Das Rentensystem der Bundesrepublik Deutschland besteht aus drei Schichten, wobei die dritte Schicht – die Kapitalanlageprodukte – überwiegend in Form von Lebensversicherungen in Erscheinung tritt.
Nach Aussage von Herrn Dr. Bernhard Schareck, dem Präsident des Gesamtverbands Deutscher Versicherer, ist die Lebensversicherung seit Jahrzehnten die beliebteste Vorsorgeform in Deutschland, da sie ein sehr flexibles Modell der Altersvorsorge darstellt, welches sehr einfach den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen angepasst werden kann.2 Diese Aussage wird unterstützt wenn man die kürzlich veröffentlichen Zahlen des GDV betrachtet:
Im Jahr 2004 alleine wurden 12,5 Millionen neue Verträge abgeschlossen, was eine Veränderung zu 2003 von fast 35 % darstellt. Dieser rapide Anstieg ist aber nicht nur auf die Beliebtheit der Lebensversicherungen zurückzuführen sondern auf die einschneidenden Änderungen, die seit dem Jahr 2005 für Lebensversicherungen gelten, denn durch das Alterseinkünftegesetz ist die steuerliche Privilegierung von Lebensversicherungen vermindert worden. Wie diese Veränderungen aussehen, welche Besteuerungsvorschriften nach altem Recht gelten und welche Konsequenzen sich durch die Umgestaltung für den Einzelnen ergeben werden in dieser Arbeit aufgezeigt und verdeutlicht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen der privaten Lebensversicherung
2.1 Begriffsdefinition Lebensversicherung
2.2 Rechtliche Grundlagen
2.3 Wirtschaftliche Grundlagen
2.4 Allgemeine Begriffsbestimmungen
2.5 Grundtypen von Lebensversicherungen
2.5.1 Risikolebensversicherung (RLV)
2.5.2 Klassische Kapitallebensversicherung (KLV)
2.5.3 Fondsgebundene Lebensversicherung (FLV)
2.5.4 Private Leibrentenversicherung (PRV)
3. Die Besteuerung der privaten Lebensversicherung
3.1 Altverträge (bis 31.12.2004)
3.1.1 Definition Altverträge
3.1.2 Steuerliche Folgen
3.1.2.1 Grundsätzliche Steuerfolgen
3.1.2.1.1 Behandlung der Beiträge
3.1.2.1.2 Besteuerung der Leistungen
3.1.2.2 Steuerfolgen bei auserwählten Formen
3.1.2.3 Abschließender Überblick
3.1.3 Besteuerungsfragen bei vorzeitigem Ausstieg
3.1.3.1 Kündigung
3.1.3.2 Verkauf
3.2 Besteuerung von privaten Lebensversicherungen ab 2005
3.2.1 Versicherungen mit Sparanteil
3.2.1.1 Einzahlungsphase
3.2.1.2 Besteuerung in der Auszahlungsphase bei Einmalauszahlung oder in Form anderer wiederkehrender Bezüge
3.2.1.2.1 Ermittlung des Unterschiedsbetrags
3.2.1.2.2 Hälftiger Unterschiedsbetrag
3.2.1.2.3 Werbungskosten
3.2.1.2.4 Vorab-Steuerzahlung: Kapitalertragsteuer
3.2.1.2.5 Vergleichsbeispiele
3.2.1.3 Teilleistungen
3.2.1.4 Lebenslange Leibrente
3.2.1.4.1 Kapitallebensversicherung
3.2.1.4.2 Rentenversicherung
3.2.2 Risikoversicherungen
3.2.3 Mischformen
3.2.4 Verkauf und Kündigung von Lebensversicherungen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die Besteuerung privater Lebensversicherungsverträge in Deutschland unter Berücksichtigung der Änderungen durch das Alterseinkünftegesetz ab dem Jahr 2005. Ziel ist es, die steuerlichen Konsequenzen für Versicherungsnehmer bei verschiedenen Vertragsformen und Ausstiegsszenarien aufzuzeigen.
- Rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen privater Lebensversicherungen
- Unterscheidung und Besteuerung von Altverträgen (bis 2004) und Neuverträgen (ab 2005)
- Steuerliche Behandlung bei vorzeitigem Ausstieg durch Kündigung oder Verkauf
- Analyse von Versicherungen mit Sparanteil und Risikoversicherungen
- Systematik der Beitragszahlung und Leistungsbesteuerung
Auszug aus dem Buch
3.1.3.2 Verkauf
Bis 1999 hatten Versicherungsnehmer, die ihre Lebensversicherung vorzeitig liquidieren wollten, nur die Möglichkeit, diese bei ihrer Versicherungsgesellschaft zu kündigen, was mit teils erheblichen finanziellen Verlusten verbunden war. Der Schlussgewinn wird vom Versicherungsunternehmen teilweise erst zum Ablauftermin gutgeschrieben. Wird sie vorzeitig storniert, geht der Versicherungsnehmer leer aus. Der Versicherer zieht außerdem eine Stornogebühr ab und zahlt letztendlich nur den Rückkaufswert aus. Ist der Vertrag noch keine 12 Jahre alt, werden zudem Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag fällig. Seit 1999 gibt es eine lukrative Alternative zur Stornierung: den Policenverkauf. Mit der Gründung der cash.life AG wurde der Zweitmarkt für Kapitalversicherungen in Deutschland initiiert. Die Motivation des Policenhandels liegt in der Tatsache begründet, dass die von den Versicherern angebotenen Rückkaufswerte in der Regel sehr niedrig ausfallen. Ist die Rendite der Police attraktiv und erfüllt sie einige Grundkriterien, dann erlöst der Versicherungsnehmer durch den Verkauf einen Preis, der bis zu sieben, in Einzelfällen bis zu 15 Prozent über dem Rückkaufswert liegt - so bietet sich die Übereignung für beide Beteiligten an. Diese Kriterien können aufgrund von Steuereffekten bereits dann erfüllt sein, wenn der Kaufpreis dem eigentlichen Rückkaufswert entspricht. Veräußert nun der Versicherungsnehmer Ansprüche aus einem Lebensversicherungsvertrag, findet eine Nachversteuerung der von ihm als Sonderausgaben abgezogenen Versicherungsbeiträge nicht statt. Der Überschuss des Veräußerungserlöses über die eingezahlten Versicherungsbeiträge ist nicht steuerpflichtig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel erläutert das Drei-Schichten-Modell der Altersvorsorge in Deutschland und die zentrale Rolle der Lebensversicherung als flexible Vorsorgeform.
2. Die rechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen der privaten Lebensversicherung: Hier werden die Definition, rechtliche Rahmenbedingungen sowie die ökonomische Systematik der Beitragszahlung und der Grundtypen von Lebensversicherungen dargestellt.
3. Die Besteuerung der privaten Lebensversicherung: Dieses umfangreiche Hauptkapitel analysiert detailliert die steuerliche Behandlung von Altverträgen und Neuverträgen, inklusive der Besteuerung in der Auszahlungsphase und bei vorzeitigem Ausstieg.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Auswirkungen der steuerlichen Reformen auf die Attraktivität von Lebensversicherungsprodukten zusammen und fordert mehr Flexibilität von den Versicherern.
Schlüsselwörter
Lebensversicherung, Besteuerung, Alterseinkünftegesetz, Kapitallebensversicherung, Rentenversicherung, Sonderausgabenabzug, Rückkaufswert, Ertragsanteil, Kapitalertragsteuer, Unterschiedsbetrag, Policenverkauf, Altersvorsorge, Versicherungsleistung, Steuerprivileg, Sparanteil
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die steuerlichen Aspekte und Folgen von privaten Lebensversicherungsverträgen im deutschen Rechtssystem, insbesondere unter dem Einfluss des Alterseinkünftegesetzes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die steuerliche Behandlung von Beiträgen und Leistungen, die Abgrenzung zwischen Alt- und Neuverträgen sowie die steuerlichen Konsequenzen bei Kündigung oder Verkauf einer Police.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die steuerliche Situation für Versicherungsnehmer transparent zu machen und aufzuzeigen, wie sich verschiedene Vertragsgestaltungen und Ausstiegsszenarien auf die Steuerlast auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Gesetzesanalyse, ergänzt durch Beispiele zur Verdeutlichung der Berechnungslogik von Unterschiedsbeträgen und Steuerlasten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Besteuerung von Altverträgen (bis Ende 2004) sowie eine umfassende Betrachtung der neuen Regelungen für Neuverträge ab 2005, einschließlich Spezialthemen wie Teilleistungen und Leibrenten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Lebensversicherung, Besteuerung, Alterseinkünftegesetz, Unterschiedsbetrag, Sonderausgabenabzug und Rückkaufswert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Altverträgen und Neuverträgen steuerlich so wichtig?
Aufgrund des Alterseinkünftegesetzes gelten für Verträge vor dem 01.01.2005 andere steuerliche Privilegien als für Verträge, die danach abgeschlossen wurden; dies betrifft sowohl die Absetzbarkeit der Beiträge als auch die Steuerfreiheit der Erträge.
Welchen Vorteil bietet der Policenverkauf gegenüber der Kündigung durch den Versicherer?
Der Verkauf auf dem Zweitmarkt erzielt in der Regel einen deutlich höheren Erlös als der von der Versicherungsgesellschaft angebotene Rückkaufswert, bei gleichzeitig vorteilhafterer steuerlicher Behandlung für den Verkäufer.
- Quote paper
- Martin Thurner (Author), 2006, Die Besteuerung der privaten Lebensversicherung nach altem und neuem Recht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/56957