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Arno Schmidts "Leviathan" - Mythologie und Weltanschauung

Title: Arno Schmidts "Leviathan" - Mythologie und Weltanschauung

Term Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Felix Brenner (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Der Begriff „Leviathan“ trägt mehrere Bedeutungen, auf die in dieser Arbeit in der notwendigen Ausführlichkeit eingegangen werden soll. Die Betrachtung reicht vom ersten Auftreten des Wortes über seine religiöse Bedeutung bis zu der nach ihm benannten politischen Theorie. Der Leviathan hat seine Ursprünge in der altorientalischen Mythologie. Im Alten Testament fügen sich Leviathan und Drache, Satan und Antichrist zu einer polaren Gegenkraft Gottes. Im monotheistischen Glauben kann es aber keine autonome Position neben Gott geben. Deshalb muss er dessen Geschöpf, also gezielt in den Schöpfungsplan eingesetzt sein. Der Leviathan ist daher auch als dunkle Seite Gottes verstanden worden. Wesentlich wurde der Begriff des Leviathans auch durch Hobbes` Staatsphilosophie geprägt, laut welcher der Absolutismus die einzige Staatsform sei, in der die Menschen in Frieden leben könnten. Arno Schmidt stimmt mit Hobbes in der pessimistischen Weltsicht, der Mensch sei von Natur aus böse und befinde sich in einem natürlichen Kampf mit seinen Mitmenschen, überein. Daraus folgert er jedoch keine politische Notwendigkeit, denn aufgrund des Machtmissbrauchs der Nationalsozialisten ist Schmidt gegen eine Staatsgewalt, die Mittel zur Unterdrückung innehat. Allerdings plädiert er damit nicht für die Demokratie oder eine andere Staatsform, sondern lehnt den Staat allgemein ab. Andererseits kann der nationalsozialistische Staat als Verkörperung des Leviathan gesehen werden. Unter dem Eindruck des Zweiten Weltkrieges und dem Untergang des Dritten Reiches wäre es nahe liegend, dass Schmidt den Leviathan als Gleichnis auf den nationalsozialistischen Staat gesehen hat.
Der Autor hat seinem ihm eigenen Weltbild den Namen Leviathan gegeben. Da dies grundlegend für sein Gesamtwerk ist, bedarf es einer ausführlichen Besprechung und nimmt dieser Punkt den größten Raum in der vorliegenden Arbeit ein: Das Universum werde sich nach seiner Erschaffung mitsamt allem in sich befindlichen auch wieder zerstören. Die Eingebundenheit der Menschen in dieses Prinzip determiniere ihren Charakter. Eigenständige Aktivität sei ihnen daher nicht möglich. Vielmehr trügen die Menschen im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu bei, die Kontraktion des Universums zu beschleunigen.





Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Der Kontrast zwischen der „besten der Welten“ und dem Leviathan

B. Arno Schmidts Leviathan- Mythos und Weltanschauung

1. Der Leviathan in der Mythologie

1.1 Die Herkunft des Leviathans

1.2 Der Leviathan im Alten Testament

1.3 Zusammenhang zwischen dem biblischen Leviathan und Schmidts Erzählung

2. Der politische Leviathan

2.1 Erklärung der Hobbesschen Theorie

2.2 Parallelen zwischen den Leviathanstheorien von Hobbes und Schmidt

3. Schmidts leviathanisches Weltbild

3.1 Die Ambivalenz der Schmidtschen Leviathanstheorie

3.2 Das Einwirken Schopenhauers

3.3 Schmidts Leviathanstheorie

3.4 Der Kontrast zwischen Schmidts Atheismus und dem göttlichen Leviathan

3.5 Schmidts Leviathan- Ein moderner Mythos

C. Der Leviathan als immer wiederkehrendes Motiv in der Weltliteratur

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Geflecht aus mythologischen, politischen und philosophischen Bedeutungen des Begriffs "Leviathan" im Werk Arno Schmidts. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie Schmidt durch die literarische Adaption dieses Motivs ein eigenes, pessimistisches Weltbild konstruiert und dieses gegenüber christlichen sowie staatsphilosophischen Vorstellungen abgrenzt.

  • Mythologische Herkunft und biblische Bezüge des Leviathans
  • Vergleich der Leviathan-Konzepte von Thomas Hobbes und Arno Schmidt
  • Einfluss der Philosophie Arthur Schopenhauers auf Schmidts Denken
  • Kritik am christlichen Glauben und dessen Institutionen
  • Die Funktion des Leviathans als moderne Metapher für menschliche Verantwortung

Auszug aus dem Buch

1.1 Die Herkunft des Leviathans

Der Leviathan hat seine Ursprünge in der altorientalischen Mythologie. Dort wird er als Mischwesen aus Schlange, Wal und Drachen beschrieben, das im Meer lebt und das Chaos, das Böse auf der Welt, verkörpert. Sein Rachen wird als Eingang zur Hölle geschildert.

In der jüdischen Tradition ist vom Zelt der Gerechten die Rede, das am Ende der Zeit aus der Haut des Leviathans gebaut wird. Es heißt, Gott werde aus dem Leviathan ein köstliches Mahl zubereiten und den Gerechten zu essen geben.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Der Kontrast zwischen der „besten der Welten“ und dem Leviathan: Einleitung in die Thematik der Erzählung, bei der die optimistische Weltanschauung Leibniz' dem pessimistischen Gegenentwurf des Leviathans gegenübergestellt wird.

B. Arno Schmidts Leviathan- Mythos und Weltanschauung: Hauptteil der Arbeit, der die mythologischen, politischen und philosophischen Dimensionen des Leviathans bei Schmidt analysiert.

1. Der Leviathan in der Mythologie: Untersuchung der historischen und religiösen Wurzeln des Ungeheuers im Alten Orient und im Alten Testament.

2. Der politische Leviathan: Gegenüberstellung von Thomas Hobbes' absolutistischer Staatsphilosophie mit Schmidts Ablehnung staatlicher Gewalt.

3. Schmidts leviathanisches Weltbild: Erörterung der komplexen, teils widersprüchlichen Leviathanstheorie bei Schmidt unter Einbeziehung philosophischer Einflüsse wie Schopenhauer.

C. Der Leviathan als immer wiederkehrendes Motiv in der Weltliteratur: Betrachtung der Bedeutung des Motivs über das Werk Schmidts hinaus und seine Präsenz in anderen literarischen Traditionen.

Schlüsselwörter

Arno Schmidt, Leviathan, Mythologie, Weltbild, Thomas Hobbes, Arthur Schopenhauer, Atheismus, Kirchenkritik, Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Literaturgeschichte, Weltliteratur, Philosophie, Metaphysik, Existentialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die literarische und philosophische Verarbeitung des Begriffs "Leviathan" im Werk von Arno Schmidt, insbesondere in seiner Erzählung "Leviathan oder die beste der Welten".

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die mythologische Herkunft des Leviathans, die Rezeption staatsphilosophischer Ansätze (Hobbes) sowie die kritische Auseinandersetzung mit Religion und moderner Weltgeschichte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel besteht darin, aufzuzeigen, wie Schmidt den Leviathan als literarisches Mittel nutzt, um ein pessimistisches Weltbild zu entwerfen und die Verantwortung der Menschheit für ihr Handeln zu betonen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit folgt einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die primäre literarische Quellen mit philosophischen und theologiegeschichtlichen Kontexten vergleicht.

Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die mythologische Herleitung, den politischen Kontrast zu Hobbes, die philosophische Fundierung durch Schopenhauer sowie die atheistische Kritik des Autors.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?

Schlüsselbegriffe wie "Leviathan", "Schopenhauer-Rezeption", "Atheismus" und "Antireligiöse Haltung" stehen im Zentrum der Argumentation.

Wie positioniert sich Schmidt laut der Arbeit zum Staat?

Die Arbeit zeigt, dass Schmidt – im Gegensatz zu Hobbes – den Staat als Institution ablehnt, insbesondere vor dem Hintergrund des Machtmissbrauchs während der NS-Zeit.

Welche Bedeutung haben die "guten Geister" in Schmidts Weltbild?

Sie repräsentieren pazifistische Intellektuelle, die den zentralen Widerspruch in Schmidts Weltbild bilden, da sie trotz der Allmacht des Leviathans Hoffnung auf Korrektur oder Widerstand eröffnen.

Warum bezieht sich Schmidt in seiner Erzählung auf das Buch Hiob?

Die Anspielung dient dazu, die Aussichtslosigkeit der menschlichen Existenz zu untermauern und das pessimistische Weltbild der Ich-Figur zu spiegeln, die eine Welt ohne den Menschen als erstrebenswerter ansieht.

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Details

Title
Arno Schmidts "Leviathan" - Mythologie und Weltanschauung
College
University of Bamberg
Grade
1,5
Author
Felix Brenner (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V56533
ISBN (eBook)
9783638511889
ISBN (Book)
9783638792288
Language
German
Tags
Arno Schmidts Leviathan Mythologie Weltanschauung Altes Testament Bibel Thomas Hobbes die Beste der Welten RAF Andreas Baader Paul Auster Julien Green
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Felix Brenner (Author), 2006, Arno Schmidts "Leviathan" - Mythologie und Weltanschauung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56533
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