Die Einführung von Bildungsstandards in der Bundesrepublik Deutschland. Idee und Zweck einer Maßnahme zur Qualitätssicherung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
19 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. PISA und mehr: Die Bildungsmisere in Deutschland

3. Bildungsstandards
3.1 Wie funktioniert Bildungspolitik?
3.2 Was sind Bildungsstandards?
3.3 Wie sollen Bildungsstandards eingebettet werden?
3.4 Kriterien für praktikable Bildungsstandards
3.5 Warum Bildungsstandards in Deutschland?
3.6 Einführung von Bildungsstandards in Deutschland – Überblick über den aktuellen Stand der Implementierung

4. Bildungsstandards – pro und contra – ein Überblick über die aktuelle bildungspolitische Diskussion

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Erklärung

1. Einleitung

Nach dem wiederholt durchschnittlichem bis schlechtem Abschneiden der Bundesrepublik Deutschland in internationalen und nationalen Schulleistungsstudien ist das deutsche Bildungssystem in aller Munde. Viele verschiedene Maßnahmen, wie die Qualität und Leistung deutscher Schulen verbessert werden kann, werden nunmehr diskutiert. Es wird über die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems diskutiert; die Schulen sollen mehr Selbstständigkeit erhalten; Schulen sollen eigene Programme entwickeln; es werden Lernstandserhebungen, Kernlehrpläne und Bildungsstandards eingeführt. Dies um nur ein Paar der Maßnahmen und Ideen zu nennen, die in letzter Zeit stark diskutiert wurden.

In dieser Arbeit soll es um die Einführung von Bildungsstandards in der Bundesrepublik Deutschland gehen, also um eine der neuen Maßnahmen zur Qualitätssicherung im Bildungswesen. Ziel ist es zunächst einmal darzustellen, was Bildungsstandards sind, warum sie eingeführt wurden, was sie bewirken sollen und was bei der Implementierung der Standards zu beachten ist. Hierbei wird auch auf die Kernlehrpläne und andere Instrumente einzugehen sein, die mit den Bildungsstandards einhergehen. Dazu dient in erster Linie die Expertise des Bundesministeriums für Bildung und Forschung „Zur Entwicklung nationaler Bildungsstandards“.

Weiteres Ziel dieser Arbeit ist darzustellen, wie die Bildungsstandards in Deutschland angenommen worden sind und welche Probleme und Schwierigkeiten bei ihrer Implementierung auftreten. Hierzu werden vor allem die Ausführungen Prof. Dr. Wolfgang Böttchers dargestellt, der ein ebenso großer Unterstützer der Bildungsstandards, wie auch kritischer Beobachter ihrer Einführung in Deutschland ist.

Ergebnis dieser Arbeit soll es letztendlich sein, herauszuarbeiten, was bisher durch die Einführung von Bildungsstandards erreicht worden ist, aber auch, worauf es in den nächsten Jahren ankommen wird, um die Maßnahme zu einem Erfolg werden zu lassen.

2. PISA und mehr: Die Bildungsmisere in Deutschland

Die Kritik am deutschen Schulwesen wurde lange Zeit nicht ernst genommen, schließlich lagen auch kaum empirische Leistungsbefunde vor. Dies änderte sich mit dem Bekannt werden der Ergebnisse internationaler Schulleistungsstudien wie PISA, TIMMS und IGLU. Seitdem wird die bildungspolitische Diskussion in Deutschland stark bestimmt durch die Ergebnisse dieser Schulleistungsstudien. Die Analyse von aus ihnen gewonnenen Daten ist die Voraussetzung für zukünftiges zielgerichtetes Handeln, das auf Qualitätssicherung hin ausgerichtet ist.

Um die Probleme des deutschen Bildungssystems zu verdeutlichen, soll an dieser Stelle exemplarisch auf die Ergebnisse der PISA-Studie 2003 eingegangen werden:

PISA ist ein Projekt der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die ihre Mitgliedsstaaten und Partnerländer über Stärken und Schwächen der Bildungssysteme informieren will. An PISA 2003 beteiligten sich 41 Staaten, aus denen insgesamt ca. 250000 Schülerinnen und Schüler getestet wurden.

In den drei Kompetenzbereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften liegen die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler im internationalen Durchschnittsbereich, bei der die Fächer übergreifenden Kompetenz des Problemlösens liegt der deutsche Wert über dem OECD-Durchschnitt.

Unterschiede die sozioökonomische und soziokulturelle Herkunft betreffend, sind in Deutschland höher als in fast allen anderen Staaten eng mit Kompetenzunterschieden der Schülerinnen und Schüler verknüpft. Diese Koppelung von Merkmalen der sozialen Herkunft und Kompetenzunterschieden ist ein Problem der Chancengleichheit und ein Problem der Entwicklung von kognitiven Ressourcen.

Zwar zeigen die Ergebnisse von PISA 2003 im Vergleich zu PISA 2000, dass Veränderungen bzw. Verbesserungen im Gange sind. Dies sollte aber nur Anreiz und Motivation sein, die Maßnahmen zur Professionalisierung des Bildungswesens fortzusetzen, denn um die große Streuung der Leistungen zu reduzieren und jungen Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und ihrem Geschlecht vergleichbare Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, braucht es weiterhin neue Konzeptionen und Maßnahmen im Bildungssystem, die darauf hinwirken.

