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Das Ghetto. Erklärungsversuche anhand des jüdischen und des schwarzen Ghettos

Title: Das Ghetto. Erklärungsversuche anhand des jüdischen und des schwarzen Ghettos

Term Paper (Advanced seminar) , 2004 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Dipl.-Geograph Lars Wagenknecht (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
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Immer wieder ist, wenn sogenannte „Problemkieze“ thematisiert werden, in den Medien und Aussagen öffentlicher Meinungsträger vom Begriff des „Ghettos“ die Rede. Die betreffenden Stadtviertel gelten dann meist als „problematisch“, „gefährlich“ und „unregierbar“, oder werden oft auch als „soziale Brennpunkte“ bezeichnet. Ein solches Szenario wird schließlich mit negativen Attributen, wie beispielsweise dem „illegalen Handel mit Handys“, natürlich dem Verkauf und Konsum von Drogen und der Existenz von „Jugendbanden“ belegt. Ein Ghetto definiert sich demnach als ein Ort hoher Kriminalität, welcher von Verwahrlosungserscheinungen geprägt, meist im Zusammenhang mit einer hohen Ausländerkonzentration steht. Klar ist, dass sich derartige Schlagzeilen in den Zeitungen besser verkaufen, und dass Politiker, indem sie „Stimmung“ erzeugen, auf Wählerpotential hoffen. Im Endeffekt führt dies gedanklich allerdings zu einer Polarisierung des Stadtgebietes, mit der „urbanen Apokalypse“ auf der einen und dem „bürgerlichen Idyll“ auf der anderen Seite. Durch diese „Ghettoisierung in den Köpfen“ werden die als „unzivilisiert“ geltenden Quartiere stigma-tisiert. Die entstehende Grenze „signalisiert einen Defizitraum, ein Innen und Außen, sowie eine mögliche Gefahr bei deren Überschreitung“. Bei den Bewohnern des Viertels wird dadurch eine lokale Fluchtatmosphäre erzeugt, die zu selektiven Wegzügen derjenigen führt, die „das Leben im Quartier sozial und ökonomisch stabilisieren“. Zurück bleiben Arme, Alte und Ausländer, die das Stigma des Ghettos bestätigen.

Die Bedingungen in den betroffenen Gebieten sind natürlich nicht der über sie geführten Berichterstattung und Meinungsbildung geschuldet, allerdings können sie durch diese verstärkt werden. Ohne die vorhandenen Probleme zu ignorieren bzw. schön zu reden, wäre deshalb ein differenzierterer Diskurs zum Thema nötig. In der nun folgenden Arbeit soll der Begriff des „Ghettos“ hinterfragt werden. Anhand des historischen, „jüdischen Ghettos“ in Europa und des „schwarzen Ghettos“ in Nordamerika sollen Bedingungen erörtert werden, die eine Ghettobildung zur Folge haben und eine Anwendung des Begriffes rechtfertigen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Herkunft des Begriffes

3. Das jüdische Ghetto

3.1 Das freiwillige Ghetto

3.2 Das Zwangsghetto

4. Das schwarze Ghetto in Nordamerika

4.1 Entstehungsgeschichte

4.2 Das “Pre - Civil Rights - Ghetto

4.3 Das Hyperghetto

5. Wie entsteht ein Ghetto?

6. Gibt es Ghettos in Europa?

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit dem historisch und soziologisch belasteten Begriff des Ghettos auseinander. Ziel ist es, durch die Untersuchung des jüdischen Ghettos in Europa sowie des schwarzen Ghettos in Nordamerika die Bedingungen für Ghettobildung zu analysieren und zu hinterfragen, ob eine Anwendung des Begriffs auf aktuelle städtische Problemlagen gerechtfertigt ist.

  • Historische Herleitung und Begriffsdefinition des Ghettos
  • Die sozio-ökonomische Entwicklung des jüdischen Ghettos als Schutzraum und Unterdrückungsort
  • Die Entstehung und Transformation des schwarzen Ghettos in Nordamerika (vom "Pre-Civil Rights-Ghetto" zum "Hyperghetto")
  • Mechanismen der Segregation, Ausgrenzung und institutionellen Kontrolle
  • Vergleichende Analyse zur Anwendbarkeit des Ghetto-Begriffs auf europäische Städte

Auszug aus dem Buch

3.1 Das freiwillige Ghetto

Die Segregation der Juden in europäischen Mittelalterstädten lässt sich ursprünglich nicht aus einer Anordnung durch Kirche oder Staat heraus erklären. Die Entstehung des Ghettos war, wie oft geglaubt wird, keine Kreation der Autoritäten. Lange bevor sie dazu gezwungen wurden, lebten die Juden aufgrund ihrer religiös und weltlich verwurzelten Bräuche und Bedürfnisse separat im eigenen Viertel der Stadt. Denn nur hier besaßen sie die Möglichkeit ihren religiösen Grundsätzen zu folgen, sei es um Essen für bestimmte Rituale zuzubereiten, um eigenen Gesetzen zu folgen, um dreimal täglich in der Synagoge zu beten oder um an den zahlreichen Funktionen des Gemeinschaftslebens teilzunehmen. Ein weiterer Grund ihrer Separierung ist in der Tatsache zu sehen, dass die Juden eine eigene Berufsklasse darstellten, und einen anderen ökonomischen Status als die restliche Bevölkerung besaßen. Aber dennoch gab es natürlich, und im Gegensatz zu später, nicht wenige Juden die auch außerhalb dieser Viertel lebten. (vgl.Wirth,1928)

