Was ist mit Bob? Filmwissenschaftliche Analyse (Einführungskurs)


Seminararbeit, 2001

12 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. POV-Shots in der Sequenz „Siggi bringt Bob den Kopfsprung bei“

3. Montage in der Sequenz „Siggi bringt Bob den Kopfsprung bei“

4. Räumlich-dramatisches Verhalten in der Sequenz „Leo entschuldigt sich bei Bob“

5. Ereignisstruktur der Sequenz „Bob erscheint das erste Mal im Freienhaus“

Anhang:

Filmprotokoll der Sequenz „Leo entschuldigt sich bei Bob“

1. Einleitung

In dem amerikanischen Spielfilm „Was ist mit Bob?“ (Frank Oz; 1991) wird eines der zentralen Ereignisse - das Eindringen der Titelfigur Bob in den privaten Lebensraum seines Psychaters Leo Marvin - wiederholt eingebracht. Die überwiegend dieses behandelnde Analyse dreier Sequenzen aus dem Film, wobei insbesondere Point Of View-Shots, Montageformen und eine kurze Analyse der semantischen Räume einer Sequenz Beachtung finden, ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit.

Methodisch ist die Arbeit an der Vorgabe einer sehr konkreten Aufgabenstellung orientiert und verzichtet daher im wesentlichen auch auf Verweise auf die umfangreiche Fachliteratur (und dementsprechend auf ein Literaturverzeichnis). Titel der zu analysierenden Sequenzen ent-sprechen der Vorgabe.

2. POV-Shots in der Sequenz „Siggi bringt Bob den Kopfsprung bei“

Für die Analyse der Point Of View-Shots und ihrer Funktion hinsichtlich der Frage, wer in die vorgegebene Sequenz aktiv handelt, wird zunächst zwischen Erzählperspektive und POV-Strukturen unterschieden. Beide treten immer unabhängig voneinander auf, verfolgen aber meist, wie auch in der zu analysierenden Sequenz, ähnliche gestalterische Ziele.

In der Sequenz sind mehrere sich ähnelnde POV-Strukturen erkennbar. Auffällig ist hierbei vor allem die des subjektiven Point Of View, welche zum einen mit zunehmender dramatischer Steigung der Ereignisse, - Siggis Kopfsprung bildet hier den dramatischen Höhepunkt -, zunimmt und zum anderen zur Unterstützung der bereits angedeutenen Ereignisstruktur als Mittel zum Zeigen der Nähe Bobs zur Familie Leo Marvins dient. Da der überwiegende Teil der Sequenz mit Einstellungen gedreht wurde, die einer subjektiven Kamera nah kommen, bzw. ähneln, wird der Eindruck, dass Bob mitten in der Familie ist, (weil der Zuschauer näher am Geschehen ist und so beinahe involviert scheint, der POV also den Zuschauer ‘hereinzieht’), untertsützt. Insbesondere die acht Einstellungen, mit denen die Unterhaltung Bob und Siggis auf dem Steg beschrieben wird, machen das deutlich. Andere Blickwinkel fallen damit besonders auf und werden deshalb im folgenden (etwas) genauer analysiert.

Der subjektive POV tritt in der zu analysierenden Sequenz erstmals in der Einstellung auf, in der Bob den Rasen zum Bootssteg herunterläuft, zur Seite sieht und jemandem zuwinkt. In der darauffolgenden Einstellung sieht man das Ehepaar Guttman aus seiner Perspektive. Die Point Of View-Struktur folgt also dem Schema:

a) Zeigen eines Orientierungspunktes (=Bob auf dem Rasen)
b) Zeigen der Blickrichtung dieses Orientierungspunktes
c) Blicken des Orientierungspunktes in diese Richtung
d) Zeigen des Elements in der Blickrichtung (die Guttmans im Boot).

