Die Odyssee des Medeastoffes


Hausarbeit, 2003

36 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der ursprüngliche Mythos

3. Die Prägung des Stoffes – Euripides
3.1 Der Dichter und sein Werk
3.2 Die Schuldfrage
3.3 Weiblicher Zorn und männliche Schwäche
3.4 Das Verhältnis zum griechischen Eherecht
3.5 Die Bedeutung des Kindsmords
3.6 Mythenrezeption im Mythos

4. Medea als Furie – Ovid und Seneca
4.1 Ovid
4.2 Seneca
4.3 Ausdeutung

5. Die Psychologisierung des Dramas – Franz Grillparzer
5.1 Der Gastfreund
5.2 Die Argonauten
5.3 Medea
5.3.1 Das Moment der Fremdheit
5.3.2 Die Motivation zum Kindsmord
5.3.3 Das goldene Vließ

6. Der Konflikt zwischen Staat und Individuum – Christa Wolf
6.1 Mißverständnisse bei der Rezeption
6.2 Das Opferungsmotiv
6.3 Die Entscheidung des Einzelnen

7. Schluß

8 Bibliographie

1. Einleitung

So alt der Medeastoff auch ist, er übt bis in die Gegenwart eine Faszination auf Autoren und Rezipienten aus. Dabei fällt auf, daß die Sichtweisen auf die Figur der Medea und damit die Themen, die in den Stoff hineingearbeitet werden, durchaus unterschiedlich, teilweise sogar widersprüchlich sind.

Die vorliegende Arbeit versucht, ausgehend vom Urmythos, soweit dieser sich als rekonstruierbar erweist, die Entwicklung dieser Themen und Sichtweisen bis in die Gegenwart an einigen exemplarisch erscheinenden Beispielen aufzuzeigen. Der formale Rahmen, der hierbei gesteckt ist, verunmöglicht den Wunsch nach Vollständigkeit. So muß eine Auswahl getroffen werden, die zum einen der rezeptionshistorischen Bedeutsamkeit geschuldet ist. Es scheint eingängig, wenn beispielsweise die Behandlung des Stoffes durch Seneca der Arbeit des Franzosen de La Péruse von 1556 vorgezogen wird.

Zum andern aber versucht die Auswahl der Texte eine bestimmte Tendenz in der Bearbeitung aufzuzeigen, die an dieser Stelle als Hauptthese formuliert sei: Wenn wir den thematischen Inhalt des ursprünglichen Mythos als Ausgangspunkt annehmen, läßt sich ab der Bearbeitung durch Euripides, der eine signifikante Veränderung am Stoff vornimmt, eine zunehmende Entfernung von diesem Ausgangspunkt feststellen. Als weitestmöglicher Abstand wird von uns die römische Sicht auf die Medea, wie wir sie von Ovid und Seneca kennen, behandelt. Erst in der Neuzeit nähert sich der Stoff wieder seinen Ursprüngen bis auf eine Euripideische Nähe an, wie es exemplarisch an dem österreichischen Klassiker Grillparzer gezeigt werden soll. Zielpunkt dieser Rezeptionsodyssee ist die Gegenwartsliteratur, in der durch die Rückgängigmachung der Veränderung des Euripides wieder eine Übereinstimmung mit dem Ausgangspunkt in Aussage und Inhalt erzielt wird, wobei es aber in der Bewertung der Medeafigur selbst zur größtmöglichen Verschiebung kommt. Im Zusammenhang mit dieser Betrachtung wird die Frage zu erörtern sein, inwieweit die Veränderung, die Euripides vorgenommen hat, den Stoff erweitert und seine Problematik verschärft, bzw. inwieweit sie ihm einen Aspekt von Tiefe nimmt, ihn verflacht und damit verharmlost.

All diese Bearbeitungen sind natürlich ein Spiegel der Zeit, in der sie entstanden. Aber es wird an einigen Stellen notwendig sein, gerade dieser Lesart als einem allzu oberflächlichen Erklärungsmodell entgegenzutreten. Stattdessen befleißigt sich die vorliegende Arbeit einer vorwiegend werkimmanenten Betrachtungsweise, die schon allein wegen ihres Inhalts angemessen erscheint. Es sind, bei allem Zeitbezug, noch immer Gestaltungen eines Mythos, mit denen wir uns beschäftigen. Der Mythos aber ist zeitlos und dunkel und ein Teil seiner Faszination wird in diesem Dunkel, aller Interpretation und Analyse zum Trotz, immer verbleiben.

