Im Verlauf der Jahrtausende in denen der Mensch seine Kultur verändert und weiterentwickelt hat, spielten Symbole immer eine wesentliche Rolle. Symbole hatten nicht nur ihren festen Sitz innerhalb der verschiedenen religiösen Gemeinschaften, sondern auch innerhalb des alltäglichen Lebens. Die Menschen lebten daher sowohl mit, als auch durch die Symbole, da sie ihnen zumal als Wegweiser oder auch als Erklärungsmittel für ihr Leben dienten. Diese Zeiten haben sich allerdings sehr verändert. Heute spricht die Mehrzahl der Menschen Symbolen keine wesentliche Bedeutung zu. Dennoch kann man nicht sagen, dass die Kulturen in denen wir leben frei von Symbolen sind. Ganz im Gegenteil. Symbole begegnen uns auch heute noch an vielen Stellen des Gemeinschaftssystems, nur werden sie von dem Einzelnen nicht mehr so intensiv und aufmerksam wahrgenommen. Ein Beispiel für diesen Umstand lässt sich in den Medien, speziell in der Werbung erkennen. Die Werbung versucht sich dem Menschen oder potenziellen Käufer so darzustellen, dass sie als unabkömmlich erscheint und dies erreicht sie in vielen Fällen anhand von Symbolen. Hier trifft man beispielsweise häufig auf das Wort „Statussymbol“, obwohl dies den Charakter eines Symbols eigentlich nicht tatsächlich trifft. Es ist somit deutlich, dass auch der heutige Mensch noch stark von Symbolen beeinflusst wird, es nur nicht in dem Maße, in dem es wahrscheinlich nötig wäre, reflektiert. Die vorliegende Arbeit will sich daher, mit der Bedeutung von Symbolen für den Menschen auseinandersetzen. Dabei sollen Fragen erläutert werden, die sich sowohl mit dem Ursprung der Symbole als auch mit den möglichen Einflussbereichen auseinandersetzen sollen. Die Arbeit unterliegt einer Dreiteilung, wobei von dem allgemeinen Begriff des Symbols über die psychoanalytischen Thesen von Siegmund Freud und C.G. Jung’s Symbollehre eine Brücke bis zur Symboldidaktik innerhalb des Schulalltags aufgebaut werden soll. Im ersten Kapitel soll der Begriff des Symbols näher erläutert werden. Es soll zunächst etymologisch geklärt und ferner versucht werden den weiten Oberbegriff der Symbole in eine Definition zu fassen. Darauf folgend soll erörtert werden, wie groß die Bedeutung von Symbolen ist und wie sie sich auf das Leben des Einzelnen aber auch auf die Strukturen der Gemeinschaft ausübt.
Im zweiten Teil soll die übergeordnete Frage gestellt werden: woher Symbole kommen. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff des Symbols. Etymologische Erläuterung und mögliche Bedeutung für den Menschen
2.1 Etymologie des Terminus „Symbol“
2.2 Definition des Begriffs „Symbol“
2.3 Die Bedeutung von Symbolen und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen und die Gesellschaft
3. Woher kommen Symbole?
3.1 Die Symboltheorie bei Sigmund Freud
3.2 Die Symboltheorie bei C.G. Jung
3.3 Die aus der Betrachtung der unterschiedlichen psychoanalytischen Theorien resultierenden Bedeutungen für den Menschen
4. Die Symboldidaktik
4.1 Die Aufgaben der Symboldidaktik
4.2 Die Stärken der Symboldidaktik
4.3 Was kann Symboldidaktik bewirken?
5. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegende Bedeutung von Symbolen für den Menschen sowie deren pädagogisches Potenzial im schulischen Kontext. Ziel ist es, den Ursprung von Symbolen zu beleuchten, die psychoanalytischen Perspektiven von Freud und Jung kritisch gegenüberzustellen und die Möglichkeiten der Symboldidaktik zur Identitätsbildung und Sinnfindung aufzuzeigen.
- Etymologische und definitorische Annäherung an den Symbolbegriff
- Vergleichende Analyse der Symboltheorien von Sigmund Freud und C.G. Jung
- Stellenwert von Symbolen für die Lebenspraxis und gesellschaftliche Verortung
- Entwicklung, Aufgaben und Stärken einer schulpraktischen Symboldidaktik
- Förderung der Urteilsfähigkeit gegenüber säkularen und religiösen Symbolwelten
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Symboltheorie bei Sigmund Freud
Freuds Grundthese bezieht sich darauf, dass Symbolen für ihn etwas Pathologisches darstellen, von dem man den Menschen befreien muss. Genauer betrachtet sah er in ihnen einen Verschleierungsversuch der Psyche.
