Die Darstellung Wallensteins in Schillers Wallenstein-Trilogie und der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

24 Seiten


Leseprobe

Inhalt

I: Einleitung

II: Schiller als Historiker

III: a) Wallenstein I (Zusammenfassung)
b) Wallenstein I (Auswertung)

IV: a) Wallenstein II (Zusammenfassung)
b) Wallenstein II (Auswertung)

V: a) Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (Zusammenfassung)
b) Geschichte des Dreißigjährigen Krieges (Auswertung)

VI: Schluss

VII: Literaturverzeichnis

I: Einleitung

Wie die glänzende Figur des kaiserlichen Generalissimus Wallenstein schon die Zeitgenossen in ihren Bann zog, zumindest jedoch ihre Aufmerksamkeit für sich beanspruchen durfte, so widmete auch Friedrich Schiller dem Feldherren zwei Dramen und eine exaltierte Erwähnung in seiner Betrachtung des Dreißigjährigen Krieges. Die schillersche Wallenstein-Trilogie und das Historien-Werk erzeugen durch ihren Spagat von Geschichte und Dramaturgie eine bis heute andauernde Faszination.

Ungeachtet dessen, was viele Kritiker der Wallenstein-Darstellung Schillers vorwarfen, nämlich durch Formulierungen wie „Grenzenlos war sein Ehrgeiz, unbeugsam sein Stolz, sein gebieterischer Geist nicht fähig, eine Kränkung ungerochen zu erdulden.“[1] eine Vermischung von Dichtung, Fiktion und Sachlichkeit zu kreieren, die unvereinbar mit historischen Belegen sei, erzeugt gerade diese Symbiose ein Bild, dass er selbst im Prolog zum Wallenstein I beschreibt (siehe S. 3).

Ich werde im Folgenden kurz die historische Tätigkeit Schillers skizzieren, dann jeweils eine Zusammenfassung der drei Wallenstein betreffenden Werke geben, wobei bereits Besonderheiten in der Darstellung erwähnt werden. Jeweils anschließend wird eine Auswertung bezüglich des vorangegangenen Werkes durchgeführt und letztendlich ein Resümee gezogen.

II: Schiller als Historiker

Abgesehen von seinem frühesten Werk, den „Räubern“, befassen sich nahezu alle dramatischen Werke Schillers mit historischen Ereignissen. Nach eben einem solchen, dem „Don Carlos“ (1787) wird Schiller heutzutage von vielen Seiten eine ‚poetische Schaffenskrise’ unterstellt, die zu einer vermehrt wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit historischen Grundlagen geführt haben kann. Dieses geschichtliche Interesse erreichte schließlich 1788 seinen ersten Höhepunkt mit der Veröffentlichung eines der historischen Hauptwerke, dem „Abfall der Niederlande“, dessen Augenmerk aber besonders auf den Menschen dieses Landes und ihrem individuellen Bestreben nach Freiheit lag.

Im Schicksalsjahr 1789 begann Schiller seine Professur für Universalgeschichte in Jena mit einer fulminanten Antrittsrede am 26. Mai ("Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?“), legte dieses ihn körperlich ermattende Amt jedoch zwei Jahre später nieder. Während dieser Zeit und noch über sie hinaus erschien die dreibändige „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“, in der ebenfalls mit der bis dato historischen Darstellungsform gebrochen wurde. Am 21. September 1792[2] schrieb Schiller dann seinem Freund Körner, dass seine historische Arbeit beendet sei.

Besonders der „Abfall der Niederlande“ und die „Geschichte des Dreißigjährigen Krieges“ begründeten die narrative Geschichtsschreibung in Deutschland und ihren Stil rechtfertigte Schiller folgendermaßen: „Auch der Geschichtsschreiber [...] muß die produktive Einbildungskraft des Lesers ins Spiel zu setzen wissen, und bey der strengsten Wahrheit ihr den Genuß einer ganz freyen Dichtung verschaffen.“[3]

Schon während seiner Lehrtätigkeit an der Jenaer Universität wurde Schiller der Titel eines Geschichtsprofessors verwehrt und auch in der Folgezeit sprach besonders Friedrich Meinecke Schiller den historischen Wahrheitsgehalt in seinen diesbezüglichen Werken ab. Doch hauptsächlich die diese Schriften fanden bei den Lesern zumeist mehr Anklang als die Dramen Schillers und spätestens seit der Würdigung durch Golo Mann ist der Historiker Schiller mit seinem noch zu erläuternden Stil in der Geschichtswissenschaft als Alternative zum konventionellen Umgang mit historischen Themen akzeptiert.

