In dieser Arbeit wird versucht, die Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft und somit des einzelnen Arbeitnehmers in unserer Zeit, wobei sich dieser Zeitraum über mehrere Jahrzehnte hinweg erstreckt, darzustellen. Dies passiert hier allerdings zum großen Teil unter Eingrenzung auf kapitalistische Systeme und funktionierende Marktwirtschaften, wobei dies ja überwiegend der Fall ist in „entwickelten Zivilisationen“, allen voran die Industriestaaten. Eine Beschreibung des Verständnisses von Arbeit zu der jeweiligen Zeit, ein kurzer Ausblick auf die historische Entwicklung und Stellung der Arbeit bis in die heutige Zeit, sowie ihre damalige und heutige Bedeutung bilden den Anfang für die weiteren, behandelten Themenfelder, wobei natürlich auf der Grundlage von Fakten und empirisch bestätigten Beweisen gearbeitet wird. Das Augenmerk wird hier auf die, aus der Entwicklung resultierenden derzeitigen „Ergebnisse“, wenn man sie so nennen mag, und die heutige Lage und derzeit bestehenden Regeln für die Arbeitnehmerschaft im allgemeinen gerichtet. Dies geschieht, zum Großteil, unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten, aber auch mit Hinblick auf die berufliche und rechtliche, den daraus resultierenden Bedingungen, und die die eigentliche Lebensgrundlage betreffende Situation. Da der Entwicklung des Kapitalismus und seinen Erscheinungsformen ein hohes Maß am „Ergebnis“ zukommt, wird aus diesem Grunde auch auf die durchlaufenden, kapitalistischen Grundstrukturen hingewiesen und deren mögliche Auswirkungen und so die gegebenen Rahmenbedingungen auf die Arbeitnehmerschaft betrachtet. Es stellt sich die Frage nach der Stellung der Arbeitnehmerschaft in der Gesellschaft, und dementsprechend auch in diesem, unseren System. Wie steht das Verhältnis in Beruf und Karriere zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber, in Bezug auf Umstände, Bedingungen und mögliche Zwänge betrachtet, wie gross oder was ist die Macht der Arbeitnehmerschaft gegenüber der Arbeitgeberseite, dem „natürlichen“ Gegenpol in diesem System? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Verständnis und historische Entwicklung von „Arbeit“
2.1 Heutiges Verständnis von „Arbeit“
3. Kapitalistische Grundstrukturen und die natürlich „vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten“
3.1 Bedeutung und Auswirkungen auf die Arbeitnehmerschaft
4. Auswirkungen der Arbeit auf gesellschaftliche und individuelle Beziehungen
5. Arbeitsorganisation und Arbeitsmarkt
5.1 Entwicklung der heutigen Arbeitsorganisation
5.2 Situation und Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt
5.2.1 Der Arbeitsvertrag: Ausdruck für programmierte Konflikte
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und aktuelle Situation der Arbeitnehmerschaft innerhalb kapitalistischer Wirtschaftssysteme. Ziel der Arbeit ist es, die Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie die durch Rationalisierungszwänge und technologischen Fortschritt verursachten strukturellen Veränderungen im Berufsleben und der gesellschaftlichen Stellung des Einzelnen kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung des Arbeitsbegriffs
- Einfluss kapitalistischer Grundstrukturen auf den Arbeitsmarkt
- Folgen der Technisierung und Automatisierung für die Arbeitnehmerschaft
- Konfliktpotenzial im Arbeitsvertrag und soziale Auswirkungen
- Wandel von Vollzeitarbeit hin zu flexiblen und unsicheren Beschäftigungsverhältnissen
Auszug aus dem Buch
3.1 Bedeutung und Auswirkungen auf die Arbeitnehmerschaft
Die Entwurzelung ganzer Menschenmassen aus ihren Lebensverhältnissen hat in früheren Zeiten dazu geführt, dass eine große Masse von Anbietern an Arbeitskraft entstand, welche nur durch den Verkauf der Arbeitskraft die Möglichkeit haben, sich den zumindest benötigten Teil am Produktionsfaktor Kapital zu verschaffen, um ihrem Grundanliegen, der eigenen Reproduktion und möglicherweise der der Familie nachzukommen. Durch diesen Umstand ist die Erwerbsarbeit zu einem immens wichtigen Teil im Leben des Einzelnen geworden, was bedeutet, dass jeder Arbeitnehmer versucht, als Anbieter von Arbeitskraft auch einen Nachfrager nach Arbeitskraft zu finden und mit diesem dann eine Einigung in Bezug auf Entlohnung, Arbeitszeit, Arbeitsplatzbestimmungen, etc. zu erzielen.
In einer Welt, wo für die Akkumulation des Kapitals, dem vergrößern und der Anhäufung von Besitz, nur eine bestimmter Teil an anderen Produktionsfaktoren nötig ist, besteht zwangsläufig das Problem, dass mehr Arbeitnehmer vorhanden sind als benötigt werden. Dies führt dazu, dass die Arbeitnehmer untereinander um die bestehenden und vielleicht auch hin und wieder neu geschaffenen Arbeitsplätze konkurrieren müssen, das heißt, der Einzelne muss versuchen, eine bessere Berufsqualifikation zu erreichen/besitzen als die Anderen oder vielleicht mehr zu arbeiten für das gleiche Geld. Dieser erzwungene Kampf der Arbeitnehmer gegeneinander hat auch zur Folge, dass die Arbeitnehmer sich teilweise unterbieten müssen in der Höhe der Entlohnung für die geleistete Arbeit, um die Möglichkeit zu erhalten, in den Besitz von Kapital und so der heutigen Grundlage für die eigene Reproduktion zu gelangen.
