Die Vorgehensweise der Arbeit gliedert sich wie folgt: Zunächst soll der Ansatz des Intergouvernementalismus inhaltlich beschrieben werden, um die Schwerpunkte dieser Denkweise zu verdeutlichen und weitere Überlegungen entlang der Eingangsthese zu ermöglichen. Um eine Bearbeitung des Politikbereiches im Lichte der Theorie weiter zu erleichtern, wird sodann der theoretische Ansatz in seiner Komplexität auf einige Grundannahmen reduziert, die den Charakter der Theorie im Kern reflektieren. Es folgt ein Überblick bezüglich der Entwicklung auf dem Gebiet der europäischen Justiz- und Innenpolitik, von ihrem Ausgangspunkt früher Kooperationen bis in die Gegenwart. In einem weiteren Schritt kann nun die Entwicklung des Politikbereichs mit den Grundannahmen verglichen und auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft werden. Das Fazit der Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und zieht ein abschließendes Resümee in Bezug auf die hier zugrunde liegende These.
Gliederung
1. Einleitung
2. Intergouvernementalismus
2.1 Die Intergouvernementale Theorie
2.2 Der Liberale Intergouvernementalismus
3. Die Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz- und Innenpolitik im Lichte des Intergouvernementalismus
3.1 Intergouvernementale Grundannahmen
3.2 Die Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit im Bereich der Justiz- und Innenpolitik
3.3 Vergleich der Grundannahmen mit der Entwicklung im Bereich der europäischen Justiz- und Innenpolitik
4. Fazit
5. Summary
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Erklärungskompetenz des intergouvernementalen theoretischen Ansatzes am Beispiel der europäischen Justiz- und Innenpolitik. Dabei wird analysiert, inwieweit die Theorie, basierend auf dem Beharren der Nationalstaaten auf Souveränität, die dynamischen Integrationsschritte in diesem Politikbereich erklären kann.
- Grundlagen des Intergouvernementalismus nach Stanley Hoffmann
- Weiterentwicklung zum Liberalen Intergouvernementalismus nach Andrew Moravcsik
- Historische Entwicklung der europäischen Justiz- und Innenpolitik von TREVI über Schengen bis zum Amsterdamer Vertrag
- Kritische Analyse von Spill-Over-Effekten und nationaler Präferenzbildung in diesem Politikfeld
- Vergleich theoretischer Annahmen mit der realen Integrationsdynamik
Auszug aus dem Buch
2.2 Der Liberale Intergouvernementalismus
Der liberale Intergouvernementalismus greift das integrationstheoretische Paradigma des Intergouvernementalismus auf und entwickelte dieses weiter mit dem Ziel, ein Analyseinstrument für die entscheidenden Vertragsschritte der europäischen Integration zu entwickeln. Andrew Moravscsik verfolgt einen rationalistischen Ansatz, dessen Ausgangspunkt in zwei übergeordnete Bereiche gegliedert werden kann: Der erste Bereich beschreibt den innergesellschaftlichen Prozess der Interessenaggregation (Nachfrageseite), im zweiten Bereich werden die Interessen in internationalen Verhandlungen nach außen hin vertreten (Angebotsseite). Moravscsik betont die Bedeutung dieser Zweiteilung für eine aussagekräftige Theorie zur Analyse der europäischen Integration.
„Unicausal explanations of European integration, which seek to isolate either demand or supply, are at best incomplete and at worst misleading“8
Diese Gliederung des Ansatzes findet unter dem Stichwort „two level game“ weit reichende Beachtung in der wissenschaftlichen Forschung.9 In der weiteren Ausarbeitung der Theorie, vor allem in der empirischen Untersuchung „The Choice for Europe“ nutzt Moravcsik dann eine analytische Differenzierung, die er als dreistufiges rationalistisches Gerüst bezeichnet, geteilt in nationale Präferenzformation, internationale Verhandlungen und Institutionenwahl. Ausführungen hierzu folgen weiter unten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, die mangelnde Erklärungskraft der intergouvernementalen Theorie für die dynamische Entwicklung der Justiz- und Innenpolitik anhand einer zentralen Eingangsthese zu überprüfen.
