Interaktion in der Onlinekommunikation am Beispiel der Chat-Technologie


Bachelorarbeit, 2005

50 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2 Themenzugang
2.1 Forschungsfragen

3 Überblick über Theorien, Modelle und Rahmenbedingungen der Interaktion
3.1 Definition von Interaktion – Die Interaktionsmodelle
3.1.1 Wir können nicht nicht kommunizieren – Paul Watzlawick & Interaktion
3.1.2 Encounter vs. Gathering – Erving Goffman & Interaktion
3.2 Exkurs zur Kommunikation
3.3 Exkurs zum Gespräch

4 Neue Medien und Technologien
4.1 Interaktive Medien – ein „hölzernes Eisen“
4.2 Online- bzw. computervermittelte Kommunikation
4.3 to chat - plaudern, schwatzen
4.3.1 Entwicklung und Grundformen der Chat-Kommunikation

5. Interaktion am Beispiel der Chat-Kommunikation
5.1 Theoretische Grundlagen der Chat-Kommunikation
5.2 Besonderheiten & Absonderlichkeiten der Chat-Kommunikation
5.2.1 Emoticons :-)
5.2.2 Abkürzungen, Akronyme und Asterisken
5.2.3 (N)etiquette
5.3 Übergeordnete Zusammenfassung sprachlicher Interaktion

6. Zusammenführung der Ergebnisse
6.1 Zur Beantwortung der Forschungsfragen ...

7. Abschließende Diskussion und Ausblick

8. Literaturverzeichnis
8.1 Abbildungsverzeichnis
8.2 Tabellenverzeichnis

9. Anhang
9.1 Beispiel für eine „alltägliche Situation“ nach Goffman
9.2 Chatiquette des Chat-Portals - oe3.orf.at
9.3 *Abkürzungen* - oe3.orf.at
9.4 Smilies (emoticons) – oe3.orf.at
9.5 Seifenfilmexperiment nach Frank 1996

1. Einführung

Was macht menschliche Interaktion aus? Wodurch unterscheidet sich Kommunikation und Interaktion? Und: Lässt sich die Fülle der zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel und Programme, wie wir sie unter Zuhilfenahme „neuer Medien“ und „Onlinekommunikation“ anwenden, aus dem Verständnis eines Interaktionsbegriffs wegdenken? Diesen und ähnlichen Fragen soll in der folgenden Arbeit Beachtung geschenkt werden und sie soll weiters einen Versuch darstellen, diese Fragen neu zu bewerten bzw. zu beantworten.

Das Hauptaugenmerk soll in dieser Arbeit, die eine Literaturarbeit darstellt, auf verschiedenen Vergleichsmöglichkeiten von Interaktion und Kommunikation einerseits in der realen face-to-face Kommunikation und andererseits in der virtuellen Onlinekommunikation liegen. Als übergeordneter Themenzugang ist also die Frage, wo Ähnlichkeiten und Vergleichbarkeiten, Überschneidungen und Anknüpfungspunkte bzw. Unterschiede zwischen den Interaktionsbegriffen und –situationen der Realität und dem virtuellen Raum liegen.

Vorrangig geht es darum, festzustellen, in wie weit sich Begriffe wie Interaktion, Kommunikation und Gespräch in Bezug auf einen Vergleich zwischen virtueller und realer Kommunikationssituation gleichen bzw. unterscheiden. Hier soll darüber hinaus speziell auf die besonderen Kommunikations-/ Interaktionsformen eingegangen werden, die durch die so genannten „neuen Medien“ entstanden sind und sich mittlerweile als eigenständige Form des interpersonellen Austausches (in welcher Form auch immer) etabliert haben. Darunter fällt insbesondere die Chat-Kommunikation, welcher in dieser Arbeit als exemplarische Hervorhebung in den Kapiteln 4.3 bis 5.3 besondere Beachtung zuteil wird.

Außerdem soll auf ein Blick auf zukünftige Kommunikations-/ Interaktionstechniken geworfen werden, die sich gerade erst im Wachsen befinden (z.B. Audiokommunikation via Internet und Skype, Videokommunikation, etc.).

