In einem Wettstreit um die vielfältigste musikalische Ausdrucksmöglichkeit würde die menschliche Stimme mit Leichtigkeit vor allen anderen Musikinstrumenten gewinnen. Dies ist umso bemerkenswerter, da der gleiche Apparat auch noch für ganz andere Zwecke wie zum Atmen und Essen hervorragend geeignet ist. Obwohl wir unsere Stimme täglich nutzenbeim Reden, Lachen, Flüstern, Flirten, Schreien usw. - wissen wir doch recht wenig über ihre Anatomie und Funktionsweise. Wir benutzen sie ständig, ohne über sie nachzudenken: sie ist einfach da. Schon mit dem ersten Schrei, wenn wir als Baby geboren werden, gebrauchen wir sie im Reflex. Später lernen wir Wörter und setzten unsere Stimme als Instrument jeglicher Verständigung ein. Wie aber entsteht die Stimme und wo? Der Sprachapparat ist ein äußerst komplexes biologisches System, an dem mehrere Organe und Muskeln beteiligt sind und der einer äußerst diffizilen neuronalen Steuerung und Regelung unterliegt. Ich möchte im ersten Abschnitt zunächst etwas genauer auf die Anatomie der Stimme eingehen, um danach zur Spracherzeugung zu kommen. Weiterhin werde ich mich mit besonderen stimmlichen Erscheinungsformen beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Anatomie der Stimme
1.1 Die Lunge und die Luftröhre
1.2 Der Kehlkopf
1.2.1 Die Stimmlippen
1.3 Die Resonanzräume
1.3.1 Das Ansatzrohr
2 Erzeugung der Stimme
2.1 Die drei Grundformen der Glottis
2.1.1 Abduction
2.1.2 Adduction
2.1.3 Flüsterstellung
2.2 Phonation
3 Die Sprachlaute
3.1 Entstehungsart der einzelnen Laute
3.1.1 Verschlusslaute
3.1.2 Reibelaute
3.1.3 Andere Konsonanten
3.1.4 Reine Vokale
3.1.5 Doppelvokale
3.2 Entstehungsort der einzelnen Laute
4 Das Klangbild der Stimme
4.1 Formanten
4.1.1 Vokalformanten
4.1.2 Sängerformanten
5 Besondere stimmliche Erscheinungsformen
5.1 Kastratenstimme
5.2 Bauchrednen
5.3 Human Beatboxing
5.4 Obertongesang
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit widmet sich der systematischen musikwissenschaftlichen Untersuchung der menschlichen Stimme unter akustischen und anatomischen Gesichtspunkten. Ziel ist es, die komplexen biologischen und physikalischen Prozesse von der Tonerzeugung im Kehlkopf bis hin zur artikulierten Sprachlautbildung und Klangformung zu erläutern.
- Anatomischer Aufbau des menschlichen Stimmorgans
- Physikalischer Prozess der Phonation (Stimmbildung)
- Akustische Grundlagen der Sprachlaute und Artikulation
- Bedeutung von Formanten für das Klangbild der Stimme
- Analyse besonderer stimmlicher Phänomene und Techniken
Auszug aus dem Buch
1.2.1 Die Stimmlippen
Durch Bewegung der sich im Kehlkopf befindlichen Stimmlippen, zwei horizontal von vorn nach hinten verlaufende segelartige Ausstülpungen der Larynxschleimhaut, die von den Seiten her in die lichte Öffnung des Kehlkopfes hineinragen, entsteht der Stimmklang. Die Stimmlippen setzen an der Innenseite des Schildknorpels an und verlaufen weiter zu dem dreh- und kippbaren Stellknorpel. Sie bestehen hauptsächlich aus dem Stimmband, dem Vokalismuskel (lat. M. vocalis) und der darüber bzw. darunter befindlichen umhüllenden Schleimhaut. Ihre inneren Ränder, die überwiegend aus elastischen Fasern bestehen, bezeichnet man als Stimmbänder.
