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Generationengerechtigkeit im Sozialstaat Deutschland

Title: Generationengerechtigkeit im Sozialstaat Deutschland

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 59 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Christian Wenske (Author), F. Neumann (Author), T. Klette (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Seit einigen Jahren hält die Debatte über eine Generationengerechtigkeit Einzug sowohl auf politischer als auch auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Dennoch scheint es derzeit, als ob „Generationengerechtigkeit“ mehr ein wissenschaftlicher Begriff ist als ein ausgearbeitetes Konstrukt. Die Unklarheiten und Uneindeutigkeiten über das, was unter Generation, Gerechtigkeit und schließlich Generationengerechtigkeit zu verstehen ist, schränkt die Ausarbeitung eines allgemein eindeutigen Konzeptes von Generationengerechtigkeit stark ein. Dennoch liegen einige Vorarbeiten vor, die großes Interesse an einer Weiterentwicklung des Konzeptes der Generationengerechtigkeit vermuten lassen. Dabei bleibt der Diskurs nicht nur auf die Sozialwissenschaften beschränkt, sondern wird zudem auch in den Rechtswissenschaften, der Theologie, der Philosophie und weiteren wissenschaftlichen Disziplinen breit diskutiert. Die ausgearbeitete Leitidee der Generationengerechtigkeit soll wechselseitige Verantwortung sowie Verantwortung für zukünftige Generationen sicherstellen. Das Konzept der Generationengerechtigkeit steht in enger Verbindung mit dem Prinzip der Nachhaltigkeit, was vereinfacht mit “Rücksichtnahme“ auf zukünftige Generationen zu umschreiben ist. Dabei müssen Gesellschaft, Wirtschaft aber vor allem die Politik für eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen des Lebens sorgen, um Generationengerechtigkeit zu gewährleisten.

Excerpt


Gliederung

1 EINLEITUNG

2 GENERATIONENGERECHTIGKEIT

2.1 Gerechtigkeit

2.1.1 John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit

2.1.2 Gerechtigkeit und Solidarität

2.2 Begriff der Generationengerechtigkeit

3 GENERATION – BEGRIFFE, KONZEPTE, THEORIEN

3.1 Begriffe

3.1.1 Generation

3.1.2 Kohorte

3.1.3 Altersgruppe

3.1.4 Generationsbeziehungen und Generationsverhältnisse

3.2 Theorien

3.2.1 Theorie historischer Generationen

3.2.2 Kohortentheorie

3.2.3 Alterssoziologische Generationstheorie

3.3 Synthese: synchrones Generationskonzept qua Altersgruppen

4 GENERATIONEN UND WOHLFAHRTSSTAAT

4.1 Ein kurzer Exkurs über die verschiedenen Wohlfahrtsstaatsmodelle

4.1.1 Das sozial-demokratische Regime

4.1.2 Das liberale Regime

4.1.3 Das konservative Regime

4.2 Die Krise des Wohlfahrtsstaats

4.2.1 Der demografische Wandel und das Rentenproblem

4.2.2 Die Arbeitslosigkeit

5 DER SOZIALSTAAT DEUTSCHLAND – EINE HISTORISCHE UND QUALITATIVE ANALYSE

5.1 Die Anfänge des deutschen Sozialstaats im 19. Jahrhundert

5.2 Sozialstaatliche Reformen nach dem zweiten Weltkrieg in der BRD

5.3 Die gegenwärtige Situation

6 GERECHTIGKEIT IM SOZIALPOLITISCHE FELD ARBEIT

7 ALTERSSICHERUNG UND GENERATIONENGERECHTIGKEIT

8 GERECHTIGKEIT IM SOZIALPOLITISCHEM FELD BILDUNG

9 FAZIT

10 LITERATUR

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das sozialpolitische Handeln des deutschen Sozialstaates mit der Leitidee der Generationengerechtigkeit vereinbar ist. Ziel ist es, unter Einbeziehung theoretischer Konzepte zu Generationen, Gerechtigkeit und Wohlfahrtsstaatsmodellen zu analysieren, ob aktuelle Reformen und politisches Handeln die Gerechtigkeit zwischen verschiedenen Generationen fördern oder einschränken.

