Die Geschichte der Schönheit


Hausarbeit, 2005
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Die Geschichte der Schönheit
2.1 Antike - Der Schönheitsbegriff der Künstler und Philosophen
2.2 Mittelalter
2.2.1. Der Schönheitsbegriff im Mittelalter
2.2.2. Proportion
2.2.3. Vollständigkeit, Glanz und Farbe
2.2.4. Monster
2.3 Renaissance – Die Idee der gesteigerten Wirklichkeit
2.4 Barock - Die Suche nach neuen Ausdrucksformen
2.5 Vom Klassizismus bis zur Gegenwart
2.5.1 Die dramatische Schönheit
2.5.2 Die andere Seite des Schönen
2.5.3 Das Zeitalter der Bourgeoisie
2.5.4 Vorboten des neuen Geschmacks – der Art Nouveau
2.5.5 Das 20. Jahrhundert

3. Resümee

4. Literatur

1.Einführung

Die vorliegende Hausarbeit resultiert aus dem Seminar „Das Schöne und das Argument“, welches im vergangenen Wintersemester stattgefunden und einen Überblick über die Geschichte der Ästhetik gegeben hat. Diskutiert wurden in diesem Seminar vor allem Fragestellungen wie: „Was ist schön?“ -„Was ist Kunst?“.

Diese zu beantworten fiel in den meisten Fällen schwer, denn zum einen wird das Wort „schön“ vielfach völlig gedankenlos verwendet, sobald uns ein Gegenstand, etwas Lebendiges, Gesagtes oder Geschriebenes als ansprechend erscheint, zum anderen gründet sich das heutige Verständnis von Kunst zumeist auf persönliche Präferenzen, wodurch die Diskussion häufig zu einem bloßen Meinungsaustausch degradiert wird.

In dieser Arbeit sollen die eingangs gestellten Fragen unter Berücksichtigung der historischen Betrachtungsweisen von Schönheit im Mittelpunkt stehen. Anhand eines chronologisch geschichtlichen Abrisses werden die jeweiligen Schönheitsideale und -begriffe vorgestellt. Die bedeutendsten Aussagen und Ansichten von Zeitzeugen sollen aufgezeigt und erläutert werden. Das Hauptaugenmerk soll hierbei sicherlich auf die Philosophie gerichtet werden, aber auch die Kunstgeschichte und einige der wichtigsten Vertreter werden einbezogen.

Durch die immense Komplexität des Themas können bestimmte Aspekte nur am Rande erwähnt werden; Die Schwerpunktsetzung orientiert sich vielmehr an den persönlichen Vorlieben der Verfasserin. Mit besonderer Ausführlichkeit werden daher in dieser Arbeit der Schönheitsbegriff und das Verständnis vom Schönen im Mittelalter behandelt. Hierbei reichen die Ausführungen von einer einführenden Erklärung bis hin zu einzeln erläuterten Beispielen.

In der Hauptsache orientiere ich mich an Umberto Ecos „Die Geschichte der Schönheit“, ausführlichere Betrachtungen stützen sich dabei aber auch auf weitere Literaturhilfen.

2. Die Geschichte der Schönheit

Mit dem folgenden historischen Überblick werden die jeweiligen Schönheitsideale der einzelnen Epochen vorgestellt. Die hohe Bandbreite der Betrachtungsweisen zu kennen ist Voraussetzung für das Verständnis von Schönheit von der Antike bis heute.

2.1 Antike -Der Schönheitsbegriff der Künstler und Philosophen

Im antiken Griechenland findet sich keine eigene Ästhetik oder Theorie der Schönheit. Letztere wurde vielfach mit anderen Eigenschaften gleichgesetzt. Das griechische Wort kalón, welches häufig mit „schön“ übersetzt wird, bezeichnet noch vielmehr als das, was nach unserem heutigen Verständnis als „schön“ gilt.[1] Nicht nur die Befriedigung des ästhetischen Empfindens spielt hier eine Rolle. Bei einem Menschen ist nicht nur das Äußere, sondern auch die Beschaffenheit des Charakters ein wichtiges Kriterium, um ihn als „schön“ zu bezeichnen. Diese Eigenschaften sind aber nicht nur mit dem Auge zu erfassen, sondern bedingen eine weitaus intensivere Beschäftigung des „Betrachters“, als nur den Blick über das Objekt schweifen zu lassen.

Dieser Schönheitsbegriff ist wiederum wandelbar, wenn man sich mit verschiedenen Künsten beschäftigt. In der Dichtung ist „schön“ gleichzusetzen mit der Begeisterung der Zuhörer, in der Rhetorik mit dem richtigen Rhythmus und in der Bildhauerkunst ist sie das Verhältnis der Maße und die Symmetrie der Teile.[2]

Eine klarere Definition von Schönheit bildet sich im Zeitalter des Perikles heraus. Die siegreichen Kriege gegen die Perser sind die ausschlaggebenden Ereignisse, die der Kunst einen enormen Antrieb verschafften. Die von den Gegnern zerstörten Tempel und Kunstwerke mussten wieder aufgebaut werden, denn sie dienten der Machtrepräsentation Athens. Diese Maßnahmen und die außergewöhnliche Förderung, die Perikles den Künstlern zuteil werden ließ, sorgten für einen immensen Fortschritt der griechischen Bildhauer und Maler. Dazu kommt die außergewöhnliche technische Entwicklung der Künstler Griechenlands.

