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Gawan und Orgeluse - Zur Gawan-Orgeluse-Episode in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"

Title: Gawan und Orgeluse - Zur Gawan-Orgeluse-Episode in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"

Seminar Paper , 2005 , 16 Pages , Grade: 1

Autor:in: Thilo Patzke (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Wolfram experimentiert in seinem „Parzival“ mit verschiedenen Konzepten von Weiblichkeit und Männlichkeit und setzt sich dabei mit Denk- und Argumentationsschemata der unmittelbaren literarischen Tradition (Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Chrètien de Troyes) auseinander. In den Büchern X-XIV des „Parzival“ steht die Beziehung zwischen den Figuren Gawan und Orgeluse im Vordergrund. Die Entwicklung und Ausgestaltung der Figur Gawan entwickelt Wolfram bereits seit dem VI. Buch. Im Gegensatz zu dieser lang angelegten Entwicklung skizziert er mit erstaunlich wenigen Federstrichen Orgeluse, die bei Chrètien noch ein namenloses französisches Straßenmädchen war. Die Ereignisse um Orgeluse sind geschickt auf vielfältige Weise in die komplexe Handlungsstruktur des Romans eingebunden und verleihen der Figur Tiefe, von der bei Chrètien nicht die Rede sein kann.

Zusätzlich stellt Wolfram mit der Beziehung zwischen Orgeluse und Gawan eine vollständige Geschlechterbeziehung dar, vom ersten Kennenlernen bis hin zur Hochzeit. Innerhalb dieser Darstellung entfaltet der Autor seine Vorstellungen von Minne und Rittertum. Orgeluse ist die letzte große Frauengestalt im Parzival und mit Sicherheit die komplizierteste. Diese Komplexität und Vielschichtigkeit verleihen der Gawan-Orgeluse-Episode eine besondere Bedeutung innerhalb des Parzivalromans, dies wird auch daran deutlich, dass sich die Forschung vielfach mit der Interpretation dieser Episode und den darin behandelten Figuren und Ereignissen befasst hat.1 Im Folgenden möchte ich die Entwicklung der Figuren Gawan und Orgeluse näher betrachten. Die Figur Gawan entwickelt sich über längere Zeit hinweg vom Aventiuren- zum Minneritter, während sich Orgeluse in kurzer Zeit von einer starken und unabhängigen Landesherrin hin zu einer blassen und folgsamen Ehefrau entwickelt. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Beweggründen des Autors, die Figuren in dieser Art und Weise zu entwickeln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gawan

2.1 Gawan als Arzt

2.2 Gawan als Liebender

3. Orgeluse

3.1 Orgeluse als Herzogin und Minneherrin

4. Fazit

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Ausgestaltung der Figuren Gawan und Orgeluse im Parzival-Epos von Wolfram von Eschenbach, mit einem besonderen Fokus auf deren komplexer Geschlechterbeziehung und der Rolle Gawans als Arzt und Liebender.

  • Analyse der literarischen Entwicklung Gawans vom Aventiuren- zum Minneritter.
  • Untersuchung der psychologischen und funktionalen Rolle der Orgeluse im Handlungsverlauf.
  • Betrachtung der Bedeutung des Arzt-Motivs als Instrument zur gesellschaftlichen Heilung.
  • Hinterfragung der höfisch-ritterlichen Geschlechterrollen und deren Darstellung durch den Autor.
  • Diskussion über das Minnekonzept und die Integration der Figuren in die Artusgesellschaft.

Auszug aus dem Buch

2.1 Gawan als Arzt

Gawans Fähigkeiten als Arzt treten zum ersten Mal im X. Buch in Erscheinung, als er im Wald auf einer Wiese eine Dame trifft, die einen verwundeten Ritter auf dem Schoß liegen hat (505,14). Auf die Bitte der Frau hilft er dem Verletzten, indem er die Rinde eines Lindenzweiges als Rohr benutzt, um nach innen in den Körper fließendes und sich dort stauendes Blut abzulassen. Auf seinem weiteren Weg nach Logroys, von dem ihm der verwundete Ritter abgeraten hatte, trifft er auf Orgeluse und bietet der Unbekannten sofort seine Ritterdienste an, erntet aber nur Spott und Hohn. Interessant an dieser Stelle ist, dass Gawan sie als die Schönste empfindet, Wolfram sie aber nur als die Zweitschönste bezeichnet (508,22-23).