  • Theoretische Fundierung der Begriffe Generation, Gerechtigkeit und Solidarität.
  • Analyse verschiedener internationaler Wohlfahrtsstaatsmodelle (sozial-demokratisch, liberal, konservativ).
  • Untersuchung der Krise des Wohlfahrtsstaates durch demografischen Wandel und Arbeitslosigkeit.
  • Historische und qualitative Analyse des deutschen Sozialstaates seit dem 19. Jahrhundert.
  • Überprüfung der Sozialpolitik in den Feldern Rente, Arbeit und Bildung auf generationengerechte Aspekte.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit

Die Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls geht speziell auf die Beziehung zwischen verschiedenen Generationen ein. Er sieht in der angestrebten Gerechtigkeit zwischen den Generationen eine sittliche Aufgabe, bei der es hauptsächlich um die Verteilung von öffentlichen Gütern geht. Unter diese öffentlichen Güter fallen beispielsweise Sachkapital, Humanvermögen und bestimmte Institutionen. Das Bestehen dieser öffentlichen Güter ist abhängig vom Verhalten und Handeln bestimmter Generationen. Die ältere Generation muss beispielsweise die Verwaltung öffentlicher Güter übernehmen und so dafür sorgen, dass diese Güter für zukünftige Generationen vorhanden sind bzw. bleiben. Dieses Handeln wird von Rawls mit dem Begriff des Sparens beschrieben. Dieses Sparen ist dann wiederum ein öffentliches Gut, welches eine Art von vertraglicher Verpflichtung zwischen den Generationen darstellt. So ließe sich auch der Ursprung der Verwendung des Begriffs des Generationenvertrags erklären.

Bei der Begründung von Gerechtigkeit geht Rawls von zwei normativen Prämissen aus. Der erste Grundsatz besagt, dass jedermann gleiches Recht auf das umfangreiche Gesamtsystem gleicher Grundfreiheiten hat (Rawls 1979, 336). Der zweite Grundsatz lautet: „Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten müssen [...]unter der Einschränkung des gerechten Spargrundsatzes den am wenigsten Begünstigten den größtmöglichen Vorteil bringen, und sie müssen mit Ämtern und Positionen verbunden sein, die allen gemäß fairer Chancen offen stehen“ (ebenda). Die Mitglieder einer Gesellschaft einigen sich nach Rawls auf diese Grundsätze, da „die Beteiligten Vertreter von Nachkommenlinien sind, denen jedenfalls ihre näheren Nachkommen nicht gleichgültig sind“ (ebenda, 323).

Zusammenfassung der Kapitel

1 EINLEITUNG: Einführung in die Debatte um Generationengerechtigkeit als politisches Konstrukt und Definition der zentralen Forschungsfrage.

2 GENERATIONENGERECHTIGKEIT: Theoretische Auseinandersetzung mit Gerechtigkeitsbegriffen, insbesondere Rawls, sowie Definition des Begriffs der Generationengerechtigkeit.

3 GENERATION – BEGRIFFE, KONZEPTE, THEORIEN: Klärung und Abgrenzung der zentralen soziodemografischen Begriffe wie Generation, Kohorte und Altersgruppe sowie Vorstellung relevanter Theorien.

4 GENERATIONEN UND WOHLFAHRTSSTAAT: Einordnung der Generationenverhältnisse in den Kontext wohlfahrtsstaatlicher Modelle und Analyse der aktuellen Krisensymptome.

5 DER SOZIALSTAAT DEUTSCHLAND – EINE HISTORISCHE UND QUALITATIVE ANALYSE: Historische Nachzeichnung der Entwicklung des deutschen Sozialstaats von Bismarck bis heute.

