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Überlebensstrategien - Vom Umgang der DDR-Schriftsteller mit der Zensur

Title: Überlebensstrategien - Vom Umgang der DDR-Schriftsteller mit der Zensur

Term Paper , 2003 , 19 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Anonym (Author)

Book Science
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I. Feinderklärung

Die Bedingungen literarischen Publizierens in der DDR

Die DDR-Verfassung garantierte in ihrem 27. Artikel „jedem Bürger der Deutschen Demokratischen Republik [...] das Recht, seine Meinung frei und öffentlich zu äußern“. Damit war für eine Literaturzensur keine rechtliche Grundlage vorhanden. Dies war der Grund, warum die Machthaber der DDR bis zum Schluss ein Existieren der Zensur leugneten: „Das Wort Zensur gehörte selber zu den Tabus, die von der Zensur in der DDR bewacht wurden“. Erst 1987 brachen Günter de Bruyn und Christoph Hein dieses Tabu, „griffen das ‚Druckgenehmigungsverfahren’ frontal an und benannten es als das, was es war: als Zensur“. Noch nach dem Fall der Berliner Mauer sagte Erich Honecker in einem Interview: „Wir hatten [...], im Unterschied zu anderen sozialistischen Ländern, keine Zensur“. Und tatsächlich wurden in dem „Leseland DDR“ 5 bei einer Buchproduktion von insgesamt 215.000 Titeln nur eine im Verhältnis geringe Anzahl unter ihnen verboten. Hingegen wurde in zahlreichen Fällen keine Druckgenehmigung erteilt, was letztlich die gleichen Folgen hatte: Ein Nichterscheinen des Buches.

In einem System, das Literatur nicht nur als „schönen Überbau“ begriff, sondern als „Medium, von dessen Produkten das Gelingen der Gesellschaft mit abhängig ist“, in dem 75 Prozent der Verlage staatseigen („volkseigen“) oder im Besitz der Parteien waren, und in dem daher „ausnahmslos alle Etappen im Leben eines Literaturwerks gelenkt und kontrolliert wurden“, kam es jedoch häufig gar nicht erst so weit, dass ein Buch an seinem Erscheinen gehindert werden musste.

Vor der Zensur des Politbüros, das die Veröffentlichung eines Buches ablehnen konnte, stand die Zensur durch Verlage und das Ministerium für Kultur, die versuchten „Einfluss“ auf das „Gemüt“ der Schriftsteller zu nehmen, damit diese, nach Walter Ulbricht, das „oberste Kriterium der Kunst“ erfüllten, die „Vollendung des Sozialismus“ nämlich, „in dem die objektive Grundlage für ein neues Menschenbild entsteht“.

Die unterste „und wohl auch gefährlichste“ Stufe des Kontrollvorgangs nahm jedoch die Selbstzensur der Schriftsteller ein, auf die aus diesem Grund in besonderem Umfang eingegangen werden soll.
[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Feinderklärung

II. Überlebensstrategien

1. Veröffentlichung im Westen

2. Die Schere im Kopf. Widerstand gegen die Selbstzensur

3. Umgehen von äußerer Zensur

a) Verlagerung der Handlung

b) Kleine Siege

III. Was bleibt

IV. Bibliografie

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Spannungsfeld zwischen DDR-Schriftstellern und der staatlichen Literaturzensur, um die vielfältigen Strategien aufzuzeigen, mit denen Autoren versuchten, ihre Werke trotz politischer Repression und Kontrolle zur Veröffentlichung zu bringen.

  • Formen der staatlichen Einflussnahme und Disziplinierung von Literatur
  • Die Psychologie und Problematik der Selbstzensur bei DDR-Autoren
  • Methoden der Umgehung von Zensur durch Veröffentlichung im westlichen Ausland
  • Die äsopische Sprache: Verlagerung von Zeitkritik in historische Stoffe
  • Strategien der versteckten Botschaften und provokanten Reizpartikel

Auszug aus dem Buch

3. Umgehen von äußerer Zensur

Im Gegensatz zur Bundesrepublik, wo sich der historische Roman in den sechziger und siebziger Jahren in einer Krise befand, war er in der DDR sehr beliebt – sowohl bei den Autoren, als auch bei den Lesern.

Das Gewand einer historischen Geschichte wurde von einigen Schriftstellern benutzt, um unter diesem „Deckmantel“ auf gegenwärtige Probleme eingehen zu können. Das Schreiben eines historischen Romans mag nicht nur in gewisser Weise der Selbstzensur vorgebeugt haben, da die ihm immanenten Wahrheiten nicht offen ausgesprochen werden mussten, auch die Verlage hatten unter Umständen bessere Chancen, ein Buch durchzusetzen. Wirkungsvolle Instrumente zur Veröffentlichung eines historischen Romans waren die Sachgutachten. Wurden bei einer normalen Buchveröffentlichung verlagsinterne Gutachter auf ein Manuskript angesetzt, die die literarische Qualität und die politische Einstellung überprüfen sollten, so wurde bei historischen Romanen häufig ein externer Fachgutachter hinzugezogen. Dieser konnte sich als wichtiger Fürsprecher für ein Buch erweisen, das der Verlag zwar herausbringen wollte, es aber unter ideologischen Gesichtspunkten normalerweise nicht hätte rechtfertigen können.

