Lyonel Feininger als Zeichner - die Karikaturen und Comics - mit einigen Anregungen zum Kunstunterricht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

23 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe

Inhalt

1. Biografie
1.1. Kurzer vollständiger Abriss
1.2. Die frühen Jahre als Karikaturist

2. The Kin-der Kids
2.1. Die Charaktere
2.2. Die Geschichte
2.3. Zum grafischen Aspekt

3. Wee Willie Winkies World
3.1. Der Charakter und die Geschichte
3.2. Weiterentwicklung und Umdeutung der grafischen Erkenntnisse aus „The Kin-der Kids“
3.3. Die Weiterentwicklung zum Bilderbuch
3.4. Der Bruch mit der Chicago Tribune
3.5. Der Aufbruch in die Malerei

4. Zur Verwendung der Comics im Unterricht
4.1. Niedrige Jahrgangsstufen
4.1.1. Übung 1: Gegenstände beleben
4.1.2. Übung 2: Figuren aus geometrischen Grundformen
4.2. Höhere Jahrgangsstufen
4.2.1. Praktische Übung 1: Figurenentwicklung
4.2.2. Theoretischer Ansatz
4.2.3. Praktische Übung 2: Ein alternatives Ende

5. Kurze Abschlussbemerkung

1. Biografie

1.1. Kurzer Abriss

Leonell Charles Feininger wird am 17.Juli 1871 als Sohn deutscher Einwanderer in New York geboren[1]. Beide Eltern sind Musiker, der Vater Geiger, die Mutter Sängerin und so soll der Sohn eigentlich Violine studieren. Mit 16 Jahren verlässt er die USA um seine Ausbildung in Deutschland zu beginnen. Der junge Leonell Charles interessiert sich jedoch mehr für die bildende Kunst und so erhält er von seinen Eltern schließlich die Erlaubnis zum Besuch der Kunstgewerbeschule in Hamburg. Bereits ein Jahr später wird er an der Akademie in Berlin aufgenommen. Kurz darauf entstehen die ersten Zeichnungen für Satiremagazine, die recht schnell auch seinen Lebensunterhalt sichern sollen. 1901 heiratet Feininger Clara Fürst, nur ein Jahr später kommt die erste Tochter Lore zur Welt und noch ein Jahr später die zweite Tochter Marianne. 1903 darf Feininger seine Zeichnungen in der Berliner Secession ausstellen. Er zieht nach Paris. 1905 tritt Julia Berg in sein Leben, für die er kurze Zeit später seine Frau verlässt. Ein Jahr darauf kommt der gemeinsame Sohn Andreas zur Welt, der später als Fotograf Bekanntheit erlangen wird. Ihm folgen 1909 der zweite Sohn Laurence und 1910 der dritte Sohn Theodor Lux. Im Jahr 1907 – beinahe 20 Jahre nach Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit – malt Feininger sein erstes Bild. In den folgenden Jahren beschäftigt sich Feininger – vor allem in Paris – intensiv mit den künstlerischen Strömungen und Tendenzen seiner Zeit. Die Nähe zu dem von Robert Delauny geprägten Orphismus, der mit seiner prismenartigen Aufspaltung der Bildmotive Feiningers spätere Werken formal nahe kommt, leugnet Feininger jedoch stark[2].

In der Folgezeit arbeitet Feininger malerisch, erste Erfolge stellen sich ein. Er pflegt Freundschaften zu Künstlerpersönlichkeiten wie Alfred Kubin und lernt wichtige Zeitgenossen kennen, unter ihnen die Brücke-Künstler Karl Schmidt-Rothluff und Ernst Heckel. In den folgenden Jahren stellt Feininger immer häufiger Architekturen und Stadtansichten in seinen Werken dar, die Menschen verschwinden. Er beginnt mit der prismenartigen Zerlegung, die seine Werke unverkennbar machen wird. Im Jahre 1919 wird das Bauhaus in Weimar durch Walter Gropius gegründet und Feininger wird dort als Dozent tätig. Sieben Jahre später zieht das Bauhaus nach Dessau um, wo es 1932 durch die Nationalsozialisten geschlossen wird. Lyonel Feininger wird unter dem nationalsozialistischen Regime auf die Liste der „entarteten Kunst“ gesetzt. Er beschließt Deutschland zu verlassen[3] und feiert nun in New York Erfolge mit seiner ersten Einzelausstellung in der East River Gallery. Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verbringt Feininger in New York als hoch angesehner und verehrter Maler und Dozent. 1956 stirbt er im Alter von 84 Jahren in New York – nach Deutschland war er selbst nach Ende des Zweiten Weltkriegs nie wieder zurückgekehrt.

