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Eros und Thanatos - Sexualität und Tod in Josef Winklers "Der Ackermann aus Kärnten"

Title: Eros und Thanatos - Sexualität und Tod in Josef Winklers "Der Ackermann aus Kärnten"

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 29 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christiane Abspacher (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„[W]er das literarische >Produkt< verstehen will, wird auch den Prozeß kennen müssen, in dem es zustande gekommen ist“, so Walter Schönau und Joachim Pfeiffer, Verfasser der „Einführung in die psychoanalytische Literaturwissenschaft“.
Laut ihrer Theorie scheiden sich die kreativen von den unkreativen Menschen keineswegs durch Zufall, und die „freie Verfügung über die Schaffenskraft“ ist nicht „auf Willensanstrengung alleine“ zurückzuführen. Vielmehr sei die Wurzel der Kreativität – einfach und dem in dieser Arbeit zur Verfügung stehenden Rahmen angemessen ausgedrückt - in der frühkindlichen Entwicklungsstufe zu lokalisieren, in der symbiotischen Phase, in der der Säugling sich und seine Mutter noch als ein einziges untrennbares Wesen wahrnimmt. Zerbricht diese ursprüngliche Annahme des Kindes an der Realität, so kann es zur Sublimation kommen: Das Kind entwickelt „die Fähigkeit, das ursprüngliche Triebziel mit einem anderen, kulturell höher gewerteten zu vertauschen“, sprich: Es sucht sich Ersatzobjekte für die Mutter(brust), beispielsweise Bettzipfel oder Spielzeug, ist sich jedoch dessen bewusst, dass es sich dabei nur um einen Behelf handelt.
Diese Verknüpfung der Kreativität mit der frühkindlichen Phase weist durchaus Parallelen zu anderen in der Psychoanalyse gängigen Theorien auf, die bei der Rezeption eines Textes – gerade, wenn es sich um autobiographisches Material handelt – von großem Interesse sein können.
Auf eine dieser Theorien soll im Folgenden genauer eingegangen werden, um den zu untersuchenden Primärtext "Der Ackermann aus Kärnten" von Josef Winkler im Hinblick auf bestimmte Aspekte der Trieblehre zu untersuchen. Dabei soll besonders auf das Spannungsfeld von Eros und Thanatos auf dem Schauplatz des "Ackermannes" - dem Dorf Kamering in Kärnten - und insbesondere in der Familie des Protagonisten eingegangen werden.
Die Theorie, dass die Mutter des Protagonisten den Lebenstrieb und der Vater den Todestrieb verkörpern und der Sohn somit im von diesen beiden Polen aufgespannten Feld erwachsen wird, soll anhand signifikanten Textpassagen und psychoanalytischen Überlegungen belegt werden.
Desweiteren soll auf die Frage eingegangen werden, inwieweit der "Ackermann aus Kärnten" als Selbsttherapie Winklers in Form eines stark autobiographischen Romanes aufzufassen ist.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Vorbemerkung: Psychoanalytische Literaturwissenschaft

2. Psychischer Apparat und Trieblehre nach Freud

3. Begriffsklärung und Anwendung auf Winklers Der Ackermann aus Kärnten

2.3. Eros und Thanatos in Mythologie und Psychoanalyse

2.3. Das Verhältnis von Eros und Thanatos in Winklers Kamering

2.3. Josefs Mutter als Vertreterin des Lebenstriebes

2.3. Josefs Vater als Vertreter des Todestriebes

4. Der Ackermann aus Kärnten als Versuch einer Selbsttherapie

2.3. Verdrängung, Unbewusstes und Traumdeutung

2.3. Selbsttherapie und Schreibstil

5. Eros und Thanatos. Sexualität und Tod als Motivik?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Sexualität und Tod – konzeptualisiert als Eros und Thanatos – im Roman „Der Ackermann aus Kärnten“ von Josef Winkler unter Rückgriff auf die psychoanalytische Theorie Sigmund Freuds.

  • Anwendung des Freudschen Modells des psychischen Apparates (Ich, Es, Über-Ich) auf die literarische Analyse.
  • Untersuchung der Rollenverteilung der Elternfiguren als Repräsentanten von Lebenstrieb und Todestrieb.
  • Analyse der kindlichen bzw. jugendlichen Welt des Protagonisten im Kontext dörflicher Unterdrückungsmechanismen.
  • Betrachtung des Schreibprozesses als Form der literarischen Selbsttherapie und Bewältigung traumatischer Erfahrungen.