III: a) Wallenstein I - Wallensteins Lager; Die Piccolomini

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sein Credo der Darstellung Wallensteins offenbart der Autor bereits zu Beginn des Werkes:

Wallensteins Lager

Dieser komplett in Reimen verfasste Vorspann, der 1634, also im 16. Kriegsjahr spielt, dient lediglich zur Darstellung eines Schattens, beseelt von der Präsenz des Feldherren Wallenstein. Im Schmelztiegel des Lagers befinden sich viele Nationalitäten, Familien, Halunken, Profiteure des Krieges, ehemals Gustav Adolf angehörende Truppenteile, Frauenjäger und Glücksritter. Diese bunt zusammen gewürfelte Truppe schildert ihren Feldherren als unverwundbaren Höllenhund, als Zauberer oder Sternendeuter. Als moralische Instanz taucht daraufhin ein Kapuziner auf, beschimpft den Herzog als gottlos und ketzerisch ob seines Treibens, wird daraufhin jedoch von den Soldaten verdrängt. Denn die Truppen fühlen sich Wallenstein verpflichtet, wie auch er bestimmte Lieblingsregimenter auserkoren hat. Dennoch sollen verschiedene Heeresteile verliehen werden, wogegen diese sich wehren wollen.

Im Folgenden werden die Vorteile erwähnt, die Wallenstein gegenüber dem Kaiser zugestanden bekommen hat (Krieg führen, Besitz konfiszieren, Urteils- und Beförderungsgewalt, das Recht, Geld zu schlagen und der Besitz von „Volk und Land“ [Vers 876]). Eben dieses Vorgehen, durch das sich die große Armee nur ernähren lässt, wird mit den treffenden Worten „Der Wehrstand soll leben / Der Nährstand soll geben“ (V. 1048/1049) ausgedrückt.

Die Piccolomini

Der Hauptteil des Wallenstein I widmet sich nun der höheren und höchsten Ebene von dessen Gefolgsleuten. Das Bild, das vom Herzog gezeichnet worden ist, wird durch das Auftreten des kaiserlichen Gesandten Questenberg in der illustren Versammlung von Wallensteins Obersten verstärkt - Der Kaiser will sich nicht zurückdrängen lassen und ihn in die Schranken weisen.

Der erste Eindruck, den der Leser vom Feldherren im Gespräch mit der Herzogin, später mit seiner Tochter gewinnen kann, ist der eines liebevollen Gatten und Vaters, besorgt um beider Schicksal, da die Herzogin nach ihrem Besuch in Wien nicht von hohem Ansehen ihres Mannes dort sprechen kann, eine zweite Absetzung erscheint möglich.

Auch sein Vertrauter Terzky wirft ihm doppeltes Spiel mit den Sachsen und sogar den Schweden vor, untermauernd wird erwähnt, dass Wallenstein keine Befehle schriftlich verfasse. Schiller lässt in dem erzürnenden Herzog von Friedland diabolische Züge aufbrechen, als dieser sich schließlich gegen alle Vorwürfe mit einem jähzornigen Ausbruch wehrt und den Umstehenden vorwirft, ihn keineswegs genau zu kennen. Was er vorhabe, auch wenn es zum Schaden des Kaisers beitrüge, wisse nur er allein (V. 831-870).

Im 6. Auftritt des 2. Aufzugs lässt Schiller den Leser nun an dem wirklich historischen, doch in dieser Form nicht nachweisbaren Moment teilnehmen, in welchem Wallenstein in Unterredung mit Terzky und Illo letzterem die Erlaubnis erteilt, sich die unbedingte Unterstützung der kaiserlichen Generale zu erhaschen. Eben das „unbedingt“ schließt konsequenterweise auch ein Vorgehen gegen Österreich nicht aus und der Hauch von geplanter Verschwörung der vorangegangenen Auftritte verstärkt sich unwillkürlich. Des Fürsten Warten auf ein günstiges Horoskop für anstehende Unternehmungen wirft ebenfalls kein günstiges Licht auf ihn.

Questenberg referiert nun in einer Unterredung mit Wallenstein und seinem Stab über die vergangenen Bewegungen des Herzogs, wobei die Rhetorik beider Kontrahenten jeweils von ihrem Standpunkt überzeugen kann - Der Vorwurf bleibt jedoch bestehen: Wallenstein handele vor allem für seine Interessen, was dieser mit den Belangen seines Heeres und dessen Wohlbefinden zu entkräften sucht.

Die Szene gerät zu einer anscheinend wohl inszenierten Komödie, als Wallenstein ob des Misstrauens des Kaisers in seine Person droht, sein Amt fallen zu lassen. Die Obersten geraten dabei in heftige Aufregung, sehen sie sich doch ihres Kriegsverdienstes beraubt und Questenberg gerät in die totale Defensive.