1.2. Die frühen Jahre als Karikaturist

Bereits ein Jahr nach der bestandenen Aufnahmeprüfung in Berlin beginnt Feininger Karikaturen für die in der damaligen Zeit so beliebten Satire-Magazine und Witzblätter zu zeichnen und sich so sein finanzielles Auskommen zu sichern[4]. Anfangs offensichtlich hochmotiviert schreibt er in einem Brief an seinen Freund Churchill am 24.Juni 1893 „The comic papers shall be flooded with my drawings (this is a figure of speech)“[5] Die ersten Arbeiten fertigt Feininger für die Berliner Zeitschrift „Humoristische Blätter“. Allein im Jahr 1890 erscheinen dort 15 Zeichnungen[6]. Durch seinen Aufenthalt im College Saint Servais in Lüttich vom Herbst 1890 bis Frühjahr 1891 bricht die Zusammenarbeit mit den „Humoristischen Blättern“ ab.

In der neuen „alten Heimat“ angekommen, stellt sich für Lyonel Feininger schnell ein enormer Erfolg mit seinen Karikaturen ein. Trotzdem bleibt er New York immer sehr stark verbunden. In einem Brief an seinen Freund Kortheuer schreibt er bereits am 28. August 1890: „Wenn ich nach Amerika gehe, werde ich für „Life“ und ein paar andere Zeitschriften arbeiten und versuchen, dadurch mein Auskommen zu haben.“[7]

1894 gelingt ihm der Verkauf von neun Zeichnungen an „Harper and Brothers“ für das Blatt „Harper’s Young People“, das später „Harper’s Round Table“ heißen wird.[8]

Doch Feininger wird noch viel länger in Deutschland bleiben, als ihm zu diesem Zeitpunkt bewusst ist. Denn der Durchbruch als Karikaturist gelingt ihm mit der seit 1872 erscheinenden politisch-zeitkritischen Zeitschrift “Ulk”[9] für die er bis 1906 kontinuierlich arbeiten wird. Allein im ersten Jahr seiner Mitarbeit 1895 werden 70 Zeichnungen publiziert, im Jahr darauf sogar doppelt so viele[10]. Auch für die seit 1886 erscheinenden „Lustigen Blätter“ zeichnet Feininger von 1896 bis 1910 regelmäßig[11]. Hier bekommt er auch die Möglichkeit Strich und Fläche in seinen Darstellungen einzusetzen, da die „Lustigen Blätter“ bereits das Autotypie-Verfahren[12] im Druck anwandten. Neben diesen großen und langjährigen Aufträgen arbeitet Feininger auch für zahlreiche andere Blätter[13]. Unter ihnen waren das am Münchener „Simplicissimus“ orientierte Berliner „Narrenschiff“, die „Berliner illustrirte Zeitung“ und das seit 1901 in Berlin und München erscheinende „Schnauferl“, mit dem charmanten Untertitel „Fliegende Blätter für Sporthumor“. Auch über Berlin hinaus war Feininger tätig, z.B. für das literarisch-künstlerische Blatt „Der liebe Augustin“ in Wien, für die künstlerisch sehr hochwertige Münchener Zeitschrift „Licht und Schatten – Wochenschrift für Schwarz-Weiß-Kunst und Dichtung“ und für die 1906 gegründete französische Zeitung „Le Temoin“, die ihm schließlich durch die Unabhängigkeit von einer Redaktion das Loslösen von den alten zeichnerischen Fesseln ermöglicht. Hier beginnt langsam die Emanzipation Feiningers zum eigenständigen Künstler.