6 GERECHTIGKEIT IM SOZIALPOLITISCHE FELD ARBEIT: Untersuchung der Auswirkungen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen auf die Generationengerechtigkeit unter Berücksichtigung des demografischen Wandels.

7 ALTERSSICHERUNG UND GENERATIONENGERECHTIGKEIT: Analyse der Rentenversicherung als Umlageverfahren und dessen Vereinbarkeit mit dem Konzept des Generationenvertrages.

8 GERECHTIGKEIT IM SOZIALPOLITISCHEM FELD BILDUNG: Untersuchung der Bildungspolitik als Zukunftsaufgabe und deren Rolle bei der Sicherung von Lebenschancen für junge Generationen.

9 FAZIT: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Beantwortung der Frage nach der Existenz einer generationengerechten Politik im deutschen Sozialstaat.

10 LITERATUR: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.

Schlüsselwörter

Generationengerechtigkeit, Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, Generationenvertrag, Altersgruppe, Kohorte, Gerechtigkeitstheorie, John Rawls, Demografischer Wandel, Rentenversicherung, Arbeitsmarktpolitik, Bildungspolitik, Solidarität, Nachhaltigkeit, Soziale Sicherung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, inwieweit das politische Handeln im deutschen Sozialstaat den Anforderungen der Generationengerechtigkeit entspricht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Alterssicherung (Rente), die Arbeitsmarktpolitik und die Bildungspolitik unter dem Gesichtspunkt des Verhältnisses zwischen den Generationen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, ob und in welchem Maße sich das sozialpolitische Handeln der Bundesrepublik Deutschland an der Leitidee der Generationengerechtigkeit orientiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung durch soziologische und philosophische Konzepte sowie eine historische und qualitative Analyse sozialpolitischer Entwicklungen und Gesetzgebungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Generationenkonzepte, die Typologie von Wohlfahrtsstaaten, die historische Entwicklung des deutschen Sozialstaats sowie die Analyse spezifischer Politikfelder.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den Schlüsselwörtern gehören Generationengerechtigkeit, Sozialstaat, Wohlfahrtsstaat, Generationenvertrag, demografischer Wandel und soziale Nachhaltigkeit.

Wie bewertet die Arbeit den „Generationenvertrag“?

Der Generationenvertrag wird als ein fiktiver Vertrag bzw. ein Umlageverfahren charakterisiert, das durch die Verpflichtung der Erwerbsaktiven gegenüber den Rentenempfängern zwar systemstabilisierend wirkt, aber bei demografischen Verschiebungen unter Druck gerät.

Welche Rolle spielt die Bildungspolitik für die Generationengerechtigkeit?

Die Bildungspolitik wird als Sozialpolitik der Zukunft betrachtet, da sie die Lebenschancen kommender Generationen bestimmt und entscheidend für die Sicherung des Humankapitals ist.

Warum ist die Unterscheidung von Generation und Altersgruppe wichtig?

Die Unterscheidung ist zentral, da viele sozialpolitische Maßnahmen – wie Renten- oder Bildungsansprüche – an das Lebensalter und nicht an die historische oder generationelle Zugehörigkeit im soziologischen Sinne geknüpft sind.

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Details

Title
Generationengerechtigkeit im Sozialstaat Deutschland
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Sozialwissenschaften)
Course
Sozialer Wandel und historischer Generationenbegriff
Grade
1,7
Authors
Christian Wenske (Author), F. Neumann (Author), T. Klette (Author)
Publication Year
2006
Pages
59
Catalog Number
V56886
ISBN (eBook)
9783638514552
ISBN (Book)
9783638721493
Language
German
Tags
Generationengerechtigkeit Sozialstaat Deutschland Sozialer Wandel Generationenbegriff
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Wenske (Author), F. Neumann (Author), T. Klette (Author), 2006, Generationengerechtigkeit im Sozialstaat Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56886
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