Wie die Schlange zum Teufel und die Frau zur Schlange wurden


Hausarbeit, 2005

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Formalien

Gliederung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Eidesstattliche Erklärung

1. Vorwort

2. Wie die Schlange zum Teufel wurde
2.1 Zur Geburt und Entwicklung des Teufels in den religiösen Schriften
2.2 Zum problematischen Gehalt der biblischen Paradiesgeschichte
2.3 Ein kurzer Vergleich der Paradiesgeschichten in Koran und Bibel
2.4 Gibt es eine Verbindung zwischen dem teufel und der Schlange aus dem paradies?

3. Wie die Frau zur Schlange wurde
3.1 Zum Ursprung der Lilith – Figur
3.2 Die Wandlung der Lilith von der ersten Frau Adams zur Dämonin
3.3 gibt es eine verbindung zwischen Lilith und der Schlange aus dem paradies?

4. Zusammenfassung

1. Vorwort

Schon seit Anbeginn der Zeit, des menschlichen Denkens, war auch das Böse allgegenwärtig. In allen Kulturen fanden sich letztlich dämonische Wesen wieder, mit deren Hilfe die Menschen Unerklärliches erklärten, denen Leid, Tod und die endlosen Dramen der menschlichen Schwächen und Probleme zugeordnet und damit plausibel gemacht wurden. Demzufolge projizierten die Menschen alles, was ihnen als bedrohlich und feindlich erschien, seien es Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Überschwemmungen, die ihre Wohnstätten und Ernten vernichteten oder kriegerische Völker, auf eingebildete, teuflische Wesen, um ihnen den Schrecken des Unheimlichen, Nichterklärbaren zu nehmen, gegen den sie sich in keinster Weise wehren konnten.

Auch die religiösen Schriften der Bibel und des Korans griffen den Glauben an diese Wesen auf und gaben ihnen eine Hülle. Nämlich die des Teufels, Satans oder auch Ilbis genannt, der die Menschen verführt und dem das gesamte Leid der Welt zugeschrieben wird. Eine weitere Verkörperung des Bösen ist die Figur der Lilith, ein weiblicher Dämon[1] aus der jüdischen Mythologie, der wegen seiner lautlichen Nähe seines Namens zum hebräischen Wort „lajil“ als Nachtgespenst charakterisiert wird[2].

Das Ziel dieser Seminararbeit ist es, unter Bezugnahme auf die Paradiesgeschichte und den Lilith – Mythos, zu dokumentieren, wie die Schlange zum Teufel und die Frau zur Schlange wurden. Als Grundlage dafür, soll im ersten Teil dieser Arbeit geklärt werden, wie der Satan vom Engel (Luzifer oder Samael) zum Herrn der Unterwelt wurde und welchen Einfluss er auf das Geschehen im Paradies, also auf Adam und Eva, hatte. Des Weiteren wird in diesem Zusammenhang auch die Figur der Schlage aus dem Sündenfall betrachtet. Ist sie lediglich ein Tier, welches nur listiger ist als die Anderen, oder muss ihr eine tragendere Rolle, nämlich die, des Symbols des Satans zugesprochen werden? Um eine mögliche Erklärung für diese Frage zu finden, soll auf die sich ähnelnden Paradiesgeschichten in Koran und Bibel eingegangen, die Stellung des Satans in Bezug auf Gott näher erläutert, sowie eine kurze Darstellung der Schlangensymbolik in verschiedenen älteren Kulturen gegeben werden, um die Gleichsetzung von Schlange und Teufel zu erklären.

Im Anschluss daran wird eine weitere Interpretation der Identität der Schlange aus dem Sündenfall betrachtet und die Frage erörtert, wie die Frau zur Schlange wurde. Im Mittelpunkt der Betrachtung stehen hier die Figur der Lilith, die im Koran als die erste Frau Adams beschrieben wird und ihr Verhältnis zu Eva und Gott selbst. Um die Wichtigkeit der Lilith noch weiter zu unterstreichen, soll zunächst auf ihren Ursprung im babylonischen Volksglauben eingegangen und die weiteren Entwicklungen der Figur über die Rolle in der hebräischen Mythologie, besonders in der Paradiesgeschichte des Korans, bis hin zur Metamorphose der Lilith zur Dämonin und zur Gefährtin des Samaels beschrieben werden.

2. Wie die Schlange zum Teufel wurde…

2.1 Zur Geburt und Entwicklung des Teufels in den religiösen Schriften

Hört man die Bezeichnungen Luzifer, Satan, Samael, Diabolo, der Fürst der Hölle oder der Teufel selbst, steht einem ein völlig klares Bild von einem grauenerregenden geflügelten Ungeheuer mit unnatürlicher Haut, Pferdefuß, langen Krallen und Hörnern vor Augen. Diese Vorstellung vom Herrscher über das Böse in der Welt kam aber erst recht spät, nämlich im Mittelalter, auf. Die erste Darstellung des Satans befindet sich in einer ägyptischen Kirche aus dem 6. Jahrhundert.[3] Hier findet man aber keine diabolischen Ungeheuer. Der Satan, als gefallener Engel, ist lediglich gekennzeichnet durch ein ironisches Lächeln und Krallen. Auch in folgenden Verbildlichungen tritt der Satan mit seinen Anhängern nicht als Monster auf, sondern noch als Verführer, die nichts Schreckenhaftes oder gar Hässliches an sich haben. Diese frühen Darstellungen unterstreichen auch den Ursprung des Satans, oder des Luzifers („Bringer des Lichts“) im christlichen Glauben. So soll der Name des Teufels Luzifer gewesen sein, bevor er aus dem Himmelreich auf die Erde hinabstürzte.