2 Themenzugang

So wie sich beispielsweise Erving Goffman in seinen Büchern (z.B. Erving Goffman – Interaktionsrituale. Über Verhalten in direkter Kommunikation.) mit dem Verhalten in direkter Kommunikation beschäftigt und davon ausgeht, dass die gleichzeitige Anwesendheit der Kommunikationsteilnehmer (im physischen Sinne) als Grundvoraussetzung anzusehen ist, soll hier die Möglichkeit eine Übertragung dieser Annahmen auf neue, interaktive Medien untersucht werden. (vgl. Goffman 19995, 7f)

Jochen Hörisch beschreibt diese „interaktiven Medien“ gar als „hölzernes Eisen“ und einen „seltsamen Begriff“ und meint damit nicht zuletzt die Schwierigkeit der Einordnung und Abgrenzung vom bisherigen Interaktionsbegriff im Vergleich zu den neuen, (in vielerlei Hinsicht) grenzüberschreitenden Medien und deren besonderen Merkmalen und Kommunikations-/ Interaktionsformen. (vgl. Hörisch 1999, 11)

Es stellt sich also die Frage ob und wie ein Brückenschlag zwischen ursprünglichen Definitionen und Einordnungen des Interaktionsbegriffs und den „neuen Medien und Technologien“ möglich ist.

2.1 Forschungsfragen

Die Forschungsfragen, welchen in dieser Arbeit hauptsächlich Beachtung geschenkt werden soll sind folgende...

Welche Ansätze und Definitionen zum Interaktionsbegriff gibt es und wo lassen sich Parallelen zur „Onlineinteraktion“ finden.

Kann man in den „neuen Medien“ und den dort entstandenen „neuen Kommunikationsformen“ überhaupt von Interaktion zwischen den Teilnehmern sprechen.

Wo liegen die Grenzen der Interaktion in den „neuen Medien“. D.h. ab wann ist Interaktion nicht mehr oder nur mehr unzureichend gegeben.

Am Beispiel der Chat-Kommunikation sollen spezielle Aspekte der Interaktion herausgearbeitet werden und in Relation zum ursprünglichen Interaktionsbegriff und dem realen „face-to-face“-Gespräch gesetzt werden.

Bereits an dieser Stelle wird klar, dass nötig ist sich mit den Begriffen Interaktion, Kommunikation, Gespräch etc. näher zu befassen, um damit eine Ausgangsbasis für weitere Überlegungen zu schaffen. Dazu mehr in den folgenden Kapiteln.

3 Überblick über Theorien, Modelle und Rahmenbedingungen der Interaktion

„Die Untersuchung direkter Interaktion in alltäglichen Zusammenhängen hat bis jetzt noch keine angemessene Bezeichnung. Darüber hinaus bleiben die analytischen Grenzen dieses Untersuchungsfeldes unscharf.“ (Goffman 19995, 7)

Mit diesen Worten eröffnet der Soziologe Erving Goffman (1922 – 1983) sein Buch über Interaktionsrituale und spricht sogleich zwei Kernprobleme an. Einerseits die „alltäglichen Zusammenhänge“, andererseits die „angemessene Bezeichnung“.

Je nach Zeitpunkt und Gesellschaft verschwimmen die Grenzen jedes dieser Begriffe. So könnte man argumentieren, dass in unserer heutigen Gesellschaft neue Medien bereits in den „alltäglichen Zusammenhang“ miteinbezogen werden könnten, während diese Entwicklung vor zwanzig Jahren wohl kaum absehbar gewesen wäre.

„Der erste Chat im Jahre 1972 oder die erste E-Mail-Botschaft von Queen Elisabeth II. aus den USA an die Bürger von England im Jahre 1976 stellen in den Siebziger Jahren zwar in mediengeschichtlicher Hinsicht prominente Ereignisse dar, doch bleibt die Nutzung der mit den neuen Netzwerktechnologien gegebenen Kommunikationsmöglichkeiten zunächst noch (...) beschränkt.“

(Beißwenger 2001, IX).

Riskiert man nun einen Blick auf die Statistiken von heute und betrachtet einige Ergebnisse des AIM (Austrian Internet Monitor) erkennt man schnell, dass sich dieses Bild seit den Siebziger Jahren doch dramatisch verändert hat. Lag die Zahl der Internet Nutzer 1996 noch bei 9 Prozent der Österreichischen Bevölkerung, liegt sie derzeit (1. Quartal 2005) bei 59 Prozent und auch die Anzahl der Intensiv Nutzer ist auf nunmehr 46 Prozent gestiegen (vgl. AIM - Austrian Internet Monitor 2005). Nicht zu vergessen, diese Zahlen sind aus Österreich und bilden somit nicht einmal vergleichsstarke Werte im internationalen Vergleich.