Im dritten Aufzug wird Illo zum Vollstrecker des Planes, die durch Wein betrogenen Obersten mit einer Unterschrift an Wallenstein zu binden, außerdem taucht das romantische Motiv der Liebe zwischen Max Piccolomini und Therka auf.

Es folgt die Tischszene, an der sich die Obersten versammeln und von Illo und Terzky zu einer Unterschrift unter ein ausgetauschtes Papier verleitet werden sollen - Für den aufrührerischen Max Piccolomini wurde als Ablenkung unfreiwillig seine Geliebte Therka erkoren, um ihn den Tausch nicht bemerken zu lassen. Doch der betrunkene Illo und der standhafte Max tragen schließlich gleichermaßen dazu bei, dass letztendlich die Unterschrift von Max fehlt. Wallenstein kommt weder im dritten, noch im vierten Aufzug vor. Einzig im Redegefecht zwischen Octavio und Max Piccolomini ist er Gegenstand der Unterhaltung und als historische Untermalung lässt Schiller den älteren Piccolomini seinen Sohn davon zu überzeugen suchen, dass der ‚Friedländer’ ein Bündnis gegen den Kaiser und mit den Schweden errichten will. Doch Max verlässt ihn entrüstet.

III: b) Wallenstein I (Auswertung)

Schiller bedient sich zu Beginn seiner zwei Wallenstein-Dramen eines Kunstgriffes. Schon allein die Tatsache, dass „Wallensteins Lager“ von nicht mehr im Stück vorkommenden Charakteren in Reimform vorgetragen wird, unterstreicht die besondere Gesinnung dieser Episode. Die aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Mentalitäten zusammengewürfelten, ihrem Beutetrieb folgenden und allein dem Brotgeber Wallenstein verpflichteten Soldaten erzeugen eine düstere Vorstellung dessen, was dem Kaiserreich unter dieser revoltierenden Horde blühen könnte. So sieht es auch Borchmeyer: „Das Lager ist die Basis der Macht Wallensteins, einer rein physischen Macht, die nicht in Vernunft und Recht, sondern in Stärke besteht und die sich mehr und mehr als zerstörerisches Element offenbart.“[4]

Dem Leser / Zuschauer wird ein Eindruck des Feldherrn vermittelt, dem dieser zu Beginn von „Die Piccolomini“ nicht entspricht. An dieser Stelle taucht zunächst der fürsorgliche Familienmensch auf, um den sich unbemerkt eine politische Schlinge enger zieht. Als Gewissensinstanz wird Max Piccolomini dem Herzog gegenübergestellt und spricht in zahlreichen Abschnitten über die seiner Ansicht nach glanzvolle Vergangenheit des Ziehvaters, während in Form von Questenberg und Octavio Piccolomini die schon damals und nun neu bestärkten Schattenseiten Wallensteins zur Sprache kommen. Inmitten seiner Fürsprecher und Widersacher steht die Figur Wallensteins in Schillers Betrachtung noch relativ neutral da. Eben weil er sich mit klaren Aussagen zu seinen Plänen zurückhält, kommt den Personen um ihn herum die größere Bedeutung zu. Die Ereignisse steuern auf einen ungewissen Ausgang hin, der sich noch nicht erschließen lässt.

[...]


[1] Friedrich Schiller: Geschichte des Dreißigjährigen Krieges in: Paul Merker (Hrsg .): Friedrich von Schiller - Historische Schriften, Reclam Verlag, Leipzig 1958, S. 140

[2] Vgl. Briefwechsel zw. Schiller und Körner: www.kuehnle-online.de/literatur/schiller/briefe/koerner/1792/280.htm

[3] Chr. Fr. Dan. Schubart - Kurzgefaßtes Lehrbuch der schönen Wissenschaften, Münster 1781, S. 194

[4] Dieter Borchmeyer: Macht und Melancholie - Schillers Wallenstein, Athenäum Verlag, Frankfurt a.M. 1988, S. 183

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung Wallensteins in Schillers Wallenstein-Trilogie und der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
Hochschule
Technische Universität Berlin
Veranstaltung
Hauptseminar
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V56445
ISBN (eBook)
9783638511131
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Umgang mit Schiller als Historiker machte es unumgänglich, diese Arbeit mehr germanistisch als historisch ausfallen zu lassen.
Schlagworte
Darstellung, Wallensteins, Schillers, Wallenstein-Trilogie, Geschichte, Dreißigjährigen, Krieges, Hauptseminar
Arbeit zitieren
Dr. G. (Autor), 2005, Die Darstellung Wallensteins in Schillers Wallenstein-Trilogie und der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56445

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