Die Arbeit geht der Frage nach, welche Sprintmerkmale sich für eine Talentprognose im 100 m Sprint eignen. Ist es überhaupt möglich, ein Talent frühzeitig zu identifizieren? Die Suche nach leistungsbestimmenden Merkmalen steht daher insgesamt im Mittelpunkt. Werden sie gefunden, müssen sie hinsichtlich ihrer Eignung für die Talentprognose im Sprint beurteilt werden. Ob Leistungskriterien letztlich auch Talentkriterien sind, wird diese Arbeit beantworten.
Auf der Suche nach leistungsbestimmenden Merkmalen wird zunächst auf den Talentbegriff eingegangen, der Hinweise gibt, in welcher Richtung ein Talent zu suchen bzw. zu finden sein könnte. Der Talentbegriff soll ein „ständiger Begleiter“ der Arbeit sein, um gefundene Merkmale in angemessener Weise einordnen zu können. Im Weiteren wird das Wesen des leichtathletischen Sprints analysiert. Anhand der aktuellen sportwissenschaftlichen Kenntnislage wird eine Betrachtung des Begriffs Schnelligkeit vorgenommen. Die somit erreichte Untergliederung der Schnelligkeit in ihre Bestandteile lässt Schlussfolgerungen auf leistungsrelevante Merkmale zu. Die Merkmale werden zunächst inhaltlich vorgestellt, um später im Ergebnisteil ihre mögliche leistungsbestimmende Relevanz zu bestätigen oder zu widerlegen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 TALENTBEGRIFF/ BEGABUNG
3 SCHNELLIGKEIT
3.1 elementare und komplexe Schnelligkeitsformen
3.2 Koordination
3.3 Muskelfasertypen
3. 4 Maximalkraft vs. Schnellkraft (horizontale/vertikale Sprungkraft)
4 ELEMENTARE UND KOMPLEXE SCHNELLIGKEIT
4.1 ELEMENTARE SCHNELLIGKEIT ALS LEISTUNGSVORAUSSETZUNG
4.1.1 Azyklische Schnelligkeit- Nieder- Hochsprung
4.1.2 Zyklische Schnelligkeit- Tapping
4.2 Komplexe Schnelligkeit als Leistungsvoraussetzung
4.2.1 Forschungsstand zur komplexen Schnelligkeit des Sprints der Erwachsenen
4.2.2 Interne Ordnung der Schnelligkeitsmerkmale der Erwachsenen
4.2.3 Forschungsstand zum Sprint des Nachwuchses
4.2.4 Prioritätenkatalog der Sprintfähigkeiten des Nachwuchses
5 ERGEBNISSE
5.1 Komplexe Leistungsvoraussetzungen/ Geschwindigkeits und Beschleunigungsverhalten: Sprintfähigkeiten
5.2 Interne Ordnung
5.3 Der Schnelligkeitsquotient
5.4 Ergebnisse Koordination
5.5 Ergebnisse Muskelfaserverteilung
5.6 Ergebnisse Maximalkraft/Schnellkraft
6 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, welche leistungsbestimmenden Merkmale im leichtathletischen 100-Meter-Sprint als zuverlässige Prädiktoren für eine Talentprognose bei Nachwuchsathleten dienen können. Dabei wird insbesondere analysiert, inwieweit sich sportwissenschaftliche Erkenntnisse über Erwachsene auf den Nachwuchsbereich übertragen lassen und welche Rolle elementare sowie komplexe Schnelligkeitskomponenten spielen.
- Analyse der Talentproblematik im deutschen Sprint-Nachwuchsbereich
- Differenzierung zwischen elementaren und komplexen Schnelligkeitsvoraussetzungen
- Untersuchung von Koordinationsfähigkeiten und Muskelfaserverteilung als Talentkriterien
- Evaluierung des Prioritätenkatalogs für Sprintfähigkeiten
- Kritische Würdigung der Prognosefähigkeit von Schnelligkeitstests
Auszug aus dem Buch
4.2.1 Forschungsstand zur komplexen Schnelligkeit des Sprints der Erwachsenen
Ballreich (1969) stellte verschieden starke Einflüsse der Sprintfähigkeiten über 100 m fest. Dabei kam er zum Schluss, dass die Reaktionsschnelligkeit zu 3%, die Sprintbeschleunigung und Sprintschnelligkeit zu 87% Und die Sprintausdauer zu 10% in die komplexe Schnelligkeitsleistung einfließen.
