Stottern im Kindesalter


Hausarbeit, 2006

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

1.) Einleitung

Kommunikation ist „der Prozess, in dessen Verlauf durch die Selektion, Organisation und Interpretation der Wahrnehmung sprachlicher, wie außersprachlicher Symbole dem eigenen oder dem Verhalten anderer Bedeutung zugemessen wird.“[1] Man kann Kommunikation auch als die Fähigkeit von Individuen bezeichnen, ihre Ideen und Gefühle anderen mitzuteilen, und mit diesen in Verbindung zu treten. Voraussetzung ist das gegenseitige Erkennen und Verstehen von sprachlichen Zeichen, folglich von Worten, die als Symbole dienen und deren Bedeutungen.

Kommunikation spielt sich sowohl auf einer (verbalen oder nonverbalen) Inhaltsebene, als auch auf einer Beziehungsebene ab. Somit ist Kommunikation ein wesentliches Grundelement jeder sozialen Beziehung, und als solches trägt es zur Sozialisation und Persönlichkeitsbildung von Kindern bei. Bei Sprach- bzw. Sprech-, Redefluss- oder Stimmstörungen treten Fehler auf der Inhaltsebene auf, wodurch die zwischenmenschliche Kommunikation beeinträchtigt wird, und sich folglich negativ auf die Beziehungsebene auswirkt. Man geht davon aus, dass sich bei etwa 80% aller Kinder während ihrer Sprachentwicklung Phasen unflüssigen Sprechens finden lassen.

Stottern, als Störung der verbalen Kommunikation, tritt im Vorschulalter sehr häufig auf, bei Jungen viermal so häufiger als bei Mädchen, und beeinträchtigt den Prozess der Sozialisation. Elternhaus, Kindertagesstätten und Grundschule tragen somit eine große Verantwortung für die sprachliche Entwicklung. Auffälligkeiten sollten frühst möglich erfasst und noch vor Schuleintritt behandelt werden, da (richtiges) Stottern im Schulalter zu einer Fehlentwicklung der kindlichen Persönlichkeit führen und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.

Die vorliegende Arbeit erläutert zunächst was Sprache ist und wie die Sprachentwicklung verläuft, und soll des weiteren einen Überblick über die Ursachen und die Symptomatik der Sprechstörung Stottern verschaffen, um im Schluss auf mögliche Therapieformen einzugehen.

2.) Was ist Sprache und wie verläuft die Sprachentwicklung?

Sprache ist das „Medium zur Übermittlung von Informationen“[2] und das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen. Sie besteht aus einer Reihe von Zeichen, die als Signale oder Symbole, einzeln oder kombiniert, nach festegelegten Regeln eingesetzt werden, und eine inhaltliche Übereinstimmung aufweisen. Es handelt sich quasi um eine Art Code, der von den Mitgliedern einer Sprachfamilie, eines bestimmten Kulturkreises, oder einer sozialen Gruppe nachvollzogen werden kann. Mit der bzw. unserer Sprache benennen wir mit Wörtern und in Sätzen Gegenstände/Dinge und Handlungen. Das Wort selber ist nicht der Gegenstand oder die Handlung, sondern nur Bedeutungsträger oder Symbol.[3]

Kleinkinder müssen über einen komplizierten Lernprozess erfassen, dass Wörter und Sätze bestimmte Vorgänge und Dinge symbolisieren. Wenn ein Kind diesen Zusammenhang erlernt hat, man spricht hierbei von Sprachverständnis, ist es in der Lage selbst Vorgänge und Dinge zu benennen. Hierbei spricht man von Sprechen oder Sprechverständnis, dem „Vermögen, richtige Laute zu erzeugen und daraus Wörter zu bilden.“[4] Der Terminus Sprache ist demzufolge der Oberbegriff für Sprachverständnis zum einen, und Sprechfähigkeit (aber auch Stimmklang) zum anderen.

Die Sprachentwicklung bei Kindern verläuft unterschiedlich, demzufolge muss stets neu entschieden werden ob Abweichungen von altersgemäßen Durchschnittswerten als Sprachentwicklungsstörung oder –verzögerung anzusehen sind.

Nach der Geburt und dem Reflexschrei des Neugeborenem, ist ab der 2. Woche gezieltes Schreien als Anruf oder Appell zu beobachten. Das zeitweise Schreien im 1. Monat ist für die Ausbildung der Atmungs- und Stimmorgane gesund. Neugeborene reagieren auf Geräuschquellen, deshalb kann leises Zureden auch beruhigend wirken.

Ab dem 2./3. Monat erzeugt das Kind primäres Lallen, sowie Gurgel-, Sprudel- und Schnalzlaute. Mit dem 4. bzw. 5. bis 7. Monat ist sekundäres Lallen, sowie Lautnachahmung zu beobachten. Das Kind erzeugt Echolaute, indem es seine eigenen nachplappert. Dadurch erlernt es die Laute anderer Personen nachzuahmen, was für die Sprachentwicklung wichtig ist. Ab dem 8. bis zum 12. Monat beginnt das Kind zu verstehen, dass mit Sprache bestimmte Handlungen oder Gegenstände in Zusammenhang gebracht werden.

Diese Phase wird auch Symbolverständnis genannt, in der das Lallen bzw. die Lall- und Lautfolge einen bestimmten Ausdruck und eine bestimmte Funktion hat. Es reagiert auf kleinere sprachliche Aufforderungen und kann Einwortsätze von sich geben. Im 13. bis 18. Monat gibt das Kind spontan und leicht abgewandelt die Spracherzeugnisse anderer Personen wieder, was auch als Echolalie oder Echosprache bezeichnet wird. Mit 1,5 bis 2 Jahren ist die sprachliche mit der geistigen Entwicklung soweit vorangeschritten, dass sich das Kleinkind anstatt der Einwortäußerung in Zweiwortsätzen und Wortaggregaten äußert.

Ab dem 2. Lebensjahr wird der Zweiwortsatz zu einem geformten Mehrwortsatz, die vom Satzbau her aber zumeist noch fehlerhaft aufgebaut sind. Bis zum 4. Lebensjahr ist das Kind in der Lage sich in einfachen Satzverbindungen, mit ersten einfachen Nebensätzen und Satzgefügen zu artikulieren.

Sind die Lebensumstände bisher günstig verlaufen, beherrscht das Kind im Alter von 4 bis 5 Jahren alle Laute und Lautverbindungen. Es ist in der Lage Sätze richtig zu bilden, mit Ausnahme geringer Regelverstöße. Mit 5 Jahren ist die Spracherlernung weitgehend abgeschlossen, die weitere Formung findet in der Schulzeit statt.[5]

Als sprachgestört wird ein Kind bezeichnet, „wenn es im Vergleich zu seiner Altersgruppe in seiner Sprachentwicklung zeitlich deutlich verzögert ist“, „es im Zusammenhang mit einer Entwicklungsbehinderung (einer körperlichen oder geistigen Behinderung) nur erschwert die Sprache erlernt“, oder „es zwar die wesentlichen Stufen der Sprachentwicklung altersgemäß durchläuft, aber gegen bestimmte Regeln der Laut-, Wort- oder Satzbildung verstößt.“[6]

3.) Stottern

3. 1. Definition und Formen des Stotterns

Stottern ist eine Blockade des Sprechablaufs durch mangelnde Koordination zwischen Atmung und Stimmgebung, mit teilweise spastischen Veränderung der Mund- und Gesichtsmuskulatur. Auch Dyspemie, Spasmophemie, Anarthria syllabaris, Balbuties oder Dysarthria syllabaris[7] genannt, bezeichnet es die Unfähigkeit, das ausgebildete Sprachverständnis und die mögliche Sprechfähigkeit unabhängig von Personen und Situationen jederzeit flüssig sprechend umzusetzen, was sich in Laut-, Silben- oder Wortwiederholungen äußert.

[...]


[1] Aus: Franke, Ulrike: Logopädisches Handwörterbuch; Seite 100-101.

[2] Ebd. Seite 167.

[3] Vgl.: Grunwald, Arnold: Sprachtherapie – Praktische Anleitung zur Diagnose und Therapie sprachgestörter

und entwicklungsbehinderter Kinder; Seite 11.

[4] Aus: ebd. Seite 11.

[5] Zusammengefasst aus: Franke, Ulrike; Seite 167 &

Grunwald, Arnold; Seite 11-13.

[6] Aus: Grunwald, Arnold; Seite 13.

[7] Vgl.: Demuth, Wolfgang: Klinische Praxis der Verhaltenstherapie – Psychodiagnostisches Vademecum und

Kasuistik häufig vorkommender psychischer und psychosomatischer Störungen; Seite 31 &

Seeman, M.: Sprachstörungen bei Kindern; Seite 255.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Stottern im Kindesalter
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V57103
ISBN (eBook)
9783638516358
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Stottern, Kindesalter
Arbeit zitieren
Christiane Berger (Autor), 2006, Stottern im Kindesalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57103

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