Diese Zahlen sprechen eine recht deutliche Sprache und untermauern somit die Frage nach einem adaptierten Verständnis des Miteinander von Menschen.

Nun aber zurück zu den Rahmenbedingungen und Definitionen folgender Begriffe: Interaktion, Kommunikation, Gespräch, Interaktive Medien, Onlinekommunikation, Chat.

3.1 Definition von Interaktion – Die Interaktionsmodelle

Um einen ersten Überblick über das Problemfeld der Interaktion zu erlauben sei nun im Folgenden eine Auswahl an Modellen präsentiert, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben sollen und können, sondern vielmehr einen Eindruck vom Umfang dieses Themenbereichs liefern. Des weiteren – um einer Fehlinterpretation vorzubeugen – ist anzumerken, dass der Begriff „Interaktions modell“ (an Stelle von Interaktions theorie) aus einem bestimmten Grund verwendet wird; nämlich deshalb, weil man am heutigen Stand der Wissenschaft noch keineswegs über „Interaktions theorien“ sprechen kann, da lediglich die Zugänge zu diesem Themenkreis betreffend, von verschiedenen Theorien die Rede sein kann (vgl. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 29f). Neben einem Überblick sollen gleichzeitig einige Kernbegriffe eingeführt werden, die später auf ihre Anwendbarkeit in der Onlinekommunikation hin überprüft bzw. angewandt werden sollen.

„In seiner formalen Bedeutung weist der Terminus Interaktion auf Prozesse der Wechselbeziehung bzw. Wechselwirkung zwischen zwei oder mehreren Größen hin.“ (Burkart 20024, 30)

Ein grundlegendes Modell und frühe wissenschaftliche Auseinandersetzung mit verbaler Interaktion stammt von Claude E. Shannon in Zusammenarbeit mit Warren Weaver. Es ging dabei jedoch vorrangig um das Problem der technisch einwandfreien (im Sinne von verlustfreien) Übertragung von Kommunikationssymbolen. Dies beinhaltet zwei Eckpunkte: Einerseits ein semantisches Problem (Wie gut die verwendeten Symbole die gewünschte Information übertragen können), andererseits ein Effektivitätsproblem (Wie erfolgreich beeinflusst die, vom Empfänger erhaltene Bedeutung dessen Verhalten).

(vgl.Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 30).

Die Überlegungen, die Shannon und Weaver dazu anstellten, lassen sich am besten in folgender Grafik darstellen.

Abb. 1: Kommunikationsmodell nach Shannon

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„In Zentrum dieses Modells steht die Information, die auf Basis des Kontextes, in dem die Informationsquelle operiert, definiert wird. Je größer die Anzahl der möglichen Alternativen beim Auswählen der Nachricht ist, desto mehr Information enthält sie.“ (Burkart/ Homberg 1992, 11 zit. n. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 31).

Die Theorie des symbolischen Interaktionismus fand bei George Herbert Mead ihren Niederschlag, wobei versucht wird, menschliches Handeln als Rückgriff auf den Symbolmechanismus der Sprache zu erklären. Kommunikation kennzeichnet sich in diesem Zusammenhang durch

einen interaktiver Prozess,

der auf ein Gegenüber/ Partner gerichtet ist

und auf Verständigung abzielt.

(Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 31)

Verständigung sei nur dann möglich, wenn die beteiligten Personen den sprachlichen Symbolen die selbe Bedeutung zuschreiben. „Die Bedeutungen der Gegenstände und Ereignisse können folglich nicht kontextfrei bestimmt werden, sondern erst im Zusammenhang mit realen Prozessen der Interaktion.“ (Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 31)

Im Vergleich zu Shannons Modell meint Mead jedoch, dass der Transfer nicht mehr nur einseitig verlaufen würde, sondern vom jeweiligen Empfänger ebenfalls beeinflusst würde. Für jede Form der Kommunikation sei somit die Herstellung von interaktiver Wechselseitigkeit bzw. Interaktionsreziprozität notwendig (vgl. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 32).

Ebenfalls zu nennen ist hier Karl Bühlers „Sprachtheorie“ (1934), ein Werk, das sich mit der Grundsatzfrage beschäftigt, „wie Menschen koordiniert handeln können und wie menschliches Verhalten sprachlich gesteuert werden kann.“ (Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 33).

