Der Aufsatz fasst die Grundgedanken des Begriffs„Über-Ich“ zusammen. Er nimmt Bezug auf Freuds Schrift „Das Ich und das Es“. Es werden die Entstehung und die Auswirkungen des „Über-Ichs“ beschrieben. Darüberhinaus werden die Funktionen, die dem „Über-Ich“ in Freuds Modell der Psyche zukommen, skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Ausgangsproblem
2. Ich-Bildung
3. Genese des Über-Ich
4. Wirkungen des Über-Ich
4.1. Gewissen
4.2. In der Analyse
4.3. Gewissensangst
5. Konklusion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Genese, Funktionen und Auswirkungen der psychischen Instanz des „Über-Ich“ auf Basis von Sigmund Freuds Werk „Das Ich und das Es“. Ziel ist es, den Mechanismus der Identifizierung bei der Ich-Bildung sowie die daraus resultierenden Spannungsverhältnisse zwischen den Anforderungen des Über-Ich und den Bedürfnissen des Ichs zu erläutern.
- Strukturmodell der Psyche (Ich, Es, Über-Ich)
- Mechanismen der Ich-Bildung und Identifizierung
- Entstehung des Über-Ich aus dem Ödipuskomplex
- Die Rolle von Gewissen und Schuldgefühlen
- Phänomene wie die negative therapeutische Reaktion und Gewissensangst
Auszug aus dem Buch
1. Das Ausgangsproblem
Am Beginn des Textes greift Freud auf sein frühes, topologisches Modell der Psyche auf, in welchem er die psychischen Phänomene in Bewusstes, Vorbewusstes und Unbewusstes einteilt. Er setzt sich zunächst mit der philosophischen Kritik an der Annahme des Unbewussten auseinander und wiederholt die Annahme, dass vor allem triebhafte, von Es stammende Regungen unbewusst sein können.
Freud stellt fest, dass in der Analyse beim Versuch seelische Strebungen ins Bewusstsein zu holen in Schwierigkeiten geraten. Ihre Assoziationen versagen, sobald man versucht sich dem Verdrängten anzunähern. Wir stellen also fest, dass man auf einen Widerstand gestoßen ist, der im Patienten wirkt. Die Patienten können diesen nicht angeben oder benennen. Ist also unbewusst und kann auch nicht Teil des Es sein, da er sich ja diesem entgegenstellt:
„Wir haben im Ich selbst etwas gefunden, was auch unbewußt ist, sich gerade so benimmt wie das Verdrängte, das heißt starke Wirkungen äußert, ohne selbst bewusst zu werden, und zu dessen Bewusstmachung es einer besonderen Arbeit bedarf.“
Neben diesem Widerstand in der Analyse, stellt Freud fest, dass es Personen gibt bei denen Selbstkritik und Gewissen unbewusst sind. Selbstkritik und Gewissen sind Funktionen des Über-Ichs. Dieses bezeichnet Freud als eine Differenzierung innerhalb des Ichs, mit einer weniger festen Beziehung zum Bewusstsein, als das eigentliche Ich. Wie kommt es dazu das so?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Ausgangsproblem: Das Kapitel führt in das topologische Modell Freuds ein und thematisiert das Ich als Ort von Widerständen, in dem auch unbewusste Funktionen wie Selbstkritik und Gewissen verortet sind.
2. Ich-Bildung: Hier wird der Prozess der Identifizierung als zentraler Mechanismus der Ich-Bildung beschrieben, bei dem aufgegebene Objektbesetzungen im Ich als Charakterbildung wiederaufgerichtet werden.
3. Genese des Über-Ich: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Über-Ichs aus dem Ödipuskomplex und der Identifizierung mit den Eltern unter dem Einfluss der Ödipuskonstellation und bisexueller Anlagen.
4. Wirkungen des Über-Ich: Es werden die Auswirkungen auf das psychische Leben analysiert, wobei das Spannungsverhältnis zwischen Ich und Über-Ich als Quelle für Gewissenskonflikte, Schuldgefühle und psychische Belastungen fungiert.
5. Konklusion: Das Kapitel schließt mit der Erkenntnis, dass das Über-Ich unbewusste moralische Motive begründet, die den Menschen paradoxerweise moralischer und unmoralischer zugleich erscheinen lassen, als ihm bewusst ist.
Schlüsselwörter
Psychoanalyse, Über-Ich, Ich-Bildung, Ödipuskomplex, Identifizierung, Gewissen, Schuldgefühl, Unbewusstes, Trieb, Widerstand, Objektbesetzung, Gewissensangst, Kastrationsangst, Neurose, Charakter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Konzepte von Sigmund Freud zur Entstehung und Wirkung der Instanz des „Über-Ich“ im menschlichen psychischen Apparat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Ich-Bildung durch Identifizierung, der Einfluss des Ödipuskomplexes auf die psychische Struktur sowie die daraus resultierenden Auswirkungen auf das Gewissen und das Schuldempfinden.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es, den Ursprung des Über-Ichs verständlich zu machen und zu zeigen, wie frühe Identifizierungen und Verdrängungen zu einer internen Instanz führen, die das Ich maßgeblich beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die psychoanalytische Theoriebildung nach Sigmund Freud, um die psychischen Mechanismen zu explizieren, die der Entstehung des Über-Ichs zugrunde liegen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Ich-Bildung, der Genese des Über-Ichs aus dem Ödipuskomplex und den spezifischen Wirkungen wie Gewissensbildung und Gewissensangst im klinischen Kontext.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Über-Ich, Identifizierung, Ödipuskomplex, Objektbesetzung, Gewissensangst und das Spannungsverhältnis zwischen Ich und moralischen Anforderungen.
Warum spielt die Identifizierung für das Über-Ich eine so wichtige Rolle?
Die Identifizierung ist laut Freud der grundlegende Mechanismus, durch den äußere Hindernisse oder geliebte Objekte (wie die Eltern) in das eigene Ich „eingeführt“ werden, was schließlich das Über-Ich konstituiert.
Inwiefern ist das Über-Ich laut Text „ambivalent“?
Das Über-Ich ist ambivalent, da es einerseits als Identifikation mit dem elterlichen Vorbild eine positive Mahnung enthält („so wie der Vater sollst du sein“), andererseits jedoch Verbote ausspricht, die bestimmte Handlungen untersagen.
Welchen Zusammenhang sieht Freud zwischen Neurose und dem Über-Ich?
Freud postuliert, dass unbewusste Schuldgefühle, die vom Über-Ich produziert werden, ein wesentlicher Faktor bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von schweren Neurosen sein können.
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- Matthias Gloser (Author), 2006, Das Ich und das Es - Über-Ich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56721