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Frankreich als Identitätsstifter für die deutsche Nation - Politsche und soziale Grundlagen für die Entwicklung eines Feindbildes bis 1813

Title: Frankreich als Identitätsstifter für die deutsche Nation - Politsche und soziale Grundlagen für die Entwicklung eines Feindbildes bis 1813

Term Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Constanze Michael (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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Stellt man heute einem Deutschen die Frage nach typischen Merkmalen seiner französischen Nachbarn, so werden mit Sicherheit Antworten wie Rotwein, Baguette, Froschschenkel, Barett oder Paris, als Stadt der Liebe, unter den Aufzählungen sein. Der Franzose wird als allgemein etwas hektisch, mit wenig Ordnungssinn, das Leben sowie gutes Essen und guten Wein liebend, charakterisiert. Kehrt man die Frage um, so wird das Bild des Deutschen auf deftige Speisen, Bier und Lederhosen reduziert. Ordnungssinn, Disziplin, Pflichtbewusstsein und Treue sind Eigenschaften, die uns zugewiesen werden. Wenn wir uns dann einander kennen lernen wundern wir uns manchmal, wie ähnlich man sich doch ist. Woher kommen solche stereotype Bilder, die wir von anderen, fremden Völkern und Kulturen im Kopf haben? Welche Bedeutung spielen Bilder von fremden Kulturen für unsere eigene Identität? Und wie kann es dazu kommen, dass wir im Entwurf eines eigenen Bildes eine andere Nation als völligen Gegenpol stilisieren? Wie wird ein stereotypes Bild zum Feindbild? Welche politischen und sozialen Faktoren spielen hierbei eine Rolle? Am Beispiel des deutsch- französischen Verhältnisses im 19. Jahrhundert soll diese Entwicklung bis zu den Befreiungskriegen 1813/14 dargestellt werden. Weshalb die Deutschen die Franzosen vom kulturellen zum politischen Feind erhoben. Wieso wurde die Bezugsgröße der Nation zum Anlass einer Feindschaft, die über den deutsch- französischen Krieg 1870/71 bis zum ersten Weltkrieg reichte? Die Antwort auf die Frage nach den Wurzeln dieser „Erbfeindschaft“ ist entscheidend für das heutige Verständnis der deutsch-französischen Beziehungen.
Der erste Teil der Arbeit wird sich mit der Vorstellung der Nation im Heiligen römischen Reich deutscher Nationen, der kulturellen Identitätsfindung der Aufklärungsbewegung bis zum Zerfall des Reiches im Jahre 1806 auseinander setzen. Im zweiten Teil werden die Rolle Napoleons bei der Entstehung patriotischer Bewegungen, das Bild der Franzosen und die Stilisierung der Befreiungskriege Gegenstand der Arbeit sein. Vorab erfolgt nach dieser Einleitung eine kurze Definition des „Feindbildes“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Das Feindbild in seiner Rolle als nationaler Identitätsstifter

2 Nationsbildung und Nationalbewegung im Heiligen römischen Reich deutscher Nationen

2.1 Die Reichsnation

2.2 Von der Aufklärungsbewegung zur deutschen Kulturnation

3 Nationale Selbstfindung der Deutschen im Zeichen französischer Hegemonie- Entstehung einer kulturellen Feindschaft

3.1 Napoleon als Gegner- antinapoleonische Nationalbewegung

3.2 Nationale Poesie und preußischer Patriotismus

3.3 Der Entwurf des Feindbildes- Erbfeind Frankreich

3.4 Stilisierung der Befreiungskriege

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die politische und soziale Entstehung eines deutschen Feindbildes gegenüber Frankreich im 19. Jahrhundert, das als identitätsstiftendes Element für die deutsche Nation fungierte und bis in die Zeit der Befreiungskriege 1813/14 maßgeblich zur nationalen Selbstfindung beitrug.

  • Die Funktion von Feindbildern für die nationale Identitätsbildung.
  • Nationsbildungsprozesse im Heiligen Römischen Reich deutscher Nationen.
  • Die Rolle von Sprache, Literatur und Kulturnation.
  • Der Einfluss Napoleons auf die Entstehung der antinapoleonischen Nationalbewegung.
  • Die Stilisierung der Befreiungskriege als zentraler Mythos der nationalen Einheit.

Auszug aus dem Buch

3.3 Der Entwurf des Feindbildes- Erbfeind Frankreich

In ihrem nationalen Selbstverständnis sahen sich die Deutschen als Volk Gottes, berufen die höchsten Aufgaben der Geschichte zu erfüllen. Diese Vorstellung der breiten Masse griffen Dichter wie Arndt, Schenkendorf oder auch Körner auf, um es in ihren Gedichten als populistische Variationen wiederzugeben. Das in der nationalen Propaganda gezeichnete Selbstbild weist den Deutschen Eigenschaften wie den „biederen Sinn“, „deutsche Treue“ oder „echten deutschen Mut“ zu. Durch die Beiwörter sollte das Unverfälschte, Unraffinierte und Echte der Deutschen betont werden. Jeismann verweist auf die Schwammigkeit des Begriffes „deutsch“ und der Stilisierung des „Deutschen“. Man setzte das „Deutsche“ gegen den französischen Geschmack, das typisch französische wurde als dekadent charakterisiert. Nur das eigene, das deutsche Volk wurde als Wächter allgemeiner, universaler Werte für geeignet erklärt. Der Begriff der Freiheit, den Jeismann an dieser Stelle einbringt, wird erst im nächsten Abschnitt erläutert. Vorerst soll der Entwurf des Feindbildes skizziert werden.