Aber nicht nur in der Praxis widmete man sich dem Thema Schönheit. Auch auf philosophischer Ebene war man bemüht, eine einheitliche Definition des Schönen zu entwickeln. Platon beschäftigte sich ausgiebig mit der Einordnung der künstlerischen Tätigkeiten. In der Memorabilia des Xenophon findet sich die Schönheit durch Sokrates kategorisiert. Er unterscheidet die ideale Schönheit, die die Natur durch die Zusammensetzung ihrer Teile darstellt, die geistige Schönheit, den Ausdruck der Seele durch den Blick, und die nützliche, funktionale Schönheit.

ferner werden auch die Menschen in derselben Weise und in derselben Hinsicht

schön und gut genannt; in derselben Hinsicht erscheinen auch die Menschen körperlich schön und gut, in derselben Hinsicht wird ferner auch alles übrige, dessen sich die Menschen bedienen, als schön und gut betrachtet, nämlich in Hinblick auf den Zweck, zu dem es gut brauchbar ist. Ist denn nun auch, erwiderte jener, ein Mistkorb etwas Schönes? Ja, […] denn alles ist gut und auch schön im Hinblick darauf, wofür es sich gut eignet, jedoch schlecht und hässlich im Hinblick darauf, wofür es sich schlecht eignet.[3]

Im Laufe der Jahrhunderte wurde aber der weitaus komplexere Schönheitsbegriff des Platon weiterentwickelt. Platon verstand Schönheit als Harmonie und Proportion der Teile, abgeleitet von Pythagoras, und Schönheit als Glanz, ausgeführt im Phaidros.

2.2 Mittelalter

2.2.1. Der Schönheitsbegriff im Mittelalter

Wichtig für das Verständnis dessen, was im Mittelalter als „schön“ galt, ist das Verstehen des gänzlich konträren Schönheitsbegriffes. In der modernen „Ästhetik“ fallen die beiden Definitionen des metaphysischen Begriffs des Schönen und der Kunsttheorie zusammen. Im Mittelalter wird zwischen Beidem jedoch unterschieden. Mit Kunsttheorie ist im Mittelalter eine Summe theoretischer Überlegungen gekennzeichnet. Es wurde unterschieden zwischen den „freien Künsten“, zu denen man die Dichtung, Musikkomposition und – in gewissem Maße - auch die Architektur zählte und den „mechanischen Künsten“. Unter Letztere fallen die Malerei, die Skulptur und die Musikausübung. Der mittelalterliche Begriff „ars“ (Kunst) war sehr viel umfassender als der moderne. Zwischen den mittelalterlichen Vorstellungen vom Schönen und der modernen „Ästhetik“ herrschen also beträchtliche Unterschiede. Zudem muss an dieser Stelle bemerkt werden, dass der Begriff „Ästhetik“ erst im 18. Jahrhundert aufgetreten ist. Wird gemeinhin von einer „mittelalterlichen Ästhetik“ gesprochen, handelt es sich demnach um einen begrifflichen Fehler. Das mittelalterliche Denken kannte noch nicht die Verbindung der Definitionen Sinneswahrnehmung, Kunst und Schönheit, wofür Baumgarten den Begriff der „Ästhetik“ wählte, und der seitdem in diesem Sinne verwendet wird.[4]

