Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › German Studies - Modern German Literature

Die Darstellung des Volkes in Georg Büchners 'Dantons Tod'

Title: Die Darstellung des Volkes in Georg Büchners 'Dantons Tod'

Seminar Paper , 2000 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Torsten Halling (Author)

German Studies - Modern German Literature
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob in der Darstellung des Volkes in Büchners „Dantons Tod“ ein vollkommener Pessimismus hinsichtlich der politischen Handlungsfähigkeit des Volkes zum Ausdruck kommt. Dabei werden zunächst die unterschiedlichen mikro- und makroskopischen Perspektiven untersucht, die Büchner wählt, um ein möglichst vielfältiges Bild von der Pariser Bevölkerung in der Zeit der Jakobinerherrschaft zu entwerfen. Anschließend werden einige Figuren aus dem Volk, die von Büchner speziell hervorgehoben werden, betrachtet, um schließlich die Verwendung volkstümlicher Ausdrucksformen wie Lied, Witz oder Wortspiel in den Vordergrund zu stellen. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass Büchner in „Dantons Tod“ dem Volk durchaus sympathische Züge verleiht und Mitleid für seine materielle Not erkennen lässt, dabei jedoch vollkommen pessimistisch hinsichtlich seines revolutionären Potenzials ist. Als kollektiver öffentlicher Akteur erscheint das Volk unselbstständig, wankelmütig, beliebig manipulierbar und blutrünstig; im privaten Bereich stellen politisches Desinteresse, Triebhaftigkeit und die völlige Beschränkung auf individuelle Bedürfnisse seine wesentlichen Merkmale dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil

2.1 Verschiedene Perspektiven und Darstellungsweisen

2.1.1 Das leidende Volk

2.1.2 Das Volk als Masse

2.1.3 Das Volk als Bezugspunkt für die Protagonisten

2.1.4 Die Gesellschaft im Querschnitt

2.2 Besondere Einzelaspekte

2.2.1 Simon

2.2.2 Die Huren

2.2.3 Witze und Wortspiele

2.2.4 Volkslieder

3. Fazit

Zielsetzung und Forschungsfrage

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung des Volkes in Georg Büchners Drama "Dantons Tod". Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, ob Büchners Zeichnung des Volkes als Ausdruck eines totalen Pessimismus zu verstehen ist und ob das Volk tatsächlich als zu kollektivem revolutionärem Handeln unfähig dargestellt wird.

  • Analyse der unterschiedlichen Perspektiven und Darstellungsweisen des Volkes durch Büchner.
  • Untersuchung der Massenpsychologie und Manipulierbarkeit des Volkes im Kontext der Jakobinerdiktatur.
  • Betrachtung von Volksfiguren wie dem Souffleur Simon und den Huren als soziale Indikatoren.
  • Deutung der Rolle des Volkes als Kontrastfolie zu den Protagonisten Danton und Robespierre.
  • Kritische Auseinandersetzung mit der These der sozialen Determination und dem Fehlen einer revolutionären Einheit.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Das leidende Volk

Der erste Eindruck, den der Zuschauer vom Volk erhält, ist ein Bild unvorstellbaren Elends. Der Trunkenbold Simon beschimpft und verprügelt seine Frau, weil sie die Tätigkeit ihrer gemeinsamen Tochter „Sannchen“, die sich prostituiert, um die Familie finanziell über Wasser zu halten, nicht nur duldet, sondern auch unterstützt (Akt I, Szene 2). Anstatt, wie in der vorhergehenden Anfangsszene von Camille beschworen, „nackte Götter, Bacchantinnen, olympische Spiele“(S.7, Z.35) anzutreffen, erlebt man hier Alkoholismus, Prostitution und Gewalt – die weltfremden Visionen der Dantonisten werden somit als naive Utopie entlarvt.

Während Simon mit seinem aufgesetzten Pathos nur lächerlich und heuchlerisch wirkt, erscheint seine Frau, die derartige Ausbrüche ihres Mannes offenbar gewohnt ist, mit ihrer unromantischen Haltung wesentlich realistischer und vernünftiger: „sie ist ein braves Mädchen und ernährt ihre Eltern“ (S.10, Z.6f.). Diese Szene macht deutlich, dass sich die Liebe zwischen den beiden unter dem Druck des sozialen Elends niemals wirklich entfalten kann – ganz im Gegensatz zur Situation der reichen Frauen Julie und Lucile, die völlig in der Liebe zu ihren Männern aufgehen und diesen am Ende sogar freiwillig in den Tod folgen.

Der Ehekrach zwischen Simon und seiner Frau wird dann vom Ersten Bürger von der privaten auf eine politisch-moralische Ebene gehoben. Er betont, dass Simons Tochter für ihr Verhalten moralisch nicht verantwortlich gemacht werden könne, da es die Armut sei, die sie zu unmoralischem Verhalten zwinge: „Was tat sie? Nichts! Ihr Hunger hurt und bettelt.“ (S.10, Z.21). Er hat erkannt, dass ein Mensch, der derart unter seinem sozialen Elend zu leiden hat, unmöglich den bürgerlichen Tugendvorstellungen entsprechen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, skizziert die Bedeutung des Volkes als dritten Hauptakteur im Drama und definiert die leitende Fragestellung zur pessimistischen Sicht Büchners auf die revolutionäre Handlungsfähigkeit.