Der Feind, das war in erster Linie Napoleon. In der Lyrik der Befreiungskriege wurden ihm zum einen Eigenschaften eines Tyrannen zugewiesen. Als „Bösewicht“ oder als „Pest des menschlichen Geschlechts“ wurde er stilisiert. Ruchlos, blutgierig, verbrecherisch, heuchlerisch- das ist nur ein Teil der Bezeichnungen die für Napoleon verwendet wurden. Dabei war es nicht einmal der Akt der Selbsternennung zum Kaiser, sondern vielmehr die Art und Weise wie Napoleon seine Herrschaft über die annektierten Gebiete ausübte, die durch Verwendung des Tyrannen-Topos kritisiert wurde. Zum anderen wurde das Motiv des Teufels und Menschenfeindes verwendet. Die Gleichsetzung mit der Figur des Teufels verstärkte die Dämonisierung Napoleons und brachte die Feindschaft auf das einfache Muster von „gut“ und „böse“.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Das Feindbild in seiner Rolle als nationaler Identitätsstifter: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Feindbildes und erläutert dessen psychologische und soziale Bedeutung für die Stabilisierung nationaler Identität.

2 Nationsbildung und Nationalbewegung im Heiligen römischen Reich deutscher Nationen: Hier werden die strukturellen Grundlagen der deutschen Nationsbildung sowie der Übergang von der Reichsnation zur Kulturnation im 18. Jahrhundert dargelegt.

3 Nationale Selbstfindung der Deutschen im Zeichen französischer Hegemonie- Entstehung einer kulturellen Feindschaft: Dieser Hauptteil analysiert, wie die französische Besatzung und Napoleon zur Kristallisation eines ausgeprägten, teils religiös überhöhten Feindbildes führten.

Schlüsselwörter

Feindbild, Nationale Identität, Kulturnation, Napoleon, Befreiungskriege, Erbfeindschaft, Nationalismus, Patriotismus, deutsche Nation, Sprachgesellschaften, Deutschland, Frankreich, 19. Jahrhundert, Identitätsstifter, Selbstverständnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des deutschen Nationalbewusstseins im 19. Jahrhundert und der zentralen Rolle, die das Feindbild Frankreich dabei für die deutsche Identitätsstiftung spielte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Nationsbildung im Heiligen Römischen Reich, die Bedeutung der deutschen Kulturnation und die politische Instrumentalisierung von Frankreich als „Erbfeind“ während der Befreiungskriege.

Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der Abgrenzung gegenüber einer fremden Nation und der Entwicklung eines eigenen nationalen Selbstbildes sowie die Entstehung eines Feindbildes bis 1813 zu erklären.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer historisch-geisteswissenschaftlichen Analyse, die Fachliteratur (u.a. von Michael Jeismann und Otto Dann) mit zeitgenössischen Quellen und lyrischen Werken der Epoche verbindet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Heiligen Römischen Reiches, die Auswirkungen der napoleonischen Hegemonie und die Stilisierung des Feindbildes durch patriotische Propaganda und Dichtung.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie nationale Identität, Feindbild, Kulturnation, Erbfeindschaft, nationale Bewegung und Befreiungskriege.

Wie wurde das Feindbild Frankreich konkret stilisiert?

Frankreich wurde nicht nur politisch, sondern auch moralisch diskreditiert, indem man Napoleon mit Attributen wie „Teufel“ oder „Tyrann“ versah und den Franzosen negative Eigenschaften wie Gottlosigkeit und Sündhaftigkeit zuschrieb.

Welche Rolle spielte die Sprache bei der Nationsbildung?

Die deutsche Sprache diente als zentrales Identitätsmerkmal der Kulturnation; die „Reinhaltung“ der Sprache von französischen Einflüssen wurde zum Ausdruck patriotischen Widerstands.

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Details

Title
Frankreich als Identitätsstifter für die deutsche Nation - Politsche und soziale Grundlagen für die Entwicklung eines Feindbildes bis 1813
College
Dresden Technical University  (Institut für Geschichte)
Course
Nationale Bewegung und weiße Revolution Bedingungen und Etappen der Gründung des Deutschen Reiches 1870/71
Grade
1,0
Author
Constanze Michael (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V56719
ISBN (eBook)
9783638513357
ISBN (Book)
9783656805076
Language
German
Tags
Frankreich Identitätsstifter Nation Politsche Grundlagen Entwicklung Feindbildes Nationale Bewegung Revolution Bedingungen Etappen Gründung Deutschen Reiches
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Constanze Michael (Author), 2005, Frankreich als Identitätsstifter für die deutsche Nation - Politsche und soziale Grundlagen für die Entwicklung eines Feindbildes bis 1813, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56719
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