Nach christlichem Glauben soll Luzifer genau wie die anderen Diener Gottes bei der Erschaffung der Welt entstanden sein. Dieser Engel, im Alten Testament auch „strahlender Morgenstern“ genannt, war jedoch zu sehr von sich selbst überzeugt und versuchte sich über Gott zu stellen. Dies führte jedoch dazu, dass Luzifer mit seinem Engelsgefolge aus dem Himmel hinab auf die Erde geworfen wurde, um nun das Böse als Gegenpol zum Guten und zu Gott zu verkörpern. Dieser Engelssturz selbst wird aber in der Bibel nicht ausdrücklich erwähnt. Es gibt jedoch Quellen, wie Lk 10,18 oder Jud 6, die eine solche Auseinandersetzung im Himmel voraussetzen. Lediglich in der Offenbarung des Johannes wird von einem Kampf zwischen dem Erzengel Michael und einem großen Drachen, der auch Teufel oder Satan genannt wird, berichtet, wobei der Drache mit seinen Engeln auf die Erde gestürzt wird[4].

Einen klar umrissenen Mythos gibt es in diesem Fall jedoch nicht. So heißt es zum Beispiel auch, dass das Böse durch die Sünde der Engel in die Welt gekommen sei, als diese sich irdische Frauen nahmen und durch diese Verbindung Riesen gezeugt wurden, die dann die Bosheit in die Welt brachten. Als dies im Himmel bekannt wurde, sperrte man die unzüchtigen Engel an einem finsteren Ort ein und die Riesen wurden getötet. Aus ihrem Fleisch sollen dann die bösen Geister entstanden sein[5].

Geschichten dieser Art gibt es viele. Die christliche Kirche verwies letztlich aber auf die Theorie, Luzifer hätte sich über Gott gestellt und aus Stolz und Hochmut auch die Menschen verführt. Indem er ihnen in Gestalt der Schlage vorlog: „Ihr werdet sein wie Gott“[6], hat er die Menschen in seinen Sturz einbezogen.

Dieses Motiv des Hochmuts wurde auch im Koran vermittelt, wo der Diener Gottes, Ilbis, auf die Erde verbannt wurde, weil er sich nicht wie die anderen Engel vor Adam verbeugen wollte, da dieser nur aus Lehm gefertigt war. Durch diesen Frevel wurde der damalige Engel Ilbis zum Bösen, der von nun an Schaitan genannt wurde, was vermutlich identisch ist mit dem hebräischen Satan (hebr. ha-satan = der Widersacher/Ankläger).

Der Name Satan selbst taucht zum ersten Mal im Buch Hiob auf. Hier gilt er aber noch als ein Diener Gottes, der nicht als Gegenpol, sondern als wirkender Engel Gottes auftritt, und von diesem eine spezifische Aufgabe zugewiesen bekommt:

„Nun begab es sich eines Tages, dass die Gottessöhne kamen, sich vor dem Herrn zu stellen, und es kam auch der Satan in ihrer Mitte“[7]. Satan ist hier kein Feind des Guten an sich. Er beinhaltet als Vollstrecker des göttlichen Zorns lediglich die Aufgabe der Prüfung und der Bestrafung der Menschen.

Erst nach dem Aufkommen des Dualismus von Gut und Böse wird auch die Wandlung Satans von Gottes Diener zu dessen Gegenspieler vollzogen. Im Buch der Weisheit wird Satan zum ersten Mal mit dem Namen Teufel betitelt und erst hier kommt sein angeblich böses, versündigtes Wesen ans Licht, da Salomon von ihm behauptet: „Aber durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt“[8]

Das Ende des Teufels ist in Koran und Bibel das Gleiche. Nach einer Zeit des Aufschubs, die Gott dem Teufel gewährte, wird über ihn, zusammen mit seinen Dämonen und menschlichen Anhängern, am Tag des jüngsten Gerichts, der Apokalypse, gerichtet. Nach der Offenbarung des Johannes wird der Satan nach seinem letzten Gefecht mit Christus, dem Messias, „in den See des Feuers und Schwefels geworfen, wo auch das Tier und der falsche Prophet sind, und sie werden gepeinigt werden Tag und Nacht in alle Ewigkeit.“[9]

2.2. Zum problematischen Gehalt der biblische Paradiesgeschichte

Die Genesis 1-3 aus dem 1. Buch Mose behandelt die Erschaffung der Welt, der Menschen und den Südenfall. Somit stellt sie den Beginn der biblischen Geschichten dar. Allerdings wird dem Leser schon zu Beginn das Gefühl vermittelt, es handele sich bei Genesis 1 und 2 um zwei verschiedene Geschichten, die laut Kritikern nur unabhängig voneinander betrachtet werden sollen.