Im Mittelalter sind die philosophischen Theorien des Schönen, der Kunsttheorie und die Theorie der sinnlichen Wahrnehmung noch streng voneinander getrennt. Im heutigen Sprachgebrauch bezeichnet „Ästhetik“ alles, was die Kunst, das Schöne und das „sinnlich Gegenwärtige“[5] betrifft. Jedoch benennt man so Probleme und Begriffe, die im Mittelalter nicht mit dem gleichen Terminus umschrieben wurden. Das Schöne, wie wir es heute verstehen, beschreibt den subjektiven menschlichen Ausdruck, es ist eine die menschlichen Werke bestimmende Eigenschaft. Für den mittelalterlichen Menschen jedoch war Schönheit eine objektive Eigenschaft des Seins an sich. Der Mensch konnte diese Eigenschaft aufdecken, aber nicht hervorbringen. „Vom Menschen geschaffene Dinge konnten nur an der Schönheit teilhaben, wenn sie sich den in der Welt vorhandenen Dingen anglich.“[6] Was wir heute als Kunstwerk bezeichnen, war im Mittelalter ein zu einem nützlichen Zweck geschaffenes Ding. Es stellte keine eigene Kategorie dar. Aber was bedeutete Kunst im mittelalterlichen Denken? Der moderne Begriff der Kunst meint die menschliche Tätigkeit, „die auf der Kategorie des ästhetischen gründet und ihre Erfüllung in der Schönheit findet.“[7] Kunst kennzeichnet eine menschliche Tätigkeit, die einen subjektiven sinnlichen Ausdruck schaffen will. Dieser Kunstbegriff ist dem Mittelalter fremd. Im Mittelalter unterschied man streng zwischen den so genannten „artes liberales“, den freien Künsten, und den „artes mechanicae“, den mechanischen Künsten. Im ersten Fall entspricht „ars“ (Kunst) dem heutigen Terminus der Wissenschaft. Die sieben „freien Künste“ unterteilten sich in das Trivium (die „redenden artes“) – Grammatik, Rhetorik und Dialektik – und das Quadrivium (die vier pythagoreischen Wissenschaften) - Musik, im Sinne von rationaler Harmonielehre, Arithmetik, Geometrie und Astronomie. Diese „Wissenschaften“ bildeten die Grundlagen des mittelalterlichen Lehrbetriebes. Die Bezeichnung „freie Künste“ erhielten diese durch die Personen, welche sie ausübten. Nur ein freier, das heißt finanziell unabhängiger Mann, konnte sie ausführen. Unter die „artes mechanicae“, auch mit minores (niedere) oder sordidae (schmutzige) bezeichnet, fasste man die Architektur (das Handwerk), die Medizin, die Mechanik und die Malerei. Sie lassen sich mit der heutigen Definition von Technik umschreiben.

Die „artes liberales“ waren also geistige Tätigkeiten - rein theoretischer Natur - während die „artes mechanicae“ der Befriedigung der materiellen Bedürfnisse dienten. Eine Sonderstellung nahm die Architektur ein. Sie galt als Verbindung von Wissenschaft und Technik. Diese Einteilung ist zum Großteil aus der Antike übernommen.[8]

Durch diese Auffassung kam es im Mittelalter niemals zu einer Unterscheidung von Kunstschönem und Nützlichem. Sie bedingten sich vielmehr gegenseitig. Schönheit bezog sich auf die Einheit eines „opus artificiale“. Schönheit war das Werk, das als Objekt vom Standpunkt des Betrachters aus gesehen wurde und nicht als der subjektive Ausdruck des Künstlers. Schönheit war immer der Bestimmung, der Bedeutung und dem Zweck des Gegenstandes untergeordnet. Thomas von Aquin macht dies deutlich, indem er eine gläserne Säge als Beispiel anführt. Obwohl das Material als schön gelten kann, so ist es doch nicht dem Zweck dienlich, und der Gegenstand somit nicht als „schön“ zu bezeichnen. „Ordo partium in toto“, also die richtige Anordnung der Teile im Ganzen, lässt sich hier nicht verwirklichen. Damit wäre ein weiterer Aspekt der mittelalterlichen Auffassung von Schönheit angeführt. Denn schon die Wahl des Materials entschied darüber, ob ein Gegenstand als „schön“ bezeichnet werden durfte.[9] Ein Kunstwerk wurde des Weiteren auch nach seiner moralischen Zielsetzung als „schön“ bezeichnet.

„Entscheidend für die Schönheit eines Kunstwerkes war nicht seine Fähigkeit, den Beschauer die anderen Gedanken und Interessen vergessen zu lassen, sondern gerade das Vermögen, sie wachzurufen und in höchste Spannung zu versetzten. In dieser äußersten Anspannung aller Interessen bestand die letzte Zweckbestimmung, der >anagogische Sinn<. Er verlieh der Kunst die Macht, die Menschen den superne cose (den höchsten Dingen) gegenüberzustellen.“[10]

Die Kunst war demnach auch ein Vermittler zwischen Religion und dem einfachen Volk, das häufig nicht lesen konnte und durch die Betrachtung der Darstellungen in geistliche Dimensionen eintauchen konnte. Man betrachtete ein Kunstwerk also nicht nur des Gefallens wegen, sondern um darin einen tieferen, geistlichen Sinn finden zu können.

[...]


[1] Eco, Umberto, Die Geschichte der Schönheit, München/Wien 2004, S.39

[2] Ders., S. 41

[3] Xenophon, Memorabilia – Erinnerungen an Sokrates, III,8,10

[4] Assunto, Rosario, Die Theorie des Schönen im Mittelalter, 2. Aufl. – Köln, 1996, S. 17

[5] Ders., S. 18

[6] Ders., S. 19

[7] Assunto, Rosario, S. 19

[8] Eco, Umberto, Kunst und Schönheit im Mittelalter, München/Wien, 1991, S. 16

[9] Assunto, Rosario, S. 31

[10] Ders., S. 35

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Geschichte der Schönheit
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Vorlesung
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V56598
ISBN (eBook)
9783638512398
ISBN (Buch)
9783640857142
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit gewährt einen Einblick in die Disziplin der Ästhetik und deren Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart.
Schlagworte
Geschichte, Schönheit, Vorlesung
Arbeit zitieren
Sabine Psykalla (Autor), 2005, Die Geschichte der Schönheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56598

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Geschichte der Schönheit


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden