Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einem speziellen "Beruf", den Sklaven unfreiwillig in der römischen Gesellschaft der Kaiserzeit ausübten: den der Ammen und Pädagogen.
Nach einem Überblick über die Quellenlage werden zunächst die Personen der Ammen und die zu betreuenden Kinder in ihrem persönlichen sozialen Umfeld vorgestellt.
Darüber hinaus wird auf das Beschäftigungsfeld und die rechtliche Lage der Ammen eingegangen.
In einem zweiten Teil erfolgt derselbe Vorgang bezüglich der Pädagogen.
Abschließend wird das Verhältnis zwischen den Ammen/Pädagogen und ihre Zöglingen anhand vorliegender Quellen analysiert und die Arbeit mit einem zusammenfassenden Fazit geschlossen.
Die Literaturlage zwingt, die Schwerpunkte der Arbeit ungleichmäßig zu verteilen, da die Forschung sich ausführlich mit den Ammen, dagegen kaum mit den Pädagogen befasst hat. Die Arbeit bezieht sich ausschließlich auf die Lage in Rom während der Kaiserzeit, insbesondere der ersten drei Jahrhunderte, da die Quellenlage besonders für diesen Zeitraum relevant ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Quellen
2.1. Literarische
2.2. Rechtliche
2.3. Epigraphische
3. Ammen
3.1. Die Person
3.1.1. Terminologie
3.1.2. Sklavinnen
3.1.3. Freie
3.1.4. Wertung
3.1.5. Voraussetzungen
3.2. Die Kinder
3.2.1. Freie
3.2.2. Sklavenkinder
3.3. Gründe der Beschäftigung
3.3.1. Bei freien Kindern
3.3.2. Bei Sklavenkindern
3.4. Aufgaben
3.4.1. Direkt nach der Geburt
3.4.2. Zu Hause
3.5. Rechtliche Stellung: Ammenverträge
3.5.1. Vertragsnehmer
3.5.2. Inhalt
3.5.3. Die αϑαντος-Klausel
4. Pädagogen
4.1. Terminologie
4.2. Die Person
4.3. Die Kinder
4.4. Gründe der Beschäftigung
4.4.1. Bei freien Kindern
4.4.2. Bei Sklavenkindern
4.5. Aufgaben
5. Verhältnis zu den Kindern
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die gesellschaftliche Rolle und das Beschäftigungsfeld von Ammen und Pädagogen im Rom der Kaiserzeit. Ziel ist es zu analysieren, welchen Einfluss dieses meist unfreiwillige Sklavenpersonal auf die Struktur der römischen Familie und insbesondere auf die Entwicklung der Kinder ausübte.
- Die Auswahl und medizinischen Anforderungen an antike Ammen
- Rechtliche Regelungen in antiken Ammendienstverträgen
- Soziale Herkunft und Status von Ammen und Pädagogen
- Pädagogische Erziehungsaufgaben und Einflussnahme auf Kinder
- Die besondere Beziehung zwischen Betreuungspersonal und Zöglingen
Auszug aus dem Buch
3.1.5. Voraussetzungen
Bei der Auswahl einer Amme forderten die Ärzte die Erfüllung zahlreicher Voraussetzungen. Die Kriterien, die auf die ideale Amme zutrafen, konnte man vor allem bei Soran, Galen und Oribasius nachlesen. Größtenteils überschnitten sich die Anforderungen der einzelnen Autoren oder waren zumindest ähnlich. Sorans Idealvorstellung einer Amme war eine Frau zwischen zwanzig und vierzig Jahren, die selbst schon zwei bis drei eigene Kinder haben sollte. Selbstverständlich musste sie das letzte Kind gerade erst zur Welt gebracht haben, am besten zwei Monate zuvor. Zu dem Zeitpunkt sei die Milch am geeignetsten. Sie sollte körperlich gesund und wohlgebaut sein, mit nicht zu kleinen und vor allem keinen schlaffen Brüsten. Wünschenswerte Charaktereigenschaften waren Klugheit, Reinheit, Sanftmütigkeit und liebevoller sowie erfahrener und souveräner Umgang mit Kindern. Soran begründet seine Forderungen mit vernünftiger Argumentation.
„Ein reifes Alter ist zu verlangen, weil allzu junge Personen noch keine Erfahrung in der Kinderernährung haben und auch sonst in ihrem Wesen noch zu leichtfertig und kindisch sind und allzu alte rauen wegen der Schlaffheit ihres Körpers nur wässrige Milch hervorbringen […]. Sodann ist eine gute, d.h. wohlgenährte und kräftige Konstitution zu verlangen, denn nur eine solche erträgt mit Leichtigkeit die Anstrengungen des Dienstes […]. Eine Griechin verdienet schließlich den Vorzug, damit das Kind gleich von vorneherein an die Laute der schönsten Sprache gewöhnt wird. […]“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die historische Bedeutung von Ammen und Pädagogen im antiken Rom und skizziert die methodische Vorgehensweise der Arbeit anhand der vorhandenen Quellenlage.
2. Quellen: Das Kapitel bietet einen Überblick über die zentralen literarischen, rechtlichen und epigraphischen Zeugnisse, die für die Untersuchung des antiken Ammen- und Erziehungswesens herangezogen werden.
3. Ammen: Hier wird detailliert die Rolle der Amme analysiert, unterteilt in die Person, die Zielgruppe der Kinder, die Gründe ihrer Beschäftigung, ihre Aufgaben sowie ihre rechtliche Stellung durch Verträge.
4. Pädagogen: Dieses Kapitel widmet sich dem Aufgabenfeld und dem Status der Pädagogen, von der Terminologie über die soziale Person bis hin zu den Gründen ihrer Beschäftigung und ihren pädagogischen Pflichten.
5. Verhältnis zu den Kindern: Es wird die emotionale und soziale Bindung zwischen dem Betreuungspersonal und den Zöglingen sowie die daraus resultierenden wechselseitigen Einflüsse untersucht.
6. Schlussfolgerung: Das Fazit fasst die gesellschaftliche Ambivalenz zusammen, dass Sklaven einerseits essenzielle Aufgaben in der römischen Oberschicht erfüllten, andererseits durch diese Arbeit jedoch die Chance auf einen sozialen Aufstieg oder Freilassung wahrnehmen konnten.
Schlüsselwörter
Amme, Pädagoge, Sklave, Römische Kaiserzeit, Kindererziehung, Ammenvertrag, Soran von Ephesos, Nutrix, Antike, Sozialstatus, Griechische Sprache, Kindesentwicklung, Rechtliche Stellung, Erziehung, Kindbetreuung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialen Rolle und dem täglichen Aufgabenbereich von Ammen und Pädagogen im römischen Kaiserreich.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Auswahl, den rechtlichen Bedingungen (Verträge), den Aufgaben sowie dem Einfluss dieses Sklavenpersonals auf die Erziehung der römischen Oberschicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Es soll untersucht werden, welchen Einfluss Ammen und Pädagogen als unfreiwillige Sklaven auf die Struktur römischer Familien und die Entwicklung der Kinder hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Analyse von antiken medizinischen Schriften, rechtlichen Urkunden (Papyri) und epigraphischen Grabinschriften.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert strukturiert die Person der Amme und des Pädagogen, Gründe für deren Anstellung, ihre konkreten Aufgaben bei der Versorgung und Erziehung sowie rechtliche Aspekte wie Arbeitsverträge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Amme, Pädagoge, Sklave, Römische Kaiserzeit, Kindererziehung, Ammenvertrag und soziale Integration.
Was besagt die αϑαντος-Klausel in den Ammenverträgen?
Diese Klausel regelte, dass bei einem Tod des Kindes während der Vertragslaufzeit die Amme den Lohn zurückzahlen musste oder im Falle eines Sklavenkindes dazu verpflichtet war, ein Ersatzkind zur Pflege zu übernehmen.
Warum wurden bevorzugt griechische Sklaven als Ammen oder Pädagogen gewählt?
Man versprach sich von griechischsprachigen Ammen und Pädagogen eine bessere elementare sprachliche und kulturelle Ausbildung der Kinder im Sinne der damaligen Hellenisierung.
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- Caroline Hauke (Author), 2006, Sklaven in der Antike: Ammen und Pädagogen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56854