Auszug aus dem Buch

2.3. Josefs Mutter als Vertreterin des Lebenstriebes

Die römische Mythologie bezeichnet die Göttin der Liebe, der Erotik und der Schönheit als Venus – das Pendant zur griechischen Aphrodite, der Mutter des Eros. Die wohl berühmteste Darstellung der Liebesgöttin, La naissance de Vénus, stammt von Sandro Botticelli, und zeigt sie als schöne Frau, nackt in einer Herzmuschel, dem Meer entsteigend. Eben dieses Bild verwendet Josef bei der Beschreibung seiner Mutter, und rückt sie damit in das Zentrum des Erosbereiches: „Manchmal steigt sie unter der Begleitung quakender Frösche aus dem grünen Wassertümpel wie die Venus aus dem Meer und hält ihre Hand, die voller Viehsalz ist, den leckenden Kälbern hin.“

Für Josef verkörpert seine Mutter die Liebe in der Welt seiner Kindheit. Diese Zuneigung überträgt er bisweilen auf die Magd des Hauses, die „wochenlang schweigen“ kann, und die er darum „manchmal sehr liebte“ – eine Sprachlosigkeit, die Josef an seine Mutter erinnert, und der er den dritten Band der Trilogie (Muttersprache) widmet. Auch gilt in Angstsituationen Josefs erster Gedanke seiner Mutter – ein Verhalten, das von einer engen, oder zumindest intakten Mutter- Kind Bindung zeugt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Vorbemerkung: Psychoanalytische Literaturwissenschaft: Einführung in die theoretischen Grundlagen der psychoanalytischen Herangehensweise an literarische Texte, insbesondere bei autobiographischem Material.

2. Psychischer Apparat und Trieblehre nach Freud: Erläuterung der Instanzenlehre (Ich, Es, Über-Ich) und der Dualität von Eros und Thanatos.

3. Begriffsklärung und Anwendung auf Winklers Der Ackermann aus Kärnten: Kontextualisierung des Dorflebens in Kamering und Anwendung der Triebtheorie auf die spezifische dörfliche Welt.

4. Der Ackermann aus Kärnten als Versuch einer Selbsttherapie: Untersuchung des Romans als Prozess der Aufarbeitung kindlicher Traumata und der Freisetzung verdrängter Inhalte durch freie Assoziation.

5. Eros und Thanatos. Sexualität und Tod als Motivik?: Reflektion über das untrennbare Verhältnis von Inhalt und Form im Werk und die Einordnung der Ergebnisse im Hinblick auf den "Sieg" von Thanatos.

Schlüsselwörter

Eros, Thanatos, Josef Winkler, Der Ackermann aus Kärnten, Psychoanalyse, Freud, Trieblehre, Lebenstrieb, Todestrieb, Verdrängung, Selbsttherapie, Identität, Kindheit, Kindheitstrauma, Literaturwissenschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Josef Winklers Roman „Der Ackermann aus Kärnten“ mithilfe psychoanalytischer Konzepte von Sigmund Freud.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Darstellung von Sexualität und Tod, verstanden als Eros und Thanatos, sowie deren Einfluss auf die kindliche Identitätsbildung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Auswirkungen unterdrückter Triebe in der Welt des Dorfes Kamering auf den Protagonisten zu untersuchen und das Werk als einen Versuch der literarischen Selbsttherapie zu deuten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf die psychoanalytische Literaturwissenschaft, wobei insbesondere Freuds Trieblehre und Traumdeutung als Analyseinstrumente dienen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil befasst sich mit der Rollenverteilung zwischen Elternfiguren, der Verbindung von Sexualität mit Gewalt und Tod, sowie dem Schreibstil als Ausdruck unbewusster Prozesse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Psychoanalyse, Eros, Thanatos, Triebunterdrückung, Kindheitserinnerungen und Selbsttherapie charakterisieren.

Wie werden Vater- und Mutterfigur in der Analyse gegenübergestellt?

Die Mutter wird als Repräsentantin des Lebenstriebes (Eros) und schützende Instanz begriffen, während der Vater als beängstigende Personifizierung des Todestriebes (Thanatos) und der dörflichen Repression interpretiert wird.

Welche Rolle spielt das Symbol des Kalbstricks?

Das Symbol des Kalbstricks dient als zentrale Metapher, in der Leben, Liebe, Gewalt und Tod in Winklers Erzählweise untrennbar ineinandergreifen.

Wird Winklers Werk abschließend als Sieg des Todestriebes gewertet?

Die Autorin hinterfragt diese einfache Bilanz und kommt zu dem Schluss, dass der Kampf zwischen Eros und Thanatos innerhalb des Schreibprozesses andauert und kein klarer Sieger feststellbar ist.

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Details

Title
Eros und Thanatos - Sexualität und Tod in Josef Winklers "Der Ackermann aus Kärnten"
College
University of Regensburg  (Philosophische Fakultät 4)
Course
Heimat und Identität im deutschen Roman der Gegenwart
Grade
1,3
Author
Christiane Abspacher (Author)
Publication Year
2006
Pages
29
Catalog Number
V56774
ISBN (eBook)
9783638513722
ISBN (Book)
9783638664868
Language
German
Tags
Eros Thanatos Sexualität Josef Winklers Ackermann Kärnten Heimat Identität Roman Gegenwart
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christiane Abspacher (Author), 2006, Eros und Thanatos - Sexualität und Tod in Josef Winklers "Der Ackermann aus Kärnten", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56774
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