Der Deutsche Orden zählt, neben den Johannitern und Templern, zu den drei großen geistlichen Ritterorden. Eingebettet in die damit einhergehende Dualität zwischen Religion und weltlichem Kampf sind sie alle ein Produkt ihrer Zeit und somit muss auch das eigentliche Thema „die Mission in Preußen“ unter diesem Aspekt betrachtet werden.
Die Frage, der dabei im Besonderen nachgegangen werden soll lautet, ob und inwieweit dem Unternehmen eine festgelegte Strategie zugrunde lag oder ob sich die Deutschritter nur den gegebenen Umständen anpassten.
Um eine Antwort darauf zu finden ist es unumgänglich, die für das 21.Jahrhundert typische Denkweise abzulegen, es würden konkrete Dokumente existieren, an denen sich der Orden bei derartigen Vorhaben hätte orientieren können. Vielmehr muss die Suche nach Erfahrungen und Vorbildern im Mittelpunkt stehen.
Zu diesem Zweck scheint es zunächst notwendig das Wesen des Ordens selbst genauer zu analysieren, wie auch dessen vor Preußen gewonnenen Erkenntnissen Aufmerksamkeit zu schenken, besonders denjenigen aus dem Heiligen Land und Ungarn. Des weiteren dürfte es sinnvoll sein, die Preußenmission nicht nur als separates Geschehen, sondern gleichfalls als Glied in der schon wesentlich früher einsetzenden Ostexpansion zu sehen.
Daneben sollen, unter anderem anhand der Darstellung vorhergehender Missionen im Preußenland, mögliche Vorbilder außerhalb des Deutschen Ordens herausgestellt werden. Von besonderer Prägnanz wird sich dabei die Rolle des Bischofs Christian als direkter Vorgänger erweisen.
Aber auch Einflussgrößen wie das Volk der Prußen selbst, die geographische Situation des zu missionierenden Landes, das Papsttum und der Kaiser dürfen nicht unbeachtet bleiben. Gleiches gilt für mehr oder weniger verbreitete Vorstellungen vom Ablauf einer Mission, wie sie schon seit dem Frühmittelalter bestanden oder von Zeitgenossen vertreten wurden. Daneben müssen auch Faktoren genannt werden, die der Orden unmöglich einplanen konnte. Dazu zählen vor allem die Pest und der Verrat des Herzogs Swantopolk.
Anschließend sollte es nicht nur möglich sein, die eingangs gestellte Frage nach einer möglichen Strategie zu beantworten, sondern auch die zweite Frage die sich im Laufe der Arbeit aufdrängen wird, nämlich ob es sich überhaupt um ein Missionsunternehmen oder nicht doch vielmehr um den Deckmantel für ein anderes Ziel des Ordens – die Schaffung eines eigenen Staates – handelte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Quellen und Literatur zur Preußenmission des Deutschen Ordens
