Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft in unserer Zeit


Hausarbeit, 2004

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Verständnis und historische Entwicklung von „Arbeit“
2.1 Heutiges Verständnis von „Arbeit“

3. Kapitalistische Grundstrukturen und die natürlich „vorgegebenen Gesetz- mäßigkeiten“
3.1 Bedeutung und Auswirkungen auf die Arbeitnehmerschaft

4. Auswirkungen der Arbeit auf gesellschaftliche und individuelle Beziehungen

5. Arbeitsorganisation und Arbeitsmarkt
5.1 Entwicklung der heutigen Arbeitsorganisation
5.2 Situation und Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt
5.2.1 Der Arbeitsvertrag: Ausdruck für programmierte Konflikte

6. Zusammenfassung

Bemerkung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Arbeit wird versucht, die Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft und somit des einzelnen Arbeitnehmers in unserer Zeit, wobei sich dieser Zeitraum über mehrere Jahrzehnte hinweg erstreckt, darzustellen. Dies passiert hier allerdings zum großen Teil unter Eingrenzung auf kapitalistische Systeme und funktionierende Marktwirtschaften, wobei dies ja überwiegend der Fall ist in „entwickelten Zivilisationen“, allen voran die Industriestaaten.

Eine Beschreibung des Verständnisses von Arbeit zu der jeweiligen Zeit, ein kurzer Ausblick auf die historische Entwicklung und Stellung der Arbeit bis in die heutige Zeit, sowie ihre damalige und heutige Bedeutung bilden den Anfang für die weiteren, behandelten Themenfelder, wobei natürlich auf der Grundlage von Fakten und empirisch bestätigten Beweisen gearbeitet wird. Das Augenmerk wird hier auf die, aus der Entwicklung resultierenden derzeitigen „Ergebnisse“, wenn man sie so nennen mag, und die heutige Lage und derzeit bestehenden Regeln für die Arbeitnehmerschaft im allgemeinen gerichtet. Dies geschieht, zum Großteil, unter gesellschaftlichen Gesichtspunkten, aber auch mit Hinblick auf die berufliche und rechtliche, den daraus resultierenden Bedingungen, und die die eigentliche Lebensgrundlage betreffende Situation.

Da der Entwicklung des Kapitalismus und seinen Erscheinungsformen ein hohes Maß am „Ergebnis“ zukommt, wird aus diesem Grunde auch auf die durchlaufenden, kapitalistischen Grundstrukturen hingewiesen und deren mögliche Auswirkungen und so die gegebenen Rahmenbedingungen auf die Arbeitnehmerschaft betrachtet.

Es stellt sich die Frage nach der Stellung der Arbeitnehmerschaft in der Gesellschaft, und dementsprechend auch in diesem, unseren System. Wie steht das Verhältnis in Beruf und Karriere zwischen dem Arbeitnehmer und dem Arbeitgeber, in Bezug auf Umstände, Bedingungen und mögliche Zwänge betrachtet, wie gross oder was ist die Macht der Arbeitnehmerschaft gegenüber der Arbeitgeberseite, dem „natürlichen“ Gegenpol in diesem System?

Hier soll auch die herrschende Sichtweise und eine Verinnerlichung von scheinbar „von-Gott-gegebenen“ Umständen aufgezeigt werden, welche den Menschen, den Arbeitskraftanbieter, in ein Dilemma zwingt, obwohl dies, bei einer anderen Betrachtungsweise, keine naturgegebene Sache ist, wie es den meisten Menschen aber durchaus erscheint.