Die zweite Szene, in der Gawan seine medizinischen Kenntnisse anwendet, findet statt, als er auf einer Heide ein heilendes Kraut wachsen sieht und dieses pflückt, um dem verwundeten Ritter zu helfen. Wiederum erntet er von Orgeluse für seine Tat nur Spott und muss hinnehmen, dass ihm Gewinnsucht unterstellt wird: „kan der gesell mîn / arzet unde rîter sin, / er mac sich hart wol bejagn, / gelernt er bühsen veile tragn“ (516,28-517,2). Der Spott wird auf die Spitze getrieben, als der undankbare Patient Gawans Pferd stiehlt und sich Gawan der Bezeichnung garzûn ausgesetzt sieht. Dadurch, dass Gawan von Wolfram jedoch die Rolle des gebildeten Wundarztes zugewiesen bekommt, sind die Vorwürfe, die Orgeluse ihm macht, besonders nach der Heilung von Urjans, fehl am Platz und machen dafür umso deutlicher, dass Orgeluse mit allen Mitteln nach einer Angriffsfläche sucht.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Wolframs experimentellen Umgang mit Männlichkeits- und Weiblichkeitskonzepten und betont die zentrale Bedeutung der Gawan-Orgeluse-Episode für den Parzivalroman.

2. Gawan: Dieses Kapitel analysiert Gawans Charakterentwicklung vom gebildeten Ritter hin zu einer Figur, die durch Liebesfähigkeit und medizinische Kompetenz zur Erlösung einer gestörten Ordnung beiträgt.

2.1 Gawan als Arzt: Der Fokus liegt hier auf Gawans medizinischen Handlungen, die ihn von einem konventionellen Ritter abheben und als Heiler in den Dienst anderer stellen.

2.2 Gawan als Liebender: Dieser Abschnitt untersucht Gawans Minneauffassung und wie seine Mitleids- und Liebesfähigkeit zur Auflösung des Zaubers von Schastel Marveile führen.

3. Orgeluse: Hier wird Orgeluses Wandlung von einer wehrhaften, eigenständigen Landesherrin zu einer integrierten Ehefrau im Kontext höfischer Konventionen kritisch beleuchtet.

3.1 Orgeluse als Herzogin und Minneherrin: Das Kapitel widmet sich der Darstellung Orgeluses als dominante, aber widersprüchliche Figur und ihrer psychologischen Motivation innerhalb der Erzählung.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Wolfram durch die Orgeluse-Episode zwar Defekte des höfischen Systems aufzeigt, aber letztlich keine radikale gesellschaftliche Neuerung etabliert, da die weibliche Individualität in die Ehe einmündet.

Schlüsselwörter

Parzival, Wolfram von Eschenbach, Gawan, Orgeluse, Minne, Rittertum, Geschlechterbeziehungen, Schastel Marveile, Arztmotiv, Höfische Literatur, Aventiure, Identität, Gesellschaftskritik, Mittelalter, Epik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die komplexe Beziehung zwischen den Figuren Gawan und Orgeluse im Parzival von Wolfram von Eschenbach und analysiert, wie deren Entwicklung die höfischen Vorstellungen von Minne und Rittertum reflektiert.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Arbeit konzentriert sich auf die Geschlechterrollen im Mittelalter, die Entwicklung literarischer Heldenmodelle sowie die Bedeutung von Fürsorge, Heilung und Kommunikation in einem ritterlichen Kontext.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Beweggründe des Autors zu ergründen, warum Gawan und Orgeluse als Gegenentwurf zu konventionellen Ritterfiguren gestaltet wurden und ob Wolfram damit eine neue Form der Geschlechterbeziehung entwirft.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Primärtext des Parzival mit dem aktuellen Forschungsstand (u.a. Bumke, Emmerling, Bindschedler) verknüpft und interpretativ auswertet.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Im Hauptteil werden Gawan als Arzt und Liebender sowie die Figur der Orgeluse in ihrer Funktion als Herzogin und Minneherrin detailliert charakterisiert und hinsichtlich ihres Einflusses auf die Handlung interpretiert.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Minne, Ritterethik, Erlösung, Geschlechterbeziehungen, psychologische Motivation und literarische Konzeption.

Wie unterscheidet sich Gawan als Arzt von anderen Rittern?

Gawan agiert untypisch, da er sich aktiv und fachkundig um das körperliche Leiden anderer kümmert, was ihn vom klassischen, rein auf Kampf fokussierten Ritterideal abhebt und ihn als sozialen Akteur positioniert.

Wird Orgeluse am Ende als eine emanzipierte Frau dargestellt?

Die Autorin argumentiert, dass Orgeluse trotz ihrer anfangs starken und unabhängigen Position letztlich in die Konventionen der „Ehefalle“ zurückfällt und Wolfram keine konsequente Neuordnung der Geschlechterrollen vollzieht.

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Details

Title
Gawan und Orgeluse - Zur Gawan-Orgeluse-Episode in Wolfram von Eschenbachs "Parzival"
College
Friedrich-Alexander University Erlangen-Nuremberg  (Institut für Germanistik)
Course
Proseminar Parzival von Wolfram von Eschenbach
Grade
1
Author
Thilo Patzke (Author)
Publication Year
2005
Pages
16
Catalog Number
V56522
ISBN (eBook)
9783638511803
ISBN (Book)
9783640330461
Language
German
Tags
Gawan Orgeluse Proseminar Parzival Wolfram Eschenbach
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thilo Patzke (Author), 2005, Gawan und Orgeluse - Zur Gawan-Orgeluse-Episode in Wolfram von Eschenbachs "Parzival", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56522
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