2. Der ursprüngliche Mythos

Es läßt sich nicht wirklich viel über den Ursprung des Medeamythos sagen, da alle Zeugnisse, die älter sind als das berühmte Euripidesdrama verloren gegangen sind. Seine Ursprünge hat er in der mündlichen Tradition des griechischen Volkes. Damit verweist er auf einen Handlungsrahmen, der ungefähr gleichzeitig mit dem Trojanischen Krieg angesiedelt ist. Tatsächlich gibt es auch Überschneidungen mit dem Personal der Handlungen der Illias und der Odyssee, so verübte Medeas Widerpart und Ehemann Jason vor seiner Argofahrt noch eine andere Heldentat, nämlich die Jagd nach dem kalydonischen Schwein, an welcher auch Nestor teilnahm, der als der „göttliche Rosselenker“[1] uns sowohl aus der Ilias als auch aus der Odyssee als Kriegsteilnehmer vor Troja bekannt ist. Darüber hinaus ist Kirke, die Zauberin, die dem Odysseus den Weg in die Unterwelt zeigt, Medeas Tante.

Es ist schwierig, einen realen Kern des Themenkomplexes auszumachen, der mythogen gewirkt haben könnte. Auf den ersten Blick scheint es sich um eine rein moralische Wahrheit über Fremdheit und Vertrauen zu handeln. Dennoch lassen sich gewisse reale Anlässe ausmachen, die in dem Stoff zum Teil ihre mythologische Erklärung, zum anderen Teil ihre metaphorische Verklärung erfahren haben.

Da wäre zunächst der Fakt anzuführen, daß beim Fest der „Akraia Hera“ sieben Knaben und sieben Mädchen aus den vornehmsten korinthischen Familien der Hera geweiht wurden, welcher sie in der Folge ein Jahr lang im Tempel zu dienen hatten. Offensichtlich ist dieser Brauch ein entschärftes Relikt aus einer Zeit, da bei diesem Feste die Kinder noch geopfert, d.h. getötet wurden. Die Medeageschichte könnte ein Begründungsmythos dieses Ritus sein, ähnlich wie der Prometheusmythos als Begründungsmythos des Fackelträgerfestes und des Brauchs der Lorbeerbekränzung gilt.[2]

In einem weiteren Realitätsfragment, das dem Mythos unterliegt, geht es um das Moment der Fremdheit und der Inkompartibilität der Kulturen. Es ist der Zusammenstoß der Frühasiatischen mit der Früheuropäischen Kultur und insbesondere wohl ein spezieller Vorgang, nämlich der Raub eines Standbildes der großen Göttin, deren Ritus dadurch in Griechenland eingeführt werden sollte, sich aber bald als zu blutrünstig für den hellenischen Geschmack erwies. So wäre also Medea das metaphorisch fleischgewordene Götzenbild, das nun personal das Schicksal seines Kultes erleidet.

Wie sieht dieses Schicksal aus? Der Urmythos, sofern er sich rekonstruieren läßt, berichtet von folgendem: Nachdem Medea mit den Argonauten aus Kolchis geflohen war, ging sie mit Jason nach Jolkos, wo sie die Töchter des Pelias täuschte und so dazu brachte, den eigenen Vater zu töten. Damit rächt sie Jason, dem der Onkel die Königswürde geraubt hatte. Beide müssen daraufhin nach Korinth fliehen. Dort beschließt Jason, die Tochter des Königs Kreon, die in einigen Überlieferungen Kreusa, in anderen Glauke heißt,[3] zu heiraten. Medea rächt sich und tötet durch ihre Zauberkraft die Nebenbuhlerin. Es erscheint sehr wahrscheinlich, daß im Urmythos die Korinther aus Rache für den Tod ihrer Prinzessin, Medeas Kinder ermorden.[4] Während Jason verwahrlost und im Alter von den Trümmern seines einstmals stolzen Schiffes Argo erschlagen wird, flieht Medea zunächst nach Athen, von wo sie jedoch schon bald erneut fliehen muß, weil sie dem Theseus nach dem Leben trachtet. Sie endet in Asien, wo sie, wie der Mythos weiß, zur Stammutter der Meder wird, womit sich noch eine weitere Funktion des Medeamythos offenbart, nämlich als Gründungsmythos eines Volkes, das immerhin mächtig genug war, um 612 das Reich der Assyrer zu vernichten.