Der subjektive POV ist also nicht an beide Akteure (Bob und das Ehepaar) geknüpft, sondern nur an Bob, der somit in dieser Einstellung aktiv in die Sequenz handelt. Diese einseitige Struktur dient in der gesamten Sequenz auch dazu, um Reaktionen der ‘Orientierungspunkte’ hervorzuheben. Besonders deutlich wird das in der Einstellung, in der Fay und Leo ihren Sohn mit Bob auf dem Steg erblicken. Bob und Siggi werden mit dem subjektiven POV also sowohl von Anna als auch von ihren Eltern bemerkt. Handelnd werden hier nun die jeweils dem Ereignis auf dem Steg Zuschauenden. Auffällig ist hierbei, dass das im Ehepaar Guttman, obwohl es innerhalb dieser Kette erscheint, nicht in diese Struktur eingebunden ist, auch wenn nach einer Einstellung, die das Paar im Boot zeigt, eine Perspektive gewählt wurde, die ihrer Blickrichtung ähneln muss (allerdings auf der anderen Seite liegt). Dieses erklärt sich aber dadurch, dass Bob nicht in ihren Lebensraum eindringt und diese somit nur die Funktion neutraler Beobachter einnehmen.

Nach dem geglückten Sprung Siggis wird Bob zweimal in der Blickrichtung Siggis gezeigt, das erste Mal allerdings, ohne das Siggi schon die Möglichkeit gehabt hätte, Bob zu sehen, (weil er noch untergetaucht war) - der subjektive POV wird hier also möglicherweise angemeldet und der inhaltliche Bezug somit verstärkt. Siggi wird hier zum Handelnden, der (vorerst) nur Bob wahrnimmt. Leo nimmt seinen Sohn in einer folgenden Einstellung (Siggi und Bob sind zu sehen, während Leo auf den Steg läuft) nicht auf diese Art wahr, obwohl die Kamera wiederum fast den subjektiven POV trifft. (Leo, Anna und Fay laufen tatsächlich aber weit hinter der Kamera).

Schließlich taucht der subjektive POV wieder als gestalterisches Mittel auf, mit dem Leo das Ehepaar wahrnimmt, während zeitgleich Bob aus der Blickrichtung der Familie gezeigt wird. Hier werden nicht nur im bereits beschriebenen Sinne die Handelnden deutlich, sondern noch einmal besonders ihre Handlung selbst und damit ein zentrales Thema des Films: Bob ist in der Familie, diese nimmt ihn wahr, während Leo ihn möglichst ignoriert (und damit selbst von der Familie ignoriert wird).

Die Erzählperspektive in der Sequenz „Siggi bringt Bob den Kopfsprung bei“ ist allwissend und überwiegend intradiegetisch. Möglicherweise wird in einigen wenigen der 50 Einstellungen der Sequenz auf eine extradiegetische Darstellungsweise ausgewichen: Siggi und Bob werden kurz vor dem Kopfsprung aus Blickrichtungen gezeigt, die von Punkten, die etwa einen Meter über dem See liegen, herstammen. Aktiv Handelnder könnte in dem Sinne die Angst Siggis (und Bobs) sein. Ebenso gestaltet sind einige Einstellungen gegen Ende der Sequenz, hier mag viel-leicht wieder ein abstrakter Begriff, die Trennung Leo Marvins von seiner Familie, Handelnder sein.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Was ist mit Bob? Filmwissenschaftliche Analyse (Einführungskurs)
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Institut für Neuere Deutsche Literatur und Medien)
Veranstaltung
Proseminar: Einführung in die Filmanalyse
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
12
Katalognummer
V5668
ISBN (eBook)
9783638134781
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Filmausschnittsanalyse vom Einführungskurs - für die, die mal sehen wollen, wie das aussehen könnte. 166 KB
Schlagworte
Filmwissenschaftliche, Analyse, Proseminar, Einführung, Filmanalyse
Arbeit zitieren
T. Niemsch (Autor), 2001, Was ist mit Bob? Filmwissenschaftliche Analyse (Einführungskurs), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/5668

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