Kants Kritik der reinen Vernunft - Von dem Raume


Seminararbeit, 2005

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Eine kurze Einführung
A Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft
B Gliederung und Aufbau
C Klärung einiger notwendiger Begriffe

III Die transzendentale Ästhetik: Von dem Raume
A Metaphysische Erörterung
B Transzendentale Erörterung
C Folgerungen

I Einleitung

Es ist in dieser Arbeit weder meine Absicht die Kantsche Vorstellung vom Raume kritisch zu beleuchten, noch sie in irgendeinen Kontext, sei es nun historischer oder anderer Art, einzubetten, und sie so von einer „anderen/ neuen Perspektive“ einzusehen – zumal solch ein Vorhaben meine bescheidenen Kräfte bei weitem übersteigen würde – sondern es ist lediglich der Versuch die Kantsche Vorstellung von dem Raume, meinen Kräften gemäß, nachzuvollziehen und sie in eigenen Worten wiederzugeben, und wenn möglich somit leichter zugänglich zu machen.

Diese Absicht erfordert es, dass man der von Kant vorgelegten Gliederung folgt, und somit versucht seinen Schritten eins nach dem anderen nachzuspüren, um eine mögliche, gewisse Nähe zu seiner Denkungsart zu erheischen. Da wir jedoch zunächst wissen müssen, wo wir überhaupt stehen und wo wir uns im „Kritik der reinen Vernunft“ befinden, wenn wir „von dem Raume“ reden, so wird zu diesem Zwecke erfordert, dass wir einen „Lageplan“ skizzieren, um uns eine gewisse Orientierung zu verschaffen und hernach unsere Schritte richtig ausmessen zu können.

Doch zu allererst muss angemerkt werden, dass, so wie jede wissenschaftliche Arbeit sich einem bestimmten Zwecke widmet und eine gewisse Absicht verfolgt, auch die Kritik der reinen Vernunft somit notwendiger Weise ein gewisses Ziel zu erreichen beabsichtigt, welches zu erwähnen also vor allem anderen unsere Beschäftigung sein muss, damit wir eine möglichst stabile Grundlage zu einem gesunden und schlüssigen Ganzen geben können.

II Eine kurze Einführung

A Allgemeine Aufgabe der reinen Vernunft

„Wie ist Metaphysik als Wissenschaft möglich?“ Dies ist die Hauptfrage, welche Kant beschäftigt und dessen Klärung das Hauptanliegen seines Werkes ist. Dass die Metaphysik als Naturanlage jedem Menschen gegeben sei, stehe fest, und auch der gemeine Verstand würde sich mit metaphysischen Fragen bis zu einem gewissen Grade beschäftigen. Es ist also nicht die Frage, wie diese Naturanlage möglich ist, sondern ob diese, wie die Mathematik und die Naturwissenschaften es sind, als Wissenschaft möglich ist.

Was die Metaphysik überhaupt ist, wird zwar nicht per definitionem geklärt, aber wie folgt umschrieben:

„Die menschliche Vernunft hat das besondere Schicksal in einer Gattung ihrer Erkenntnisse: dass sie durch Fragen belästigt wird, die sie nicht abweisen kann; denn sie sind ihr durch die Natur der Vernunft selbst aufgegeben, die sie aber auch nicht beantworten kann, denn sie übersteigen alles Vermögen der menschlichen Vernunft… Der Kampfplatz dieser endlosen Streitigkeiten heißt nun Metaphysik.“[1]

Er bemerkt gleich zu Anfang des Buches, dass es den Wissenschaften, die sich als solche postuliert haben, nur dadurch möglich war „den sicheren Gang einer Wissenschaft zu gehen“, indem sie ihre Denkart in ihren wesentlichen Stücken umänderten. Damit also auch die Metaphysik, welches „eine der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft“ ist, diesen „sicheren Gang der Wissenschaften“ gehen kann sei es erforderlich, dass auch sie sich einer ähnlichen Revolution der Denkart unterwürfe. Es ist also das Anliegen, die Grenzen und den Umfang der Metaphysik abzustecken, da nur dann eine Wissenschaft möglich ist, wenn wir sie umfassen und also somit fassen können; des Weiteren sie durch Prinzipien zu festigen, welche als Grundsatz und Maßstab zu einer jeden metaphysischen Arbeit dienen sollen, und sie so „zu einem gedeihlichen und fruchtbaren Wuchse zu befördern“.

B Gliederung und Aufbau

Die Kritik der reinen Vernunft zerfällt in zwei Hauptteile, nämlich die transzendentale Elementarlehre und die transzendentale Methodenlehre. Beide zusammen ergeben nun den Gesamtbau, wobei die Elementarlehre die Materialien liefert, woraus dann die Methodenlehre jenes Lehrgebäude aufbauen soll.

Die Elementarlehre zerfällt in sich wiederum in zwei Teile: der transzendentalen Ästhetik und der transzendentalen Logik. Die transzendentale Ästhetik bespricht die Sinnlichkeit und ihre Prinzipien a priori, wobei gesagt wird, dass allein durch die Sinnlichkeit uns Gegenstände gegeben werden, wonach es erst möglich ist, dass sie gedacht werden können. Das Prinzip der Sinnlichkeit ist also das Prinzip der Rezeptivität (Fähigkeit) des Gemüts „Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden, zu bekommen“. Raum und Zeit nun sind die Bedingungen der Sinnlichkeit.