„Hatte ein Verlag sich entschlossen, ein Buch auch gegen Widerstände durchzusetzen, bat er Gutachter um Mitarbeit, die sich aller Voraussicht nach für das Buch einsetzen würden. [...] Die Gutachten dienten der Absicherung.“

Indem die Gutachter beispielsweise die richtige Darstellung historischer Details lobten, lenkten sie von der wahren Aussage des Textes ab, die eigentlich leicht auszumachen war und auch von den Lesern verstanden wurde, welche zunehmend „Fähigkeiten [entwickelten], im Untertext versteckte Botschaften zu decodieren.“

Zusammenfassung der Kapitel

I. Feinderklärung: Dieses Kapitel erläutert die widersprüchlichen Bedingungen des literarischen Publizierens in der DDR, in der offiziell keine Zensur existierte, Autoren jedoch durch ein engmaschiges Netz an Kontrolle und ideologischer Lenkung diszipliniert wurden.

II. Überlebensstrategien: Hier werden die verschiedenen Wege aufgezeigt, wie Schriftsteller versuchten, den staatlichen Vorgaben zu entgehen, darunter Veröffentlichungen im Westen, die bewusste Ausnutzung äsopischer Sprache und das Einbauen versteckter Botschaften.

III. Was bleibt: Dieser Abschnitt reflektiert kritisch die Auswirkungen der Zensur auf die Literaturproduktion und hinterfragt die These, ob der Zensurdruck tatsächlich eine kreative, stilbildende Wirkung auf die Autoren hatte.

IV. Bibliografie: Eine Auflistung der in der Untersuchung verwendeten Forschungsliteratur und Quellen.

Schlüsselwörter

DDR-Literatur, Literaturzensur, Selbstzensur, staatliche Repression, Schriftstellerexistenz, historische Romane, äsopische Sprache, Publikationsstrategien, politisches Instrument, künstlerische Freiheit, DDR-Schriftsteller, Literaturkritik, Schreibprozess.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie DDR-Schriftsteller unter den Bedingungen der staatlichen Zensur und ideologischen Kontrolle literarische Werke schufen und welche individuellen Überlebensstrategien sie entwickelten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Fokus stehen die Mechanismen der staatlichen Einflussnahme, die psychologische Belastung durch Selbstzensur sowie die verschiedenen literarischen Kniffe wie die „Flucht in die Geschichte“ oder die Verwendung von Metaphern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist eine Bestandsaufnahme der vielfältigen Wege, die DDR-Autoren nutzten, um ihre Texte unbeschadet durch den Zensurapparat zu bringen und dabei dennoch ihre künstlerische Integrität und kritische Stimme zu wahren.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine diskursive Analyse zeitgenössischer Dokumente, Gutachten sowie literaturgeschichtlicher Aufarbeitungen der Zensurpraxis in der DDR.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei zentrale Strategien: die Publikation im westlichen Ausland, den inneren Widerstand gegen die Selbstzensur und die Umgehung äußerer Zensur durch inhaltliche Verlagerungen oder Provokationen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen DDR-Literatur, Literaturzensur, Selbstzensur, äsopische Sprache, staatliche Repression und künstlerische Freiheit.

Welche Rolle spielt die Selbstzensur laut dem Dokument?

Die Selbstzensur wird als die unterste, aber zugleich gefährlichste Stufe des Kontrollvorgangs bezeichnet, da sie im Unterbewusstsein des Autors stattfindet und die freie Entfaltung der literarischen Ideen massiv hemmt.

Warum war der historische Roman ein beliebtes Mittel zur Zensurumgehung?

Der historische Stoff bot einen „Deckmantel“, um durch historische Analogien aktuelle gesellschaftliche Probleme in der DDR zu thematisieren, ohne dabei sofort in das Raster der politischen Zensur zu fallen.

Wie bewertet der Autor die Auswirkungen der Zensur auf die Literaturqualität?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine generell positiv stilbildende Wirkung der Zensur fragwürdig ist, da sie primär zu psychischer Belastung und einer existenzbedrohenden Demütigung der Autoren führte.

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Details

Title
Überlebensstrategien - Vom Umgang der DDR-Schriftsteller mit der Zensur
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Buchwissenschaft)
Course
Ein „Tanz in Ketten“? Literarisches Leben in der DDR
Grade
1,3
Author
Anonym (Author)
Publication Year
2003
Pages
19
Catalog Number
V56437
ISBN (eBook)
9783638511063
ISBN (Book)
9783656777434
Language
German
Tags
Umgang DDR-Schriftsteller Zensur Ketten“ Literarisches Leben
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anonym (Author), 2003, Überlebensstrategien - Vom Umgang der DDR-Schriftsteller mit der Zensur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56437
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