Seine Stellung zu den Karikaturen war immer ambivalent[14]. Einerseits gibt er in einem Brief an seinen alten Verleger Dr. Eysler 1924 rückblickend zu „Ich bin weit entfernt davon, die sehr wichtigen Entwicklungsjahre, die ich als „Witzblattzeichner“ durchmachte, gering zu halten – im Gegenteil! sie waren meine einzige Disciplinierung...“[15]. Doch hier ist natürlich erstens das milde Urteil über eine fast zwanzig Jahre zurückliegende Situation zu sehen und andererseits auch der Adressat des Briefes zu beachten. In der unmittelbaren Situation 1905, die Feininger immer wieder als qualvollen Zwang empfand, schreibt er an seine Frau Julia: „Gott vergib mir das schlechte Bild ... es steckt so viel in mir. Sei nur nicht traurig, dass ich auf diesem Wege mein Geld verdienen muss, anstatt mit Holz hacken oder sonst einem ehrlichen Gewerbe, das nicht die Begabung in einem schändet.“[16]

2. The Kin-der Kids

Doch Feiningers Vertrag mit dem Chicago Tribune soll ihn endgültig aus dieser Zwangslage befreien. Nachdem die deutschen „Witzblätter“ bis über den großen Teich Bekanntheit erlangt hatten, reist der Chefredakteur der Chicago Tribune James Keeley 1906 nach Deutschland, um die besten Zeichner für sein Blatt zu gewinnen.[17] Keeley trifft Feininger in Berlin und kann ihn für die Erstellung eines Comics verpflichten, der in den „comic supplements“ der Sonntagsausgabe erscheinen soll. Dieser Vertrag ermöglicht es Feininger letztendlich nach Paris zu gehen und von dort aus zu arbeiten. Er erinnert sich in einem Brief an seinen Freund Alfred Kubin Weihnachten 1912 : „...Dann plötzlich kam die Befreiung! Ein Kontrakt mit Chicago – der mir ermöglichte nach Paris zu übersiedeln und endlich einmal die Welt der Kunst kennen zu lernen! [...] Seit der Zeit ging mein Erwachen und meine Entwickelung schnell und stark vorwärts [...] und alles, was nur intuitiv und seit Jahrzehnten in mir verkümmert war (ja, unterdrückt, wegen der Verleger!), kam zur Entfaltung...“[18]

Feininger ist durch seine amerikanischen Wurzeln ein optimales Aushängeschild für die Chicago Tribune. Dementsprechend wird er auf der Ankündigung der neuen „Comic Supplements“, die am 29. April 1906[19] erscheint, als „famous german artist“ angepriesen

2.1. Die Charaktere.

Bereits in derselben Ausgabe werden die einzelnen Charaktere der Kin-der Kids vorgestellt. Auf der ersten Seite – der Ankündigung – stellt sich Feininger selbst als übergroßer Marionettenspieler dar, der die einzelnen Figuren an den Fäden hält[20]. Das Selbstporträt ist hier kein ungewöhnliches Mittel bedenkt man erstens Feiningers Status für die Tribune und zweitens dass er sich schon in früherer Zeit immer wieder in seinen Zeichnungen selbst verewigt hatte[21]. Die Comic-Supplements waren zwar für alle Altersgruppen gedacht, doch spricht Feininger vor allem Kinder direkt an wenn er sich als „Euer Onkel Feininger“[22] bezeichnet.

[...]


[1] Die biografischen Daten stammen aus: Hess 1959, S. 303 – 315.

[2] In einem Brief an Alfred Kubin vom 5. Oktober 1913 sagt er über Delauny: „Für eine Grösse aber, habe ich wenig Verständnis und sehe in den Arbeiten des Delauny nur sterile, verrannte, nicht einmal abgeklärte Versuche über physikalische Lichtprobleme.“ Luckhardt/ Faass 1998, S.23.