1.1. Die Quellen zur Preußenmission
1.2. Die Literatur zur Preußenmission
2. Ein kurzer Überblick über die preußische Mission
2.1. Die Zeit vor der Ankunft in Preußen (1191-1225)
2.2. Die Zeit der Preußenmission (1226-1283)
3. Orientierungspunkte in der Geschichte des Ordens selbst
3.1. Vom Wesen des Deutschen Ritterordens
3.2. Die Erfahrungen im Heiligen Land
3.3. Die ungarische Mission
3.4. Die innere Struktur des Deutschen Ordens
4. Die vorangegangenen Missionen in Preußen
4.1. Allgemeiner Überblick über die vorangegangenen Missionen
4.2. Die Missionstätigkeit Bischof Christians
5. Mögliche Einflußquellen von weltlicher und geistlicher Seite
5.1. Friedrichs II Staat als Beispiel
5.2. Die Bibel als mögliche Einflußquelle
5.3. Die Rolle des Papstes bei der Missionierung Preußens
5.4. Der Christburger Friede
5.5. Die preußischen Bistümer
6. Die Preußenmission im größeren geschichtlichen Rahmen
6.1. Die Preußenmission im Rahmen der Ostbewegung
6.2. Vergleich Goldbulle von Rimini und Kulmer Handveste
7. Mögliche Einflußquellen von preußischer Seite
7.1. Das Volk der Prußen als Einflußfaktor
7.2. Das Land der Prußen als Einflußfaktor
8. Unvorhersehbare Faktoren und eine mögliche Wende
8.1. Die Pest von 1237
8.2. Herzog Swantopolk
8.3. Gab es eine Wende in der Vorgehensweise des Ordens?
9. Das preußische Unternehmen im Rahmen der Missionskonzepte
9.1. Allgemeine Einteilung der Missionsmethoden
9.2. Die Einordnung der Preußenmission
9.3. Missionsmethoden, die erwogen wurden
Schlußwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Missionstätigkeit des Deutschen Ordens in Preußen zwischen 1230 und 1283 mit dem Ziel zu klären, ob dem Unternehmen eine geplante Strategie zugrunde lag oder ob der Orden lediglich auf äußere Umstände reagierte. Dabei wird analysiert, inwieweit Erfahrungen aus früheren Missionen (insbesondere im Heiligen Land und in Ungarn) und zeitgenössische Einflüsse die Handlungsweise des Ordens prägten.
- Historische Einordnung des Deutschen Ordens und seiner Missionspraxis
- Analyse der Quellenlage und der Rolle verschiedener Einflussfaktoren (Papsttum, Kaiser, lokale Gegebenheiten)
- Vergleich der preußischen Mission mit früheren Vorhaben des Ordens
- Untersuchung der Rolle unvorhersehbarer Ereignisse wie der Pest und politischer Verrat
- Bewertung der Missionsmethoden im Kontext zeitgenössischer Konzepte (z.B. „Gerechter Krieg“)
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Erfahrungen im Heiligen Land
„Im Namen des Herrn, amen. Im Jahre seiner Menschwerdung 1190 zu der Zeit, als die Stadt Akkon von den Christen belagert und durch die Gnade Gottes aus den Händen der Ungläubigen zurückgewonnen wurde (...) ein Hospital gegründet.“ 50
So beginnt Peter von Dusburgs Bericht über die Gründung des Ordo fratrum hospitalis sancte Marie domus Theutonicorum Jerosolimitani. Seine Wurzeln liegen also in den Kreuzzügen nach Palästina. Nun mag man sich fragen, welche Verbindung zwischen der Gründung des Ordens im Heiligen Land und der Missionierung des Preußenlandes und einer diesbezüglichen Strategie bestehen soll. Eigentlich ähneln sich beide kaum. Bei dem Unternehmen in Palästina handelte es sich eindeutig um einen Kreuzzug, bei dem Preußischen um eine Mission – so zumindest den Bezeichnungen nach. Außerdem lagen Welten zwischen den Sarazenen und den Pruzzen, allein aufgrund ihrer Religionsauffassung und Kultur.
Ein Grundsatz der Entwicklungspsychologie lautet, die ersten Eindrücke, die ein Kind sammelt, prägen sein weiteres Leben am stärksten. Mit anderen Worten, die ersten Erfahrungen sind am eindringlichsten und werden deshalb während der gesamten weiteren Wachstumsstadien relevant bleiben und auf alle folgenden Phasen gewisse Auswirkungen haben.
Vielleicht ist ein direkter Zusammenhang dieser Aussage mit der Missionierung Preußens nicht auf den ersten Blick erkennbar, doch selbiges Prinzip läßt sich auch in der Geschichte des Spitals der Deutschen zu Jerusalem wiederfinden.