Bedeutsam und überaus wichtig ist zudem die Möglichkeit zur Reproduktion für den Einzelnen, welche für den durchschnittlichen Menschen (in Bezug auf die Anzahl der Menschen insgesamt, wobei der Anteil derjenigen, die sich reproduzieren können, ohne Arbeitskraft verkaufen zu müssen, relativ gering ist) nur mit Hilfe eines Arbeitsverhältnisses, dem Verkauf von Arbeitskraft, realisierbar ist. Dies zeigt, dass die Arbeit eindeutig einen großen Einfluss auf das Leben des Einzelnen hat, wobei zu bedenken ist, dass dies natürlich nicht auf jeden Menschen zutrifft. Die Auswirkung und Bedeutung dieses einen Umstandes für die Reproduktion sind unerläßlich für die Betrachtung der Verhältnisse und der Situation der Arbeitnehmerschaft in unserer Zeit.

Das Folgende ist wohlgemerkt nur eine recht kurze Darstellung. Diese Thematik bedarf viel mehr als der folgenden Anzahl von Seiten, um ihr im Eigentlichen gerecht zu werden und annäherungsweise eine komplette und vor allem notwendigerweise detailliertere Übersicht zu ermöglichen.

2. Verständnis und historische Entwicklung von „Arbeit“

Der Aufstieg der Menschheit ist zum größten Teil ein Resultat von Arbeit, da der Mensch in der natürlichen Natur so gut wie nichts Konsumfertiges vorfindet und er so gezwungen ist, sich etwas zu erarbeiten, um dieses dann konsumieren zu können. Vordergründig diente die Arbeit also der Mittelbeschaffung von existentiellen Grundbedürfnissen und zur Erweiterung des Spielraums in den Lebensmöglichkeiten.[1]

In den alten Kulturen vergangener Zeiten, besonders jene des Mittelmeerraums, wurde, vor allem schwere Arbeit und die Handarbeit, wenig geschätzt und so grundsätzlich den Sklaven überlassen. In dieser Zeit stellten die Sklaven eine Wirtschaftskraft dar, weshalb sie allein deshalb nicht in Frage gestellt wurden, da sie unabdingbar waren für die Herstellung und Produktion von Gütern und Waren und somit auch für die Versorgung der Bevölkerung.

Erst im christlichen Verständnis erscheint die Arbeit als ein gottgegebener Auftrag zur Bewahrung der göttlichen Schöpfung. Dieser Gedanke der Berufung nahm in der frühchristlichen Phase in den Vorstellungen des Mönchstums eine besondere Prägung an. Im Hoch- und Spät-Mittelalter lockerte sich die ursprüngliche, universelle Einheit der Sicht des Mönchtums von „bete und arbeite“ weiter, im Sinne von der Höherschätzung geistiger und der relativen Geringschätzung manueller Arbeit, wobei zugleich die Verbindung von Arbeit und Berufung standesgebunden ausgeweitet wurde.

Der Übergang zur Neuzeit war gekennzeichnet durch die Herausbildung eines aufklärerisch-idealistischen Arbeits- und Berufsgedankens. Arbeit und Beruf wurden hier als Medien der Persönlichkeitsentfaltung verstanden, der Mensch war nicht mehr von „oben herab“ gezwungen, wie im Feudalismus, zu arbeiten, sondern hatte das Wahlrecht, arbeiten zu gehen oder nicht. Der Einzelne war keinem Lehnsherrn mehr verpflichtet, sondern nur noch sich und seiner eigenen Verpflichtung zur Reproduktion gegenüber.

Mit der Entstehung der modernen Volkswirtschaften setzte sich zunehmend als herrschender Arbeitstypus die abhängige Lohnarbeit (erzwungen durch massenhafte, gewaltsame Trennung der Produzenten, insbesondere der Bauern, von ihren Produktionsmitteln, der gewaltsamen Entwurzelung ganzer Menschenmassen aus ihren bestehenden Lebensverhältnissen) durch, welche heute ihren Ausdruck in der sogenannten Arbeitnehmerschaft findet. Durch diesen vorherrschenden Typus begründete die Arbeit eine bestimmte gesellschaftliche und politische Lage, wobei sie als verbindendes gesellschaftliches Prinzip und als Grundlage des individuellen und allgemeinen Reichtums, von K. Marx aber auch als durch den Gegensatz von Kapital und Arbeit begründetes Klassenverhältnis angesehen wurde.

