Die Analyse von Aktien hat eine lange Tradition, die seit der Existenz der Aktie besteht. Im Jahr 1602 gründeten Kaufleute aus Holland eine Flotte mit 1722 Schiffen, um Güter aus der fernen Welt zu importieren. Der Kapitalbedarf überstieg damals die Liquidität der Kaufleute, worauf ihnen die geniale Idee kam, kleine gestückelte Anteilsscheine an mehrere Investoren auszugeben. Die Aktie war geboren und damit auch die Notwendigkeit der Aktienbewertung.Die Geschichte der professionellen Aktienanalyse geht zurück bis in die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die Jahre nach dem Börsenkrach im Jahre 1929 waren geprägt von einer Volatilität, die der Amerikanische Aktienmarkt bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht erlebt hatte. In diesen unsicheren Börsenzeiten stieg die Nachfrage nach professionellen Analyseverfahren zur Bewertung von Aktien. Gesetzesänderungen dieser Zeit ermöglichten zudem, dass Finanzinformationen der Unternehmen allen Markteilnehmern uneingeschränkt zugänglich waren, so dass diese sich erstmals professionell mit der Aktienanalyse auseinandersetzen konnten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Die Aktienanalyse im Überblick
2.1 Grundlagen der Aktienanalyse
2.2 Aufgaben und Ziele der Aktienanalyse
2.3 Random-Walk-Hypothese und die These effizienter Märkte
3 Ansatz der fundamentalen Aktienanalyse
3.1 Top-Down-Ansatz vs. Bottom-Up-Ansatz
3.2 Analysebereiche der Fundamentalanalyse
3.2.1 Globalanalyse
3.2.2 Branchenanalyse
3.2.3 Unternehmensanalyse
3.3 Kritische Würdigung
4 Ansatz der technischen Aktienanalyse
4.2 Die Dow-Theorie
4.2.1 Der Primärtrend im Mittelpunkt der Analyse
4.2.2 Die Phasen des Primärtrends
4.3 Kritische Würdigung
5 Ansatz der Behavioral Finance
5.1 Anomalien und Erkenntnisse der Behavioral Finance
5.1.1 Informationswahrnehmungsanomalien
5.1.2 Informationsverarbeitungsanomalien
5.1.3 Informationsentscheidungsanomalien
5.2 Kritische Würdigung
6 Die Ansätze im Vergleich
7 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die grundlegenden Annahmen der modernen Aktienanalyse – bestehend aus der Fundamentalanalyse, der technischen Aktienanalyse und der Behavioral Finance – zu erläutern und diese methodisch voneinander abzugrenzen. Die Arbeit untersucht, in welchem Kontext die Ansätze zueinander stehen und welche Stärken sowie Schwächen sie im Hinblick auf die Prognose von Aktienkursen aufweisen.
- Vergleich der theoretischen Grundannahmen der drei Analyseansätze
- Analyse der Fundamentalanalyse mit ihren spezifischen Unterbereichen
- Darstellung der technischen Aktienanalyse und ihrer Trend-Methodik
- Untersuchung der psychologischen Faktoren durch den Behavioral Finance Ansatz
- Synthese der Ansätze zur Beurteilung ihrer praktischen Anwendung
Auszug aus dem Buch
3.1 Top-Down-Ansatz vs. Bottom-Up-Ansatz
Die Vorgehensweise der Fundamentalanalyse basiert auf zwei verschiedenen Methodikansätzen, dem Top-Down-Ansatz und dem Bottom-Up-Ansatz. Der Unterschied dieser Ansätze ist der Ausgangspunkt in den Analysebereichen der Fundamentalanalyse. Der Top-Down-Ansatz versucht ausgehend von der Globalanalyse zunächst die wichtigen makroökonomischen Einflussfaktoren zu analysieren, bevor branchen- und unternehmensspezifische Einflussfaktoren analysiert werden. Dieser Ansatz wird aufgrund der empirisch belegten Prämisse gewählt, dass sich eine einzelne Aktie der Entwicklung des Gesamtmarktes nicht entziehen kann. Ausgehend von einem makroökonomischen Analyseschwerpunkt wird beim Top-Down-Ansatz versucht, Branchen- und Unternehmensanalysen abzuleiten.