Die ideelle Grundlage wie auch die ersten Kenntnisse, die der jüngste der bedeutenden Ritterorden jener Zeit gewann, waren die Kreuzzüge in das Heilige Land. Deshalb liegt es nahe, daß, sollte eine Strategie in Bezug auf die Missionierung Preußens bestanden haben, diese zumindest teilweise an jenem Ort wurzelte; und tatsächlich scheinen die dort gewonnen Fähigkeiten und Strategien in einigen Punkten tendenziell nahtlos auf Preußen übertragen worden zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Quellen und Literatur zur Preußenmission des Deutschen Ordens: Analyse der primären Urkunden und sekundären Chroniken (insbes. Peter von Dusburg) zur Erforschung der Preußenmission.
2. Ein kurzer Überblick über die preußische Mission: Historischer Abriss über die Ursprünge des Ordens und den Beginn der Missionierung in Preußen ab 1226.
3. Orientierungspunkte in der Geschichte des Ordens selbst: Untersuchung der internen Strukturen, des geistlichen Ritterordens-Konzepts und der Vorerfahrungen in Palästina und Ungarn.
4. Die vorangegangenen Missionen in Preußen: Überblick über gescheiterte Missionsversuche vor dem Deutschen Orden und die Rolle von Bischof Christian.
5. Mögliche Einflußquellen von weltlicher und geistlicher Seite: Diskussion über externe Einflüsse wie das sizilianische Staatswesen Friedrichs II., die Bibel als Vorbild und die Rolle des Papsttums.
6. Die Preußenmission im größeren geschichtlichen Rahmen: Einbettung der Mission in die mittelalterliche Ostbewegung und die Kolonisationsbestrebungen.
7. Mögliche Einflußquellen von preußischer Seite: Betrachtung der Prußen selbst und der geografischen Gegebenheiten als Faktoren, die die Strategie des Ordens beeinflussten.
8. Unvorhersehbare Faktoren und eine mögliche Wende: Analyse des Einflusses der Pest und des Verrats durch Herzog Swantopolk auf die Entwicklung der Mission.
9. Das preußische Unternehmen im Rahmen der Missionskonzepte: Einordnung der Missionsmethoden in theoretische Typologien wie den "Gerechten Krieg" oder die "negative Mission".
Schlüsselwörter
Deutscher Orden, Preußenmission, Ostexpansion, Hermann von Salza, Peter von Dusburg, Kreuzzug, Missionsstrategie, Siedlungspolitik, Heidenbekehrung, Papsttum, Ritterorden, Mittelalter, Kolonisation, Christburger Friede, Swantopolk.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Methoden und Strategien des Deutschen Ordens bei der Missionierung Preußens im 13. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Dazu gehören die Ordensstruktur, die historischen Rahmenbedingungen der Ostexpansion, die Rolle von Kirche und Kaiser sowie die Interaktion mit der prußischen Bevölkerung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage ist, ob der Orden zielgerichtet nach einer festen Strategie handelte oder lediglich auf unvorhersehbare äußere Umstände reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung primärer Urkunden, zeitgenössischer Chroniken (insb. Peter von Dusburg) und wissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Quellen, der Ordensgeschichte, externer Einflüsse (Kaiser, Papst, Geografie) und unvorhersehbarer Ereignisse wie die Pest oder der Aufstand des Herzogs Swantopolk.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Deutscher Orden, Preußenmission, Strategieentwicklung, Ritterorden und Ostexpansion definieren.
Warum war die Pest von 1237 ein Wendepunkt für den Orden?
Die Pest dezimierte die Bevölkerung, führte zu einem Abfall vieler Neubekehrter vom Christentum und schwächte die politische Kontrolle des Ordens massiv.
Inwiefern beeinflusste die Erfahrung in Ungarn das spätere Vorgehen in Preußen?
Das Scheitern in Ungarn lehrte den Orden, sich durch Privilegien rechtlich abzusichern und bei der Ansiedlung strategischer Befestigungen methodischer vorzugehen.
War die Missionierung erfolgreich?
Ja, der Orden erreichte bis 1283 die vollständige Unterwerfung des Landes und etablierte die Grundlage für einen souveränen Ordensstaat.
- Arbeit zitieren
- Magistra Artium Daniela Herbst (Autor:in), 2004, Die Mission des Deutschen Ordens in Preußen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56513