Hier sei daran erinnert, „dass Arbeit erst in den modernen Gesellschaften jenen Rang erfährt, der sie gegenüber allen Tätigkeiten abhebt.“[2] Nach eingehenden Untersuchungen und Rekonstruktionen der neuzeitlichen philosophischen Begründungen von Arbeit hat sich herausgestellt, dass diese letztlich in ein Verständnis von Arbeit als „humane“ „Selbstgestaltung und Selbstverwirklichung“ münden.[3]

2.1 Heutiges Verständnis von „Arbeit“

Hier entstand der Trugschluss, dass die Arbeit die einzige und wahre Möglichkeit zu Selbstgestaltung und Selbstverwirklichung sei. Das bedeutet natürlich, das jenes Verständnis dazu führt, dass der „Tätigkeit“ Arbeit eine größere Bedeutung im Leben des Einzelnen und der Gesellschaft zugeschrieben wird, ein unumstößlicher und nicht mehr wegzudenkender Aspekt ist. Die eigenen individuellen Veranlagungen und Wünsche, das Können und die Kräfte des Einzelnen, welche von Mensch zu Mensch ja unterschiedlich sind, verschwinden in der heutigen Arbeitsgesellschaft fast vollständig hinter dem Rollenpart, welcher dem Arbeitnehmer zugewiesen ist, den dieser auszufüllen hat.

Bernd Guggenberger formulierte die Auswirkungen des Aspektes Arbeit auf den gesamten Empfindungs- und Erfahrungshorizont so: „Wir sind in den letzten 200-300 Jahren so gründlich durch die Schule der Arbeit gegangen, haben uns so sehr mit ihr eingelassen, dass wir heute kaum mehr über sie hinauszudenken vermögen. Sie und ihre Hervorbringungen haben von unserer gesamten Existenz Besitz ergriffen, umschreiben das Gesamt unserer Hoffnungen und Sehnsüchte. Wir haben nur noch Augen und Ohren für die Arbeit, ihre Erfordernisse, und das, was durch sie unmittelbar bewirkt und ermöglicht wird: Konsum, Verzehr ihrer Hervorbringungen.“[4] In der Arbeitsgesellschaft zählt nur die Frage: Was sind Sie?, wobei man sich von deren Beantwortung Rückschlüsse auf verschiedene berufliche Details erhofft, sei es die Stellung oder die Gehaltshöhe. „Längst ist die für unsere Umgebung entscheidende Frage auch zur für uns alles entscheidenden Frage an uns selbst geworden.“[5]

Man definiert letztendlich andere Personen und als Ergebnis dieser Reflexion auch sich selber, sowie das Streben nach Glück, so scheint es, über seine Arbeit, den Beruf. Denn „[wer] immer unter Glück etwas anderes versteht als das gesellschaftlich sanktionierte Einkommens- und Erwerbsglück, wer immer sein Selbst-Bewußtsein anders begründet als über die eigene Position im Erwerbsleben, dem haftet das Außenseitenstigma des Unproduktiven, des Unnützen an.“[6]

3. Kapitalistische Grundstrukturen und die natürlich

„vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten“

Der Kapitalismus, als Bezeichnung für die heutige allgemeine Wirtschafts- und Sozialordnung, kennzeichnet sich durch die Verwendung von Produktionsmitteln, die nicht den Arbeitnehmern gehören, wodurch sich eine Abhängigkeit der Besitzlosen (besitzlos an anderen Produktionsfaktoren ausser Arbeitskraft) ergibt, welche entlohnt werden von den Kapitalisten, denen weitere Produktionsmittel zur Verfügung stehen und die die nach deren Transformation entstandenen Fertigprodukte als ihr Eigentum betrachten können.