2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Facetten der Volksdarstellung, von der physischen Not über die Massenmanipulation bis hin zu sprachlichen Besonderheiten wie Witzen und Liedern.

2.1 Verschiedene Perspektiven und Darstellungsweisen: Dieser Abschnitt beleuchtet, wie Büchner das Volk durch verschiedene Linsen – als leidende Masse, als Manipulationsopfer und als Spiegel der Gesellschaft – präsentiert.

2.1.1 Das leidende Volk: Hier wird die soziale Not des Volkes als Triebfeder für sein Handeln und als Hinderungsgrund für moralische Tugenden untersucht.

2.1.2 Das Volk als Masse: Dieses Unterkapitel konzentriert sich auf die massenpsychologischen Aspekte und die Leichtigkeit, mit der das Volk durch Demagogie gesteuert wird.

2.1.3 Das Volk als Bezugspunkt für die Protagonisten: Die Analyse zeigt auf, dass sich sowohl Danton als auch Robespierre auf das Volk berufen, ohne es in seiner Realität wirklich zu begreifen.

2.1.4 Die Gesellschaft im Querschnitt: Hier wird der Blick über das "Volk" hinaus auf die gesamte gesellschaftliche Struktur in Paris erweitert, die durch Ziellosigkeit und Erotik geprägt ist.

2.2 Besondere Einzelaspekte: Dieser Bereich widmet sich spezifischen Elementen, die das Bild des Volkes im Drama maßgeblich formen.

2.2.1 Simon: Die Figur des Simon wird als Narrenfigur und Zerrspiegel für den Revolutionspathos der Anführer analysiert.

2.2.2 Die Huren: Die Untersuchung der Huren verdeutlicht die soziale Determination und die Unterwerfung unter den Überlebenskampf.

2.2.3 Witze und Wortspiele: Hier wird dargelegt, wie Humor dazu dient, die Diskrepanz zwischen Ideologie und Lebensrealität abzubilden.

2.2.4 Volkslieder: Dieses Kapitel zeigt, wie Lieder den Pessimismus und die Sinnlosigkeit des Daseins der Plebejer unterstreichen.

3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass Büchners Darstellung des Volkes trotz aller Kritik von tiefem Mitleid und einem realistischen Blick auf die Unmöglichkeit einer sozialen Revolution geprägt ist.

Schlüsselwörter

Georg Büchner, Dantons Tod, Revolution, Volk, soziale Not, Jakobinerdiktatur, Massenpsychologie, Pessimismus, Danton, Robespierre, Prostitution, Volkslieder, Klassenunterschiede, Demagogie, soziale Determination.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion des Volkes in Georg Büchners Revolutionsdrama "Dantons Tod" und analysiert, wie Büchner die revolutionäre Kapazität der breiten Masse bewertet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die soziale Not, die Massenpsychologie und Manipulierbarkeit, die Rolle von Sprache (Witze, Lieder) sowie das Verhältnis zwischen den revolutionären Führungspersonen und dem Volk.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, ob Büchner ein rein negatives, pessimistisches Bild vom Volk zeichnet oder ob seine Darstellung von einer tieferen sozialen Analyse und einem gewissen Mitleid geprägt ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine textimmanente Dramenanalyse, die durch den Einbezug historischer Quellen und literaturwissenschaftlicher Interpretationsansätze gestützt wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung verschiedener Perspektiven auf das Volk (Leid, Masse, Bezugspunkt, Querschnitt) sowie eine Analyse spezifischer Einzelaspekte wie Figuren (Simon, Huren) und rhetorischer Mittel (Witze, Volkslieder).

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Soziale Determination", "Massenpsychologie", "Revolution", "Dantons Tod" und den "Pessimismus Büchners" maßgeblich charakterisiert.

Inwiefern beeinflusst der historische Kontext das Bild des Volkes?

Der historische Kontext der Jakobinerdiktatur dient als Rahmen, in dem das Volk nicht als aktiver Gestalter der Geschichte, sondern als "Stimmvieh" und Opfer materieller Not dargestellt wird.

Warum spielt die Figur des Simon eine so zentrale Rolle?

Simon dient als Zerrspiegel der offiziellen Revolutionsphrasen; seine Figur macht deutlich, dass das Volk die großen Ideale der Anführer meist nur verzerrt und ins Groteske übersetzt aufgreift.

Excerpt out of 23 pages  - scroll top

Details

Title
Die Darstellung des Volkes in Georg Büchners 'Dantons Tod'
College
Free University of Berlin  (Deutsche und Niederländische Philologie)
Course
Proseminar "Georg Büchner"
Grade
1,0
Author
Torsten Halling (Author)
Publication Year
2000
Pages
23
Catalog Number
V57113
ISBN (eBook)
9783638516426
ISBN (Book)
9783638665148
Language
German
Tags
Darstellung Volkes Georg Büchners Dantons Proseminar Georg Büchner
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Torsten Halling (Author), 2000, Die Darstellung des Volkes in Georg Büchners 'Dantons Tod', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/57113
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  23  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint