezeichnet, obwohl er von Kaiser Joseph II. am 7. Dezember 1787 zum „Kammer-Musicus“ ernannt worden war. Außerdem wendet sich Mozart, so als hätte er schlechte Verkaufschancen vermutet, in dieser Anzeige ausdrücklich an alle „Liebhaber“, um den Käuferkreis um die „Kenner“ zu vergrößern.[4]

Trotz des Misserfolgs von Mozarts Bemühungen entschloss sich Artaria sie in den Druck aufzunehmen und begann 1789 mit dem Quintett in C-Dur KV515.[5]

3. Warum komponierte Mozart diese Streichquintette?

Es stellt sich die Frage, warum Mozart nach vierzehnjähriger Abstinenz bezüglich des Streichquintetts, sich diesem wieder zuwendet und das Streichquintett KV 515 in C-Dur und nur wenig später KV 516 in g-Moll vollendet.

Die Zweckbestimmung oder der Anlass für die Komposition der beiden Streichquintette sind völlig unbekannt.[6] Mozarts Schaffensweise in den Wiener Jahren zeigt jedoch, dass es ihm bei Werken ohne Kompositionsauftrag relativ oft um eine selbstbestimmte kompositorische Auseinandersetzung mit Modellen und Mustern ging. Also ein Aufgreifen und Überarbeiten von konventionellen und traditionellen Formen und Techniken, welches in seiner Art sehr unterschiedlich sein kann.[7]

Es gibt viele Thesen und Theorien um die Entstehung der Streichquintette. Mozart widmete sich den Streichquintetten nach Beendigung des letzten der sechs für Haydn bestimmten Streichquartette, dem „Dissonanzen“-Quartett in C-Dur KV 465

Eine „neue“ Kammermusikgattung ohne Joseph Haydn

und dem „Hoffmeister“-Quartett in D-Dur KV 499. Man kann demnach eindeutig sagen, dass Mozart von der Seite der Streichquartette zum Streichquintett kam.[8]

Die Streichquintette des Jahres 1787, KV 515 und KV 516 profitieren von Mozarts Arbeit an den „Haydn“-Quartetten 1782-1785. Seine stilistischen und technischen Erfahrungen an den Streichquartetten lässt Mozart in die neue Gattung der Streichquintette einfließen.[9]

3.1. Eine „neue“ Kammermusikgattung ohne Joseph Haydn

Eine weitere These für das Wiederaufgreifen des Streichquintetts könnte Mozarts nicht ganz unbefangenes Komponieren in der Gattung der Streichquartette sein. Betrachtet man Mozarts untypisches Komponieren in der Entstehungszeit seiner sechs „Haydn“-Quartette, so zeigt sich eine für Mozart lange Entstehungszeit von über 2 Jahren mit ungewöhnlich vielen autographen Korrekturen und einer unsystematischen, an mehreren Werken gleichzeitigen Schaffensweise.[10] Diese Beobachtungen, sowie ein stetiges Komponieren unter den Augen seines „väterlichen“ Freundes Joseph Haydn, lassen den Verdacht aufkommen, dass Mozart in der Gattung der Streichquartette nicht unbefangen komponierte. Desweiteren kann man die beiden letzten Streichquintette, das Quintett in D-Dur KV 593 und das Quintett in Es-Dur KV 614, die den „Preußischen“ Quartetten im Dezember 1790 und April 1791 folgten, durchaus als Fortsetzung der vorangegangenen und auch gleichzeitig letzten Quartettserie verstehen. In einem Brief an seinen Freund Puchberg über die „Preußischen“ Quartette wird betont, dass das Arbeiten für Mozart mühsam war, was bekanntlich ebenso für die „Haydn“-Quartette zutrifft. So könnte man die, ebenfalls wie das Streichquintett KV 515 und das 14 Jahre zuvor entstandene KV 174 experimentell angelegten Streichquintette KV 593 und KV 614, als dritten und auch letzten Versuch