„Bühler geht von der These aus, dass alle sprachlichen Zeichen ihre Bedeutung erst in der Relation zu anderen sprachlichen Zeichen und zu bestimmten Kontexten (Um-Feldern) erhalten.“ (Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 33) Er unterscheidet darüber hinaus zwei Typen von Zeichen: Jene im sog. Zeigefeld (situationsgebunden) und jene im Symbolfeld, die von der jeweiligen Situation losgelöst sind. Bühler schuf darauf hin ein Zeichenmodell, das sog. Organon-Modell (organon griech. – Instrument Werkzeug) in dem er die kommunikativen Relationen zwischen Sender, Empfänger und die kommunizierten Gegenstände bzw. Sachverhalte als Hauptbezugspunkte etablierte. (vgl. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 33). Wesentlich für den Kontext in dieser Arbeit ist auch noch Peter Auer zu nennen: „Man kann nicht ohne Sprecher und Hörer kommunizieren, wohl aber ohne Bezug auf die Dinge der Welt.“ (Auer 1999, 25). Sprecher und Hörer könnten hier als Äquivalent zu Sender und Empfänger im Organon-Modell verstanden werden, der „Bezug auf die Dinge der Welt“ als die, von Bühler als „kommunizierte Gegenstände und Sachverhalte“ genannten Eckpunkte seines Modells.

Neben den bislang behandelten Zugängen via Kontext und Situation sollen nun noch einige Theorien und Modelle auf Basis des sozialen Handelns (im Sinne von eigentlicher Interaktion) behandelt werden um das Grundlagensegment dieser Arbeit abzurunden.

Um einen adäquaten Einstieg zu gewährleisten ist es an dieser Stelle unumgänglich auf die umfangreichen Arbeiten des Soziologen Max Weber hinzuweisen. Er spricht zwar noch nicht explizit von „Interaktion“, doch weisen die Begriffe „Handeln“ und „soziales Handeln“ in seiner Bedeutungsauslegung deutliche Parallelen auf (vgl. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 38).

„Handeln soll [...] ein menschliches Verhalten [...] heißen, wenn und insofern als der oder die Handelnden mit ihm einen subjektiven Sinn verbinden. `Soziales Handeln´ aber soll ein solches Handeln heißen, welches seinen von dem oder den Handelnden gemeinten Sinn nach auf das Verhalten anderer bezogen wird und daran in seinem Ablauf orientiert ist.“

(Weber 1921, 1 zit. n. Heinemann M./ Heinemann W. 2002, 38).

Max Weber unterscheidet weiters 4 Grundtypen des Handelns (bzw. des sozialen Handelns, in der Folge auch auf das Kommunizieren anwendbar):

Zweckrationales Handeln dient der optimalen Verwirklichung von Handlungszielen und Zwecken.

Wertrationales Handeln ist an der Erhaltung von Werten orientiert und zwar unabhängig vom möglichen Erfolg des Handelns.

Affektuelles Handeln ist „vernünftig kaum erklärbar“ und als Abweichung vom zweckrationalen Handeln zu verstehen.

Traditionelles Handeln entspricht dem habituellen Handeln, wobei dem Handelnden die Sinnhaftigkeit seines Tuns bewusst ist, dem Partner jedoch nicht vollends.

[...]

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Interaktion in der Onlinekommunikation am Beispiel der Chat-Technologie
Hochschule
Universität Salzburg  (Kommunikationswissenschaft)
Veranstaltung
Interaktion - theoretische reflexion von Praxis
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
50
Katalognummer
V56465
ISBN (eBook)
9783638511292
Dateigröße
766 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Was macht menschliche Interaktion aus? Wodurch unterscheidet sich Kommunikation und Interaktion? Und: Lässt sich die Fülle der zur Verfügung stehenden technischen Hilfsmittel und Programme, wie wir sie unter Zuhilfenahme 'neuer Medien' und 'Onlinekommunikation' anwenden, aus dem Verständnis eines Interaktionsbegriffs wegdenken? Fragen soll in dieser Arbeit theorie- und praxisgeleitet Beachtung geschenkt werden und sie soll weiters einen Versuch darstellen, diese Fragen neu zu beantworten.
Schlagworte
Interaktion, Onlinekommunikation, Beispiel, Chat-Technologie, Interaktion, Praxis
Arbeit zitieren
Bakkalaureus d. Kommunikationswiss. Friedrich Schneeberger (Autor), 2005, Interaktion in der Onlinekommunikation am Beispiel der Chat-Technologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56465

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