In der folgenden Arbeit soll untersucht werden, ob die Konzepte des "Ausgewogenen Wachstums" oder des "Unausgewogenen Wachstums" geeignete Methoden sind, einen Wachstumsprozess in unterentwickelten Ländern einzuleiten, der zu einer Annäherung führen wird, ohne die Wachs-
tumsraten der entwickelten Länder zu verringern. Die Gliederung dieser Arbeit orientiert sich an zwei Zielen. Die beiden Ansätze "Ausgewogenes
Wachstum" und "Unausgewogenes Wachstum" werden einzeln vorgestellt und anschließend in einer empirischen Analyse verglichen. In Kapitel 2 wird zunächst auf die Konzepte des "Ausgewogenen Wachstums" eingegangen, wobei
Argumente von verschieden Autoren berücksichtigt werden. Anschließend erfolgt mit der Kritik über das "Ausgewogene Wachstum"der Übergang zu Kapitel
3, welches die Konzepte und die Kritiken des "Unausgewogenen Wachstums" behandelt. In Kapitel 4 wird dann anhand empirischer Untersuchungen unter anderem überprÄuft, ob sektorale Gleichgewichte oder Ungleichgewichte vorteilhaft für die Wirtschaft sind und ob eine kombinierte Anwendung beider Strategien möglich ist. Abschließend wird dann in Kapitel 5 eine Zusammenfassung über die Ergebnisse dieser Arbeit gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ausgewogene sektorale Entwicklungspolitik
2.1 Das Beispiel der Schuhfabrik
2.2 Internalisierung externer Ersparnisse
2.3 Zentrale Planung
2.4 Theorie des “Big Push”
2.5 Strategiekritik
3 Unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik
3.1 Verkettungen
3.2 Komplementaritäten
3.3 Strategiekritik
4 Vergleichende Analysen
4.1 Preiselastizitäten der Nachfrage
4.2 Die Ergänzung beider Strategien
4.3 Empirische Untersuchung der Strategien
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob Konzepte des ausgewogenen oder unausgewogenen Wachstums geeignete Methoden darstellen, um Wachstumsprozesse in unterentwickelten Ländern einzuleiten und Einkommensunterschiede gegenüber Industrienationen zu verringern.
- Theorie des ausgewogenen Wachstums und ihre Kritik
- Strategien des unausgewogenen Wachstums (Verkettungen und Komplementaritäten)
- Vergleichende Analyse von Preiselastizitäten der Nachfrage
- Empirische Überprüfung der Wachstumsstrategien
Auszug aus dem Buch
2.1 Das Beispiel der Schuhfabrik
Rosenstein-Rodan hat diesen Sachverhalt anschaulich am Beispiel einer Schuhfabrik dargestellt.
Es wird angenommen, dass eine große Schuhfabrik errichtet wird, in der 20.000 vorher arbeitslose Arbeiter beschäftigt werden. Gäben diese Arbeiter ihr gesamten Einkommen für Schuhe aus, würde ein Markt für diese Produkte entstehen, der den bereits bestehenden Markt nicht stören würde. Das Problem ist, dass die Arbeiter nicht ihr gesamtes Einkommen für Schuhe ausgeben werden. Der Schuhfabrikant weiß dies und würde die Fabrik nicht errichten.
Wenn jedoch eine ganze Reihe von Industrien parallel errichtet werden würde, könnten die Arbeiter ihr Einkommen für viele verschiedene Produkte ausgeben und für alle Betriebe wird gültig, was für den Fall der einzelnen Schuhfabrik nicht galt: Die Produktion schafft sich ihren eigenen Markt und erhöht damit die Weltproduktion mit minimalen Störungen der bisherigen Weltmärkte.
Die geplante Errichtung dieses komplementären Systems von Industrien senkt nach Ansicht von Rosenstein-Rodan das Risiko, die hergestellten Waren nicht verkaufen zu können und da Risiko als Kostenfaktor angesehen werden kann, werden durch die geplante Errichtung Kosten reduziert.
