Die traditionellen Margenrechnungskonzepte beruhen auf einer Verknüpfung zwischen beiden Seiten der Zinsertragsbilanz. Man vergleicht Aktiv- und Passivgeschäfte miteinander, wobei die Passivseite als Mittelherkunft und die Aktivseite als Mittelverwendung interpretiert wird. Je nach Methode ordnet man den einzelnen Aktiva entweder die gesamte Passivseite (bzw. einzelnen Passiva die gesamte Aktivseite) zu (= Poolmethode) oder es werden mit einzelnen Aktivgeschäftsarten (bzw. Passivgeschäftsarten) jeweils konkrete Geschäftsarten auf der Gegenseite der Zinsertragsbilanz verknüpft (= Schichtenbilanz-Methode). Bei den traditionellen Verfahren werden also Teilzinsspannen ermittelt als Differenz zwischen dem Zinsertrag einzelner Aktivpositionen und dem durchschnittlichen Zinsaufwand einzelner oder aller Passivposten (bzw. zwischen dem Zinsaufwand einzelner Passivpositionen und dem durchschnittlichen Zinsertrag einzelner oder aller Aktivpositionen).
Inhaltsverzeichnis
1 Traditionelle Margenrechnungskonzepte
1.1 Schichtenbilanz und Teilzinsspanne
1.2 Pool-Methode
1.3 Kritik an Schichtenbilanz und Poolmethode
2 Flechsig-Ansatz und McKinsey-Konzept
2.1 Ermittlung der Zinsuntergrenze:
2.2 Transformations- und Konditionenergebnis
2.3 Flechsigs Konzept der Wertsteuerung:
Planungs- und Kontrollfunktion im Aktivgeschäft
2.4 Bankergebnisrechnung (Erfolgsquellen) nach McKinsey
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die Methoden zur Ermittlung der Zinsuntergrenze in Banken kritisch zu analysieren und moderne Ansätze zur Wertsteuerung gegenüberzustellen. Dabei wird untersucht, wie Zinsspannen und Erfolgsbeiträge präziser erfasst und den verantwortlichen Einheiten zugerechnet werden können.
- Vergleich traditioneller Margenrechnungskonzepte (Schichtenbilanz und Pool-Methode)
- Analyse der Schwachstellen herkömmlicher Verrechnungsweisen
- Opportunitätszinskonzept und Ermittlung der Zinsuntergrenze
- Integration von Risikokosten, Eigenkapitalkosten und Betriebskosten
- Bankergebnisrechnung nach dem McKinsey-Modell zur Erfolgsquellensteuerung
Auszug aus dem Buch
1.3 Kritik an Schichtenbilanz und Poolmethode
Materiell sind Schichtenbilanz und Pool-Methode ineinander überführbar, so dass die Kritik identisch ist.
kaum nachvollziehbare Verrechnungsusancen
jede Bilanzschichtung ist willkürlich und angreifbar
Gefahr von rentabilitätsbelastenden Fehlentscheidungen: Eine Ermittlung der Zinsuntergrenze mit Hilfe der Schichtenbilanz als Basis der Preisstellung im Kreditgeschäft muß zunächst auf die Durchschnittsverzinsung jedes einzelnen – ohnehin willkürlich zugeordneten – Passivbestandes zurückgreifen:
- In diesem Satz mischen sich die aus unterschiedlichen Zinsperioden am Bilanzstichtag einstehenden Einzelgeschäfte.
- Der Satz ist vergangenheitsbezogen und wird speziell in Zeiten sich schnell ändernder Marktverhältnisse von den geltenden Marktzinssätzen abweichen (beginnende Hochzinsphase im Jahr 1979: Die Durchschnittssätze hinkten hinter der aktuellen Marktentwicklung her, Struktur änderte sich ständig)
- Mehrere Passivpositionen werden in einer Schicht zusammengefaßt, für die unterschiedliche Sätze gelten. Selbst bei einem stabilen Zinsniveau bleibt der Schichtzins nur gleich, wenn sich die Anteile der Passiva in der Schicht nicht ändern.
Subventionierung des Kredits in Höhe der Differenz zwischen den angesetzten Durchschnittskosten und dem Geld- und Kapitalmarktzins
In der Erfolgsquellenanalyse auf Basis von Schichtenbilanz und Pool-Methode geht der Erfolgsbeitrag der Zentraldisposition (Fristentransformation) verloren, da lediglich eine pauschale Überwälzung der erzielten Aktiv- und Passivkonditionen vorgesehen ist => Fristentransformation (-serfolg), Zinsrisikotransformation und Währungstransformation werden nicht ausgewiesen.
Die Schichtenbilanz und die Pool-Methode sind keine geeigneten Konzepte zur Kondtitionsbestimmung, da sie nur eine Erfolgsquelle berücksichtigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Traditionelle Margenrechnungskonzepte: Einführung in die methodischen Grundlagen der Schichtenbilanz- und Pool-Methode sowie deren operative Anwendung bei der Ermittlung von Teilzinsspannen.
2 Flechsig-Ansatz und McKinsey-Konzept: Detaillierte Darstellung moderner Steuerungsansätze, die auf Opportunitätszinsen, expliziten Wertkosten und einer verursachungsgerechten Erfolgsquellenanalyse basieren.
Schlüsselwörter
Zinsuntergrenze, Schichtenbilanz, Pool-Methode, Margenrechnung, Opportunitätszins, Fristentransformation, Erfolgsquellenanalyse, McKinsey-Konzept, Risikokosten, Eigenkapitalkosten, Wertsteuerung, Bankcontrolling, Konditionenergebnis, Betriebskosten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Banken ihre Zinsuntergrenzen kalkulieren können, um eine fundierte Preisstellung im Kredit- und Einlagengeschäft zu gewährleisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die traditionelle Margenkalkulation, die Kritik an bestehenden Modellen sowie die moderne Wertsteuerung mittels Opportunitätszinsprinzipien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Identifikation eines geeigneten Verfahrens zur Konditionsbestimmung, das neben Zinsaspekten auch Risikokosten, Eigenkapitalanforderungen und Betriebskosten berücksichtigt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine kritische Methodenanalyse durch, indem er theoretische Konzepte der Bankkalkulation vorstellt, deren Schwachstellen aufdeckt und alternative, leistungsfähigere Modelle (McKinsey-Ansatz) gegenüberstellt.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Abgrenzung von Zinsüberschüssen, die Transformation von Fristen und die spezifische Zurechnung von Kosten und Erlösen an die verantwortlichen Organisationseinheiten.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die Zinsuntergrenze, der Verrechnungszins als Opportunitätszins sowie die Gliederung des Bankergebnisses in verschiedene Erfolgsquellen wie Marketing- und Transformationsergebnisse.
Warum sind traditionelle Methoden laut dem Autor problematisch?
Sie basieren oft auf willkürlichen Bilanzschichtungen, sind vergangenheitsbezogen und führen zu einer pauschalen Überwälzung von Konditionen, wodurch wichtige Steuerungsgrößen wie die Fristentransformation unsichtbar bleiben.
Wie werden Gemeinkosten in den neuen Modellen behandelt?
Gemeinkosten werden in einem zweistufigen Verfahren ermittelt, bei dem direkte Betriebskosten verursachungsgerecht zugeordnet und restliche Personal- und Sachkosten über Soll-Deckungsbeiträge verrechnet werden.
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- Mirja Schüler (Author), 2002, Ermittlung der Zinsuntergrenze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5638