Der Bottom-Up-Ansatz versucht hingegen, erst einzelne Unternehmen zu analysieren und legt somit seinen Fokus auf die klassische Unternehmensbewertung bzw. Unternehmensanalyse. Aus der Analyse mehrerer Unternehmen folgt dann die Herleitung einer Gesamtmarktprognose. Problematisch bei diesem Ansatz ist die Vernachlässigung von makroökonomischen Einflussfaktoren und der höhere Zeit- und Kostenaufwand im Vergleich zum Top-Down-Ansatz.
In der Praxis wird häufig ein Gegenstromverfahren verwendet, welches versucht beide Ansätze zu integrieren. Dabei werden makroökonomische Szenarien in die Unternehmensanalyse mit einbezogen und durch Aggregation der Einzeltitelprognosen wird gleichzeitig das makroökonomische Szenario beeinflusst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zur historischen Entwicklung der Aktienanalyse und Definition der Problemstellung sowie der Zielsetzung der Thesis.
2 Die Aktienanalyse im Überblick: Vermittlung theoretischer Grundlagen und Definition der zentralen Begriffe wie Aktienwert und Markteffizienz.
3 Ansatz der fundamentalen Aktienanalyse: Analyse der ergebnisorientierten Bewertung von Unternehmen mittels globaler, Branchen- und unternehmensindividueller Faktoren.
4 Ansatz der technischen Aktienanalyse: Untersuchung von Kursverläufen und Trends unter Verwendung der Dow-Theorie als Basis für Prognosen.
5 Ansatz der Behavioral Finance: Erklärung der Auswirkungen psychologischer Anomalien auf das Entscheidungsverhalten von Marktteilnehmern.
6 Die Ansätze im Vergleich: Systematische Gegenüberstellung der drei Ansätze hinsichtlich ihrer Annahmen und Zielsetzungen.
7 Schlussbetrachtung: Fazit zur Relevanz der Ansätze und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung und Verzahnung der Analysemethoden.
Schlüsselwörter
Aktienanalyse, Fundamentalanalyse, Technische Analyse, Behavioral Finance, Effiziente Märkte, Random-Walk-Hypothese, Unternehmensbewertung, Aktienkurs, Prognose, Markttiming, Investitionsentscheidung, Anomalien, Homo Oeconomicus, Rendite, Risiko
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die drei konkurrierenden Ansätze der modernen Aktienanalyse: Fundamentalanalyse, technische Aktienanalyse und Behavioral Finance, und vergleicht diese miteinander.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die methodische Herangehensweise an die Aktienbewertung, die Effizienz von Kapitalmärkten sowie die Rolle von rationalem versus irrationalem Anlegerverhalten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Grundannahmen der verschiedenen Ansätze zu erläutern, voneinander abzugrenzen und den Kontext aufzuzeigen, in dem diese Ansätze zur Kursprognose stehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie ein Experteninterview, um die Ansätze gegenüberzustellen und ihre praktische Relevanz zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Fundamentalanalyse, der technischen Analyse sowie der Behavioral Finance, gefolgt von einem direkten Vergleich dieser Disziplinen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die Markteffizienz, der innere Wert einer Aktie, Trendprognosen und psychologische Verhaltensanomalien wie die Verlustaversion.
Wie unterscheidet sich der Top-Down-Ansatz vom Bottom-Up-Ansatz?
Der Top-Down-Ansatz startet bei der Globalanalyse und leitet daraus Branchen- und Unternehmensdaten ab, während der Bottom-Up-Ansatz mit dem einzelnen Unternehmen beginnt und daraus auf den Gesamtmarkt schließt.
Warum wird die Behavioral Finance als notwendig erachtet?
Sie wird als notwendig betrachtet, da die traditionellen Modelle die Irrationalität und emotionale Komponente der Anleger, die zu Marktanomalien führen, nicht hinreichend erklären können.
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- Marcel Müller (Author), 2006, Die Ansätze der modernen Aktienanalyse im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56742