Das freiwillige Ghetto entwickelte sich dann schon teilweise zu einer administrativen Einrichtung in der Stadt, indem den jüdischen Bewohnern die Bildung eines eigenen Viertels unter formalem Schutz des lokalen Machthabers als Recht zugebilligt wurde. Denn schließlich fiel es diesem so auch leichter die Aufsicht und soziale Kontrolle über die Mitglieder der Gemeinschaft zu behalten, was nicht zuletzt auch die Eintreibung spezieller jüdischer Steuern vereinfachte. Durch die Verfestigung des Ghettos entstand schrittweise eine zunehmende soziale Distanz, welche die Juden vom Rest der Stadtbewohner isolierte. Einst persönliche und freundliche Beziehungen zu den Nachbarn reduzierten sich im Laufe der Zeit auf reine Geschäftsbeziehungen. Je deutlicher sich die noch unsichtbaren Barrieren verfestigten, und um so mehr sich das Leben der Juden von der sie umgebenden Welt weg bewegte, desto stärker erwuchs die Solidarität in der eigenen kleinen Gemeinschaft. Nur noch innerhalb des Ghettos fühlten sich die Juden frei, und konnten auf persönlichen Rückhalt bauen. (vgl.Wirth,1928)

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die problematische mediale und politische Verwendung des Begriffs Ghetto und fordert einen differenzierteren wissenschaftlichen Diskurs.

2. Definition und Herkunft des Begriffes: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herleitung des Begriffs und definiert das Ghetto als räumliche Isolation ethnischer oder sozio-ökonomischer Minderheiten.

3. Das jüdische Ghetto: Das Kapitel zeichnet die Geschichte der jüdischen Segregation nach, unterteilt in die freiwillige Gemeinschaftsbildung und die spätere zwangsweise Isolierung durch kirchliche und staatliche Autoritäten.

4. Das schwarze Ghetto in Nordamerika: Hier wird die Entwicklung der schwarzen Communities in den USA detailliert dargestellt, wobei der Prozess vom historischen Ghetto über das "Pre-Civil Rights-Ghetto" bis hin zum modernen "Hyperghetto" analysiert wird.

5. Wie entsteht ein Ghetto?: Dieses Kapitel abstrahiert die Bedingungen der Ghettobildung als Extremfall der Segregation durch ein Zusammenspiel interner Minderheitenkräfte und externer gesellschaftlicher Diskriminierung.

6. Gibt es Ghettos in Europa?: Abschließend wird geprüft, ob sich das Phänomen des Ghettos auf europäische Städte übertragen lässt, wobei der Autor dies aufgrund unterschiedlicher sozialpolitischer Systeme verneint.

Schlüsselwörter

Ghetto, Segregation, Soziale Isolation, Ethnie, Minderheiten, Stadtsoziologie, Diskriminierung, Hyperghetto, Nordamerika, Europa, Gemeinschaft, Ausgrenzung, Diaspora, Stadtentwicklung, Soziale Kontrolle.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische und soziologische Entstehung von Ghettos. Sie untersucht, wie ethnische Minderheiten durch soziale Distanz und gesellschaftliche Diskriminierung in räumlich isolierten Gebieten zusammenleben.

Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?

Die Schwerpunkte liegen auf dem jüdischen Ghetto in der europäischen Geschichte und dem schwarzen Ghetto in den USA, jeweils unter dem Aspekt der Segregation und institutionellen Ausgrenzung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, den Ghetto-Begriff kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwiefern er als analytische Kategorie für die heutige Stadtplanung und soziologische Forschung geeignet ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt einen historisch-vergleichenden Ansatz sowie eine Auswertung stadtsoziologischer Literatur, um Ghettostrukturen in verschiedenen Kontexten zu klassifizieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die historischen Transformationen jüdischer Ghettos in Europa und die ökonomisch-rassische Segregation im nordamerikanischen Kontext detailliert analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Ghetto, Segregation, soziale Isolation, institutionelle Diskriminierung sowie der Vergleich zwischen US-amerikanischen und europäischen Stadtstrukturen.

Wie unterscheidet sich das "Hyperghetto" von älteren Ghettoformen?

Das Hyperghetto ist laut Autor nicht mehr nur durch ethnische Trennung, sondern durch eine sozio-ökonomische Entkopplung vom Wirtschaftssystem und den Verlust der "Pufferfunktion" für die betroffene Minderheit gekennzeichnet.

Warum entstehen laut der Arbeit keine Ghettos in Europa?

Der Autor argumentiert, dass europäische Sozialstaaten sowie gezielte wohnungspolitische Schutzmaßnahmen (wie Mietregelungen) die Ausbildung extremer, räumlich segregierter und ökonomisch isolierter "Hyperghettos", wie sie in den USA existieren, weitgehend verhindern.

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Details

Title
Das Ghetto. Erklärungsversuche anhand des jüdischen und des schwarzen Ghettos
College
Humboldt-University of Berlin  (Sozialwissenschaften)
Course
Hauptseminar: ethnische Kolonien - Integration oder Abschottung?
Grade
1,3
Author
Dipl.-Geograph Lars Wagenknecht (Author)
Publication Year
2004
Pages
21
Catalog Number
V56885
ISBN (eBook)
9783638514545
ISBN (Book)
9783656447603
Language
German
Tags
Ghetto Isolation Umgebung Hauptseminar Kolonien Integration Abschottung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dipl.-Geograph Lars Wagenknecht (Author), 2004, Das Ghetto. Erklärungsversuche anhand des jüdischen und des schwarzen Ghettos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56885
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