Es ist also offensichtlich, daß der Medeateil dieses Mythos, der eng, ja beinahe untrennbar mit anderen Mythenelementen wie dem Goldenen Vließ als kultischem Gegenstand oder der Geschichte der Argofahrt als Heldenepos, aber auch den Heldentaten des Theseus und der ebenfalls bereits erwähnten Jagd nach dem kalydonischen Schwein, eine Geschichte über Fremdheit, kulturelle Konflikte und Entwurzelung ist. Dies ist wohl der erste und eigentliche Grund, weshalb es sich hierbei um einen der ewigen und ewigaktuellen Stoffe der Literatur handelt, der die Menschen der Antike und der Neuzeit gleichermaßen fesselt. Interessant dabei ist, daß es nicht die kulturelle Vermischung ist, das Voneinanderlernen und Aneinanderwachsen, was thematisiert wird, wie es beispielsweise zur Zeit Alexander des Großen im Zuge der Eroberung des Persischen Weltreiches durch Makedonien geschah und Griechenland zu einer kulturellen Blüte führte. Es ist gerade das Gegenteil, die Kehrseite der Medaille gewissermaßen, die mit Überfremdungsangst und Fremdenfeindlichkeit bis in unsere Zeit aktuell geblieben ist. Der Medeamythos zeigt, daß diese Thematik so alt ist wie die Menschheit selbst.

3. Die Prägung des Stoffes – Euripides

3.1 Der Dichter und sein Werk

Im Jahre 431 v. Chr. gelangte das Stück Medea des griechischen Tragöden Euripides zur Aufführung. Die Uraufführung ereignete sich, wie in der griechischen Antike üblich, im Rahmen eines Tragödienwettbewerbs und - auch das ist schon beinahe so üblich bei Stücken aus der Feder des Euripides - fällt bei Publikum und Preisrichtern durch. Der dritte Platz (von dreien) für das ebenso innovative wie katharrthisch aufrüttelnde Stück um die Zauberin aus Kolchis. Euripides muß sich in seinem Leben irgendwann einmal daran gewöhnt haben, vom Publikum verkannt zu werden, schließlich bleiben nicht nur die Ehrungen aus – einige Quellen sprechen von nur einem ersten Preis, andere immerhin von Fünfen, was gemessen an den vermutlich 92 Dramen, die er verfaßte, wohl beides beschämend wenig ist – sondern Euripides muß sich aufgrund seiner dramatischen Innovationen auch wegen Gottlosigkeit vor Gericht verantworten. Der Grund für diese Mißachtung, die seine Zeitgenossen ihm zeitlebens entgegenbrachten, ist wohl in der Tatsache zu suchen, daß er nicht wie Sopholkes zeigte, „wie die Menschen sein sollten, [sondern] wie sie eben (leider) seien.“[5]

Dies ist das Anliegen des Dichters auch in seinem Medeadrama. Zu diesem Zweck extrahiert Euripides den Medeastoff aus seinem Umfeld der Argonautensage und des Mythos vom goldenen Vließ. Folgend der seinerzeit üblichen Einheit von Ort, Zeit und Handlung,[6] stellt er die letzte Station der gemeinsamen Flucht von Jason und Medea dar, den Aufenthalt in Korinth, und selbst von diesem nur den letzten Teil, denn das Verlöbnis von Jason und der korinthischen Königstochter ist zu Beginn der Handlung bereits besiegelt.

3.2 Die Schuldfrage

Der Hang, seine Figuren nicht in der üblichen hellenistischen Manier idealtypisch als Heroen zu zeigen, sondern sie als Menschen mit menschlichen Fehlern und Schwächen auf die Bühne zu bringen, zeigt sich, wie gesagt, in der Bearbeitung des Medeastoffes, ebenso wie der einführende Prolog, eine weitere stilistische Besonderheit des Euripides. Dieser wird gehalten von der Amme Medeas, die in sechs Versen den Mythos der Argofahrt skizziert um in weiteren vier Versen den Königsmord in Jolkos zu umreißen. Die Zeilen 11 bis 37 dienen der Standortbestimmung. Es ist klar: Das Stück wendet sich an ein Publikum, dem der Mythos wohlbekannt ist. Diesem Publikum muß nicht die Vorgeschichte erzählt werden, sondern es muß einerseits verstehen, an welchem Punkt des chronologischen Ablaufs es sich befindet, andererseits den thematischen Schwerpunkt erahnen können, den der Autor in der aktuellen Bearbeitung setzt. Zu diesem Zweck arbeitet Euripides stark kontrastiv und zeichnet in den Zeilen 14 und 15 den Idealzustand, wie ihn das griechische Publikum zu erwarten gewohnt ist:

Denn dieses ist des Erdenlebens höchstes Glück,

Wenn mit dem Manne sich verträgt des Weibes Sinn.

um im lückenlosen Anschluß daran die Realität aufprallen zu lassen:

Doch nun ist alles feindlich, auch das Teuerste;

Denn meine Herrin und die eignen Kinder hat

Verraten Jason und die königliche Braut

Erwählt, die Tochter Kreons, der im Land gebeut.[7]

Mit diesem starken Kontrast stellt Euripides klar heraus, was für ihn ursächlich dem nun folgenden Konflikt zu grunde liegt. Es ist das Drama einer betrogenen Frau und ihres untreuen Ehemannes.