Auch scheint der Schöpfer selbst nicht die einzige logisch denkende Figur bei der Schöpfung zu sein. Es scheint, als berät er die Schaffung der Menschen mit anderen. „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich“[10]. Wie verabredet entstehen nun zwei Menschen, ein Mann und eine Frau, die die Aufgabe erhalten, die Erde zu bevölkern und zu beherrschen. Von Verboten, Paradies oder einem problematischen Verhältnis zwischen Mann und Frau ist keine Rede. Alle Wesen leben hier in friedlicher Eintracht. Auch der Name Adam ist nicht direkt der Name des Menschen, sondern lediglich die Bezeichnung der Gattung Mensch. Die Genesis 1 wird geschlossen von dem positiven Gedanken Gottes: „Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“[11]

Die nun folgende Genesis 2 stellt einen Bruch in der Geschichte dar. Dem Leser wird das Gefühl vermittelt, wieder an den Anfang versetzt worden zu sein. Die Geschichte erzählt die Erschaffung der Welt von Gott. Noch gibt es jedoch weder Pflanzen oder Tiere, noch ist der Mensch bereits erschaffen worden, da Gott es noch nicht regnen ließ. Da folglich kein Ackerbau möglich ist, ist auch die Anwesenheit des Menschen noch nicht erforderlich. Erst als ein Wasserschwall die Erde überflutet, bildet Gott den Menschen aus Ackerboden und haucht ihm das Leben ein. Hier ist nun keine Rede mehr von anderen Anwesenden bei der Schöpfung. Gott ist allein. Auch dass der Mensch nach Gottes Bild und gar als Paar geschaffen wurde, wie alle anderen Wesen auf der Erde, wird nicht angesprochen.

Als diese Schöpfung abgeschlossen ist, wechselt die Umgebung. Der Garten Eden mit all seinen Pflanzen und Tieren wurde von Gott für den Menschen geschaffen. Nun erhält Adam die Aufgabe, alle von Gott erschaffenen Dinge zu benennen. Da er aber kein Lebewesen findet, welches zu ihm passt, wird die Frau von Gott aus Adams Rippe geformt. Sie ist also nicht aus Erde gemacht, sondern ein Teil des Mannes. Auch den Namen Eva erhält sie erst später. Zunächst wird sie benannt nach dem, aus dem sie gemacht wurde. Aus dem Mann gemacht, wird sie Männin genannt.

Bei der Erschaffung von Eden wurde auch zwei Bäume geformt, die mit einem Verbot behaftet sind: „Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Von allen Bäumen im Garten darfst du essen, nur von dem Baume der Erkenntnis des Guten und des Bösen, von dem darfst du nicht essen; denn sobald du davon issest, musst du sterben.“[12] Ob es sich hierbei aber um zwei verschiedene oder um ein und denselben Baum handelt, ist umstritten. Allerdings ist es durchaus schlüssig anzunehmen, dass es sich um zwei verschiedene Bäume handelt, worauf auch am Ende von Genesis 2 hingewiesen wird, als Gott den Baum des Lebens von Cheruben[13] bewachen lässt, damit die Menschen nicht auch noch dessen Früchte essen und die Unsterblichkeit zurück erlangen. An dieser Stelle werden die Grundsteine für die Dramatik und die bevorstehende Katastrophe, mittels der Erschaffung der Frau und des Verbotes, bereits gelegt.

[...]


[1] Ein vorwiegend böser Geist, der in der Hierarchie meist zwischen Menschen und Göttern steht und über einen bestimmten Bereich der Welt gebietet.

[2] Stichwort „Lilith“. In: MICROSOFT Encarta Enzyklopädie 2000

[3] Stichwort „Luzifer“, In: Krauss, Heinrich 2004. Kleines Lexikon der Engel

[4] Stichwort „Luzifer“. In: MICROSOFT Encarta Enzyklopädie 2000

[5] Siehe Buch Henoch

[6] Gen 3, 1-7

[7] Hiob 1,6

[8] Weish. 2, 24/ 25

[9] Off. 20, 10

[10] Gen 1, 26

[11] Gen 1, 31

[12] Gen 2, 16 - 17

[13] Im alten Orient und im A.T. geflügelte Fabelwesen. Meist mit Tierleid und Menschenantlitz, später weiterentwickelt zu Engeln.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Wie die Schlange zum Teufel und die Frau zur Schlange wurden
Hochschule
Universität Erfurt
Veranstaltung
Das Böse - eine Spurensuche in Literatur und Kulturgeschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
24
Katalognummer
V56623
ISBN (eBook)
9783638512619
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Ein Problemaufriss unter Bezugnahme auf die Schöpfungsgeschichte und den Lilith - Mythos
Schlagworte
Schlange, Teufel, Frau, Böse, Spurensuche, Literatur, Kulturgeschichte
Arbeit zitieren
Sandy Penner (Autor), 2005, Wie die Schlange zum Teufel und die Frau zur Schlange wurden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56623

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