Die transzendentale Logik enthält eine Theorie des Denkens von gegebenen Gegenständen, und wird von der formalen und allgemeinen Logik abgegrenzt. Wo die Sinnlichkeit uns lediglich Anschauungen liefert, werden diese vom Verstande gedacht, woraus Begriffe entspringen. Die transzendentale Logik also beschäftigt sich mit den Prinzipien des Verstandes und seinen Begriffen.

Der zweite Hauptabschnitt nun, die transzendentale Methodenlehre, stellt den Plan und bietet die formalen Bedingungen zu einem vollständigen System der reinen Vernunft. Sie teilt sich in vier Abschnitte. Deren erster ist die „Disziplin der reinen Vernunft“, welches die Methoden feststellt, die nicht zum gewünschten Ziele führen und wovor man sich deshalb vorsehen muss. „Der Kanon“ zeigt hernach positiv, wie die Vernunft vorzugehen hat und was sie befolgen muss. Den architektonischen Plan der reinen Vernunft liefert der dritte Abschnitt: „Die Architektonik der reinen Vernunft“. Letztlich wird diesem neuen System sein Platz in der „Geschichte der reinen Vernunft“ zugewiesen.

C Klärung einiger notwendiger Begriffe

Es sind da gewisse Begriffe, welche wir vorab klären müssen, da ohne deren Kenntnis es nicht möglich ist die Kantsche Vorstellung von dem Raume einzusehen und sie nachzuvollziehen. Es sind ihrer fünf, nämlich: „a priori“, „a posteriori“, „analytisches Urteil“, „synthetisches Urteil“ und „Transzendenz“ und mithin: „transzendentale Erkenntnis“. Wir werden hierbei die lexikalischen Begriffsdefinitionen außer Acht lassen und uns lediglich an den Definitionen Kants richten, da es für unsere Zwecke nicht von primärer Wichtigkeit ist, was man allgemein unter diesen Begriffen versteht, sondern wie Kant sie begreift und benutzt.

A priori und a posteriori

Gibt es eine Erkenntnis, die unabhängig von Erfahrung und Sinneseindrücken ist, so ist dieses eine Erkenntnis a priori. Gesucht ist aber eine Erkenntnis, die rein a priori ist und nicht nur mittelbar. Mittelbar a priori ist z.B., dass man es ohne erst erfahren zu müssen weiß, dass ein Haus einstürzt, wenn man ihm die Stütze wegnimmt. Doch weiß man das nicht rein, sondern nur mittelbar a priori, da man es nur erfahrungsgemäß wissen konnte, dass die Körper schwer sind und fallen, wenn man ihnen die Stütze wegnimmt. Es soll daher nicht von dieser oder jener Erfahrung unabhängig, sondern „schlechterdings von aller Erfahrung unabhängig“ sein. Ein Urteil, welches a priori sein soll, muss gleichsam mit seiner Notwendigkeit gedacht werden und strenge Allgemeinheit besitzen. Ihnen entgegengesetzt sind die empirischen Erkenntnisse, „die ihre Quellen a posteriori, nämlich in der Erfahrung, haben“.

Analytische Urteile

Ein Urteil besteht notwendiger Weise aus einem Subjekt und einem Prädikat, welches von dem Subjekt ausgesagt wird. Wird nun mit dem Subjekt A das Prädikat B so gedacht, dass das Prädikat B (sei es auch nur versteckter Weise) in dem Subjekt A enthalten ist und nicht erst von außen dem Subjekt hinzugefügt wurde, so ist dieser Urteil analytisch: „Alle Körper sind ausgedehnt.“ Denn die Ausdehnung wird schon in dem Begriffe eines Körpers als notwendig enthalten gedacht und tritt gleich hervor, wenn wir den Begriff des Körpers in seine Teile zerlegen. Die Ausdehnung ist nichts was dem Körper von außerhalb erst zukommt, sondern etwas was in dem Körper schon enthalten ist, obschon nur als dunkel und versteckt. Man kann sich keinen Körper vorstellen, welcher nicht ausgedehnt ist.

Synthetische Urteile

Wird dem Subjekt A das Prädikat B von außen hinzugefügt, also so hinzugefügt, dass B als etwas ganz anderes als A es ist, an ihn herantritt, so ist dieser Urteil synthetisch: „Alle Körper sind schwer.“

Denn dass ein Körper schwer ist, kann ich nur erfahren und bekomme ihn nicht zu fassen, wenn ich allein den Körper in seine Teile zerlege. „Erfahrungsurteile, als solche, sind insgesamt synthetisch.“ Analytische Urteile kann man auch „Erläuterungsurteile“ und die synthetischen „Erweiterungsurteile“ nennen.

Transzendenz

In der Umkehrung des Begriffes „Transzendenz“ und „transzendental“ liegt die Revolution der Denkart, welches Kant betonte, ohne dessen Durchführung es nicht möglich sei die Metaphysik zu einer Wissenschaft zu erheben. Während man im Allgemeinen unter Benutzung dieses Wortes auf eine Welt verwies, welches jenseits aller Erfahrung liegt, lehnt Kant diesen Gedanken ab, da er meint, dass wir über solches „Übersinnliche“ nichts Fundiertes aussagen können. Auch Kant übersteigt zwar in seinen Erörterungen die Erfahrung, jedoch nicht indem er über sie hinausweist, sondern indem er vor sie zurücktritt:

„Ich nenne alle Erkenntnis transzendental, die sich nicht so wohl mit Gegenständen, sondern mit unserer Erkenntnisart von Gegenständen, so fern diese a priori möglich sein soll, überhaupt beschäftigt.“[2]

Das Transzendente bei Kant ist also das Prinzip der Möglichkeit etwas a priori zu erkennen.

III Die transzendentale Ästhetik: Von dem Raume

Wenn wir Kants Vorstellung vom Raume verstehen wollen, so müssen wir uns vergegenwärtigen in welches Begriffsumfeld er sie einbettet, d.h. wir müssen sehen wovon der Kantsche Begriff vom Raume umfasst wird, bevor uns daran machen zu erforschen, was es selbst umfasst. Wir müssen uns also zuvörderst die Frage stellen, was überhaupt die transzendentale Ästhetik sei, ohne welche zu verstehen es nicht möglich wäre die Erörterungen Kants über Raum und Zeit zu verstehen, da diese in der transzendentalen Ästhetik angesiedelt sind, oder anders formuliert, Raum und Zeit die transzendentale Ästhetik überhaupt ausmachen.

Die Beschaffenheit und den Zweck der transzendentalen Ästhetik kann man nicht treffender und eindringlicher formulieren, als Kant es selbst tat:

„Eine Wissenschaft von allen Prinzipien der Sinnlichkeit a priori nenne ich die transzendentale Ästhetik… In der transzendentalen Ästhetik also werden wir zuerst die Sinnlichkeit isolieren, dadurch, dass wir alles absondern, was der Verstand durch seine Begriffe dabei denkt, damit nichts als empirische Anschauung übrig bleibe. Zweitens werden wir von dieser noch alles, was zur Empfindung gehört, abtrennen, damit nichts als reine Anschauung und die bloße Form der Erscheinungen übrig bleibe, welches das einzige ist, das die Sinnlichkeit a priori liefern kann.“[3]

Hierzu eine kurze Erläuterung: Was ist Erkenntnis? Eine Erkenntnis ist immer Erkenntnis von etwas, also von Gegenständen. Doch damit wir eine Erkenntnis von Gegenständen haben können, müssen sie uns erst gegeben werden. Wie schon erwähnt geschieht dieses nur, insofern das Gemüt von Gegenständen affiziert, also beeinflusst wird. Doch um affiziert werden zu können, muss das Gemüt erst dazu fähig sein. „Die Fähigkeit, (Rezeptivität) Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegenständen affiziert werden, zu bekommen, heißt Sinnlichkeit“, welches allein uns Anschauungen liefert.

Begriffe jedoch haben ihren Ursprung im Verstande und sind somit lediglich eine zweite Stufe der Erkenntnis, denn damit Begriffe vom Verstande überhaupt gedacht werden können, müssen sie uns durch die Sinnlichkeit erst gegeben werden. Diese gegebenen Gegenstände werden zuerst im Gemüte angeschaut, welches die unmittelbare, also die erste Stufe der Erkenntnis der Gegenstände ist, auf welche Anschauung dann sich folglich alles Denken notwendiger Weise beziehen muss.

Empirisch heißt diese Anschauung dann, wenn sie sich „auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht“. Empfindung ist lediglich „die Wirkung eines Gegenstandes auf die Vorstellungsfähigkeit“. Das will sagen, dass es wiederum zwei Stufen der Anschauung gibt: Durch die Sinnlichkeit werden uns die Gegenstände nur ihrer Form und ihrem Gestalte nach gegeben; jedoch sobald man anfängt diese Formen und Gestalten näher zu „ertasten“, also in Anführungszeichen „zu schmecken“, so wirken sie auf die Vorstellungsfähigkeit, welches dann Empfindung geheißen wird. Die zweite Stufe der Anschauung ist also die empirische, welches sich „auf den Gegenstand durch Empfindung bezieht“. „Der unbestimmte Gegenstand einer empirischen Anschauung, heißt Erscheinung“.

[...]


[1] Kant, Immanuel; Kritik der reinen Vernunft; S. 5 ; Hamburg, 1998

[2] Ebd., S. 83

[3] Ebd., S. 95 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Kants Kritik der reinen Vernunft - Von dem Raume
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Philosophie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
19
Katalognummer
V57054
ISBN (eBook)
9783638515931
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kants, Kritik, Vernunft, Raume
Arbeit zitieren
Hureyre Kam (Autor), 2005, Kants Kritik der reinen Vernunft - Von dem Raume, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57054

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