Jason, der Held der Argofahrt, ist keineswegs heroisch gezeichnet. Seine Untreue gegenüber Medea nicht etwa das archaische Recht eines überlegenen Helden göttlicher Abstammung. Vielmehr wird Jason entmythifiziert und seine Verlobung mit der korinthischen Königstochter, die bei Euripides übrigens als Opfer ebenso namenlos bleibt wie die beiden Söhne von Jason und Medea, als Wort- und Rechtsbruch gebrandmarkt. Dies geschieht einerseits durch Medea selbst, die in Zeile 162 die Göttinnen Themis und Artemis als Zeugen und zum Beistand anruft. Themis als Göttin des natürlichen Rechtes oblag die Ahndung des Meineides, dessen Jason sich durch den Bruch des Ehegelübdes schuldig gemacht hatte, Artemis in ihrer Funktion als Schutzgöttin der Ehe hatte den Ehebruch zu ahnden. Andererseits aber ist es auch der Chor, bestehend aus 15 korinthischen Frauen, der zwar anfangs noch einwendet:

Wenn sich dein Gemahl

Andere Lieb´ ergeben,

Nicht grolle ihm deswegen!

Zeus wird dich dafür noch strafen[8]

Nachdem aber Medea diesem Chor, der ja, folgt man den Ausführungen Nietzsches,[9] stellvertretend für das Publikum und als Bindeglied zu demselben fungiert, ihre Situation erläutert hat, die Untreue Jasons, ihre Entwurzeltheit und Heimatlosigkeit also, bekennt die Chorführerin, abermals in Stellvertretung des Publikums:

Ich schweige. Billig rächst du wohl am Gatten dich,

Medea; daß du jammerst, ist kein Wunder mir.[10]

Dieses billigende Schweigen, das nicht wirklich still geschieht, sondern sich durchaus wortreich gestaltet und voller Mitleid für Medea ist, wird erst nach dem Kindermord brechen.

Nachdem Medea die Königstochter ermordet hat, drückt der Chor zwar das Mitleid mit dieser aus, doch erst während die Kinder von der Mutter Hand sterben, richtet sich der Chor gegen die Mörderin:

O Unholdin, wohl bist du von Stein, von Erz,

Daß du der Kinder Saat, die du gebarst,

Also mit eignen Händen hinmorden kannst![11]

Nach einem anschließenden Exkurs über den Inomythos, auf den noch einzugehen sein wird, verstummt der Chor. Nur die Chorführerin führt Jason zu der Katastrophe, die er zu spät zu verhindern kommt. Allein das letzte Wort, gewissermaßen die Moral des Stückes, gebührt erneut dem Chor. Hier drückt sich nicht nur Demut vor den Göttern aus. Vielmehr spricht der Schlußchor von einer wiederhergestellten Ordnung und verweist auf den von Euripides so sehr geschätzten deus ex machina:

Viel ordnet und schafft im Olympos Zeus, [...]

Unerwartetes kommt, von der Gottheit gesandt.

So endet dieses Geschehnis.[12]

Klarer noch formuliert es die Übersetzung von E. Buschor:

Alles verwaltet

Zeus im Olympos,

Niemals geahntes

Bereiten die Götter.

Was wir erhofften,

Es ward nicht vollendet –

Wo wir die Hoffnung begruben,

Fanden die Götter den Weg.

So geschah es

Auch hier.[13]

Es scheint, daß für Euripides die abschließende Katastrophe des Stückes eine Ordnung wiederherstellt, die in seinen Augen zuvor offenbar aus den Fugen geraten war. Das Eingreifen der Götter, das der Schlußchor anspricht, muß einerseits in der tödlichen Magie Medeas gesehen werden, die als Priesterin der Hekate, der Göttin der Hexerei und schwarzen Magie, auf deren Kraft und Mitwirkung zurückgreift, wenn sie das „vergiftete“ Kleid an ihre Rivalin sendet, andererseits in dem Drachenwagen, in dem Medea zum Schluß glorios schwebend abtritt, der nach ihren Worten das Geschenk ihres Großvaters Helios war, des Sonnengottes. Sehr deutlich also macht Euripides, wo er das Verbrechen, in wem den Verbrecher sieht.