Er ist durch die äußeren Umstände und Bedingungen gezwungen, seine Arbeitskraft anzubieten, da es langfristig nicht möglich ist, in dieser Gesellschaft mindestens über dem Existenzminimum leben zu können ohne ein eigenes, bestehendes Arbeitsverhältnis (hier sei von den staatlichen sozialen Leistungen einmal abgesehen, welche aber gleichwohl kein Ersatz, sondern nur eine mittelfristige Hilfe darstellen) oder eben dem Besitz von mindestens einem weiteren Produktionsfaktor neben dem der Arbeitskraft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung umreißt die Untersuchung der Stellung der Arbeitnehmerschaft in modernen kapitalistischen Systemen unter Berücksichtigung historischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen.
2. Verständnis und historische Entwicklung von „Arbeit“: Dieses Kapitel zeichnet den Wandel der Arbeitsauffassung von der Antike über die christliche Prägung bis hin zum modernen, auf Selbstverwirklichung fokussierten Arbeitsbegriff nach.
2.1 Heutiges Verständnis von „Arbeit“: Hier wird kritisiert, dass Arbeit heute oft fälschlicherweise als einzige Quelle für Selbstgestaltung angesehen wird, während individuelle Talente hinter der geforderten Rollenfunktion zurücktreten.
3. Kapitalistische Grundstrukturen und die natürlich „vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten“: Dieser Abschnitt analysiert das kapitalistische System als Ordnung, in der Arbeitnehmende von Produktionsmitteln getrennt sind und in einem ständigen Wettbewerb um die effiziente Ressourcenallokation stehen.
3.1 Bedeutung und Auswirkungen auf die Arbeitnehmerschaft: Es wird erörtert, wie der Konkurrenzdruck und die Abhängigkeit vom Verkauf der eigenen Arbeitskraft zu einer Schwächung der Arbeitnehmerposition führen.
4. Auswirkungen der Arbeit auf gesellschaftliche und individuelle Beziehungen: Das Kapitel thematisiert die Belastung privater Beziehungen durch den immensen Stellenwert und den Zeitaufwand der Erwerbsarbeit sowie die resultierende Standardisierung der Identität.
5. Arbeitsorganisation und Arbeitsmarkt: Hier wird der Einfluss technischer Innovationen auf die Arbeitswelt und die damit einhergehende Rationalisierung der Produktion betrachtet.
5.1 Entwicklung der heutigen Arbeitsorganisation: Dieser Teil beschreibt, wie Mikroprozessoren und Automatisierung die Arbeit flexibilisierten, aber gleichzeitig den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft reduzierten.
5.2 Situation und Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt: Das Kapitel beleuchtet den Wandel zu unsicheren Beschäftigungsverhältnissen und die Schwächung gewerkschaftlicher Macht durch die Zersplitterung der Arbeitnehmerschaft.
5.2.1 Der Arbeitsvertrag: Ausdruck für programmierte Konflikte: Dieser Unterpunkt definiert den Arbeitsvertrag als Rahmenvertrag, der aufgrund inhärenter Unbestimmtheiten ständige Konflikte zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer provoziert.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Arbeitnehmer in der heutigen Gesellschaft Gefahr laufen, ihre Autonomie zugunsten eines rein ökonomischen Faktoreinsatzes zu verlieren.
Schlüsselwörter
Arbeitnehmerschaft, Kapitalismus, Lohnarbeit, Arbeitsmarkt, Rationalisierung, Automatisierung, Gewinnmaximierung, Gewerkschaften, Arbeitsvertrag, Produktionsfaktoren, Globalisierung, Reproduktion, Beschäftigungsverhältnisse, Wettbewerb, Entlohnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die kritische Lage und die gesellschaftliche Stellung der Arbeitnehmerschaft innerhalb moderner kapitalistischer Systeme über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des Arbeitsverständnisses, die ökonomischen Zwänge des Kapitalismus, die Auswirkungen technischer Rationalisierung auf die Beschäftigung und der Druck auf die individuelle Lebensgestaltung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Darstellung der Machtverhältnisse zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie die Aufdeckung der strukturellen Bedingungen, die Arbeitnehmer in ein Dilemma aus Konkurrenz und Existenzsicherung zwingen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kritischen theoretischen Analyse, die durch historische Betrachtungen, Fakten und empirische Nachweise aus der Arbeitssoziologie untermauert wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Entwicklung der Arbeitsorganisation, der Dynamik des globalen Arbeitsmarktes, der Schwächung gewerkschaftlicher Strukturen und der rechtlichen sowie faktischen Problematik des Arbeitsvertrags.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Arbeitnehmerschaft, Kapitalismus, Rationalisierung, Gewinnmaximierung, Arbeitsvertrag und soziale Differenzierung.
Welche Rolle spielt die Automatisierung für Arbeitnehmende?
Die Automatisierung führt laut Autor dazu, dass Maschinen den Menschen ersetzen und Arbeitnehmende unter einen permanenten Anpassungs- und Qualifizierungsdruck setzen, was ihre Position auf dem Arbeitsmarkt schwächt.
Warum wird der Arbeitsvertrag als Konfliktherd beschrieben?
Er wird als Rahmenvertrag eingestuft, der keine absolute Eindeutigkeit hinsichtlich der Arbeitsleistung bietet, was in Verbindung mit dem Machtgefälle zwischen den Vertragsparteien zu permanenten Interessenskonflikten führt.
- Quote paper
- Georg Kranewitz (Author), 2004, Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft in unserer Zeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56753