Wie das Beispiel der Schuhfabrik zeigt und worauf bereits Young hinwies, können spezialisierte Unternehmen nur dann zunehmende Erträge realisieren, wenn ihre Produkte einen ausreichend großen Markt haben. Die Produktionsaktivitäten müssen in Proportionen zueinander stehen, wenn die Industrien durch Handel verbunden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmenden Einkommensunterschiede zwischen Ländern und führt die zwei zentralen theoretischen Strategien der Industrialisierung ein.
2 Ausgewogene sektorale Entwicklungspolitik: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des "balanced growth", welches auf simultane Investitionen setzt, um den Teufelskreis der Armut durch die Schaffung eigener Märkte zu durchbrechen.
3 Unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik: Hier wird die Strategie des "unbalanced growth" diskutiert, die gezielte Spannungen und Ungleichgewichte nutzt, um Investitionsanreize zu induzieren.
4 Vergleichende Analysen: In diesem Kapitel werden die Ansätze anhand von Nachfrageelastizitäten, theoretischen Ergänzungsmöglichkeiten und empirischen Studien gegenübergestellt.
5 Zusammenfassung: Die Zusammenfassung zieht ein Fazit über die Anwendbarkeit der Strategien und stellt fest, dass in der Praxis meist eine Kombination einzelner Aspekte beider Theorien die Entwicklungspolitik prägt.
Schlüsselwörter
Ausgewogenes Wachstum, Unausgewogenes Wachstum, Entwicklungspolitik, Industrialisierung, Big Push, Verkettungseffekte, Komplementaritäten, Externe Ersparnisse, Investitionen, Preiselastizität, Unterentwicklung, Kapitalbildung, Marktmechanismus, Infrastruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert und vergleicht die zwei zentralen entwicklungspolitischen Strategien des "ausgewogenen" und "unausgewogenen" Wachstums hinsichtlich ihrer Eignung zur Industrialisierung unterentwickelter Länder.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Investitionstheorien, die Rolle externer Ersparnisse, die Bedeutung von Marktstrukturen, Infrastrukturentwicklung sowie die Frage nach staatlicher Planung versus privatwirtschaftlicher Initiative.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt, ob das Konzept des ausgewogenen oder des unausgewogenen Wachstums eine geeignetere Methode ist, um einen nachhaltigen Wachstumsprozess in unterentwickelten Volkswirtschaften zu initiieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturanalyse, ergänzt durch eine Zusammenfassung empirischer Untersuchungen, die versuchen, die Korrelation zwischen sektoralen Ungleichgewichten und gesamtwirtschaftlichem Wachstum zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der zwei Wachstumsstrategien, deren jeweilige Kritikpunkte sowie einen Vergleichsteil, der theoretische und empirische Aspekte gegenüberstellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Ausgewogenes Wachstum, Unausgewogenes Wachstum, Industrialisierung, Verkettungseffekte, "Big Push"-Theorie und externe Ersparnisse.
Was besagt das "Big Push"-Modell in diesem Kontext?
Das Modell postuliert, dass aufgrund von Unteilbarkeiten eine Mindestinvestition in verschiedene Sektoren gleichzeitig erforderlich ist, um einen Sprung von einem vorindustriellen zu einem industrialisierten Zustand zu ermöglichen.
Warum kritisieren Autoren wie Hirschman das Konzept des ausgewogenen Wachstums?
Die Kritik richtet sich primär auf die praktische Durchführbarkeit, da ein Land, das in der Lage wäre, eine ganze Reihe von Industrien simultan zu errichten, bereits als entwickelt gelten würde.
Warum scheiterte die Strategie des unausgewogenen Wachstums laut Autor häufig in der Praxis?
Praktische Erfahrungen, etwa in Süditalien, zeigen, dass bereitgestellte Infrastrukturinvestitionen oft nicht die erhofften privaten Folgeinvestitionen nach sich zogen und somit als Fehlinvestitionen endeten.
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- Dipl. Ing. oec. Jan-Nicolas Garbe (Author), 2006, Ausgewogene vs. unausgewogene sektorale Entwicklungspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56813