3.3 Weiblicher Zorn und männliche Schwäche

So sind auch die ersten Worte, die Medea als körperlose Stimme aus dem Palast heraus spricht, bestimmt, sie als Opfer von Jasons Verrat zu kennzeichnen und die Größe ihres Leids auszudrücken:

Ich leidendes, unglückseliges Weib!

Weh, wehe mir! Wär ich des Todes![14]

Offenbar ist ihre Aggression zuallererst eine Autoaggression und erst nachdem die Amme im Bühnenvordergrund sowohl die Kinder als auch die Zuschauer durch ihre Befürchtungen auf das vorbereitet hat, was geschehen wird und was auch der zeitgenössische Kenner des Mythos weder wissen noch erwarten konnte, nämlich daß Medea ihre Kinder ermorden wird, erst danach wird offenbar, daß Medea nicht nur gegen sich, sondern gegen alles und jeden wütet:

[...]


[1] so übersetzt von Wolfgang Schadewaldt, Homer. Ilias, Frankfurt am Main 1975

[2] siehe hierzu auch: Walter Burkert, Mythos und Mythologie, S. 17f, in: Propyläen Geschichte der Literatur, Frankfurt a M, Berlin, Wien 1981

[3] Die Namen sind beide sprechend. Während „Kreusa“ sich von „Kreon“, was wiederum von kratein (herrschen) stammt, ableitet und somit nichts anderes als Herrscherin bedeutet, ist „Glauke“ ursprünglich der Name der Quellnymphe Korinths, in deren Quelle die Königstochter versuchte, sich zu löschen. Demnach wäre der Königstochter in der Überlieferung, die sie „Glauke“ nennt, von vornherein ihr Tod und ihre Todesart konnotiert.

[4] Zum Beleg dieser These sei nicht nur Christa Wolf angeführt, die neben dem Buch Medea. Stimmen, das diesbezüglich eine deutliche Sprache spricht, über ihre Veranlassung, an eine Veränderung des Mythos durch Euripides zu glauben, zB in einem Interview mit der Neuen Musik Zeitung 2002/09, 51. Jahrgang, September, Seite 17 Rechenschaft ablegt, sondern auch das Nachwort von J. J. C. Donner zu der Tragödie des Euripides in Euripides, Medea, Stuttgart 1972, S. 64. Ebenso sei verwiesen auf Fritz Graf, Medea. The Enchantress From Afar, S. 35, in: J. J. Clauss / S. I. Johnston (Hrsg), Medea. Essay on Medea in Myth, Literature, Philosophy and Art, Princeton 1997, S. 21 - 43

[5] Ausspruch des Sophokles, berichtet von Aristoteles, zitiert nach: Ludwig Voit (Hrsg.), Lesebuch der Antike. Das klassische Griechenland von Homer bis Aristoteles, o. O., o. J.

[6] wenige Jahre später so benannt von Aristoteles

[7] Euripides, Z. 16ff

[8] Euripides, Z. 156ff

[9] vgl Nietzsch, Die Geburt der Tragödie, Stuttgart 1993, Kapitel 8

[10] Euripides, Z. 270f

[11] Euripides, Z. 1253ff

[12] Euripides, Z. 1387ff

[13] Voit, S. 265

[14] Euripides, Z. 96f

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Die Odyssee des Medeastoffes
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Fachbereich: Neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Antike-Rezeption in der deutschen Literatur des 18.-20. Jhs.
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
36
Katalognummer
V56498
ISBN (eBook)
9783638511568
ISBN (Buch)
9783638664592
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Mythosrezeption ist im Falle der Medea seit Euripides in eine patrirachale und intolerante Richtung gedrängt. Es ist das große Verdienst von Christa Wolf, ins Gedächtnis gerufen zu haben, daß der Mythos in archaischer Zeit eine andere Lesart erfuhr. Der Weg der veränderten Lesbarkeit des Mythologems wird anhand signifikanter Bearbeitungen (Euripides, Ovid, Seneca, Grillparzer, Wolf) nachvollzogen und als Seismograph der Epochengeschichte vorgestellt.
Schlagworte
Odyssee, Medeastoffes, Antike-Rezeption, Literatur
Arbeit zitieren
Magister Artium Norbert Krüßmann (Autor), 2003, Die Odyssee des Medeastoffes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56498

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