Eine dieser Maßnahmen zur Qualitätssicherung ist das Setzen von Bildungsstandards, um die es in der Folge gehen wird.[1]

3. Bildungsstandards

3.1 Wie funktioniert Bildungspolitik?

Die Zuständigkeiten für das Bildungswesen und die Kultur liegen in der Bundesrepublik Deutschland nach dem Grundgesetz vom 23.05.1949 im Wesentlichen bei den einzelnen Ländern, die im Rahmen dieser Kulturhoheit viele Freiräume und Gestaltungsmöglichkeiten haben. Um die Politik der Länder abzustimmen und zu koordinieren, gibt es die Kultusministerkonferenz: Durch sie sorgen die Länder in Belangen, die von Länder übergreifender Bedeutung sind, für das notwendige Maß an Gemeinsamkeit in Fragen der Bildung, Wissenschaft und Kultur.

Wesentliche Aufgabe der Kultusministerkonferenz ist es, in ganz Deutschland für die Lernenden, Studierenden, Lehrenden und wissenschaftlich Tätigen ein Höchstmaß an Mobilität zu sichern. Dazu gehören nicht zuletzt die Vergleichbarkeit von Abschlüssen und die Sicherung von Qualitätsstandards.[2]

War die Hochschul- und Forschungspolitik bisher von der Kulturhoheit der Länder ausgenommen, so darf man gespannt sein, welche Ergebnisse und Veränderungen die momentan voran schreitende Föderalismusreform mit sich bringt.

3.2 Was sind Bildungsstandards?

Bildungsstandards weisen die erwarteten Lernergebnisse konkret aus, beschreiben diese so, dass sie sich mit bestimmten Aufgaben überprüfen lassen und stellen so einen Unterschied zu den bisherigen Darstellungen in herkömmlichen Lehrplänen dar.

Die Bildungsstandards legen an Hand allgemeiner Bildungsziele fest, welche Kompetenzen Schülerinnen und Schüler bis zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Bildungsweges erworben haben sollen. Hierbei geht es um Kompetenzen wie Wissen, Fähigkeiten und Bereitschaft, die Schülerinnen und Schüler erwerben müssen, um grundlegende Anforderungen bewältigen zu können. Die Kinder sollen in die Lage versetzt werden, Aufgaben und Probleme in unterschiedlichen Situationen erfolgreich zu lösen. Bildungsstandards zielen daher nicht zuletzt auf die Vorbereitung zur Teilnahme am beruflichen und gesellschaftlichen Leben ab.

Die nationalen Bildungsstandards in Deutschland sind für alle Bundesländer verbindlich. Es handelt sich um so genannte Regelstandards, was meint, dass sie ein mittleres Anforderungsniveau beschreiben. Des Weiteren sind die Standards abschlussbezogen und von daher schulformübergreifend, weil sie für alle Schulen gelten, die einen entsprechenden Abschluss vergeben. Bildungsstandards sollen also das Niveau der Abschlüsse über die verschiedenen Schulformen und Ländergrenzen hinweg festlegen.

In Zukunft wird es eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Bildungsstandards geben. Perspektivisch sollen sie dann auch Kompetenzen auf verschiedenen Stufen ausweisen und beschreiben. Diese Kompetenzstufen sollen dann auffächern, in welcher Höhe Lernergebnisse von Schülerinnen und Schülern erreicht werden. Unterschieden werden kann bei diesen Kompetenzstufen dann zwischen Mindestanforderungen, die Schülerinnen und Schüler auf jeden Fall erreichen sollen (unteres bzw. hinreichendes Niveau), Regelanforderungen (durchschnittliches Niveau) und Spitzenleistungen (gutes und sehr gutes Niveau).

[...]


[1] Vgl. PISA-Konsortium Deutschland. PISA 2003 – Kurzfassung der Ergebnisse. Münster 2003, 1-5.

[2] Vgl. Leschinsky, Achim. Der institutionelle Rahmen des Bildungswesens. In: Cortina, K. S. et al. (Hrsg.). Das Bildungswesen in der Bundesrepublik Deutschland – Strukturen und Entwicklungen im Überblick. Reinbek 2003, 161+162.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Einführung von Bildungsstandards in der Bundesrepublik Deutschland. Idee und Zweck einer Maßnahme zur Qualitätssicherung
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Allgemeine Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Qualitätssicherungskonzepte schulischer Arbeit im
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
19
Katalognummer
V56900
ISBN (eBook)
9783638514651
ISBN (Buch)
9783638752282
Dateigröße
500 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einführung, Bildungsstandards, Bundesrepublik, Deutschland, Idee, Zweck, Maßnahme, Qualitätssicherung, Qualitätssicherungskonzepte, Arbeit
Arbeit zitieren
Christoph Braun (Autor), 2006, Die Einführung von Bildungsstandards in der Bundesrepublik Deutschland. Idee und Zweck einer Maßnahme zur Qualitätssicherung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56900

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