Um nicht einer möglichen oder bestehenden Abhängigkeit ausgesetzt zu sein, ist der zusätzliche Besitz von mindestens einem weiteren Produktionsfaktor, vorzugsweise dem Faktor Kapital, unabdingbar, was aber bei der heutigen bestehenden Anhäufung und Begrenzung von Produktionsfaktoren auf einen relativ kleinen Anteil vom Ganzen dementsprechend zum großen Teil nicht gewährleistet ist. Entweder man besitzt das Eigentum, eben die Produktionsfaktoren, schon „von Hause“ aus (z. B. durch Vererbung), oder man hat, unter anderem, die Möglichkeit, sich bei bestimmten Bedingungen (z.B. gute Bonität) Kapital bei einer Bank zu leihen und es für sich „arbeiten“ zu lassen. Dies macht natürlich nur Sinn unter der Voraussetzung, dass am Ende dem vorangegangenen Input (das geliehene Kapital) mehr Output (gesamter Ertrag = mehr Kapital oder Besitz) gegenübersteht.

Da, in der Betrachtung über einen langen Zeitraum, nur relativ wenig Mittel (Ressourcen) zur Verfügung stehen, die auf die konkurrierenden Bedürfnisse der Wirtschaftssubjekte verteilt werden können, versucht man eine effiziente Allokation herzustellen, welche das Ergebnis eines zielorientierten Einsatzes von Ressourcen ist.

Durch diesen Umstand der möglichst effektiven Allokation ist man bei der Erzeugung von Gütern und Dienstleistungen, z. B. der heutige Unternehmer, immer darauf bedacht, das Eine mit dem Anderen in Form der Gegenüberstellung von benötigten Aufwendungen zu vergleichen, wobei die Entscheidung auf Grundlage von Erwägungen über die jeweils dringlichste oder ertragsreichste Faktornutzung erfolgt.

[...]


[1] Schulte, B., Der Mensch in der Arbeitswelt – eine ganzeinheitliche Betrachtung, in: AGP-

Veröffentlichungen (Hg.), Humanisierung der Arbeitswelt, Köln 1975, S. 1

[2] Böhle, F., Arbeit – Subjektivität und Sinnlichkeit, in: Gert Schmidt (Hg.), Kein Ende der Arbeits-

gesellschaft, Berlin 1999, S. 89

[3] Müller, S., Phänomenologie und philosophische Theorie der Arbeit, Bd. I, München 1992, S. 110 ff.

[4] Guggenberger, B., Am Ende der Arbeitsgesellschaft – Arbeitsgesellschaft ohne Ende ?, in: Frank

Benseler/ Rolf G. Heine/ Arno Klönne (Hg.), Zukunft der Arbeit, Hamburg 1982, S. 65

[5] Guggenberger, B., Am Ende der Arbeitsgesellschaft – Arbeitsgesellschaft ohne Ende ?, in: Frank

Benseler/ Rolf G. Heine/ Arno Klönne (Hg.), Zukunft der Arbeit, Hamburg 1982, S. 65

[6] Guggenberger, B., Am Ende der Arbeitsgesellschaft – Arbeitsgesellschaft ohne Ende ?, in: Frank

Benseler/ Rolf G. Heine/ Arno Klönne (Hg.), Zukunft der Arbeit, Hamburg 1982, S. 66

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft in unserer Zeit
Hochschule
Fachhochschule für Wirtschaft Berlin
Veranstaltung
Arbeits- und Sozialstrukturen im Betrieb und gesellschaftliche Interessenvertretung
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V56753
ISBN (eBook)
9783638513593
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kursreihe: Sozialwissenschaften
Schlagworte
Situation, Stellung, Arbeitnehmerschaft, Zeit, Arbeits-, Sozialstrukturen, Betrieb, Interessenvertretung
Arbeit zitieren
Georg Kranewitz (Autor), 2004, Situation und Stellung der Arbeitnehmerschaft in unserer Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56753

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