2. Intergouvernementalismus: Dieses Kapitel stellt die theoretischen Grundlagen dar, beginnend mit der klassischen Theorie nach Stanley Hoffmann bis hin zum weiterentwickelten Ansatz des Liberalen Intergouvernementalismus nach Andrew Moravcsik.
3. Die Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz- und Innenpolitik im Lichte des Intergouvernementalismus: Dieser Hauptteil analysiert die historische Entwicklung der Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Innenpolitik und prüft diese kritisch anhand von vier aus den Theorien abgeleiteten Grundannahmen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der intergouvernementale Ansatz zwar für konkrete Vertragsschritte aussagekräftig ist, aber für die langfristige, dynamische Entwicklung des Politikfeldes zu kurz greift.
5. Summary: Eine englischsprachige Zusammenfassung der gesamten Arbeit.
Schlüsselwörter
Europäische Integration, Intergouvernementalismus, Liberaler Intergouvernementalismus, Justiz- und Innenpolitik, Nationale Souveränität, Spill-Over-Effekte, Präferenzbildung, Europäische Union, Amsterdamer Vertrag, Schengener Abkommen, TREVI-Kooperation, Supranationalität, Institutionen, Politische Integration, Vergemeinschaftung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Theorie des Intergouvernementalismus geeignet ist, die Entwicklung der europäischen Justiz- und Innenpolitik zu erklären, und ob diese Theorie die dynamischen Integrationsschritte in diesem souveränitätssensiblen Bereich adäquat abbilden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die theoretischen Grundlagen des Intergouvernementalismus, die historische Entwicklung der Justiz- und Innenpolitik in der EU, der Vergleich von staatlichen Interessen mit funktionalen Integrationserfordernissen sowie die Rolle von Spill-Over-Effekten.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Eingangsthese zu belegen, dass die intergouvernementale Theorie aufgrund ihres statischen Charakters keine umfassende Erklärung für die dynamische Entwicklung der europäischen Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Innenpolitik liefern kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es handelt sich um eine theoriegeleitete Analyse. Die komplexe Theorie wird auf vier Kernannahmen reduziert, die anschließend mit der empirischen Entwicklung des Politikfeldes (unter Rückgriff auf Fachliteratur und Vertragswerke) verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung der theoretischen Konzepte von Hoffmann und Moravcsik, eine historische Skizzierung der Zusammenarbeit (von 1974 bis zur EU-Verfassung) sowie einen systematischen Vergleich dieser Entwicklung mit den theoretischen Annahmen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die zentralen Begriffe umfassen Europäische Integration, Intergouvernementalismus, Justiz- und Innenpolitik, nationale Souveränität, Spill-Over-Effekte und den Liberalen Intergouvernementalismus.
Warum ist gerade der Bereich Justiz- und Innenpolitik für diese Analyse gewählt worden?
Dieser Bereich wurde gewählt, da er als besonders souveränitätsrelevant gilt. Er diente lange als Pilotprojekt für rein zwischenstaatliche Kooperation, was ihn ideal macht, um die Grenzen staatszentrierter Erklärungsansätze aufzuzeigen.
Welche Rolle spielen das Schengener Abkommen und die TREVI-Kooperation in der Argumentation?
Sie dienen als prominente Beispiele für frühe, intergouvernementale Kooperationsformen, an denen der Autor zeigt, wie sich trotz anfänglichem Souveränitätsbeharren der Mitgliedstaaten funktionale Zwänge und politische Eigendynamiken entwickelten, die die Theorie herausfordern.
Zu welchem Ergebnis kommt der Autor bezüglich der Erklärungskraft des Liberalen Intergouvernementalismus?
Der Autor würdigt den Ansatz als nützlich für die Analyse konkreter Vertragsschritte, kritisiert jedoch den Nichteinbezug von Spill-Over-Effekten und das schwache Element der innerstaatlichen Präferenzbildung, was den Ansatz für langfristige, dynamische Prozesse unzureichend mache.
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- Fabian Wiencke (Author), 2006, Die Entwicklung der europäischen Justiz- und Innenpolitik im Lichte des Intergouvernementalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56460