[3] „Ich fühle mich fünfundzwanzig Jahre jünger, seit ich weiß, dass ich in ein Land gehen werde, wo Phantasie in der Kunst und Abstraktion nicht als absolutes Verbrechen gelten, so wie hier.“ Schreibt Feininger in einem Brief an seinen Sohn Theodor Lux am 31. Mai 1937. Luckhardt/ Faass 1998, S.25.

[4] Auch die biografischen Daten in diesem Kapitel – sofern nicht anders angegeben – stammen aus Hess 1959, S.303 – 315.

[5] Deuchler 1996, S.21.

[6] Luckhardt, 1987. S.12.

[7] Luckhardt 1998: S.10.

[8] vgl. Luckhardt 1987 S. 14/ 15.

[9] [9] Luckhardt, 1987 S.16.

[10] Luckhardt 1987, S.19

[11] Luckhardt, 1987 S.25

[12] Die Erfindung der Autotypie 1881 macht den Abdruck grauer Farbflächen in Zeitungen möglich und birgt ungeheures Gestaltungspotenzial. Auch Feininger macht sich dieses Verfahren zunutze und wird es in der Folge meisterlich einsetzen. Vgl. Luckhardt 1987, S.14.

[13] Vgl. hierzu Luckhardt 1987, Kapitel I, S. 11 – 45.

[14] Ein Zeugnis hierfür ist auch, dass er die nach eigenen Ideen entstandenen Zeichnungen durch eine andere Signatur mit „Feininger erf.“ Von den Auftragsarbeiten abgrenzt. Vgl. hierzu Luckhardt 1998, S.12.

[15] Hess S.25.

[16] Luckhardt S.57.

[17] vgl. Luckhardt 1987 S.50 - 52

[18] Hess, S.38, 39.

[19] Luckhardt 1987 S.52

[20] Alle Beschreibungen des Comics stützen sich auf die deutsche Übersetzung in: Blackbeard Bill

[21] bereits 1897 war er in der Episode „der Ruhm“ im Ulk zu sehen. Luckhardt 1987 S.46. Zu den Selbstporträts vgl. Luckhardts Kapitel „Der Zeichner als Objekt: die Selbstproträts Feiningers in den Karikaturen“ Luckhardt 1987 S.46 – 50.

[22] Feininger trägt in seinem Selbstporträt einen entsprechenden Zettel mit dieser Aufschrift an seinem Ohr.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Lyonel Feininger als Zeichner - die Karikaturen und Comics - mit einigen Anregungen zum Kunstunterricht
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kunstpädagogik)
Veranstaltung
'Von der Bildergeschichte bis zu den Mangas - Comics als Unterrichtsinhalt der Kunstpädagogik'
Note
1,00
Autor
Jahr
2006
Seiten
23
Katalognummer
V56801
ISBN (eBook)
9783638513968
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Lyonel Feininger ist in erster Linie als Maler bekannt. Doch vor dem "Durchbruch" verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Zeichnungen, v.a. für Satiremagazine. Der Comic "The Kin-der Kids", den er für die Chicago Tribune fertigte, ist heute eine hochgeschätzte Rarität unter Sammlern. Die Hauptseminararbeit untersucht Feiningers Bedeutung als Zeichner, die Comics "The Kin-der Kids" und "Wee Willie Winkies World" und gibt Anregungen für die Verwendung der Comics im Kunstunterricht.
Schlagworte
Lyonel, Feininger, Zeichner, Karikaturen, Comics, Anregungen, Kunstunterricht, Bildergeschichte, Mangas, Unterrichtsinhalt, Kunstpädagogik“
Arbeit zitieren
Tanja Ludwig (Autor), 2006, Lyonel Feininger als Zeichner - die Karikaturen und Comics - mit einigen Anregungen zum Kunstunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56801

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