Freud ging davon aus, dass sich unter dem Druck bestimmter gesellschaftlicher Normen, triebhafte Impulse, welche nicht zugelassen werden durften, anhand einer symbolisch verschlüsselte Gestalt „dennoch zur Abfuhr ihrer Triebenergie [...] verhelfen“. In diesem Sinne ist auch das Traumsymbol bei Freud zu verstehen. Für ihn repräsentiert es „eine Triebregung des Unbewussten“. Diese kann auf Grund der bei der Erziehung erworbenen Normen und Wertvorstellungen nicht akzeptiert werden und wird somit verdrängt. Das Traumsymbol kann folglich nur „in Gestalt eines symbolischen Ersatzausdrucks bewusstseinsfähig werden und somit die Zäsur passieren“.
„Die sog. >Traumarbeit< (Verschiebung, Verdichtung, Verkehrung ins Gegenteil usw.) steht im Rahmen des Bemühens, anstößig und deshalb bewusstseinsunfähige Gegenstände und Szenen auf dem Wege der symbolischen Stellvertretung zu >entschärfen< und dadurch bewusstseinsfähig zu machen“.
Neben diesem Verdrängungsaspekt ging Freud ferner davon aus, dass lediglich die Beziehung zwischen Sachvorstellung und Wortvorstellung die Bezeichnung der symbolischen Beziehung verdiene. Diese Begrenzung hat aber zur Folge, dass die Symbolfunktion rein auf den Vorgang der Begriffsbildung eingeschränkt wird. Spätestens an dieser Stelle kommen nun Zweifel an der Glaubhaftigkeit der freudschen Symboltheorie auf. Denn wenn sich die Funktion der Symbole lediglich auf den logischen Vorgang, sich anstelle eines bestimmten Tisches, den Tisch an sich als Begriff vorzustellen bezieht, so wird die Kraft der Symbole stark unterschätzt, wie bereits im ersten Kapitel der Arbeit dargestellt werden konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische und gegenwärtige Bedeutung von Symbolen ein und begründet die Notwendigkeit einer bewussten Auseinandersetzung mit ihnen.
2. Der Begriff des Symbols. Etymologische Erläuterung und mögliche Bedeutung für den Menschen: Dieses Kapitel klärt die etymologischen Wurzeln und die Definition des Symbolbegriffs und diskutiert dessen fundamentale Rolle für die menschliche Lebensgestaltung.
3. Woher kommen Symbole?: Hier werden die konträren psychoanalytischen Ansätze von Freud und Jung analysiert, um den Ursprung und die Funktion symbolischen Handelns zu verstehen.
4. Die Symboldidaktik: Dieser Teil erörtert die Entwicklung einer schulpraktischen Symboldidaktik, ihre Lernstufen sowie ihre Möglichkeiten, Schüler bei der Identitätsfindung zu unterstützen.
5. Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass Symbole eine essenzielle Bereicherung für das menschliche Leben darstellen und durch didaktische Ansätze neu erschlossen werden sollten.
Schlüsselwörter
Symboldidaktik, Symboltheorie, Sigmund Freud, C.G. Jung, Psychoanalyse, Religion, Identitätsbildung, Symbolverständnis, Ästhetische Erziehung, Archetypen, Sinnstiftung, Lebenswelt, Kommunikation, Unbewusstes, Religionspädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung von Symbolen für den Menschen und der Frage, wie diese im schulischen Religionsunterricht didaktisch sinnvoll vermittelt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die etymologische Herleitung des Begriffs, die tiefenpsychologische Analyse durch Freud und Jung sowie die praktische Umsetzung einer Symboldidaktik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Symbole für das menschliche Dasein nicht krankmachend, sondern bereichernd sind und den Menschen helfen, ihre Umwelt und Identität besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche und theoriegeschichtliche Analyse, wobei verschiedene psychoanalytische und religionspädagogische Konzepte gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, den Theorienvergleich der Psychoanalyse (Freud vs. Jung) und die anschließende Diskussion zur Symboldidaktik im Schulalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Symboldidaktik, Symboltheorie, Identitätsbildung, Archetypen und die Bedeutung der Religion in einer pluralistischen Gesellschaft.
Warum lehnt die Arbeit Freuds Theorie in weiten Teilen ab?
Die Arbeit argumentiert, dass Freuds Reduktion von Symbolen auf reine Verdrängungsmechanismen und Pathologie der Bedeutung von Symbolen als ordnendes und sinnstiftendes Element für den Menschen nicht gerecht wird.
Welche Stufe des Symbolverständnisses ist für Jugendliche besonders wichtig?
Laut dem verwendeten Schema (nach Schweitzer) ist die fünfte Stufe, das symbolisch-kritische Verstehen, von hoher Relevanz, da sie die Jugendlichen zur kritischen Auseinandersetzung mit der eigenen Umwelt befähigt.
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- Miriam Degenhardt (Author), 2006, Die Bedeutung von Symbolen und die Möglichkeiten der Symboldidaktik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56671