Spekulation oder Ideal / Das Andante von KV 515

verstehen, die von Joseph Haydn dominierte Gattung zu verlassen um eine Kammermusikgattung ohne Haydn und ohne Vorgaben zu entwickeln.[11]

3.2. Spekulation oder Ideal

Die Gründe für die Zuwendung zum Streichquintett könnten aber auch ganz anderer Art sein. Vielleicht spekulierte Mozart auf eine neue finanzielle Quelle, auf die des Hofkomponisten von Haus aus am Berliner Hof, wie ihn 1786 der berühmteste Quintettkomponist Luigi Boccherini aufgrund seiner Komposition für Friedrich Wilhelm II. erhielt. Dieser war jedoch schon über mehrere Kompositionsaufträge mit dem Thronfolger liiert.[12]

Betrachtet man den Profit Mozarts Streichquintette aus den vorausgegangenen Streichquartetten, so stellt sich jedoch eine tiefere Bedeutung von Mozarts Schaffensweise heraus.[13] Mozart greift seine charakteristischen Erfahrungen, wie die Klammerung mindestens dreier Stimmen in Oktav- plus Terzparallelen, die liegende Klangachse und der dialogisierende Registerwechsel aus den Streichquartetten auf und verarbeitet diese bei seinem wiederholten Streben „vom Streichqartett zum Streichquintett“. Eventuell fand Mozart im Streichquintett sein Klang- und Satzideal. Mozart konnte nun im fünfstimmigen Streichersatz mit der Paarigkeit der Violinen und Violen sein Klang- und Satzideal verwirklichen.[14] Seinen erhöhten Anspruch an Ökonomie und Komplexität[15] des Streichersatzes möchte ich nun anhand des Andante von KV 515 näher verdeutlichen.

[...]


[1] s. Flothuis, Marius: W. A. Mozart: Das Streichquintett g-Moll KV 516, München 1987, S. 15f.

[2] s. Schmid, Ernst Fritz: W. A. Mozart: Quintett in C, KV 515, Vorwort aus Bärenreiter-Taschenpartitur, Kassel 1979, S. 3f.

[3] s. Köchel-Einstein, 3.Aufl., Leipzig 1937, S. 652.

[4] s. Flothuis, Marius: W.A.Mozart: Streichquintett g-Moll KV 516, München 1987, S. 17f.

[5] s. Ebda., S. 18.

[6] s. Blume, Friedrich: Artikel „Mozart“, in: MGG 9, 1961, Spalte 771.

[7] Vgl. Finscher, Ludwig: Bemerkungen zu den späten Streichquintetten, S.155.

[8] vgl. Blume, Friedrich: Artikel „Mozart“, MGG 9, 1961, Spalte 771f.

[9] vgl. Wolff, Christoph: Gattungsmerkmale und Satzarten in Mozarts Streichquintetten, S. 13.

[10] vgl. Seiffert, Wolf-Dieter: Vom Streichquartett zum Streichquintett, S. 675f.

[11] vgl. Finscher, Ludwig: Bemerkungen zu den späten Streichquintetten, S. 156.

[12] s. Schwindt-Gross, Nicole: Drama und Diskurs, 1986, S. 188.

[13] vgl. ebda.

[14] vgl. Seiffert, Wolf-Dieter: Vom Streichquartett zum Streichquintett, S. 671ff .

[15] vgl. Schick, Hartmut: Mozarts Streichquintett C-Dur KV 515, S. 70.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Mozart: Die Streichquintette KV 515 C-Dur und KV 516 g-Moll
Hochschule
Staatliche Hochschule für Musik Trossingen
Veranstaltung
W. A. Mozart: Streichtrio – Streichquartett – Streichquintett
Note
1,5
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V56215
ISBN (eBook)
9783638509640
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mozart, Streichquintette, C-Dur, Streichtrio, Streichquartett, Streichquintett
Arbeit zitieren
Heiko Klaiber (Autor), 2003, Mozart: Die Streichquintette KV 515 C-Dur und KV 516 g-Moll, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56215

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