Je nachdem, wie die Stimmlippen stehen, beeinflusst das die Größe und den Luftstrom aus der Stimmritze (lat. Glottis). Die beiden mit den Stimmlippen verbundenen Stellknorpel ermöglichen, dass sich zwei Bewegungsvariationen der Stimmlippen unterscheiden lassen. Zum einen die respiratorische Beweglichkeit: hier ist „die relativ grobe Öffnungsbewegung für die Einatmung und die Schließbewegung gemeint, die zum Aneinanderlegen der Stimmlippen führt und verschiedene Funktionen ermöglicht: Stimmgebung, Hustenstoß, aber auch Pressverschluss.“ (Seedorf 2005:1414) Zum anderen gibt es die phoniatrische Beweglichkeit, die sich auf die feinen Schwingungsbewegungen am Stimmlippenrand während der Phonation beziehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Anatomie der Stimme: Dieses Kapitel erläutert die anatomischen Voraussetzungen der menschlichen Stimmgebung, insbesondere die Funktionen von Lunge, Kehlkopf und Resonanzräumen.
2 Erzeugung der Stimme: Hier wird der Prozess der Stimmbildung beschrieben, mit Fokus auf die verschiedenen Glottisstellungen und den myoelastisch-aerodynamischen Phonationsvorgang.
3 Die Sprachlaute: Das Kapitel behandelt die Artikulation, also die Umwandlung des Kehlkopfklangs in differenzierte Sprachlaute durch Veränderungen des Vokaltraktes.
4 Das Klangbild der Stimme: Dieser Abschnitt erklärt die physikalische Entstehung von Klangfarben und die Bedeutung von Formanten sowie spezifischen Sängerformanten für das Klangbild.
5 Besondere stimmliche Erscheinungsformen: Abschließend werden spezielle stimmliche Techniken und historische Phänomene wie die Kastratenstimme, Bauchrednerkunst, Human Beatboxing und Obertongesang betrachtet.
Schlüsselwörter
Stimme, Kehlkopf, Phonation, Artikulation, Anatomie, Akustik, Formanten, Resonanzräume, Sprachlaute, Stimmlippen, Stimmbildung, Obertongesang, Human Beatboxing, Kastraten, Bernoulli-Effekt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die physikalischen und anatomischen Grundlagen der menschlichen Stimme sowie deren Funktion als Musikinstrument und Verständigungsmittel.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Anatomie des Stimmorgans, der Prozess der Phonation, die Lautbildung (Artikulation), die Akustik der Klangfarben und verschiedene besondere stimmliche Erscheinungsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die komplexen biologischen Prozesse der Stimmgebung transparent zu machen und zu erklären, wie durch gezielte anatomische Einstellungen eine Vielfalt an musikalischen und sprachlichen Klängen erzeugt werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische musikwissenschaftliche Aufarbeitung der physiologischen und akustischen Literatur zur menschlichen Stimme.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die anatomische Beschreibung des Stimmorgans, die Erklärung des Phonationszyklus, die Differenzierung von Sprachlauten und die physikalische Analyse von Klangbildern mittels Formanten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Phonation, Anatomie, Artikulation, Formanten, Stimmlippen und Stimmbildung.
Wie unterscheidet sich die "respiratorische" von der "phoniatrischen" Beweglichkeit der Stimmlippen?
Die respiratorische Beweglichkeit bezieht sich auf die groben Öffnungs- und Schließbewegungen zum Atmen oder bei Reflexen, während die phoniatrische Beweglichkeit die feinen Schwingungen am Stimmlippenrand während der eigentlichen Tonbildung bezeichnet.
Warum ist der Bernoulli-Effekt wichtig für die Stimme?
Der Bernoulli-Effekt trägt wesentlich dazu bei, die Stimmlippen während der Phonation wieder zu schließen, indem er einen Sog erzeugt, der den durch den subglottalen Druck verursachten Luftstrom kompensiert.
Was ist der besondere Nutzen von Sängerformanten?
Sängerformanten verstärken bestimmte Frequenzbereiche in der Stimme, wodurch ausgebildete Sänger ihre Stimme gegenüber einem Orchester oder Hintergrundgeräuschen besser durchsetzen können.
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- Ulrike Becker (Author), 2006, Die menschliche Stimme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56649