Der Forschungsstand zum Sprint der Erwachsenen kann nach Letzelter (2004) folgendermaßen zusammengefasst werden: 1. der Geschwindigkeitsverlauf ist nach dem Reaktionsabschnitt dreigeteilt a. Abschnitt mit ansteigender Geschwindigkeit b. Abschnitt mit annähernd gleich bleibender Geschwindigkeit c. Abschnitt mit abfallender Geschwindigkeit 2. tendenziell bestehen keine leistungsbedingten Unterschiede im Geschwindigkeitsverlauf, allerdings solche in der Länge 3. in der Länge des gleich bleibenden Geschwindigkeitsabschnittes bestehen keine Unterschiede zwischen besseren und schlechteren Läufern 4. schnelle Sprinter beschleunigen länger als langsamere 5. der negative Beschleunigungsabschnitt der langsameren Sprinter ist länger als der der schnelleren 6. schnellere Sprinter reagieren schneller als langsamere, die Reaktionszeit trägt aber nur zu einem geringen Teil zum Vorsprung im Ziel bei 7. bessere Sprinter haben eine bessere Startbeschleunigung als langsamere 8. weiterhin haben sie Vorteile in der Pick- up- Beschleunigung 9. je später der Übergang von der Startphase in die „freie Laufphase“ beginnt desto besser; schlechtere Sprinter beginnen mit der Phase des freien Laufs früher als bessere 10. höhere Beschleunigungsleistungen führen zu einer höheren Maximalgeschwindigkeit 11. im Endspurt vergrößern die besseren Sprinter ihren Vorsprung, da sie eine bessere maximale Sprintausdauer haben (maximale Sprintausdauer= Länge des positiven Beschleunigungsweges (vgl. Fuchs und Lames 1990) 12. Unterschiede in der Sprintausdauer rühren auch aus dem stärkeren Geschwindigkeitsabfall, also der submaximalen Schnelligkeitsausdauer (negativer Beschleunigungsweg) (vgl. Letzelter, 1994, S. 12-19, 57 – 59).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Darstellung der Problematik bei der Identifizierung von Sprinttalenten und Einordnung der Forschungsfrage in den sportwissenschaftlichen Kontext.
2 TALENTBEGRIFF/ BEGABUNG: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Talentbegriff unter Einbeziehung biologischer Anlagen und sozialer Interaktionsfaktoren.
3 SCHNELLIGKEIT: Systematische Definition der Schnelligkeit und Abgrenzung elementarer sowie komplexer Schnelligkeitsformen.
4 ELEMENTARE UND KOMPLEXE SCHNELLIGKEIT: Vertiefende Analyse der Leistungsvoraussetzungen im Sprint und Zusammenfassung aktueller Forschungsstände.
5 ERGEBNISSE: Detaillierte Auswertung von Leistungsdaten hinsichtlich Geschwindigkeitsverläufen, Koordination und Kraftfähigkeiten im Nachwuchssprint.
6 ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der Ergebnisse zur Prognosefähigkeit von Schnelligkeitsmerkmalen und Empfehlungen für die Talentdiagnostik.
Schlüsselwörter
Sprint, Talentprognose, Schnelligkeit, Leichtathletik, Nachwuchstraining, Leistungsvoraussetzung, Startbeschleunigung, Pick-up-Beschleunigung, Koordination, Muskelfasertypen, Maximalkraft, Schnellkraft, Sprintausdauer, Sportdiagnostik, Biomechanik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit befasst sich mit der Suche nach leistungsbestimmenden Merkmalen im 100-Meter-Sprint, die als verlässliche Indikatoren für eine frühzeitige Talentdiagnose im Nachwuchsbereich fungieren könnten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die physiologischen und motorischen Grundlagen der Schnelligkeit, die Bedeutung von Koordination und Kraft sowie die wissenschaftliche Validierung von Sprinttests bei Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob komplexe Schnelligkeitsmerkmale als Prädiktoren für sportliche Höchstleistungen geeignet sind oder ob andere, weniger leicht entwickelbare Kriterien für die Talentwahl priorisiert werden müssen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch und vergleicht existierende sportwissenschaftliche Untersuchungen und Längsschnittstudien zum Sprintfußball und zur Leichtathletik, um einen Prioritätenkatalog für Sprintfähigkeiten zu erstellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Talentbegriffs, eine detaillierte Analyse der Schnelligkeitsformen und die Auswertung von Daten zum Geschwindigkeits- und Beschleunigungsverhalten von Nachwuchsathletinnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Sprint, Talentprognose, Schnelligkeit, Koordination und Leistungsvoraussetzung definieren.
Warum ist die Talentprognose im Sprint so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der hohen Entwicklungsabhängigkeit der motorischen Fähigkeiten während der Pubertät, die eine direkte Übertragung momentaner Leistungen auf zukünftige Weltklasseergebnisse unzuverlässig macht.
Welchen Einfluss hat Krafttraining auf die Sprintfähigkeit?
Entgegen dem verbreiteten Vorurteil, dass Krafttraining langsam macht, belegt die Arbeit, dass Schnellkrafttraining und eine gute Maximalkraft wesentliche Voraussetzungen für hohe Beschleunigungswerte und optimale Sprintfähigkeiten darstellen.
Welche Rolle spielt die Muskelfaserverteilung?
Ein hoher Anteil an schnell zuckenden Fasern (FT-Fasern) gilt als genetisch bedingter, leistungsbeeinflussender Faktor, der theoretisch als starker Prädiktor für Schnelligkeitstalent dienen könnte, jedoch in der Praxis selten isoliert testbar ist.
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- Bachelor of Arts (B.A.), Master of education (M.Ed.) Mathias Teske (Author), 2006, Das Talent im leichtathletischen Sprint. Sprintmerkmale als Talentprognose, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57008